26. Februar 2009

TARANTEL – Satirische Monatszeitschrift der Sowjetzone (II) Fortsetzung vom 18.2.09

Abgelegt unter: GESCHICHTEN, fast 20 Jahre MAUERFALL — ede @ 14:41

Nach der kurzen Geburtstagsfeier, die im November 1974 mein Vernehmer, Genosse Feldwebel Klopffleisch (Klasse Name, da war es doch vorgegeben, dass er bei der Stasi landen musste.) im „Roten Ochsen” für mich inszenierte, beendete er das lustige Bei- sammensein mit der abschließenden Frage: „Sag mal, haben deine Schwester und du, überhaupt den gleichen Vater, weil ihr beide, nicht nur vom aussehen so unterschiedlich seid?” Anschließend hörte ich wochenlang nichts mehr von dieser Flachzange. Hat mich damals doch etwas beschäftig.
Mehrere einschneidende Erlebnisse kamen mir damals hoch, an denen ich meine Schwester am Boden zerstört erlebte. Habe allerdings niemals mit ihr darüber gesprochen.
Absolut down erlebte ich sie nach einer Aktion, die auch etwas mit Flugblättern zutun hatte. Was allerdings ihrer Mutter mit ihrem idiotischen Verständnis vom Klassenkampf zuzuschreiben war, weil sie ewig andere mit hineinzog, egal in welchem Alter die sich befanden. Dabei verheizte sie auch permanent ihre Ableger.
So geschehen, an jenem wunderschönen Spätsommertag Anfang Herbst 1959.
Vor dem sonntäglichen Frühstück, gewahrte ich beim Blick aus dem Küchenfenster, auf der gegenüberliegenden Talseite, im frisch gepflügten Acker, kreisförmig weiße Schnipsel liegen. Gleich nach dem Essen ging es mit Opa rüber und fanden hunderte Flugblätter vor. Sie hatten sich beim Aufprall der Pappkiste (etwas größer als ein Männerschuhkarton), im Umkreis von mehreren Metern verteilt. Aus dem Ballon schien das Gas recht schnell entwichen zu sein, er lag jetzt da, wie einer der Präservative, die sich unterhalb unseres Gartens oft in Büschen und Bäumen wieder fanden – nur zigfachen größer, aus dickerem Gummi und bedruckt.

Gedächtnisskizze einer simplen Abwurfvorrichtung für Flugblätter, U.S. Patent

Gedächtnisskizze einer simplen Abwurfvorrichtung für Flugblätter, U.S. Patent

Flugblatt von 1950

Flugblatt von 1950

(Mit Vorliebe erledigten junge Leute ihrer Spermatherapie dort, da auf dem Nachbargrundstück häufig ein riesige Schäferhund umher rannte. Schafften sich vor dessen Grundstück irgendwelche Geilhuber im hohem Gras, raste er kläffend an der Einzäunung hin und her, was dem Akt der Hormonentsaftung natürlich jegliche Sinnenfreude raubte.
Witzig war auch die Art, wie der Bauer manchmal seinen gut dressierten Kläffer einsetzte, um jugendlichen Obstdieben eine Lektion zu erteilen. Tat sich jemand in einem Baum gütlich, ließ er das Vieh den Hang runterrasen, der legte sich dann genüsslich vor den Stamm und lauerte auf Herrchen, selbige rupfte auf seinem Weg Brennnesseln. Dann ließ er den Dieb hinabsteigen, stopfte ihm das Grünzeug in die Hosen, klopfte einige male drauf und hieß den Bösewicht in Richtung Staketen zu rennen, um dort wieder rüberzuklettern. Ging ihm das alles zu langsam, hetzte er den Hund nach, der auf Pfiff zwar immer stehen blieb, aber diese Hatz tat das ihrigen.)

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18. Februar 2009

TARANTEL – Satirische Monatszeitschrift der Sowjetzone (I)

Abgelegt unter: GESCHICHTEN, fast 20 Jahre MAUERFALL — ede @ 22:02

Sicher interessant für Leute, die nie etwas von Propagandapublikationen aus dem Westen vernommen haben.

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Das Grab meiner Jugend, Sangerhausen, lag in der Westwinddrift, außerdem befand sich in der Höhe von 10 000 ft (entspricht: 3333 yds) der Luftkorridor Frankfurt/Berlin, des- halb wurden wir bis weit in 60er Jahre optimal mit Propagandamaterial eingedeckt. Diese einzelnen Flugblätter, oder Zeitschriften kamen entweder durch Ballonfracht angefahren oder wurden einfach aus den Fliegern gekippt, zeitweise regnete es nachts Unmengen dieser Papierchen.
Der Osten war kein Deut besser, hatte aber immer die schlechteren Karten, (Wieder mal typisch Zone, selbst da waren sie in den Arsch gekniffen.) was die günstigen Luftströ- mungen gen Westen anging.
Mit verstärktem Einsatz ging es immer zum Spätsommer los, wenn die Herbstmanöver begannen. Da regnete es zusätzlich sogar Zeitschriften, täuschend echte Militärgazetten in Kyrillisch, für NVA-Genossen ein Reprint der „Volksarmee“, allerdings dünner und etwas kleiner – Wer mit solch einem Presseerzeugnis erwischt wurde, landete sofort in Schwedt und musste nachdienen. (weiterlesen…)

15. Februar 2009

“Es gab keinen Sex im Sozialismus”

Abgelegt unter: GESCHICHTEN, sangerhauseN — ede @ 13:09

Nicht jener ungewollte Einsturz der lotrechten Autobahn quer durch Berlin, animierte mich zu dem folgenden Geschreibsel, sondern Kaminers neuestes Werk. (wg.  Kapuziner)
Wladimir sollte diese Behauptung nicht zu Laut in die Welt posaunen, sonst glauben es viele Wessis auch noch. Wobei die Pfeife(r) aus Hannover in seinem Selbstverständnis als Sozialpüchologe und Paragraphenkomiker, seiner These der frühkindlichen Nachtopf- folter im Osten, noch die hinzufügt – natürlich wissenschaftlich begründet – dass es sich bei den beklagenswerten Brüdern in Schwestern im Osten, dem Homo Sapiens Sozialis- musiensis, um Windbefruchter handelte…
Zu jener Zeit, als ein Lustmolch namens: Oswald Kolle durch die Bundesgermanischen Gefilde tingelte und seinen Landleuten zu erklären versuchte, dass man vom Wichsen keinen Buckel bekommt, gab es östlich der Elbe schon ein anderes Verständnis, was den Sex anging.
So mancher Altgenosse (Wenn er nicht alles verdrängt hat) mit dem Bayerischen oder Schwäbischen Idiom auf der Zunge, könnte mir dem sicher beipflichten. Der neben seinem “Klassenkampf” als Saisonrevoluzzer, nach den drögen Kapitalkursen im freien Teil von Berlin; sich nebenher zur Spermatherapie eine Konsumnutte in Ostberlin hielt… (Ich weiß, von was ich rede!) (weiterlesen…)

3. Februar 2009

ELVIS – the PELVIS (II)

Abgelegt unter: GESCHICHTEN, sangerhauseN — ede @ 19:05

Zu Beginn meines 9. Schuljahres tauchte der zwei Jahre jüngere Aggi, aus Halle, im Heim auf. Seine Mutti war zu zwei Totensonntage hinter Schwedischen Gardinen verdonnert worden. Es handelte sich dabei um eine exemplarische Bestrafung, diese Nase hatte auf ihrer Arbeitsstelle, im Kaufhaus, nebenbei Nahtlose von ihrem Ex aus dem Westen, als „Bückware“ verkauft. Hinzu kam, dass sie öfters im Dunstkreis der „Freundschaftskanne“ auftauchte. „Kanne“, der Hallenser Begriff für eine kleinbürgerliche „Gang“, die sich Anfang der 50er noch am „Theater der Freundschaft“ traf. Später als auch im Osten die Motorisierung begann, hingen Männlein und Weiblein, wegen fehlender Parkplätze im Zentrum, etwas abgelegener, an der Moritzburg rum. Außer den Mopeds aus sozialistischen Produktionsstätten, mehrheitlich 350er Javas aus dem Tschechland, provozierte natürlich das Outfit. Die Jungs in Nietenhosen, Elvistolle und Lederjacken. Wobei so manches dieser Offizierskleidungsstücke, von Papa aus seiner Zeit bei der SS, der Deutschen Wehrmacht oder Luftwaffe stammte. Klasse Qualität und zeitloser Schnitt. (Ich besaß Anfang der 70er auch eine Joppe höchster Güte, aus den 20ern. Allerdings sehr dickes Leder, schwer, steif und ohne Reißverschluss, dafür mit vier großen Taschen versehen – vom Rotfrontkämpferbund.) (weiterlesen…)

31. Januar 2009

ELVIS – the PELVIS (I)

Abgelegt unter: GESCHICHTEN, sangerhauseN — ede @ 22:16

Um abzulassen, wie es kam, dass ich als Ableger einer hardcore Stalinistin zu einem der größten Elvisfans im Dorf mutierte, und was mir dies für Unbill einbrachte, muss ich weit ausholen.
Zu einer Zeit, wo der gemeine Ossi, alles aus dem Westen postwendend und ehrfurchtsvoll, 1 zu 5 in Ostmark umrechnete, tauchte Asse (Seine Eltern betrieben in Sangerhausen den größten und modernsten Frisiersalon.), als 12jähriger im Sommer 1959, mit einer Anodenwumme im Stadtbad auf, für umgerechnet 2500 Ost-mark, von „Schaub-Lorenz” oder „Grundig”. Was mich am meisten beeindruckte, war die Antenne, sie zog man wie ein Stahlbandmass, etwa 1 Meter, aus dem Gehäuse. Zum Betrieb dieser kreischenden Wunderwaffe benötigte man zwei verschieden Stromspeicher, für die Heizung der Röhren (3 Volt) und zum weiteren Betrieb die so genannte „Anodenbatterie”, mit ca. 70 Volt und die kostete fast zwanzig Mark. Letztendlich um mit Asses Radio knapp eine Stunde, voll aufgedreht Musik zu lauschen – immer für über 20 Mark einen Batteriesatz. Der damalige Stundenlohn eines Arbeiters betrug ohne Zuschläge, gerade mal 1,20 in der Stunde – brutto. (weiterlesen…)

30. November 2008

Nostalgie vom A. d. W.

Abgelegt unter: GESCHICHTEN, sangerhauseN — ede @ 21:26

A. d. W.

18. November 2008

Nach 80 Jahren, ist Micky Maus nun eene olle Jungfer, oder een alter Knabe?

Abgelegt unter: ALLGEMEINES, GESCHICHTEN — ede @ 17:23
 (Bild: AP - Walt Disney Pictures)
(Bild: AP – Walt Disney Pictures)
Filmstar Mickey Mouse wird 80

Micky Maus hat mich nie so richtig interessiert, ich war immer ein Duck-Fan. Beide bereiteten mir sehr oft mächtigen Ärger zu Schulzeiten, in den 50/60er Jahren, bei diesen ätzenden Ranzenkontrollen, nach: „Schund- und Schmutzliteratur”.

Etwas anderes zum Thema MM – aus späteren Zonenzeiten. (weiterlesen…)

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