{"id":1668,"date":"2009-01-18T18:58:43","date_gmt":"2009-01-18T17:58:43","guid":{"rendered":"http:\/\/12decode.de\/zonenklaus\/wordpress\/?p=1668"},"modified":"2009-01-18T22:34:23","modified_gmt":"2009-01-18T21:34:23","slug":"die-ewige-nummer-stern-nr-4-2009-seite-110","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=1668","title":{"rendered":"DIE EWIGE NUMMER &#8211; STERN, Nr. 4, 2009, Seite 110"},"content":{"rendered":"<p>Bei den folgenden Zeilen handelt es sich nicht um einen Witz. Leider nannte der STERN in dieser unversch\u00e4mten Posse, nicht Ross und Reiter. War auch nicht n\u00f6tig, schlie\u00dflich kann man solches Pack in fast jeder Amtsstube wieder finden, jene\u00a0 Blindfische, die nach unten treten und nach oben buckeln. Diese biegsamen Lakaien, die auf ihrem Weg &#8220;raufw\u00e4rts\u201c bereit sind, in einem Staat die gr\u00f6\u00dften Schweinereien salonf\u00e4hig zu machen\u2026<br \/>\nZu welchen \u201eherausragenden Leistungen\u201c Staatsdiener f\u00e4hig sind, daran erinnern kleine Tafeln an Lichtmasten im <a href=\"http:\/\/74.125.77.132\/search?q=cache:miirSk2NK6IJ:de.wikipedia.org\/wiki\/Bayerisches_Viertel+j%C3%BCdisches+viertel+berlin+bayerisches&amp;hl=de&amp;ct=clnk&amp;cd=1&amp;gl=de\">Bayerisches Viertel<\/a> vom Bundeshauptdorf\u2026<br \/>\nIm vorauseilenden Gehorsam bin ich den findigen Amtsstuben-Br\u00fcdern und Schwestern bei einer Aktion zuvorgekommen, ich habe mir meine neue Steuernummer am linken Unterarm eint\u00e4towieren lassen&#8230;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/12decode.de\/zonenklaus\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/tatu1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1670\" title=\"tatu1\" src=\"http:\/\/12decode.de\/zonenklaus\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/tatu1-300x225.jpg\" alt=\"tatu1\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/tatu1-300x225.jpg 300w, https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/tatu1.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Viel Spa\u00df beim schm\u00f6kern der TELECOM-Schnurre!<!--more--><!--more--><\/p>\n<p>Eine Frau ist sterbenskrank. Sie kann nicht einmal mehr sprechen. Die Angeh\u00f6rigen wollen ihren Handyvertrag bei der Telekom k\u00fcndigen. Sie erleben eine unglaubliche Groteske &#8211; \u00fcber den Tod hinaus<br \/>\nAm 15. April 2008 k\u00fcndigt Sylvia Reinhold-Richert den Handyvertrag ihrer Mutter bei T-Mobile. Die Tochter setzt die K\u00fcndigung auf, weil die Mutter nicht mehr schreiben kann. Sie k\u00fcndigt, weil ihre Mutter auch nicht mehr sprechen kann. Und sie schreibt im Namen des Vaters, weil dieser seiner Frau beim Sterben beisteht. Sie schreibt: \u201eDa meine Frau schwer erkrankt ist und weder sprechen noch schreiben kann, m\u00f6chten wir den T-Mobile-Vertrag mit sofortiger Wirkung k\u00fcndigen.\u201c Die Tochter h\u00e4lt die Sache damit f\u00fcr erledigt. Sie denkt: Warum sollte man einer todkranken Frau, die nicht mehr telefonieren kann, jeden Monat 8,33 Euro an Grundgeb\u00fchren abnehmen?<br \/>\nIhre Mutter Renate hat die Creutzfeld-Jakob-Krankheit. Die genetische Variante, an der sie leidet kommt unter zehn Millionen Menschen einmal vor. Sie endet immer t\u00f6dlich.<br \/>\nRenate Reinhold kann sich nicht allein bewegen, sie muss zur Toilette gebracht und gef\u00fcttert werden. Hat sie genug gegessen, schlie\u00dft sie den Mund. So kommunizieren sie.<br \/>\nABER T -MOBILE l\u00e4sst die Frau nicht aus dem Vertrag. Das Unternehmen (Werbeslogan: \u201eEndlos telefonieren&#8221;) fordert einen \u201eNachweis dar\u00fcber, dass unser Vertragspartner durch richterlichen Beschluss gesch\u00e4ftsunf\u00e4hig ist&#8221;. Die Tochter schickt eine entsprechende Bescheinigung.<br \/>\nIn dieser Zeit f\u00e4ngt die Mutter an, die Namen der drei T\u00f6chter zu verwechseln. Sie muss nun rund um die Uhr versorgt werden.<br \/>\nAm 25. April schreibt T-Mobile an Renate Reinhold: \u201eWenn ein Kunde den Vertrag k\u00fcndigt, fragen wir von T-Mobile uns nat\u00fcrlich: K\u00f6nnen wir Sie wieder von unseren Leistungen \u00fcberzeugen?&#8221; Dieser Satz trifft die Tochter wie ein Schlag. Ihre Mutter ist todkrank, und die Telekom denkt nur an neue Vertr\u00e4ge. Im \u00dcbrigen, schreibt der Leiter des Gesch\u00e4ftskundenservice, werde der Vertrag nicht etwa vorzeitig enden, sondern erst acht Monate sp\u00e4ter. Vertrag ist schlie\u00dflich Vertrag.<br \/>\nEin Callcenter-Agent der Telekom, der anonym bleiben m\u00f6chte, ahnt, warum seine Kollegen so gehandelt haben. Neue Vertr\u00e4ge bringen der Abteilung Punkte, die sp\u00e4ter in Gehaltszuschl\u00e4ge umgewandelt werden. F\u00fcr das Bearbeiten einer K\u00fcndigung gibt es keine Geldpunkte. \u201eGerade bei T-Mobile\u201c, sagt der Mitarbeiter, \u201egeht es ums Verkaufen\u201c. Ein Telekom-Sprecher best\u00e4tigt die Punktevergabe: \u201eMitarbeiter bekommen einen Obolus, wenn sie bestimmte Ziele erreichen.\u201c<br \/>\nUnd so l\u00e4uft der Vertrag von Renate Reinhold weiter. Die Familie, die die Mutter zu Hause pflegt, ist am Ende ihrer Kr\u00e4fte. \u201eWir hatten Wichtigeres zu tun, als uns um diesen Mist zu k\u00fcmmern\u201c, sagt die andere Tochter, Andrea Reinhold-Wagner. Weil die Mutter kaum noch schlucken kann, besorgen sie ein Ger\u00e4t, das ihr das Essen im Notfall aus dem Hals saugt. Sie haben Angst, dass sie ersticken k\u00f6nnte.<br \/>\nDerweil kassiert die Telekom Monat f\u00fcr Monat ihre Geb\u00fchren.<br \/>\nDie Familie bringt die Mutter in f\u00fcnf verschiedene Kliniken. Sie hat fr\u00fcher 78 Kilo gewogen, jetzt sind es 35 Kilo. \u201eAlles, was man an einem Menschen gehabt hat, geht zugrunde&#8221;, sagt Maren Breithaupt, \u00c4rztin im deutschen Referenzzentrum f\u00fcr die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit in G\u00f6ttingen.<br \/>\nAm 5. Oktober stirbt Renate Reinhold. Neun Tage nach dem Tod schickt die Tochter der Telekom erneut ein Fax. Das letzte, hofft sie. Ihre Mutter sei \u201ean einer schweren, sehr seltenen und unheilbaren Krankheit verstorben&#8221;. Sie sei sehr entt\u00e4uscht, wie die Telekom mit einer langj\u00e4hrigen Kundin umgegangen sei. Um gleich auf Nummer sicher zu gehen und keinen weiteren Briefwechsel zu riskieren, legt sie eine Kopie der Sterbeurkunde bei.<br \/>\n<strong>DAS UNTERNEHMEN IGNORIERT<\/strong> auch diesen Brief. Am 28. Oktober bekommt Renate Reinhold wieder einen Brief vom Kundenservice der Telekorn. Da ist sie seit 23 Tagen tot und bereits bestattet: \u201eEs freut uns sehr, dass Sie sich entschieden haben, weiter mit T-Mobile zu telefonieren!&#8221; F\u00fcr die Tote seien die Kundenberater auch in Zukunft da: \u201e24 Stunden am Tag, an 365 Tagen im Jahr &#8211; freundlich und kompetent&#8221;.<br \/>\nSylvia Reinhold-Richert ruft am 29. Oktober beim Callcenter der Telekom an. Einen Satz lang keimt Hoffnung. \u201eDa muss wohl was schiefgelaufen sein, sagt die Dame. Der Teamleiter werde zur\u00fcckrufen, ganz sicher. Doch das Telefon wird nie klingeln. Stattdessen kommt zehn Tage sp\u00e4ter ein Brief. Die Grundgeb\u00fchr, 8,33 Euro, ist wieder f\u00e4llig.<br \/>\nDer Stern hat der Telekom den Fall vorgelegt. Dort hei\u00dft es nun, man werde sich bei der Familie entschuldigen und die Geb\u00fchren zur\u00fcckzahlen. Telekom-Sprecher Georg von Wagner: \u201eDas ist in der Tat blamabel f\u00fcr uns.&#8221;<br \/>\nAxel Hildebrand<\/p>\n<p><strong>IM TODESFALL<\/strong><br \/>\nAuf Kulanz hoffen<br \/>\nGenerell laufen Vertr\u00e4ge etwa f\u00fcr Strom, das Handy oder ein Zeitungsabo nach dem Tod weiter. Die Erben m\u00fcssen dann fristgerecht k\u00fcndigen. Viele Unternehmen sind allerdings kulant und akzeptieren den Tod als Vertragsende. Der Blick ins Kleingedruckte lohnt sich: Manche Vertr\u00e4ge regeln sogar den Todesfall &#8211; sie enden automatisch.<br \/>\nBei Versicherungsvertr\u00e4gen gibt es zwei Typen: Vertr\u00e4ge, die Personen versichern (wie Kranken-, Berufsunf\u00e4higkeits- oder Unfallversicherung), erl\u00f6schen im Todesfall. Versicherungen, die sich auf Gegenst\u00e4nde beziehen (Hausrat-, Kfz- oder Wohngeb\u00e4udeversicherung), laufen nach dem Tod weiter und m\u00fcssen gek\u00fcndigt werden. Kontogeb\u00fchren werden auch nach dem Tod verlangt &#8211; bis der Erbe das Konto aufgel\u00f6st hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei den folgenden Zeilen handelt es sich nicht um einen Witz. Leider nannte der STERN in dieser unversch\u00e4mten Posse, nicht Ross und Reiter. War auch nicht n\u00f6tig, schlie\u00dflich kann man solches Pack in fast jeder Amtsstube wieder finden, jene\u00a0 Blindfische, die nach unten treten und nach oben buckeln. 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