{"id":17101,"date":"2012-04-25T22:54:20","date_gmt":"2012-04-25T21:54:20","guid":{"rendered":"http:\/\/12decode.de\/zonenklaus\/wordpress\/?p=17101"},"modified":"2018-09-08T17:03:50","modified_gmt":"2018-09-08T16:03:50","slug":"b-b-u","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=17101","title":{"rendered":"B-B-U*"},"content":{"rendered":"<p><strong>(*)<\/strong> Berlin-Brandenburger-Uhrzeiten<br \/>\nIn Brandenburg gehen die Uhren bisweilen ganz anders, besser gesagt, gelegentlich ist deshalb viel Phantasie gefragt.<br \/>\n<a title=\"Untitled von zonenklaus bei Flickr\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/zonenklaus\/7099772561\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"http:\/\/farm8.staticflickr.com\/7221\/7099772561_1514dab18c_s.jpg\" alt=\"Untitled\" width=\"75\" height=\"75\" \/><\/a>Die Petzower sind pfiffig, die legen scheinbar keinen Wert auf ablesbare Verg\u00e4nglichkeit. Auf der anderen Seite sparen sie dadurch auch das Pflegegeld f\u00fcr ein Uhrwerk. H\u00e4tten es trotzdem so regeln k\u00f6nnen wie Nordafrikaner, in Sizilien rotiert wenigstens der Stundenzeiger&#8230;<br \/>\nDas Zifferblatt h\u00e4tten sie sich auch sparen k\u00f6nnen, au\u00dferdem kann doch heute niemand mehr r\u00f6mische Zahlen lesen&#8230;<br \/>\nZu bestimmten Uhrzeiten wurden auch noch auserw\u00e4hlte Glocken gel\u00e4utet und manchmal sollten sie auch noch Gl\u00e4ubige (<em>Ich meine nat\u00fcrlich Christen!<\/em>) in die Kirche scheuchen. Deshalb bekommt\u00a0 das 12-Uhrgel\u00e4ut ( <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=s25m4v7clNI&amp;feature=related\">High-noon<\/a>) noch eine besondere Bedeutung, nicht nur, weil man fr\u00fcher auf dem Dorfanger mit einer Axt den Tag halbierte&#8230;<br \/>\nDiesen ruhest\u00f6renden Eingriff, in die mitt\u00e4gliche Beschaulichkeit, verdankt das Abendland <a href=\"http:\/\/www.tuerkengedaechtnis.oeaw.ac.at\/?p=2713\">Papst Calixtus III.<\/a>, der kam am 29. Juni 1456 auf diese Idee. Aber nicht deshalb, weil er von der unz\u00fcchtigen Zeigerstellung ablenken wollte, da sich in dem Augenblick Minuten- und Stundenzeiger\u00a0 kurzfristig in die Missionarsstellung begeben&#8230;<br \/>\n<a title=\"Untitled von zonenklaus bei Flickr\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/zonenklaus\/6967845118\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"http:\/\/farm8.staticflickr.com\/7224\/6967845118_02f60ff92f_s.jpg\" alt=\"Untitled\" width=\"75\" height=\"75\" \/><\/a>Am vergangenen Sonntag gelangen mir bei m\u00e4\u00dfigen Licht gerade noch diese Aufnahmen, von einem recht merkw\u00fcrdigen Zeiteisen. Es rottet vor dem AOK-Geb\u00e4ude in der Kanalstra\u00dfe 8\/9 vor sich hin.<br \/>\nMerkw\u00fcrdig deshalb, oft sieht man riesige Zeitmesser, die nur zweimal am Tag die korrekte Zeit anzeigen, jener Uhrw\u00fcrfel macht es sogar achtmal in 24 Stunden&#8230;<br \/>\n<a title=\"Untitled von zonenklaus bei Flickr\" href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/zonenklaus\/7113923933\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"http:\/\/farm9.staticflickr.com\/8001\/7113923933_78aa8c99a0_s.jpg\" alt=\"Untitled\" width=\"75\" height=\"75\" \/><\/a>Am \u201eHauptbahnhof\u201c wurde der Zeitanzeiger scheinbar geklaut. Allerdings will die \u201ewobra\u201c demn\u00e4chst aus der steinernen Flunder einen Zierfisch kreieren und dann kommt oben wieder ein Chronometer mir Leuchtzifferblatt hin&#8230;<br \/>\n\u00dcber die Berliner Mengenlehreuhr lasse ich aber nichts ab, dass kann nachgelesen werden<strong><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Berlin-Uhr\">!<\/a>\u2190<\/strong><\/p>\n<p>M\u00f6chte aber noch eine Begebenheit aus meiner kalten Heimat anpinnen, selbige Geschichte ereignete sich 1971, hat etwas mit dem Zifferblatt von St. Jacobi zu tun &#8211; nat\u00fcrlich in Sangerhausen &#8211; sie stammt aus diesem <a href=\"http:\/\/12decode.de\/zonenklaus\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/11\/a-d-w-blog1.pdf\">Konvolut<\/a> und nix ist redigiert.<!--more--><\/p>\n<p><strong>\u00a0 B<\/strong>esagten Handwerker erlebte ich mal, als er den 1. Sekret\u00e4r der SED-Kreisleitung in der <strong>&#8220;Klemme&#8221;<\/strong> auflaufen lie\u00df, wegen des Kirchen-Chronometers.<br \/>\nWir sa\u00dfen am fr\u00fchen Nachmittag in trauter Runde, mein Freund Puffi h\u00e4tte in dem Fall wieder passend kommentieren k\u00f6nnen , <em>wo Klaus gerade hockt, sind wieder mehrere Jahrzehnte Zuchthaus versammelt<\/em>. So auch an diesem Tag, als der Dachdecker mit seinem Knecht reinschneite. Fluchend ob der K\u00e4lte und Feuchtigkeit setzte er sich an unseren Tisch, und schmiss gleich f\u00fcr eine gro\u00dfe Runde. Sie wollten an diesem Tag Feierabend machen, zuviel Wind und Nieselregen.<br \/>\nAlle schon gut vorgegl\u00fcht, als sich jemand mit sehr lauter Stimme erkundigte, ob hier ein Herr M\u00fcller sitzen w\u00fcrde, selbiger gab Zeichen, dass er nicht da sei. Der Frager wurde weggeschickt mit dem Hinweis, dass jemand M\u00fcller gerade noch in Vetters-Fr\u00fchst\u00fcckstube <em>(Weitere ber\u00fchmte Sangerh\u00e4user Kneipe in der Bahnhofstra\u00dfe, 10 Min.\u00a0 von der &#8220;Klemme&#8221; entfernt)<\/em> sitzen sah. Der Abtritt des Neugierigen wurde mit wieherndem Lachen quittiert. .<br \/>\n\u201eLeute, dies war der Kutscher von der SED-Kreispflaume <em>(SED-Kreispflaume &#8211; ugs.1. Sekret\u00e4r der SED-Kreisleitung)<\/em>, der sucht mich schon seit geraumer Zeit, ein bisschen Bewegung schadet dem nichts.\u201c<br \/>\nWomit der Dachdecker nicht rechnen konnte, kurz darauf stand der Fahrer wieder auf der Matte, in Begleitung seines Chef\u00b4s. Der Kreisleiter d\u00fcste durch die Kneipe, und br\u00fcllte sofort wie auf dem Kasernenhof los.<br \/>\nWas das denn solle, er w\u00fcrde die Angelegenheit schon seit Tagen mit Missfallen beobachten, wieder sei auch am heutigen Tag nicht viel geschafft worden, und au\u00dferdem w\u00e4re noch Arbeitszeit. Dies schien f\u00fcr den Handwerksmeister zu viel.<br \/>\nGanz ruhig machte er den Genossen darauf aufmerksam, dass er schlie\u00dflich nicht auf Stundenbasis arbeiten w\u00fcrde und er im Gegensatz zu anderen, seine Arbeiten immer zur Zufriedenheit seiner Kunden fertig stellte.<br \/>\nEr k\u00f6nnte sich vorstellen mal mit ihm zu tauschen, denn wie andere arbeiten, w\u00fcrde er gern mal seinen Urlaub verbringen, au\u00dferdem gebe es noch so etwas wie Arbeitsschutz.<br \/>\nJeder am Tisch grinsten, dabei flogen die K\u00f6pfe immer ruckartig in die Richtung des jeweiligen Sprechers. Es ging ein Weilchen Hin und Her, schlie\u00dflich sollte M\u00fcller mit rauskommen, was er ablehnte, mit Hinweis auf seinen wohlverdienten Feierabend.<br \/>\nNun drehte der Funktion\u00e4r vollends auf, \u201eauch wenn f\u00fcr diese Arbeit ein Objektlohn vereinbart sei, m\u00fcssten doch schlie\u00dflich Fortschritte zu sehen sein.\u201c<br \/>\n&#8220;Sie sind ein, ein, ein&#8230;<br \/>\nSie m\u00fcssten mal richtig hinschauen! Mehr als arbeiten geht nicht, au\u00dferdem, was kann ich daf\u00fcr, wenn mir der Stundenzeiger laufend den Pinsel aus der Hand schl\u00e4gt.&#8221;<br \/>\nDas darauf einsetzende Chaos wurde urkomisch, da der Angesprochene nicht zu verstehen schien, um was es ging. Die Anwesenden klatschten auf ihre Schenkel und den Tisch, dabei kippten Gl\u00e4ser um, einige fielen zu Boden. Der Dachdecker lehnte sich w\u00e4hrend dessen ganz gelassen zur\u00fcck, und schaute mit schr\u00e4g gehaltenem Kopf, unschuldig dreinblickend den gro\u00dfen Parteinik an. Der glotzte in die Runde und schnallte rein gar nichts. Sein Fahrer begann ihn am Mantel\u00e4rmel nach drau\u00dfen zu zerren.<br \/>\nSchon als beide hinter der Schwingt\u00fcr den Windfang betraten, gab es in der ganzen Kneipe kein Halten mehr. Nun wollte auch jeder wissen, was an unserem Tisch abgegangen war. M\u00fcller, mit hochrotem Kopf, die Narbe unterhalb seiner Stirn gl\u00fchte, sielte sich in dem von ihm verzapften Gel\u00e4chter.<\/p>\n<p><strong>&#8211; D<\/strong>as solch hohe Tiere wie der abgetretene Genosse manchmal schwer von Kapee waren, schien in Sangerhausen Tradition zu haben.<br \/>\nKnapp 10 Jahre zur\u00fcck, war dem Parteifreund T. vom Rat des Kreises ein Eigentor gelungen. Dies geschah 1962, im Sch\u00fctzenhaus, w\u00e4hrend einer Protestversammlung, anl\u00e4sslich der Kubakrise.<br \/>\nGenosse T., der seine Texte immer fein s\u00e4uberlich ablas, schrie anschlie\u00dfend das erste und einzige Mal etwas frei von der Zunge, ganz euphorisch ins Publikum und dies ging voll in die Hose.<br \/>\nSeine Faust dabei rhythmisch aufs Rednerpult knallen und losbr\u00fcllen waren eins: &#8220;Kuba den Kubanern und Indien den Indianern ! ! !&#8221;<br \/>\nAnschlie\u00dfend glotzte er noch verst\u00e4ndnislos in die Runde, als es vor Lachen keinen mehr auf seinem Stuhl hielt.<\/p>\n<p><strong>&#8211; A<\/strong>bschlie\u00dfend noch ein Witz von der Sorte, f\u00fcr den es zu Zonenzeiten mindestens einen Totensonntag in der Braunkohle gab, wenn ihn jemand entsprechend platzierte&#8230;<\/p>\n<p>1946<br \/>\nEin junger Rotarmist knallt dem Uhrmacher sein gerade frisch erstandenes Beutest\u00fcck auf den Verkaufstresen.<br \/>\nSeine Mpi im Anschlag br\u00fcllt er sofort los: \u201eDu gucken! Uri nix gutt! Nix arbeiten!\u201c<br \/>\nErschrocken greift der Meister das defekte Teil, fingert sich eine Lupe ins Auge und \u00f6ffnet mit zittrigen H\u00e4nden den Taschenchronometer.<br \/>\nGreift dann zu einer Pinzette, ganz vorsichtig bringt er etwas zum Vorschein, zwischen den kleinen Greifern klemmt ein Floh. Den h\u00e4lt er dem Sowjetsoldaten vor seine verbl\u00fcfft dreinschauenden \u00c4uglein.<br \/>\n\u201eSehen Sie, ich habe hier das Corpus dilicti, weshalb die Uhr ihren Dienst versagte. Dies ist ein verendeter Floh!\u201c<br \/>\n\u201eAha! Ponimaju, ich verstehen &#8211; Maschinist tot!\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(*) Berlin-Brandenburger-Uhrzeiten In Brandenburg gehen die Uhren bisweilen ganz anders, besser gesagt, gelegentlich ist deshalb viel Phantasie gefragt. Die Petzower sind pfiffig, die legen scheinbar keinen Wert auf ablesbare Verg\u00e4nglichkeit. 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