{"id":20083,"date":"2013-02-14T23:25:11","date_gmt":"2013-02-14T22:25:11","guid":{"rendered":"http:\/\/12decode.de\/zonenklaus\/wordpress\/?p=20083"},"modified":"2026-04-25T20:14:10","modified_gmt":"2026-04-25T19:14:10","slug":"truckerlothar-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=20083","title":{"rendered":"&#8220;TRUCKERLOTHAR&#8221; WAGNER: G\u00dcTERNAH- UND FERNVERKEHR"},"content":{"rendered":"<p>Eine nicht redigierte wahrhafte Legende vom Fu\u00dfe des K<em>i<\/em>ffh\u00e4users &#8211; Anfang der 1970er<\/p>\n<p>&#8230;Das Leben auf dem Campingplatz nahm stressige Dimensionen an. Mein Zimmerchen befand sich neben den R\u00e4umlichkeiten der Rettungsschwimmer, fast jeden Abend gab es etwas zu feiern. An den Wochenenden erschienen Freunde und Kumpels. Gepennt wurde teilweise zu sechst in dieser kleinen Butze, daf\u00fcr wurden Tisch und St\u00fchle auf dem Schrank platziert, au\u00dferdem standen f\u00fcr weiteren Besuch noch zwei Sechsmannzelte auf dem Platz rum.<br \/>\nHinter dem Bettende stapelten sich Bierk\u00e4sten, jede noch so kleine Gef\u00e4lligkeit f\u00fcr die Camper wurde vorzugsweise mit Bier oder Schnaps honoriert. Bald wusste es jeder, dass in meiner Bude immer ein paar Schachteln Bier herumstanden, deshalb erschienen nachts oft irgendwelche Leute, die sich Alk liehen, der am n\u00e4chsten Tag in noch gr\u00f6\u00dferer Menge zur\u00fcck gegeben wurde.<br \/>\nVom Chef kam zu Beginn meines Jobs, jene augenzwinkernde Anweisung, kleine Gef\u00e4lligkeiten f\u00fcr Camper seien Service und nach M\u00f6glichkeit sollte ich f\u00fcr ihre frommen W\u00fcnsche ein offenes Ohr haben. Allerdings nahm es manchmal schon merkw\u00fcrdige Ausma\u00dfe an, so musste ich \u00f6fters mit dem<a href=\"https:\/\/de.wikibooks.org\/wiki\/Traktorenlexikon:_Fortschritt_RS_09\"> RS 09<\/a>, so tief wie m\u00f6glich ins Wasser fahren und in Ufern\u00e4he Seegras und Schilf m\u00e4hen\u00a0 oder jemand stellte fest, dass seinen PKW-Reifen Luft fehlte, nach erfolgtem Hilferuf stand ich mit dem Multicar nebst Kompressor da und pumpte die Pneus wieder auf.<br \/>\nEwig lagen auch irgendwelche Reparaturen an Zeltgest\u00e4ngen an, ganz abgesehen von der Tatsache, dass ich laufend Zelte mit aufbauen musste, weil die Leute nicht klar kamen. Wollte z. B. Herr Doktor Dingensknecht etwas l\u00e4nger pennen, da er den Kater der vergangenen Nacht kurieren musste, hie\u00df es dann f\u00fcr mich, einige Stunden sp\u00e4ter mit Rasenm\u00e4hen beginnen. Diese Zeit lie\u00df sich sowieso in der Nachbarschaft mit Kartenspiel \u00fcberbr\u00fccken, denn \u00f6fters fehlte am sp\u00e4ten Vormittag irgendwo der <em>Dritte Mann<\/em> zum Skat. Es kam vor, dass Kurt mich suchte, er mit unser aller Dienstschwalbe auftauchte und im fliegenden Wechsel dann meinen Part \u00fcbernahm.<br \/>\nIrritiert hat meine Kollegen und die Camper die Tatsache, dass ich auf meiner fast t\u00e4glichen M\u00fclltonnenreinigungstour mit Anzug, Schlips und Kragen vorfuhr, ebenso war dies meine Dienstbekleidung wenn ich irgendwas mit dem Ger\u00e4tetr\u00e4ger anstellte. In der Freizeit lief ich mit einem l\u00f6chrigen russischen Matrosennicki rum, meine Jeans waren in den verschiedensten Farben schachbrettartig gestopft, mit Isolierband wurden kleine Risse \u00fcberklebt, gingen sie weiter auf, flickte ich sie mit Gitarrensaiten oder bunte Lederflicken und jeder konnte sich mit Filzern auf den Hosen verewigen, mit Autogrammen oder doofen Spr\u00fcchen.<!--more--><br \/>\n\u00c4rger schien vorprogrammiert, als ich im gro\u00dfen Stil begann wei\u00dfe Unterhemden mit allen nur erdenklichen Motiven zu bemalen. Hendrix, dann wieder in Phantasieschriften irgendwelche Namen von Rockgruppen. Sehr beliebt war auch das Konterfei von Onkel Ch\u00e9, es \u00f6ffentlich zur Schau zu tragen, war in der damaligen Zeit eigentlich verboten. Bald kamen auch die Zwerge meiner Kollegen mit diversen Motiven, f\u00fcr ihre wei\u00dfen Nickis, allesamt stammten sie von Bubblegumpapier, nat\u00fcrlich Walt Disney. Ich h\u00e4tte meinen Job schmei\u00dfen k\u00f6nnen, nur um solche Sachen zu malen, was aber aus zwei Gr\u00fcnden nicht ging. Erstens gab es ewig Engp\u00e4sse bei Textilfarben, besonders bei Schwarz <strong>(<\/strong><em>Angeblich kamen die Ingredienzien aus Indien<\/em><strong>) <\/strong>und schockigen Farben und zweitens wollte mir der Ortssheriff die manufaktuelle Herstellung ewig verbieten, da ich keinen Gewerbeschein besa\u00df. Von irgendjemand wusste er, dass ich pro Kinderhemd 5 Mark nahm, sollte doch endlich ein Gewerbe anmelden, dann h\u00e4tte er nichts dagegen, was f\u00fcr mich wegen des polizeilichen F\u00fchrungszeugnisses nicht m\u00f6glich war. Meine Frage, ob unter dieses Verbot auch Figuren aus DDR-Produktion fielen, fand er unversch\u00e4mt, nat\u00fcrlich w\u00fcrde es auch diese betreffen, <strong>(<\/strong><em>Niemals kam auch nur einmal der fromme Wunsch nach einem dieser Zonenausgeburten<\/em><strong>)<\/strong>, au\u00dferdem w\u00fcsste ich genau, dass es nicht um die Motive ging. Mich scherte dieses Verbot nicht, da es mir keiner schriftlich gab. Allein die Tatsache, dass er es aussprach, brachte meine Kollegen in Rage und sie noch mehr gegen diesen Typen auf.<br \/>\nEin wichtiger Grund nicht mit den Bemalungen auf zuh\u00f6ren, schien mir die Tatsache, meine Arbeitszeit optimal rum zu bekommen &#8211; denn regelm\u00e4\u00dfiges Saufen auch noch \u00fcber den ganzen Tag verteilt, h\u00e4tte mich gnadenlos abserviert.<br \/>\nSelten hatte ich einen ABV kennen gelernt, der so einhellig bei der Bev\u00f6lkerung auflief wie dieser Typ, er wurde regelrecht gehasst. Wenn sich eine Gelegenheit bot, wurde ihm ein Storch gebraten. Man munkelte, dass er nach Kelbra strafversetzt ward und nun mit Geilheit versuchte dort wegzukommen. Was ich verstehen konnte, denn in diesem Nest h\u00e4tte ich nicht tot \u00fcber einen Gartenzaun h\u00e4ngen wollen.<br \/>\nIn der Nachbargemeinde, die auch zum Distrikt dieses Ekelpaketes von Polizisten geh\u00f6rte, haben ihn Leute in den ersten Wochen seiner Amtszeit voll einen mitgegeben. Auf den Dienstg\u00e4ngen geh\u00f6rte auch das<em> Inspizieren<\/em> von Kneipen dazu. Setzte er sich zu Leuten an den Tisch, erstarb sofort jedes Gespr\u00e4ch und die G\u00e4ste bezahlten sehr schnell. Sein Auftritt war f\u00fcr jeden Kneiper gesch\u00e4ftssch\u00e4digend, bis zu jenem denkw\u00fcrdigen Tag.<br \/>\n<strong>&#8211; <\/strong>Einige Kraftfahrer und Handwerker sa\u00dfen bereits am Stammtisch, als der Sheriff auftauchte und sich an einen Nachbartisch setzte, sofort kippte das Gespr\u00e4ch in belangloses Blah Blah um. Was sich aber ruckartig \u00e4nderte, als Lothar, der ber\u00fchmteste Trucker aus Sangerhausen, fr\u00f6hlich in seinem typischen, schlacksigen Gang in die Runde platzte. Es gab ein gro\u00dfes Hallo, alle r\u00fcckten zusammen und der Neuangekommene musste sich zu ihnen setzen. Besagter Gast war weit, auch \u00fcber die Grenzen der Nachbarkreise bekannt, blo\u00df der Gr\u00fcnberockte schien nicht zu wissen, wen er da vor sich hatte.<br \/>\nWir haben schlie\u00dflich alle einen Webfehler, aber es gibt Menschen, bei denen ist er etwas ausgepr\u00e4gter. Lothar geh\u00f6rt zu dieser harmlosen Kategorie. Er war ein sehr sympatischer Kerl, aber zeitweise \u00e4u\u00dferst schrullig, mit der drahtigen Figur eines Spargeltarzans, wusste auch nie so recht, wohin mit seinen langen Armen und d\u00fcnnen Beinchen, aber z\u00e4he und kein Gramm Fett an seinem K\u00f6rper. Lothar hatte die Marotte, w\u00e4hrend er mit seinem Fahrrad herumfuhr, Lkws zu imitieren. Beim Schalten gab er Zwischengas, aus den Bremsen zischte die Druckluft, all diese echt klingenden Ger\u00e4usche erzeugte er mit seinem Munde und von den Lippen kam das Brumm Brumm, wenn er fuhr. Je nachdem, in was f\u00fcr einem LKW er gerade sa\u00df, waren auch die Ger\u00e4usche, die er ablie\u00df, unterschiedlich. Das Blinklicht war seine korrekt rechtwinklig zum K\u00f6rper ausgestreckte Hand, die er im Rhythmus zur Faust ballte und \u00f6ffnete.<br \/>\nVon Kollegen des Kraftverkehrs Sangerhausen besa\u00df er eine Busfahreruniform, die wie ma\u00dfgeschneidert ausschaute. Die dazugeh\u00f6rigen Stiefel umschlossen seine Beinchen wie dicke Wollsocken. Wenn er ging, dann zupften seine H\u00e4nde ewig an den Stiefelhosen, die wesentlich breiter waren als seine Schultern. Sein Kreuz war so breit, wie ein Karpfen zwischen den Augen. Auf dem Fahrrad, pardon Kraftfahrzeug, sah er schon sehr windschl\u00fcpfrig aus. Die Dienstm\u00fctze trug er w\u00e4hrend seiner Touren schon jahrzehntelang um 180 Grad gedreht auf seinem kleinen Sch\u00e4del &#8211; lange bevor amerikanischen Rapper auf diese Idee kamen. Dabei war f\u00fcr Lothar das Fahrrad der Maschinenwagen und die angeh\u00e4ngte Karre sein Tieflader.<br \/>\nKollegen aus dem Mitteldeutschen Fahrradwerk hatten ihm den H\u00e4nger, eine legend\u00e4re MIFA-Karre, gespritzt, mit einem riesigen Katzenauge und einem Nummernschild versehen. Rechts und links prangte in gro\u00dfen Lettern: <strong>G\u00fcternah- und Fernverkehr Inh. Lothar Wagner.<\/strong><br \/>\nEr genoss so viel Wohlwollen in seiner Umgebung, dass sogar der <em>dicke Knorbin<\/em><strong> (<\/strong><em>Der sich f\u00fcr den wichtigsten Polizisten in Sangerhausen hielt, immer verkniffen in der Weltgeschichte umherschaute und als sehr humorlos galt<\/em>.<strong>)<\/strong>, war der mal gut drauf beim Regeln des Verkehrs an der Scharfen Ecke, er schlagartig den gesamten Querverkehr stoppte, um dem <em>bekanntesten Berufskraftfahrer des Dorfes<\/em> <em>freie Fahrt zu gew\u00e4hren<\/em>.<br \/>\n<span style=\"font-size: xx-small;\">Habe jene Aktion sogar einmal beobachten k\u00f6nnen. Hockte da zuf\u00e4llig mit anderen Bekannten auf dem kleinen Hang am Anger-Kiosk, mit Blick auf die Kreuzung. Ein beliebtes Pl\u00e4tzchen, wenn man dort im nachmitt\u00e4glichen Schatten, seine Gerstenkaltschale der hiesigen Mammut-Brauerei schl\u00fcrf\u00adte. Nebenher, der dazugeh\u00f6rige Slogan stimmt nicht ganz, es handelte sich n\u00e4mlich nicht um das schlechteste Bier der Region! Trotzdem hie\u00df es immer wieder: <i>Je gr\u00f6\u00dfer die Tierchen, desto schw\u00e4cher die Bierchen<\/i><b>! <\/b><\/span><br \/>\n<strong>\u00a0 &#8211;<\/strong> Was haben wir uns endlos am\u00fcsiert, wenn sich Lothar am Stammtisch im &#8220;Kylischen Tor&#8221; mit Ernst Sch\u00e4fer, dem ber\u00fchmtesten Zahnarzt im Ort, dessen Praxis sich auf der anderen Stra\u00dfenseite gegen\u00fcber der Kneipe befand, wie ein Kesselflicker stritt.<br \/>\nEins stand fest, wurde auf fahrzeugtechnischem Sektor, auf Feuerland oder der inneren Mongolei eine Neuerung publik, Lothar war der Erste im europ\u00e4ischen Raum, der dar\u00fcber im Detail Bescheid wusste. W\u00e4hrend seiner Erl\u00e4uterungen lief er vor Aufregung rot an, begann mit den H\u00e4nden zu gestikulieren, wie Luis Trenker und man musste deshalb immer kuckartig sein Bier in Sicherheit bringen. Letztendlich vertrat er seine Meinung unter Einsatz des gesamten K\u00f6rpers, dabei gl\u00fchte sein Gesicht noch mehr, die \u00c4uglein h\u00fcpften aufgeregt hin und her, schlie\u00dflich war nichts mehr zu verstehen, da er sich ewig verhaspelte und ob der <em>Begriffsstutzigkeit<\/em> seiner Zuh\u00f6rer fuchsig wurde. Es endete oftmals damit, dass er sich danach entweder grinsend in seinem Stuhl zur\u00fcck lehnte und nichts mehr von sich gab oder w\u00fctend aufsprang mit der Frage, &#8220;meint ihr etwa ich bin bl\u00f6de&#8221;, sofort bezahlte und gru\u00dflos verschwand.<br \/>\n<strong>\u00a0 &#8211; <\/strong>Lothar waren solche Auftritte, wie in der Bergaer Kneipe anfangs jedes mal sehr peinlich, err\u00f6tend versuchte er sofort diese fr\u00f6hlich lauten Willkommensbekundungen zu unterbinden, gr\u00fc\u00dfte h\u00f6flich, wartete bescheiden ab und setzte sich dann auf den ihm zugewiesenen Platz. Dann begann das eigentliche Ritual, Unbekannte wurden nicht aufgekl\u00e4rt, um wen es sich da handelte. Schlie\u00dflich war es doch erkennbar an seiner Uniform und der Dienstm\u00fctze mit jener Aufschrift: Kraftverkehr Sangerhausen. Bei Lothar handelte es sich einfach um einen erfahrenen sehr ber\u00fchmten, netten Berufskraftfahrer, der in der Umgebung des Kyffh\u00e4users einen besonderen Bekanntheitsgrad besa\u00df.<br \/>\n<strong>\u00a0 &#8211;<\/strong> Manchmal wurde ich das Gef\u00fchl nicht los, wenn jemand von Lothar die Best\u00e4tigung einer Begebenheit wollte, die er irgendwo mal \u00fcber ihn aufgeschnappt hatte, dieses Schlitzohr, sie dann sp\u00e4ter als sein Erleben wieder gab&#8230;<br \/>\nDa wollte z. B. eines Tages, jemand von Lothar nochmal die Geschichte von seiner Einreise ins Tschechland erfahren. Nun gab unser ber\u00fchmter <i>Trucker<\/i> nicht immer sofort solche Stories zum Besten, da musste man einen guten Tag erwischt haben. Ich vernahm jenen detaillierten Bericht sogar zweimal aus seinem Munde, und beide Schilderungen kamen absolut identisch und zum Quieken r\u00fcber! Gab es doch im es im Osten kein humorloseres Pack als Grenzer. Diese wurden lediglich von <em>hirnamputierten Parteisekret\u00e4ren<\/em> \u00fcbertrumpft&#8230;<br \/>\nDer Legende nach, wollte Lothar unbedingt auf der Einreisespur f\u00fcr Lkw\u00b4s abgefertigt werden. Daraufhin nahm man ihn erst mal hopp. Nach einer paar st\u00fcndigen \u00dcberpr\u00fcfung konnte er sogar am Kontrollpunkt \u00fcbernachten und schlie\u00dflich auf seiner gew\u00fcnschten Spur einreisen&#8230;<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-size: small;\">(<\/span><\/strong><span style=\"font-size: small;\">Was Einreisen ins Tschechland betrafen, konnte mein Spezi, der Sangerh\u00e4user Fotograf, <a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/zonenklaus\/8903362485\/in\/album-72157627685719972\/\">Mischa Langner<\/a>, auch ein irrwitziges Liedchen singen, dieses st\u00e4nde aber auf einem ganz anderen Blatt!<br \/>\nBringe es aber trotz\u00addem hier an. Noch w\u00e4hrend des Studiums, er wollte eigentlich Sportfotograf werden, da gab es einen Auftrag vom <\/span><span style=\"font-size: small;\"><i>Sportecho, <\/i><\/span><span style=\"font-size: small;\">sich bei einer Weltmeisterschaft auszutoben, ich glaube es ging damals um Eishockey&#8230;<br \/>\nAls <a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/zonenklaus\/8903979600\/in\/album-72157627685719972\/\">Hendrix-Fan<\/a> zierte nat\u00fcrlich ein entsprechender Bart sein Konterfei, deshalb lie\u00dfen ihn die Zo\u00adnengrenzer nicht einreisen, weil sein Passbild jene Zierde nicht aufwies. Also alles abrasieren und Stunden sp\u00e4ter weiterfahren. Nach zwei Wochen war alles nat\u00fcrlich etwas nachgewachsen, da schickten ihn die Ostler bei der vorgesehenen Einreise wieder retour, was die Tschechen sehr lustig fanden. H\u00e4tte alles nicht sein brauchen, wenn Mischa vorher meinem Hinweis nachgegangen w\u00e4re. Um solch identische Chose irgendwo in der Zone zu umgehen, wenn mal wieder eine <\/span><span style=\"font-size: small;\"><i>Zuf\u00fchrung<\/i><\/span><span style=\"font-size: small;\"> stattfand, landete mein entsprechendes <\/span><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/zonenklaus\/6143404373\/in\/album-72157627685719972\"><span style=\"font-size: small;\"><i>Dokument<\/i><\/span><span style=\"font-size: small;\"> einfach in der Waschmaschine<\/span><\/a><span style=\"font-size: small;\">. Da es absolut nicht m\u00f6glich war, einfach einen neuen Ausweis mit aktuellem Bildchen zu beantragen.<br \/>\nHatte ich bereits 1966 in Warnem\u00fcnde erlebt, weil von dort in Richtung Rostock, die ersten 15 km als Grenzgebiet angesehen wurden, gab es ewig Kontrollen von der <\/span><span style=\"font-size: small;\"><i>Transportpolizei<\/i><\/span><span style=\"font-size: small;\"> in den Vorort\u00adz\u00fcgen. Da kam es vor, dass diese Deppen dich deshalb zum Fris\u00f6r karrten. Wobei die billigste Ge\u00adgenwehr bereits als Widerstand gegen die Staatsgewalt geahndet wurde, wof\u00fcr man ganz billig einen Totensonntag im Knast einfangen konnte.<br \/>\nMeine Loden wurden deshalb immer mit Haarklemmen entsprechend behandelt und dazu trug ich eine Baskenm\u00fctze.<br \/>\nDabei gab es noch ein anderes Problem mit der M\u00e4hne, wenn man samstags im alten Hafen einen Job auf\u00adtrieb. Dabei ging es haupts\u00e4chlich um die Entladung von Getreidek\u00e4hnen, eigentlich simple Arbeiten. Hierf\u00fcr muss\u00adten im Laderaum, mit ellenlange Saugr\u00fcssel das Sch\u00fcttgut entsprechend be\u00adk\u00e4mpft werden.<br \/>\nMan aber freitags nie erfuhr, um welche Ladungen es dabei ging.<br \/>\nEkelhaft waren Gersteladungen, wegen der Grannen die dann \u00fcberall in der K\u00f6rperbehaarung fest\u00adhingen, \u00e4hnlich verhielt es sich bei den Partikeln von Fischmehl. Welche mit dem Schwei\u00df auch noch eine Kleis\u00adterschicht bildeten, hinzu kam allerdings auch noch der permanente Gestank&#8230;<\/span><span style=\"font-size: small;\"><b>)<\/b><\/span><\/p>\n<p>War mir auch schei\u00dfegal, denn wo Lothar auftauchte ging es immer lustig einher.<br \/>\nAlso, der Legende nach, soll sich auch folgendes, in den 1960ern, w\u00e4hrend der Friedensfahrt<sup><strong>(1)<\/strong> <\/sup>auf dem K<em>i<\/em>ffh\u00e4usergebirgskamm zugetragen haben.<br \/>\nAm Fu\u00dfe des Kulpenberger Fernsehturmes gab es eine Bergwertung. Hunderte von Menschen erwarteten den ersten Rennfahrer. Das Zielband wurde gerade gespannt, als Bewegung in die Massen kam und frenetisches Gebr\u00fcll anhob, das Lothar galt. Dieser hatte sich mit seinem Tourenrad auf dem Kamm, weit vor das Rennfahrerfeld gemogelt, wurde aber kurz bevor er \u00fcber die Ziellinie schoss, sehr unsanft vom Rad gezerrt&#8230;<br \/>\n<strong>\u00a0 &#8211;<\/strong> Zur\u00fcck zur Kneipe\u00a0 die Frage des Wirtes nach einem Bier beschied Lothar verneinend, da drau\u00dfen sein Gespann stand. Schlie\u00dflich trank er <em>im Dienst<\/em> keinen Tropfen Alkohol. Hatte er seine Brause, wurde sich anschlie\u00dfend immer nach seinem momentanen LKW erkundigt. Er stand auf die gro\u00dfen Tatras aus der \u010cSSR, Russenfahrzeuge mochte er nicht, die fra\u00dfen zu viel Sprit. Sein Traum, ein Volvo oder ein Laster aus Westdeutschland. Die er sich aber nie leisten k\u00f6nnte, wegen der viel Knete, au\u00dferdem die ewigen Probleme mit Ersatzteilen.<br \/>\nAn jenem Tag war er mit dem Tieflader unterwegs.<br \/>\n&#8211; Zu meinen Mafa-Zeiten wurde ich Zeuge, dass er einen seiner gr\u00f6\u00dften Tage erleben durfte. Es wurden dringend Zinkeimer ben\u00f6tigt, die aber nur direkt vom <em>Stahl und Walzwerk Thale<\/em> zu beziehen waren. Heinz P. kam auf die Idee, da an diesem Tag kein Betriebsfahrzeug vorhanden war, Lothar mit seinem <em>Tieflader<\/em> rund 100 km quer durch den Harz zu scheuchen. Nach anf\u00e4nglichen Bedenken des Dispatchers, wegen der Entfernung, ging\u00b4s ab. Ein paar Stunden sp\u00e4ter waren die Eimer da und der Plan nicht mehr in Gefahr!<br \/>\n<strong>\u00a0 &#8211;<\/strong> Alsbald neigte sich die Fr\u00fchst\u00fcckspause im Wirtshaus dem Ende zu, als jemand zum Gesetzesh\u00fcter gewandt bemerkte, dass er sich doch mal aufmachen sollte, wegen der Verkehrsregelung an der engen un\u00fcbersichtlichen Kreuzung nach Sangerhausen, denn Lothar bek\u00e4me mit seinem Truck sicher Probleme.<br \/>\nAn die sich ergebenden Folgen hatte der Spa\u00dfvogel in diesem Moment nicht gedacht, denn der Sheriff bezahlte und ging Hals \u00fcber Kopf an sein Werk. Selbige Kreuzung lag in unmittelbarer N\u00e4he der Kneipe, so lie\u00df sich von dort aus gut beobachten, was geschehen w\u00fcrde.<br \/>\nBesagte Stra\u00dfeneinm\u00fcndungen waren etwas chaotisch, denn am Ortsausgang von Berga, nach Sangerhausen, in West\/Ostrichtung, stand an der Kreuzung gleich die erste Warnbake, da ein Bahn\u00fcbergang folgte.<br \/>\nVom Auge des Gesetzes waren mehrere rotwei\u00dfe H\u00fctchen vom Asphalt entfernt worden und der Sheriff begann auf jener Kreuzung den Verkehr auf der F 80<strong><sup>(2) <\/sup><\/strong>zu regulieren.<br \/>\nAlle G\u00e4ste standen mittlerweile vor der Kneipe und harrten gespannt der Dinge, die sich da entwickelten. Allein Lothar war die Ruhe selbst, denn f\u00fcr ihn war ja alles normal. Er startete seinen Tieflader, legte krachend den ersten Gang ein und fuhr unter johlender Verabschiedung los. Der Schutzmann stand mit dem R\u00fccken zum Tieflader, als dieser an der Kreuzung stoppen musste.<br \/>\nNoch als er seinen Arm hob und eine viertel Umdrehung machte, schien er nichts zu bemerken, derweilen hielt Lothar wegen des Blinklichtes seine Hand raus, der Motor lief sehr leise. Endlich gab es f\u00fcr ihn freie Fahrt, gleichzeitig gewahrte der Gendarm, wen er da an der Ecke vor sich hatte. Pfeifen\u00a0 zwischendurch die Aufforderung endlich anzuhalten, das wildes Gefuchtel mit seinem schwarzwei\u00dfem Stab und hinter Lothar her, waren eins. Der lie\u00df sich durch das Gebr\u00fcll vom Sheriff in keinster Weise beeindrucken. Ganz im Gegenteil, er brachte ihn noch mehr in Rage, als er ihm aus <em>dem Fenster gelehnt<\/em> den entsprechenden Paragraphen zu rief, der besagte, dass man innerhalb der Warnbaken nicht halten, parken und wenden d\u00fcrfte.<br \/>\nPrompt blieb der Truck, allerdings nach dem letzten Zeichen des Bahn\u00fcberganges, blinkend stehen. Vom schlechten Gewissen geplagt, scheuchte der Wirt seine G\u00e4ste dem Fahrzeug hinter her. Schnaufend, puterrot, erschien der Ordnungsh\u00fcter bei Lothar und forderte ihn auf, vom Fahrrad zu steigen. Erhaben \u00fcber diese schn\u00f6de Anmache, stellte er mit allen dazugeh\u00f6rigen Ger\u00e4uschen seinen Motor ab.<br \/>\nMittlerweile waren auch die Verursacher dieses Gags, au\u00dfer Atem am Ort des Geschehens eingetroffen und versuchten als erstes den tobenden Polizisten zu beruhigen, der wiederum forderte von jedem Anwesenden den Personalausweis, obwohl ihm fast alle pers\u00f6nlich bekannt waren, was zu weiteren Verwicklungen f\u00fchrte.<br \/>\nNach kurzen Disput kl\u00e4rte sich alles auf, Lothar wurde mit zerknirschter Mine salutierend vom Gendarm entlassen, ehe der sich anschlie\u00dfend wieder auf seine Kreuzung begab, der Rest schlenderte zur\u00fcck in die Kneipe&#8230;<\/p>\n<p><strong><sup>(1) <\/sup>Friedensfahrt<\/strong>, da es im Osten auch ein gro\u00dfes Stra\u00dfenrennen geben musste, wurde dieses j\u00e4hrliche internationale Dreil\u00e4nderrennen seit den F\u00fcnfzigern durch Polen, der \u010cSR und der DDR gefahren.<br \/>\n<strong><sup>(2) <\/sup>F80<\/strong> &#8211; Fernverkehrsstra\u00dfe 80, heute B 80<\/p>\n<p><b>Sehr sp\u00e4te Fu\u00dfnoten: <\/b><br \/>\n<strong>&#8211;<\/strong> Sangerhausen: <a href=\"https:\/\/www.mz.de\/lokal\/sangerhausen\/sangerhausen-eine-legende-wird-80-2119864\">Eine Legende wird 80<\/a><br \/>\n<strong>&#8211;<\/strong> Ein Kumpel lie\u00df mir damals gleich das Filmchen von <i>Romy Steyer <\/i>zukommen. Stellte bei seinem Kommentar fest, dass er schlie\u00dflich auch meinem Standpunkt entsprach. Lothar h\u00e4tte wesentlich bessere Resonanzen von wirklichen Zeitzeugen verdient! In jener Zeit kam ich noch auf ein rundes Dutzend guter Bekannter, die mit ihm sogar gearbeitet haben und auch manchen Schwatz im <i>Ky\u00adli\u00adschen Tor <\/i>mit ihm t\u00e4tigten&#8230;<br \/>\nMir kam sogar das Gef\u00fchl hoch, dass <em>Romy S<\/em>., eigentlich ein <i>Vijo<\/i> \u00fcber ihre Zeitzeugen drehen wollte und daf\u00fcr Lothar lediglich als Aufh\u00e4nger benutzte.<br \/>\nHatte ihr als Folge dessen, damals einen Elektrobrief gesandt, aber niemals eine Antwort erhalten&#8230;<br \/>\n&#8211; <a href=\"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?s=Bahnhofsvorplatz+Sangerhausen\">Bahnhofsvorplatz Sangerhausen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine nicht redigierte wahrhafte Legende vom Fu\u00dfe des Kiffh\u00e4users &#8211; Anfang der 1970er &#8230;Das Leben auf dem Campingplatz nahm stressige Dimensionen an. Mein Zimmerchen befand sich neben den R\u00e4umlichkeiten der Rettungsschwimmer, fast jeden Abend gab es etwas zu feiern. An den Wochenenden erschienen Freunde und Kumpels. Gepennt wurde teilweise zu sechst in dieser kleinen Butze, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[55,32],"tags":[],"class_list":["post-20083","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-alltaeglicher-wahnwitz","category-sangerhausen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20083","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=20083"}],"version-history":[{"count":38,"href":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20083\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":45308,"href":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/20083\/revisions\/45308"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=20083"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=20083"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=20083"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}