{"id":2017,"date":"2009-01-31T22:16:43","date_gmt":"2009-01-31T21:16:43","guid":{"rendered":"http:\/\/12decode.de\/zonenklaus\/wordpress\/?p=2017"},"modified":"2019-02-17T12:51:15","modified_gmt":"2019-02-17T11:51:15","slug":"elvis-the-pelvis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=2017","title":{"rendered":"ELVIS &#8211; the PELVIS (I)"},"content":{"rendered":"<p><strong>U<\/strong>m abzulassen, wie es kam, dass ich als Ableger einer hardcore Stalinistin zu einem der gr\u00f6\u00dften <a href=\"http:\/\/74.125.77.132\/search?q=cache:vvrosiRYJ_IJ:www.elvisforever.de\/elvis_in_deutschland_1958.htm+elvis+friedberg&amp;hl=de&amp;ct=clnk&amp;cd=1&amp;gl=de\">Elvisfans<\/a> im Dorf mutierte, und was mir dies f\u00fcr Unbill einbrachte, muss ich weit ausholen.<br \/>\n<strong>Z<\/strong>u einer Zeit, wo der gemeine Ossi, alles aus dem Westen postwendend und ehrfurchtsvoll, 1 zu 5 in Ostmark umrechnete, tauchte Asse <em>(Seine Eltern betrieben in Sangerhausen den gr\u00f6\u00dften und modernsten Frisiersalon.)<\/em>, als 12j\u00e4hriger im Sommer 1959, mit einer Anodenwumme im Stadtbad auf, f\u00fcr umgerechnet runde 2500 Ostmark. Wei\u00df nicht mehr, entweder von <em>Schaub-Lorenz<\/em> oder <em>Grundig<\/em>. Was mich am meisten beeindruckte, war die Antenne, sie zog man wie ein Stahlbandmass, etwa 1 Meter, aus dem Geh\u00e4use. Zum Betrieb dieser kreischenden Wunderwaffe ben\u00f6tigte man zwei verschieden Stromspeicher, f\u00fcr die Heizung der R\u00f6hren <em>(3 Volt)<\/em> und zum weiteren Betrieb die so genannte <em>Anodenbatterie<\/em>, mit ca. 70 Volt und die kostete fast zwanzig Mark. Letztendlich, um mit Asses Radio knapp eine Stunde voll aufgedreht Musik zu lauschen &#8211; immer f\u00fcr \u00fcber 20 Mark einen Batteriesatz. Der damalige Stundenlohn eines Arbeiters betrug ohne Zuschl\u00e4ge, gerade mal 1,20 in der Stunde &#8211; Brutto.<!--more--><br \/>\nInnerhalb k\u00fcrzester Zeit musste Asse den Betrieb seines Radios drosseln, da es im Ort keine Batterien mehr gab. Erst an den Wochenenden, wenn die musikgeilen Jungs aus allen Winkeln des Landes in der Heimat eintrudelten, brachten sie Nachschub mit.<br \/>\n<strong>Z<\/strong>u jener Zeit betrieb ich zu Hause einen Kristall-Detektor aus den 20er Jahren, vom Opa, mit zwei Kreuzwickel-Luftspulen, wahlweise f\u00fcr Mittel- und Langwelle.<br \/>\nDieses Ger\u00e4t entsprach von der Gr\u00f6\u00dfe, einer halben Zigarrenschachtel, obwohl sich nichts weiter daran befand, innen ein Drehko und au\u00dfen acht Buchsen. Zwei f\u00fcr die entsprechende Spule, zwei f\u00fcr den 2000 Ohm Kopfh\u00f6rer, zwei f\u00fcr den Kristall, sowie f\u00fcr Antenne und Erdung. Um den <em>Gleichrichtereffekt<\/em> an einem Br\u00f6sel <em>Bleiglanz<\/em> oder<em> Pyrit<\/em> zu erzeugen, erforderte es viel Geschick und Geduld. Der mehrere Millimeter gro\u00dfe Kristall klemmte in einer metallischen Halterung, dies war ein Pol der Diode, der andere entstand an einer feinen, federnden Metallspitze mit deren Hilfe man, ganz vorsichtig auf dem Kristall die entsprechende Kontaktstelle suchte. Irgendwann kamen zu den Kratzger\u00e4uschen aus dem Kopfh\u00f6rer, die Laute von den Sendern.<br \/>\nWas allerdings nie eine Garantie darstellte, dass man in den n\u00e4chsten Stunden ungest\u00f6rt lauschen konnte. Eine ganz leichte Ersch\u00fctterung gen\u00fcgte und die Kontaktsuche auf dem Kristall begann von vorn. Tags\u00fcber gen\u00fcgte dazu der \u00dcberschallknall einer russischen MiG, nach 22 Uhr, die leichten Beben w\u00e4hrend der Sprengungen Untertage.<br \/>\nAuf Langwelle gab es nur drei Stationen, Deutschlandsender, Radio Moskau und RIAS Berlin, wobei er manchmal durch das Blubbern der St\u00f6rsender 24 Stunden am Tage gest\u00f6rt wurde. Als Kind mit guten Lauschern und optimalen atmosph\u00e4rischen Bedingungen kamen bisweilen nachts, noch Radio Mont Carlo und Warschau hinzu.<br \/>\n\u00c4hnlich verhielt es sich auf Mittelwelle. Da konnte es sein, dass n\u00e4chtens sogar AFN-Frankfurt durchkam. Zogen Gewitter auf und in Gegenden wo E-Loks ihren Strom von den oberen Dr\u00e4hten abgriffen <strong>(<\/strong><em>z.B. in der N\u00e4he von Braunkohlentagebauen, oder an Stra\u00dfenbahnlinien<\/em><strong>)<\/strong> konnte man den Empfang absolut vergessen.<br \/>\nDie Empfangsqualit\u00e4t hing nat\u00fcrlich auch von Antenne und richtiger Erdung ab.<br \/>\nUnser Nachbar erlaubte es, von seinem riesigen Walnussbaum die Langdrahtantenne in Richtung unseres Hauses zu spannen. Opa unterst\u00fctzte mich dabei und stellte keine Fragen. Den Draht hatte ich von der Kolchose weg gefunden, 3 Millimeter Nylonschnur mit einem rostfreien Metallgespinst drauf, vom Elektrozaun einer Koppel. Die Nettol\u00e4nge, zwischen jeweils drei Antenneneiern, ma\u00df 40 Meter.<br \/>\n<strong>Jetzt wieder etwas retour.<\/strong><br \/>\nZu jener Zeit, gab es noch recht wenig Rock\u00b4n Roll auf deutschen Sendern. Mal so eine Nummer in den dr\u00f6gen, morgendlichen Werbebl\u00f6cken, zwischen <em>Maggi-Kochstudio<\/em> und den Waschmitteln, ansonsten Pumpe.<br \/>\nSeinerzeit war mir noch jeder Reklamespruch gel\u00e4ufig, so z. B.:<br \/>\n<em>\u201eSolltest du mal einen schieben, Bauknecht wei\u00df, was Frauen lieben.&#8221;<\/em><br \/>\nOder: \u201e<em>Heute sind wir zu Gast bei Frau M. aus Gelsenkirchen, um zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob Dash so wei\u00df w\u00e4scht, wei\u00dfer geht\u00b4s nicht.&#8221;<\/em><br \/>\n<em>\u201eFrau M. stimmt die Behauptung, dass Dash so wei\u00df w\u00e4scht, wei\u00dfer geht\u00b4s nicht?&#8221;<\/em><br \/>\n<em>\u201eJa, es stimm<\/em>t! <em>Seit dem sich mein Mann seinen Schwanz mit Dash w\u00e4scht, habe ich blendend wei\u00dfe Z\u00e4hne!&#8221;<\/em><br \/>\nusw.<\/p>\n<p>Eigentlich gab es Ende der f\u00fcnfziger nur auf AFN und Radio Luxemburg regelm\u00e4\u00dfige Rock n\u00b4Roll-Sendungen.<br \/>\nBei den Luxemburgern war dies Camillo Felgen zu verdanken. Ich erinnere mich noch irgendwann gab es dort in den Hitparaden Unstimmigkeiten. Plattenfirmen legten Prostest ein, wegen vermuteter Schiebungen. Es betraf Streitigkeiten wegen angeblicher Bevorzugung von RCA, bei der Elvis unter Vertrag stand und London-Records, wo z. B. Little Richard hing&#8230;<br \/>\nJedenfalls, Asse sei Dank und nat\u00fcrlich Gro\u00dfvater! Denn zum Detektor gab es n\u00e4mlich noch ein entsprechendes Bastelbuch. Bald begann ich wegen dieser Musik, Radios zu bauen und in den folgenden Jahren wuchsen auch die Schwierigkeiten, die sich aus meinem Selbstverst\u00e4ndnis, als Fan von Elvis ergaben.<br \/>\nHinzu kam nach dem Mauerbau, dass in der Schule, in Ferienlagern und bei sonstiger Freizeit begonnen wurde, der Verbreitung von westdeutschsprachigen Schlagern Einhalt zu gebieten.<br \/>\nMassiver \u00c4rger traf mich mit voller Breitseite ab Anfang 1963, die folgenden 1\u00bd Jahre, w\u00e4hrend der 8\/9ten Klasse im Kinderheim.<br \/>\nUnser Gro\u00dfes Schefffchen, ein gewendeter Fanfarenzugleiter der HJ, nun gleichzeitig Parteisekret\u00e4r in der Schule, umgarnte mich wegen seines Lieblingskindes &#8211; dem Fanfarenzug. Jeder sollte musisch irgendwas machen. \u00dcber verschieden Versuche, landete ich \u00fcber die Fanfare, Landsknechttrommel, Flachtrommel, Blockfl\u00f6te und Mandoline, bei der Gitarre, was nirgends gut ankam. Im Fernsehraum versuchten wir \u00f6fters mit bescheiden Equipment, Schlager zu interpretieren, wegen dekadenter Ausdrucksformen und 100% West, erfolgte nach wenigen Wochen ein Verbot.<br \/>\nHinzu kam, Heintje und Roy Black hatten meinem Verst\u00e4ndnis zur Deutschen Schulze den Garaus bereitet, ich wendete mich ab. Au\u00dferdem sprudelte die richtige Musik jetzt in UK, blieb aber, trotz der Stones, noch ein Weilchen Elvis treu&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um abzulassen, wie es kam, dass ich als Ableger einer hardcore Stalinistin zu einem der gr\u00f6\u00dften Elvisfans im Dorf mutierte, und was mir dies f\u00fcr Unbill einbrachte, muss ich weit ausholen. 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