{"id":1252,"date":"2008-12-16T22:00:47","date_gmt":"2008-12-16T21:00:47","guid":{"rendered":"http:\/\/12decode.de\/zonenklaus\/wordpress\/?p=1252"},"modified":"2024-03-01T23:37:37","modified_gmt":"2024-03-01T22:37:37","slug":"burgeramt-wilmersburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=1252","title":{"rendered":"B\u00fcrgeramt Wilmersburg"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>Als ich das letzte Mal auf dem B\u00fcrgeramt rum hing, gingen zwei Stunden ins Land, mein Ausweis ward seit 14 Monaten abgelaufen, der Pass ebenso\u2026<br \/>\nAusgerechnet heute musste ich hin, wo mich seit n\u00e4chtens leichte Zahnschmerzen pieksten, darum seit drei Uhr AFN h\u00f6rte, mehrere Sudokus abhakte und schlie\u00dflich las. Dann raffte ich mich zum Inhalt meiner \u201eLuftschutzapotheke\u201c auf, dank eines Br\u00f6sels von Rathiopharm pennte ich w\u00e4hrend des Kalenderblattes auf D-radion ein.\u00a0<em>(Sie erinnerten an den Geburtstag von Hundertwasser)<\/em><br \/>\nSchlie\u00dflich zwanzig nach acht im Amt gelandet, nur wegen neuer Steuerkarten, weil das Amt hudelte &#8211; f\u00fcr die gesamte Nassauische Strasse gab es keine Lohnsteuerkarten &#8211; angeblich. Nun ist dieses Problem seit Monaten bekannt, aber nichts tat sich, jeder muss folglich hinlatschen.<br \/>\nAm Counter kam nur: \u201eja, ja die Nassauische, dies ist uns bekannt!\u201c\u00a0<em>(Wobei ich denen nicht abnehme, dass es nur die Nassauische betraf.) <\/em><br \/>\n\u201eIst denn ob dieser Schlamperei jemand zur Verantwortung gezogen worden und ist man dabei es abzu\u00e4ndern?\u201c<br \/>\nL\u00e4chelnd: \u201cNeee.\u201c<br \/>\n<!--more-->Sch\u00f6n, mit der Nummer 28 konnte ich abtraben, 12 wurde gerade aufgerufen. Im total \u00fcberheizten und schon m\u00fcffelnden Warteraum hingen vielleicht 15 Hanseln rum, ich suchte mir mittig einen Platz zwischen den Heizk\u00f6rpern und pellte mich aus. Lange tat sich auf der Anzeigentafel nichts, daf\u00fcr flimmerte \u00fcber dem riesigen Flachbildschirm daneben, irgendwelcher Werbeschei\u00df<strong> &#8211; <\/strong>und im \u201eTagesspiegel\u201c keine vern\u00fcnftige Panikmeldung\u2026<br \/>\nImmer wieder klingelte eine Kommunikationsprothese, das Fr\u00e4uleinchen an der linken T\u00fcr schwafelte unentwegt, allerdings recht leise.<br \/>\nNun r\u00e4chte sich meine Schlamperei, hatte n\u00e4mlich vergessen im Walkie die Batterien auszutauschen. Gott noch mal, die Alte an der rechten T\u00fcr plapperte vielleicht mit einer ekelhaften Stimme\u00a0<em>(Sicher die ehemalige Synchronstimme von Frau Elster?)<\/em> irgendwelchen Stuss, in verschieden Tonlagen. Kaum fertig schon das n\u00e4chste elektronische Rasseln, zwischendurch die T\u00f6ne irgendwelcher Melodien. F\u00fcr wie unersetzlich halten sich denn diese Arschgeigen, dass sie jene kleinen Teilen krampfhaft mit ihren H\u00e4nden umklammert halten und bei der geringsten Reaktion, reagieren wie weiland die K\u00f6ter von Pawlow &#8211; als Belohnung dann ein Quatschkopp am anderen Ende.<br \/>\n<em>(Vor einigen Jahren vermisste ich ein Handy, aber auch nur durch meine Dummheit. Madame hing schon im Dorf bei Mutti, auf der Hintour schneite es heftig, und meine Gehwarzen steckten in Sandalen. Die anderthalb Kilometer bis zum Telefon beim Griechen, musste deshalb barfuss zur\u00fcckgelegt werden\u2026)<\/em><br \/>\nIrgendwann registrierte ich eine Tante, die sich mittig, vielleicht drei Meter rechts vor mir platzierte. Kaum dass sie sa\u00df, aus ihrem <strong>Buko<\/strong><em> (Hatte dazu f\u00fcr WIKI mal eine Erg\u00e4ngung verzapft, die politisch korrekten Gutmenschen hatten meinen Spruch sogar reingestellt, aber nach ein paar Wochen doch getilgt &#8211; <strong>B<\/strong>eischlaf<strong>u<\/strong>tensilien<strong>ko<\/strong>ffer!)<\/em> Unterlagen nestelte und gut h\u00f6rbar zu telefonieren begann, musste wohl etwas amtliches sein, den sie wiederholte mehrfach den Nachnamen. Bei ihrer ganzen Art kam mir, dass sie scheinbar in einer Therapiegruppe erst k\u00fcrzlich mitkriegte, beharrlich und \u00fcberall ihre Bed\u00fcrfnisse anzumelden.<br \/>\nKurz darauf bat ich sie, es noch etwas lauter zu tun, damit jeder etwas davon h\u00e4tten, was sie leicht aus dem Konzept brachte, aber statt nun drau\u00dfen weiter zuschnacken, kam zwischendurch etwas Gestammeltes, was sich sp\u00e4ter als Entschuldigung herausstellen sollte.<br \/>\nUm dem n\u00e4chsten Gespr\u00e4ch vorzubeugen, meine schon seit Jahren bew\u00e4hrte Frage:<br \/>\n\u201eEntschuldigen sie bitte, sind sie chronisch unterv\u00f6gelt\u2026, da sie hier so laut verbal wichsen m\u00fcssen?\u201c<br \/>\nEntweder h\u00f6rte sie nicht richtig hin oder verstand den Sinn meiner Frage nicht, h\u00f6flich wie ich nun mal bin, wiederholte ich sie nochmals. In solchen Momenten schauen alle anderen immer unauff\u00e4llig in der Gegend rum, folglich konnte sie keinen Beistand erheischen.<br \/>\nJetzt kam ihrerseits etwas, was mich total verbl\u00fcffte, sie baute sich anschlie\u00dfend vor mir auf und wiederholte mehrfach die gleiche Frage, aber immer etwas anders vorgebracht, dabei auch in unterschiedlichsten Darstellungen mit Hilfe ihrer K\u00f6rpersprache.<br \/>\n\u201eWollen sie sich nicht sofort bei mir entschuldigen, ich hatte mich vorhin auch entschuldigt!\u201c<br \/>\n\u201eNein! Au\u00dferdem beantworten sie doch erst mal meine Frage!\u201c<br \/>\n\u201eDas ist reichlich unversch\u00e4mt\u201c und an die zwei N\u00e4chstsitzenden: \u201eKann jemand von ihnen bezeugen, dass ich mich vor hin entschuldigt habe.\u201c<br \/>\nMittlerweile schaute ich \u00fcber meine Zeitung, der junge Typ an der anderen Wandseite, der die ganze Zeit mit dem R\u00fccken zum Raum vor seinem Notebook hockte, drehte sich rum. \u201eIch bin bereit es zu bezeugen!\u201c Aha, so etwas wie ein Frauenversteher und Berufszeuge: \u201eIch bin Zeuge, um was geht es?\u201c<br \/>\nSie tauschten ihre Autogramme, w\u00e4hrenddessen schaute ich mir die Tante mal an. Viel blieb nicht h\u00e4ngen.<br \/>\nEine Alterserscheinung kommt bei mir schon l\u00e4nger zum Tragen. Junge M\u00e4dels werden beharrlich attraktiver, egal wie sie ausschauen, aber bei den nicht mehr taufrischen, schon etwas abgehangenem Fleisch, kann ich immer weniger das Alter sch\u00e4tzen und merke mir auch sonst nicht viel von ihrer \u00c4u\u00dferlichkeit. Was die Farbe ihrer Augen <em>(Wirklich die Augen und nicht die<\/em> <em>Titten<\/em>!) anging, muss ich passen. Frisurm\u00e4ssig lief sie so ein bisschen gestylt rum, wie aus dem Hause \u201eWalz\u201c, Marke:<em> Angelamopp<\/em> und blond nat\u00fcrlich. Von der ganzen Art, so leicht Richtung<em> Lichterkettenmammi<\/em>, die nach solch einem aufregenden Protestabend, anschlie\u00dfend mit ihrer Freundin bei <em>unserem Griechen<\/em> versackt.<br \/>\nAuch kam sie mir leicht p\u00e4dagogisch vorbelastet daher, mit so \u00b4nem Touch <em>belanglos nett<\/em>!<br \/>\n\u201eIch habe jetzt einen Zeugen, dass ich mich vorhin bei ihnen entschuldigt habe. Wenn sie sich jetzt bei mir auch entschuldigen w\u00fcrden, k\u00f6nnte ich auf eine Anzeige verzichten.\u201c<br \/>\nWie ist die denn drauf?<br \/>\n\u201eWillst du mir etwa ein Gespr\u00e4ch aufdr\u00e4ngeln?\u201c<br \/>\n\u201eJetzt reicht es aber, entschuldigen sie sich nun?\u201c Hier fehlte lediglich, dass sie es noch trampelnd vorbrachte.<br \/>\n\u201eVerstehst du nicht? Ich werde mich f\u00fcr nichts entschuldigen!\u201c<br \/>\n\u201eWenn sie nicht augenblicklich einlenken, werde ich eine Anzeige erstatten!\u201c<br \/>\nZum <em>Zeugen<\/em> gewand, \u201eSie haben auch verstanden was der Herr dort ge\u00e4u\u00dfert hat?\u201c<br \/>\n\u201eJa!\u201c<br \/>\n\u201eIch werde jetzt gegen sie eine Anzeige erstatten\u2026!\u201c<br \/>\n\u201eImmer diese leeren Versprechungen!\u201c Mit einem Wink gab ich zu verstehen, dass sie es endlich machen sollte.<br \/>\nUngef\u00e4hr 10 Minuten sp\u00e4ter tauchten zwei <em>Securityfuzzis<\/em> aus dem Hause auf, quotenerprobt f\u00fchrte der kleinere weibliche Part das Gespr\u00e4ch, der Typ schaute mich dabei recht merkw\u00fcrdig an.<br \/>\nSie r\u00fcckte sich beim letzten Schritt in Positur und legte los, ich registrierte alles \u00fcber den abgesenkten Zeitungsrand. Es folgt ein Protokoll:<br \/>\n<strong>S<\/strong>ecurity <strong>w<\/strong>eiblich: &#8220;Entschuldigung, es gibt ein Problem?\u201c<br \/>\n<strong>Me<\/strong>: \u201eWas, wieso?\u201c<br \/>\n<strong>S.w<\/strong>: \u201eVorhin mit der Dame\u2026\u201c<br \/>\n<strong>Bl<\/strong>ondi erschien und wartete im geb\u00fchrenden Abstand auf ihren Einsatz.<br \/>\n<strong>Me<\/strong>: \u201eWieso? Was soll es denn f\u00fcr ein Problem geben?\u201c<br \/>\n<strong>S.w<\/strong>: \u201eNa ja, sie hat vorhin telefoniert und sich daf\u00fcr entschuldigt und sie haben dass irgendwie nicht angenommen?&#8221;<br \/>\n<strong>Me<\/strong>: \u201eVerstehe nicht was das soll, was redet sie denn?\u201c<br \/>\n<strong>S.w<\/strong>: \u201e\u00c4u\u00dfern sie sich doch mal was er gesagt hat!\u201c<br \/>\n<strong>Me<\/strong>. \u201eJa, \u00e4u\u00dfern sie sich doch mal!\u201c<br \/>\nIn fast drei Meter Abstand leierte sie ihren Salm runter, in der Runde schaute immer noch keiner richtig glotzend drein.<br \/>\n\u201eDas ich chronisch unterv\u00f6gelt sei, dass er sich beschwerte, dass ich vorher mit dem Handy telefoniert habe. Ich habe mich entschuldigt, bis er meinte ich sei chronisch unterv\u00f6gelt\u2026\u201c<br \/>\nEs mag ja sein, dass sie sich entschuldigt hatte, aber bestimmt nicht bei mir, sicher so als Alibi in den Raum hinein. Au\u00dferdem, wenn besagter\u00a0 Spruch f\u00e4llt, den ich bereits seit ungef\u00e4hr 15 Jahren anwende, benutze ich ihn als Statement. Mir liegt es absolut fern, mich mit solchen respektlosen Flachzangen auf ein Gespr\u00e4ch einzulassen. Anfangs probierte ich es freundlich und gew\u00f6hnte es mir sehr schnell ab. H\u00f6flichkeit wird von solch <em>wichtigtuerischen Plappertaschen<\/em> als Schw\u00e4che ausgelegt. Desahalb immer gleich richtig druff!<br \/>\nEin Kumpel meinte mal, \u201eeh Alter, du brauchst dich nicht zu wundern, wenn ein <em>Ali<\/em> dir mal mit einem Messer die Luft raus l\u00e4sst.\u201c Im Gegenteil, bei Arabern, m\u00f6chte wirklich keiner als<em> Wichser<\/em> erscheinen, die h\u00f6ren sofort auf mit quatschen.<br \/>\n<strong>Me<\/strong>: \u201eDu hast dich entschuldigt?\u201c<br \/>\n<strong>Bl<\/strong>: \u201eEs gibt Zeugen, dass ich mich bei ihnen entschuldigt habe.\u201c<br \/>\n<strong>Me<\/strong>: \u201eIch hab nichts registriert, au\u00dferdem habe ich nicht behauptet, dass sie chronisch unterv\u00f6gelt sind, dies wei\u00df ich n\u00e4mlich nicht! Da ich sie gar nicht kenne und nur deshalb meine Frage!&#8221;<br \/>\n<strong>S.w<\/strong>: \u201eWas wollte er denn wissen?\u201c<br \/>\n<strong>Bl<\/strong>: \u201eOb ich chronisch unterv\u00f6gelt sei?\u201c<br \/>\nAn das Securitym\u00e4nnchen: \u201eIch habe die Tante tats\u00e4chlich gefragt, ob sie chronisch unterv\u00f6gelt w\u00e4re, da sie so lautstark verbal wichste.\u201c<br \/>\nNun betrat ein verschmitzt l\u00e4chelnder Gendarm<em> (Von seiner K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe konnte er als undercover durchgehen)<\/em> die Bildfl\u00e4che und er fragte sie noch mal.<br \/>\n<strong>Bl<\/strong>: \u201eEr fragte mich, ob ich chronisch unterv\u00f6gelt sei, das empfinde ich als Beleidigung!&#8221;<br \/>\nDem kleinen Freund und Helfer, bereitete es sichtliche Schwirigkeiten, w\u00e4hrend der amtlichen Befragung nicht loszulachen&#8230;<br \/>\n<strong>Pol<\/strong>. zu mir: \u201eIch brauche mal ihre Personalien!\u201c<br \/>\n<strong>Me<\/strong>: \u201eJa, gut, O.K. Ich bin noch etwas l\u00e4nger hier, meine Nummer ist die 28.\u201c<br \/>\nSchier in dem Moment, als 28er-Gong ert\u00f6nte erschien der Polizist wieder, ich h\u00e4ndigte ihm mein Plastikteil aus und dann dackelte er hinter mir her. T\u00e4tigte im B\u00fcro die letzten Aufzeichnungen und wir verabschiedeten uns sehr h\u00f6flich\u2026<br \/>\nDie Tante am Schreibtisch entschuldigte sich freundlich bei mir f\u00fcr das Missgeschick mit den Lohnsteuerkarten. Es kam ihr so r\u00fcber, wie bei den Kassendamen von Feinkost-LIDL, das antrainierte: \u201e\u00b4n sch\u00f6nen Tach noch!\u201c<br \/>\nDa wurde mir klar, diesen Spruch lassen sie bei jedem ab, der irgendwo in Wilmersburg wohnt. Immer ist es dann zuf\u00e4llig die heimische Strasse des gerade aufgetauchten<em> B\u00fcrgeramtbesuchers<\/em>, wo sie es vergessen hatten.<br \/>\nDiese S\u00e4cke, dank des Streiks seinerzeit, sind die Dinger wahrscheinlich nie raus gegangen\u2026<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich das letzte Mal auf dem B\u00fcrgeramt rum hing, gingen zwei Stunden ins Land, mein Ausweis ward seit 14 Monaten abgelaufen, der Pass ebenso\u2026 Ausgerechnet heute musste ich hin, wo mich seit n\u00e4chtens leichte Zahnschmerzen pieksten, darum seit drei Uhr AFN h\u00f6rte, mehrere Sudokus abhakte und schlie\u00dflich las. 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