13. VIII. 1961 – 3. Teil und Rest

Mit diesem Politschmöker gab sich das BUNDESMINISTERIUM FÜR GESAMTDEUTSCHE FRAGEN sehr viel Mühe. Der Namen dieser Bonner Institution belustigt mich immer wieder: „…für gesamtdeutsche Fragen“, wo blieben aber in den ganzen Jahren die Antworten?
Dafür haben alle Beteiligten, was Mauer und Zaun anging, in Ost und West ihre dünne, populistische Suppe gekocht. Dabei hätte der Westen die Zone am ausgestrecktem Arm verhungern lassen können, dass es nicht geschah – war halt die große Politik.
In jenen Zeiten begnügten sich die gemeinen Plebse im Wessiland damit, eine brennende Kerze ins Fenster zustellten, um bei entsprechenden Anlässen ihren glühenden Protest gegen das „zowjetzonale Ulbrichtregime“ (O-Ton: Conny A.) auszudrücken. War für die Leute anno dazumal richtige Action, wenn sie in Gedanken der hungernden Brüdern und Schwestern in der Ostzone gedachten. Brachte zwar nichts, aber der ideelle Wert war unermesslich groß.
Wie in heutigen Tagen, wenn riesige Menschenketten auf den Straßen herumlungern und sich an Kerzchen festhalten. Früher musste Mutti lediglich 8 geben, dass die Gardinen nicht abbunsten.
Heute ist es nicht mehr so anonym, richtig familiär, wenn sich Massen auch gegenseitig ihre Betroffenheitslarven illuminieren. Was doch nichts weiter bedeutet: „Seht her! Wir zeigen mutig unser Gesicht, obwohl wir sonst zur schweigenden Mehrheit gehören.“ Kommt auch nicht so faschistoid rüber, wie jene Meute, die lautstark mit brennenden Fackeln, trunken durch Häuserschluchten wankt…
Gleich nach dem Mauerbau gab der DGB die Parole raus: „Wer S-Bahn fährt, finanziert Ulbrichts Stacheldraht!“ Dieser Spruch war nicht ganz koscher, schließlich machte der Westen für die Lieferungen von Stacheldraht, Streckmetall und sonstigem Equipment einen guten Deal. Diese und andere halbseidenen Hurengeschäfte zwischen beiden deutschen Reststaaten, wurden über Drittländer abgewickelt, Jugos und Skandinavier standen dafür immer in den Startlöchern…
Die Ostdeutschen Kommunisten scheuten keine Kosten für ihre, mit Stacheldraht vernähte Politnarbe quer durch Berlin. Schließlich erlangte ihre senkrechte, einspurige Autobahn so etwas wie einen Kultstatus, ähnlich des Vatikans für Katholen.
Da konnte schon ein gewisser Stolz aufkommen. Wurden doch die ungefähr 40 Kilometer innerstädtische Mauer, von insgesamt 100 engl. Landmeilen Berliner Grenze, nur noch getoppt von einem etwas älteren Bauwerk in der inneren Mongolei, dass man der Legende nach, sogar vom Mond aus sehen konnte. Vielleicht ist es der einzige Grund, dass die Regierenden in Ostberlin im Laufe der Zeit ihren ganzen Ehrgeiz daran setzten, es den Chinesen gleichzutun, weshalb dieses Betonmonstrum immer höher wurde. Kann ich mir schon vorstellen, Onkel WU, oder Honni hätten sich doch ein zweites Loch in ihre Ärsche gefreut, wenn bei einer Life-Schaltung vom Mond, die sowjetischen Kosmonauten, neben brüderlichen Kampfesgrüssen, abgelassen hätten: „ Genossen, wir erkennen hier oben Eure schöne Betonschlange in der Hauptstadt der DDäR und das Stacheldraht glänzt so schön bei der aufgehenden Sonne…“
Deshalb wurden in den ersten Jahren nach ´61, anrüchige Bemerkungen, Kritik, Unmut und besonders Witze über den „AntifaSchuWa“ sehr hart geahndet. Was dann die Genossen Richter unter der Rubrik „Hetze“ und „Boykotthetze“ abbuchten. Trotzdem kursierten immer wieder Unmengen geflüsterte Schoten, Eigenheiten und Vorkommnisse aus Berlin.
Man munkelte nach dem sehr kalten Winter 1962/63, dass eingebuchtete Lästermäuler die Versorgung der Republik mit Braunkohle gewährleistet hatten.
Obwohl Witze ganz bestimmten Situation darstellen und nur dann richtig einschlagen, wenn abgeleuchtete Sachlagen noch brandneu erscheinen, kam der folgende Gag viele Jahre in Ost und West an. Auf dem FDJ-Vermehrungstreffen, zu Pfingsten 1964, schnappte ich ihn auf.
Ist natürlich schon Scheiße, wenn man vor einem Witz noch eine Erläuterung abgeben muss: Für einen Ostgrenzer war es ein schweres Dienstvergehen, wenn er, auch nach einer demütigenden Provokation, irgendeine Regung in die andere Richtung zeigte.
Folgende Situation –
Ein Weddinger hatte in der Bernauer-Straße eine Leiter an die Mauer gelehnt, hin nun lässig an der Mauerkrone und brüllte zu dem Posten laufenden Hundeführer rüber:
„Ehh, Keule! Wat hast du denn da für een Schwein an Deine Leine?“
Vollkommen unbeteiligt schnürt der Soldat seinen Weg.
„Mann! Vastehste mir nich?“
Noch lauter: „Ehh, Keule, icke hab dir wat jefracht!“
Keine Reaktion auf der anderen Seite.
Der Soldat kommt zurück, nun das gleiche Spiel.
„Ehh, Keule! Icke will wissen, wat du da für een Schwein an die Leine hast?“
Nichts tut sich auf dem Postenweg.
Auf dem Rückweg hat der Grenzer seinen Hund nur etwas kürzer an der Leine.
„Sach ma, biste blöde, oder willste mir nich antworten? Icke hab dir jefracht, wat du da für een Schwein an die Leine hast!“
Abgenervt brüllt der Ostler plötzlich rüber: „Du dämlicher Gerl, du! Gannste nich guggen? Das is ein Deudscher Schäferhund…“
„Sachsenscheisse! Halt da Schnauze! Dir hab icke doch jar nich jefracht!“

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