{"id":10812,"date":"2010-12-15T23:41:44","date_gmt":"2010-12-15T22:41:44","guid":{"rendered":"http:\/\/12decode.de\/zonenklaus\/wordpress\/?p=10812"},"modified":"2010-12-15T23:45:33","modified_gmt":"2010-12-15T22:45:33","slug":"als-25-trabis-falsch-abbogen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=10812","title":{"rendered":"Als 25 Trabis falsch abbogen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.berlinonline.de\/berliner-zeitung\/archiv\/.bin\/dump.fcgi\/2010\/1204\/magazin\/0073\/index.html\">Wenn alle klauen, fehlt keinem etwas!<\/a><br \/>\nAn jene Direktive hielt sich fast jeder, ob Freund oder Feind in dieser \u201eklassenlosen\u201c Gesellschaft der Zone und alles ohne ideologischer Manipulation . In alle sozialen Schichten wurden irgendwie brauchbare Objekte weggefunden, auch wenn man sie im Moment gar nicht brauchte. Sicher war sicher, wer wusste schon, wie es morgen aussah. Jemand der gl\u00fccklicherweise Devisen besa\u00df, brauchte sich auf das Risiko der \u201eEigentumsverlagerung\u201c nicht einlassen, \u00fcber dem baumelte aber ein anders geartetes Damoklesschwert, \u00fcber mir hingen immer mehrere.<br \/>\nDas ganze Leben ist irgendwo recht risikoreich, aber durch meine J\u00e4ger und Sammlermentalit\u00e4t tangierte mich der permanente Mangel nur sehr selten, besonders der von Kleinigkeiten, die das Leben so angenehm machten.<br \/>\nWer nicht \u00fcber Vitamin \u201eB\u201c verf\u00fcgte, konnte einem schon fast leid tun. Was n\u00fctzten da die Verinnerlichung gewisser kleinb\u00fcrgerlicher Werte, vielleicht noch gepaart mit \u201eEinsicht in die Notwendigkeit\u201c? Jemand, der an so etwas glaubte, war entweder krank oder ein ideologisch verbogener Dummfick. Bei der Mutter meiner Schwester lie\u00dfen sich beide Symptome nachweisen.<br \/>\nManche Produkte ben\u00f6tigte man einfach nur zum Schmieren, z.B. bei Garantiereparaturen. Da \u00f6ffneten Fahrradventile, ein paar Kilo Zwiebeln, Schrauben und N\u00e4geln aller Art ganze Stadttore.<br \/>\nAllerdings stand ich am Ende meiner Ostzeit auch \u00f6fter mit beiden Beinen im Zuchthaus&#8230;<br \/>\nMir war allerdings immer das Gl\u00fcck hold, au\u00dferdem arbeitete ich in solchen Augenblicken immer mit den richtigen Kollegen.<br \/>\nKai Posmik ist ja vom Zonenalltag nur gestreift worden. Nat\u00fcrlich kannte das Strafgesetzbuch der DDR den Tatbestand des <em>&#8220;Diebstahls sozialistischen Eigentums&#8221;<\/em>. Rote Paragraphenkomiker nannte es aber <em>\u201eDiebstahl zum Nachteil sozialistischen Eigentums\u201c<\/em>. Mindestens einen Totensonntag gab es als Bonus, beim Nachweis von <em>\u201everbrecherischen\u201c Diebstahl z. N. s. E.<\/em>&#8221;<br \/>\nAls Beispiel &#8211; der Exportauftrag f\u00fcr den gro\u00dfen Bruder wurde nicht rechtzeitig fertig. Weil ein Kollege 1,5 mm dickes Kupferblech wegfand, dass eigentlich zum Stanzen von Dichtungsringen vorgesehen ward, er aber dringend Nachschub brauchte. Denn \u201ePrivat ging vor Katastrophe\u201c, weil jener \u201eKunsthandwerker\u201c in seiner Freizeit Aschenbecher, oder St\u00e4nder f\u00fcr potth\u00e4ssliche Nachttischlampen trieb, die sp\u00e4ter bei der Westverwandtschaft landeten, vor Gericht auf einen milde gestimmten Richter traf und dadurch an Sabotage vorbei schlitterte.<br \/>\nDer Trabbidealer hatte Recht, wenn er meinte: <em>\u201eIch kann ehrlich sagen, dass ich nie den Mut gefunden h\u00e4tte irgendeinen Kaufhallendiebstahl auszuf\u00fchren. Davor h\u00e4tte ich zu viel Angst gehabt.&#8221;<\/em><!--more--><br \/>\nHier kurz die Schilderung, wie es der 70j\u00e4hrigen Oma Lenchen erging, als sie in der Kaufhalle beim Klaufen von vier Pfund Bohnenkaffee hochgezogen wurde.<br \/>\nDie \u00dcbergabe an die Polizei geschah mit einem riesigen Brimborium, zum Vergn\u00fcgen vieler Gaffer. Auf dem Revier folgte eine erkennungsdienstliche Behandlung nach allen Regeln der Kunst, mit Photos, Klavierspielen und Verh\u00f6ren.<br \/>\nDanach schlich sie nach Hause und gab kein Wort zum Besten.<br \/>\nGer\u00fcchte und das Mitteilungsbed\u00fcrfnis der lieben Nachbarn in den Fickzellen des Viertel, entsprachen einem hei\u00dfen Steppenwind, der durch alle Ritzen zieht.<br \/>\nAbends erreichten aufgebauschte Schilderungen den Rest der Familie und Oma spielte mit dem Gedanken aus dem Fenster zu h\u00fcpfen.<br \/>\nDer richtige Gong kam am n\u00e4chsten Tag &#8211; detaillierte Polizeinotiz im Wurstblatt. Am Eingang der Verkaufsstelle ihr Konterfei, mit dem Hinweis, dass ihr bis auf weiteres das Betreten der Halle untersagt sei und man appellierte an die Bev\u00f6lkerung, Zuwiderhandlungen unverz\u00fcglich dem zust\u00e4ndigen ABV oder den Verantwortlichen im Laden zu melden.<br \/>\nDen Rest erledigte ihre dummrote Tochter unter Genossen.<br \/>\nVom Distriktsheriff kam der hei\u00dfe Tipp, dass die Alte den VP-Arzt aufsuchen sollte. Dieser Medizinmann bescheinigte schwere gesundheitliche Bedenken, da nicht auszuschlie\u00dfen sei, dass Oma w\u00e4hrend der Gerichtsverhandlung einen t\u00f6dlichen Zuckerschocks erleiden k\u00f6nnte&#8230;<br \/>\nDen Rest erledigte die Konfliktkommision des Wohnbezirkes<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/bildungsserver.berlin-brandenburg.de\/fileadmin\/havemann\/docs\/material\/40_M.pdf\">Straferg\u00e4nzungsgesetz vom 11.12.1957<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-46195969.html\">Die Genossen sagen immer, sie wollen Gesetze haben. Das ist gar nicht so einfach. Walter Ulbricht 1946<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-40615338.html\">Bundesb\u00fcrger, die an der deutschdeutschen Grenze in DDR-Gew\u00e4ssern angeln, verfolgt die schleswig-holsteinische Justiz &#8212; wegen Diebstahls sozialistischen Eigentums.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn alle klauen, fehlt keinem etwas! 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