AMERIKAFIBEL FÜR ERWACHSENE DEUTSCHE

– SACHBUCH –
Margret Boveri, AMERIKAFIBEL FÜR ERWACHSENE DEUTSCHE, Minerva-Verlag, 1946.
Bin im Besitz einer Originalausgabe, obwohl man dieses Buch innerhalb weniger Tage indizierte, allerdings geschah dies nicht nicht von amerikanischer Seite!
Nachtrag: Seit Kurzem wird es wieder verlegt, mir ist aber nicht bekannt, ob die Neuauflage der Zensur anheim fiel. Besitze aber vom alten Teil eine PDF-Ausgabe…

Zum Thema ein Kommentar aus dem Tagesspiegel, anschließend mein Senf dazu.

Finde ich herb, dass ROLAND BERBIG im TAGESSPIEGEL vom MITTWOCH, 6. JULI 2005, anlässlich des 30sten Todestages von Margret Boveri gerade mal einen Satz in sein Notebook hackte, was für meine Begriffe ihr wichtigstes Buch angeht – die „AME­RIKA-FIBEL FÜR ERWACHSENE DEUTSCHE“.
Dieses Büchlein scheint wohl vielen peinlich zu sein, sonst würde es sicher mal wieder verlegt werden, wie andere politische Betrachtungen der Dame. Kollidiert es etwa mit der politischen Korrektheit verantwortlicher Gutmenschen, die Angst vor der antiamerikanischen Schublade haben? Denen es nicht in den Kram passt, dass christliche Eiferer und Kriminelle das Sagen hatten, auf vielen Ebenen heute noch haben. Als vor ein paar hundert Jahren europäische Weißbrote den Kontinent besiedelten und sogleich begannen, die dortig ansässigen Rothäute gnadenlos zu eliminieren. Ich würde diesen Besiedelungs-Kollateralschaden Völkermord nennen! Nebenbei aber Unmengen von schwarzem Menschenmaterial aus Afrika importierten, es unter bestialischen Verhältnissen hielten und deren Arbeitskraft bis zum Umfallen ausquetschten.
Dies alles geschah unter dem Feigenblatt einer, sich im Selbstlauf, für sie zu recht geschnittenen Demokratie! Allerdings geht Frau B. auf beide, vorher erwähnten verbrecherischen Konflikte, auch nur in Nebensätzen ein.
M.B. stellt es schon recht ansehnlich dar, was gewisse Angehörige der kalkgesichtigen US-amerikanischen Sippschaft ununterbrochen dazu drängt, sich überall als Weltpolizisten zu profilieren. Wobei diese selbsternannten Demokratieverbreiter und Hüter allerdings immer nur ein recht dürftiges Selbstbewusstsein an den Tag legen, deshalb zwangsläufig, während ihrer ganz speziellen Problemlösungen, obendrein jegliche Sensibilität fehlen lassen!
Was DIE Amis immer noch nicht geschnallt haben, the times they are a-changin’, aber der Wandel betrifft in keinster Weise den homo sapiens! Denn jener Irrläufer der Natur befindet sich immer noch auf der Stufe von Jägern und Sammlern. Es haben sich in den vielen tausend Jahren seiner Evolution lediglich die Ebenen verschoben auf denen er lustwandelt.
Ein Muselmane, der auf Grund eines zugesicherten Freifahrtscheines beschließt, sich massenmörderisch ins Paradies zu bomben, um dort anschließend bei seinen vielen imaginären Jungfrauen anzudocken, ist für meine Begriffe, keinen Deut besser oder schlechter als die damaligen und heutigen christlichen Eiferer in Gods own country.
Für mich existiert dabei kein großer Unterschied, was unterm Strich ihre Kosten/Nut­zenrech­nungen betreffen, denn beide Seiten versuchen lediglich ihre Weltanschauung anderen aufzudrücken. Wobei ich zu dem Schluss gelange, diese Rechnung geht ebenso wenig zu Gunsten der Verfechter einer Demokratie christlichen Gebarens auf, auch wenn sie unaufhörlich mit Milliardenaufwand Militärmaschinerien in Gang setzen, damit ihr ideologisches Potential dann nachhaltig exportiert werden kann. Entsprechend ist die Metapher aus Vietnamkriegszeiten zu interpretieren, als das Pentagon den Auftrag erteilte, jenes südostasiatische Ländchen, mit Hilfe ihrer Luftwaffe, wieder in die Steinzeit zu befördern…
Auch mit Hilfe des Todes aus Ingelheim gelang es nicht, jenen frommen Wunsch in die Tat umzusetzen.
Witzigerweise konnte sich das erlauchte
Scheffchen selbiger Firma, später nicht daran erinnern, was in seiner Bude hergestellt wurde. Mit dem Gedächtnis haperte es auch anderweitig, als er frühere Jahre einfach unter Ulk verbuchte – die Zeit als Elite-Hitler-Junge in Wilmersdorf, wo er sich ab der 1930er im Schoeler-Schlösschen tummeln durfte
Nebenbei bemerkt, ein neuerlicher Völkermord schien der US-AF dann doch nicht das Gelbe vom Ei zu sein…
Schließlich ist es doch wesentlich effektiver, wenn ein blutjunger Mensch für seinen Glauben eine FREI­TOD ICH AG gründet. Jenes, von Sponsoren mit Semtex bestücktes Leibchen um­schnallt oder frei nach dem Motto westlich dekadenter ungläubiger Konsumenten handelt, welches da lautet: GEIZ IST GEIL, dazu die preiswertere Dynamitvariante wählt, um sich dann mit einem freudigen Ausruf: Allah o akbar 
(Jener Song ist von einem Südafrikaner. Den ich in den End1970ern, im Berliner Quasimodo ewig noch als Dollar Brand, am Piano erleben durfte…auf den Lippen, in die Massen stürzt, um dort große Mengen von Asphaltgyros zu produzieren…
Finde ich natürlich auch Scheiße, denn ich verachte jegliche Art von Missionierungen.
Allerdings als ZonengeschädigterDie Idee vom Sozialismus war ja nicht verkehrt, leider haperte es geringfügig bei ihrer Umsetzung! kommt mir UNSER ALLER Demokratur heute vor, wie ein eitriger Furunkel am Arsch reicher Industrienationen, beiläufig auch noch erheblich faschistoid… 

Zonenklaus-Ede, July 2005

VON ROLAND BERBIG – (TAGESSPIEGEL, 6. JULI 2005)

An ihrem Grab wollte sie keine Rede, nur Musik, am liebsten Schubert. Pfarrer Heinrich Albertz, vormals Westberliner Innensenator, hätte seinem Gemeinde­mitglied, der Journalistin Margret Bo­veri, gerne Abschiedsworte gesprochen. Das hatte sie sich verbeten. Wenige Worte des Geleits, zwei Psalmtexte, und damit genug.
Wer sich heute, dreißig Jahre später, ein Bild von dieser kleinen, resoluten und welterfahrenen Frau verschaffen will, geht auf Entdeckungsreise. Fotos von Margret Boveri, die am 14. August 1900 im unterfränkischen Würzburg ge­boren wurde, zeigen eine selbstbewusste Person: auf einem Kamel vor ägyptischen Pyramiden posierend, am Schreibtisch re­sidierend oder werkelnd im Steingarten ihres Hauses. Den Bildern ist kaum anzu­sehen, dass diese Frau für die politischen und kulturellen Wandlungen ihrer Zeit ein Sensorium besaß wie wenige. Ihr Va­ter Theodor Boveri, den sie liebte, und ihre Mutter, eine US-Amerika­nerin, die sie nicht liebte, waren bedeutende Zoolo­gen. Nach kurzem Probelauf in dieselbe Richtung riss Boveri das berufliche Ru­der herum, studierte Germanistik, Anglis­tik und Geschichte und promovierte an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Univer­sität über Sir Edward Grey, den briti­schen Außenminister im Ersten Welt­krieg. Sie legte ein gewaltiges außenpoli­tisches Archiv an, bereiste die Konti­nente, und füllte die Spalten renommier­ter Zeitungen und Zeitschriften.
Was auf den ersten Blick wie die Muster­karriere einer jungen Frau aussieht, be­darf auf den zweiten der Rechtfertigung. Denn Boveris Aufstieg vollzog sich im na­tionalsozialistischen Triumphjahr 1933, während der Gleichschaltung der Presse und der hemmungslosen Lösung der „jüdi­schen Frage”. Boveri blieb in Deutschland – bis zu ihrem Tod wurde sie deshalb ange­feindet. „Sie haben durch Verbleiben in Deutschland und durch Berichte für Deutschland”, wird ihr Uwe Johnson An­fang der Siebzigerjahre unwidersprochen vorhalten, „sich sowohl für Rassen­schande-Urteile wie die Intervention in Spanien erklärt in Form einer Stellung­nahme.” Die anfängliche Philosemitin, die mit Martin Buber korrespondierte und einen Artikel mit dem Titel „Selbstge­spräch über die Juden” verfasste, fühlte sich irgendwann sogar „reif für die Par­tei”, der sie aber nie beitrat. Selbst eine kurze Verhaftung 1935 mit einer Einver­nahme im Gestapo- Hauptquartier irri­tierte sie nicht.
Mit dem „Berliner Tageblatt” unter dem von ihr verehrten Paul Scheffer fand
Boveri 1934 einen Ort, der ihr die ge­wünschte Arbeitsmöglichkeit bot. Wer
die materialreiche Biografie von Heike B. Görtemaker liest, der bekommt eine Ahnung, was eine derart nüchterne, aufgeklärte, von liberalen Verhältnissen ge­prägte Persönlichkeit am Berliner Presse­ betrieb jener Jahre faszinierte: Man sah
das Räderwerk der Macht rotieren, er­ kannte dessen Wirkung und nährte doch
die Illusion, es gebe Nischen für geistige Schmuggelware zwischen den Zeilen.
Wie viel Welt Boveri auch sah zwischen Griechenland, Italien, dem Orient und aus dem Waggonfenster der Transsibiri­schen Eisenbahn, sie blieb an den Fäden nationalsozialistischer Machtausübung hängen. Wer will, kann ihr daraus einen Strick drehen.
Für die „Frankfurter Zeitung” war sie seit 1938 tätig. Im Herbst 1940 ging sie als Korrespondentin nach New York, wo sie zu Beginn des Zweiten Weltkriegs interniert wurde: Wenn jemand aus amerikanischer Sicht Misstrauen verdiente, dann Bo­veri. 1942 kehrte sie per Schiff nach Eu­ropa zurück, war in Portugal und Spa­nien tätig, um im März 1944 wieder nach Berlin zu ziehen. Dort fand sie in dem ho­hen Beamten Adam von Trott zu Solz ei­nen Gesprächspartner über ein Deutsch­land nach Hitler. Dass er im deutschen Wi­derstand war, ahnte sie wohl, erfahren hat sie es wahrscheinlich erst später.
In der Reichshauptstadt tobte die letzte Pressesäuberung der Nazis und wieder versuchte Boveri, von allen Übeln das Geringste zu wählen. Sie schrieb für „Das Reich” (über Amerika!), ein Blatt, mit dem Goebbels noch einmal die in Deutschland gebliebenen Intellek­tuellen binden wollte. Ihre Rundbriefe über Berlin 1945 wird Boveri 1968 veröf­fentlichen – zögernd, weil sie mit den Be­richten über die russischen Vergewalti­gungen nicht den Entspannungsprozess gefährden will: „Tage des Überlebens” beschert ihr etliche Preise.
Nach dem Kriegsende, das sie als Nie­derlage begriff, begann die zweite Kar­riere Margret Boveris. Ihre Amerika-Fi­bel für erwachsene Deutsche, 1946 veröf­fentlicht und von den US-amerikanischen Behörden verboten, entwarf ein nüchter­nes Bild von der Besatzungsmacht. Der Text polarisierte. Sein spiritus rector: Ernst Jünger. Die Fibel, schrieb Boveri an den zeitweilig maßlos Bewunderten, wäre „nicht in dieser Form geschrieben worden, wenn Ihre Bücher mir nicht ein neues Sehen beigebracht hätten.” Wie Jün­ger wollte sie sich keiner neuen Macht an­dienen und sah in der rückhaltlosen West­bindung, für die Konrad Adenauer stand, ein Verhängnis. Mit gleicher Entschieden­heit verurteilte sie die politische Entwick­lung im Osten. Als sich ihre kritische Hal­tung gegenüber Adenauer und Bonn he­rumsprach, lockte Pankow mit Einladun­gen verlockend war ihr das nie. Sie träumte vielmehr von einer deutschen Wiedervereinigung unter neutraler Flagge. Als sie 1951 einen Artikel an die „FAZ” schickte, in dem sie für die Deut­schen diesseits und jenseits des Eisernen Vorhangs eine politikfreie Zone forderte, ein Niemandsland der Gemeinsamkeit, war man dort schlicht entsetzt.
Die Gesellschaft, in die sie durch diese Haltung ge­riet, war Boveri nie ganz geheuer. Mit Recht spricht ihr Biograf Görtemaker daher vom Rückzug ins Feuilleton. Bo­veri ging an ihre große Arbeit über den Verrat im 20. Jahrhundert, die zwischen 1956 und 1960 in vier Teilen heraus­kam. Dem Verdienst dieses Kompendi­ums, über weite Strecken glänzend ge­schrieben, stehen gewichtige Einwände gegenüber: Man warf ihr vor, sie habe ei­nen Mann wie den hingerichteten Hel­muth Graf von Moltke zum „Verräter” gestempelt, aber den größten ausgelas­sen Hitler.
Die Kritik des jungen Jürgen Habermas, Boveri binde die Repräsentan­ten der „militanten Gegenaufklärung” (die Widerständler des 20. Juli einge­schlossen) an die konservative Revolu­tion und ignoriere die Gewissenshaltung, traf den neuralgischen Punkt des Buchs.
Unterdessen hatte Boveri sich ihren Platz in der bundesrepublikanischen Pres­selandschaft erobert. Man wollte sie er­neut ins Ausland schicken. Sie jedoch un­ternahm 1965 mit ihrem provokanten Buch „Wir lügen alle. Eine Hauptstadtzei­tung unter Hitler” den heiklen Versuch, die journalistische Ära vor 1945 vom Vor­wurf nationalsozialistischer Gleichschal­tung zu befreien. Auf Boveris letztes Le­bensjahrzehnt fällt wiederum helles Licht. Mit der Gestalt John F. Kennedys wandelte sich ihr Amerika-Bild, Brandts Ostpolitik war ihr Bestätigung, und in der Begegnung mit Uwe Johnson entdeckte sie sich selbst noch einmal neu. Die Foto­grafien jener Zeit zeigen eine schön gewor­dene alte Frau. Dem Schriftsteller ver­traute sie ihre Lebensaufzeichnungen an, dem Ehepaar Johnson stand sie auch bei kritischen Fragen Rede und Antwort.
Johnsons Wort „Frau Boveri wusste zu­viel” ist weise. Wie ein Leitspruch steht es über einem Leben, für das der einfache Nenner fehlt, auf den es zu bringen wäre.

  • Neu erschienen sind: Margret Boveri: Tage des Überlebens. Berlin 1945. wjs Ver­lag, Berlin. 328 S., 22 €.
  • Margret Boveri: Wüsten, Minarette und Moscheen. Im Auto durch den alten Orient. wjs Verlag, Berlin. 208 S., 19,90 €.
  • Heike B. Görtemaker: Ein deutsches Leben. Die Geschichte der Margret Boveri. 1900-1975 C. H. Beck, München. 416 S., 26,90f.
  • David Dambitsch: Eine Dame von Welt. Die politische Journalistin Margret Boveri (1900-1975). Air Play-Audio. (Hörbuch)

DIE ZEIT, 24. Oktober 1946

Cicero neuzeitlich: Das Gespenst des Patriotismus

Ein Gedanke zu „AMERIKAFIBEL FÜR ERWACHSENE DEUTSCHE

  1. Micha

    Ist schon interessant, was die Journalistin sich da damals aus den Fingern gesogen hat. Gerade in Hinblick, was heutzutage geschriebselt wird … Jedenfalls von Ideologieferne eigentlich nur vorbildlich. Das mit der amerikanischen Mentalität wird mir auch klar, ob es nun die Waffennarren da drüben sind oder generell die sehr vereinfachte Weltsicht. Fielleicht am besten mal einfach absägen, die Lehne. Und fertig ist der vierbeinige Hocker!

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