{"id":2039,"date":"2009-02-03T19:05:21","date_gmt":"2009-02-03T18:05:21","guid":{"rendered":"http:\/\/12decode.de\/zonenklaus\/wordpress\/?p=2039"},"modified":"2022-01-25T18:02:03","modified_gmt":"2022-01-25T17:02:03","slug":"elvis-the-pelvis-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=2039","title":{"rendered":"ELVIS &#8211; the PELVIS (II)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Z<\/strong>u Beginn meines 9. Schuljahres tauchte der zwei Jahre j\u00fcngere Aggi, aus Halle, im Heim auf. Seine Mutti war zu zwei Totensonntage hinter Schwedischen Gardinen verdonnert worden. Es handelte sich dabei um eine exemplarische Bestrafung, diese Nase hatte auf ihrer Arbeitsstelle, im Kaufhaus, nebenbei Nahtlose von ihrem Ex aus dem Westen, als <em>B\u00fcckware<\/em> verkauft. Hinzu kam, dass sie \u00f6fters im Dunstkreis der <em>Freundschaftskanne<\/em> auftauchte. <em>Kanne,<\/em> der Hallenser Begriff f\u00fcr eine kleinb\u00fcrgerliche <em>Gang,<\/em> die sich Anfang der 50er noch am <em>Theater der Freundschaft<\/em> traf. Sp\u00e4ter, als auch im Osten die Motorisierung begann, hingen M\u00e4nnlein und Weiblein, wegen fehlender Parkpl\u00e4tze im Zentrum, etwas abgelegener, an der Moritzburg herum. Au\u00dfer den Motorr\u00e4dern aus sozialistischen Produktionsst\u00e4tten, mehrheitlich 350er Javas aus dem Tschechland, provozierte nat\u00fcrlich das Outfit. Die Jungs in Nietenhosen, Elvistolle und Lederjacken. Wobei so manches dieser Offizierskleidungsst\u00fccke, von Papa aus seiner Zeit bei der SS, der Deutschen Wehrmacht oder Luftwaffe stammte &#8211; <em>Klasse Qualit\u00e4t und zeitloser Schnitt.<\/em><\/p>\n<p><strong>(<\/strong><em>Auch ich besa\u00df Anfang der 70er eine Joppe h\u00f6chster G\u00fcte, aus den 20ern. Allerdings sehr dickes Leder, schwer, steif und ohne Rei\u00dfverschluss, daf\u00fcr mit vier gro\u00dfen Taschen versehen &#8211; vom Rotfrontk\u00e4mpferbund.<\/em><strong>)<\/strong><br \/>\n<strong>( &#8211; NACHTRAG &#8211;<\/strong> <i>Muss dazu noch eine Erg\u00e4nzung einschieben! Eigentlich entsprang der Besitz dieser Rotfrontjoppe einem recht merkw\u00fcrdigen Tausch. \u00d6fters besorgte ich mir in einem Eislebner Tr\u00f6delladen Schellackplatten und warf nebenbei ewig Blicke auf alte Klamotten, die dann umgestaltet wurden. War nebenher auch scharf auf eine Lederjacke. Irgendwann meinte der Schefff , \u201eich habe etwas f\u00fcr dich, musst es dir aber entsprechend umarbeiten! F\u00fcr 10 Mark \u00fcberlasse ich dir ein schweres Lederteil.\u201c\u00a0 Ging nach hinten und stellte dann einen Mantel vor mich hin. Jener Kerl, der ihn fr\u00fcher Trug, musste ein H\u00fcne gewesen sein. Zog den Mantel \u00fcber, der war an den Schultern zu breit und nach unten fehlten zwei oder drei Zentimeter zum Boden hin. Grinsend kam, \u201e10 Eier sind geschenkt, muss aber dazu sagen, es handelt sich um einen Gestapomantel!\u201c<\/i><br \/>\n<i>Nahm ihn trotzdem mit, in der Hoffnung, ihn entsprechend abzu\u00e4ndern. Was sich hinterher, bei dem dicken Leder, als fast nicht machbar herausstellte, w\u00e4re nur mit einem riesigen Aufwand m\u00f6glich gewesen. Trug ihn, zumindest im Dorf, nur zweimal. Wegen meiner Jesuslatschen schlug mir der untere Rand die Fersen wund. Wenige Tage darauf, sprach mich ein Arbeitskollege an, weshalb ich das Teil nicht mehr tragen w\u00fcrde und gab ihm die entsprechende Begr\u00fcndung. Da schlug er mir einen Tausch gegen eine Rotfrontk\u00e4mpferjacke vor, auf den ich nat\u00fcrlich flugs einging. Kaum drei Jahre sp\u00e4ter wechselte die Joppe, gegen zwei Flaschen Schluck, den Besitzer&#8230;<\/i><strong>)<\/strong><br \/>\n<!--more--><br \/>\n<strong>M<\/strong>\u00e4dels in Petticoat und hoch toupierten Haaren, trafen sich einfach so und stahlen dem lieben Gott die Zeit, wie es Jugendliche seit Jahrtausendenden manchmal tun. Allerdings kam in der Zone ein politischer Aspekt hinzu, das Fr\u00f6nen <em>westlich dekadenter Lebensformen<\/em>. Nat\u00fcrlich klirrten in diesem Kreis auch <em>Anodenwummen<\/em>, logischerweise mit den gerade angesagten Hits aus der Westwinddrift. Es kam einer Verh\u00f6hnung gleich, wenn man sich als Jugendlicher an den Vorgaben, dieser senilen, impotenten Volkskammergreisen orientieren sollte. Lutz Jahoda, der<em> Zonenelvis,<\/em> war da im Angebot, B\u00e4rbel Wacholz oder Herbert Roth und seine Traudel &#8211; Ein Zonenspruch aus dieser \u00c4ra: \u201eDer Rock \u00b4n Roll ist tot, es lebe wieder Herbert Roth.\u201c<br \/>\nDa konte unsereins das Sperma flockig werden.<br \/>\n<strong>A<\/strong>ls gr\u00f6\u00dfte S\u00fcnde stellte sich nachmittags an der Burg heraus, wenn Paare auf dem Gehsteig, zu der gerade angesagten Mucke, sich gegenseitig die neuesten Stepps vorf\u00fchrten.<br \/>\n<strong>D<\/strong>iese <em>ungenehmigten Tanzveranstaltungen<\/em> wurden immer wieder nach \u00e4hnlichem Schema unterbunden. Im Hintergrund lauerte ein \u00dcberfallkommando, w\u00e4hrend ein scheintoter Anh\u00e4nger der <em>Dreigrammbewegung<\/em> mit einem riesigen Bonbon am Revers, ein St\u00fcck Pappe z\u00fcckte, das ihn als<em> Helferchen der Volkspolizei<\/em> auswies. Teilweise, die dort Anwesenden, mit r\u00e4tselhaften deutschem Idiom aufforderte, ihre Ausweise zu pr\u00e4sentieren. Worauf es nat\u00fcrlich entsprechendes Kontra gab und fast synchron die kleinen Gr\u00fcnen M\u00e4nnchen mit gez\u00fcckten Gummikn\u00fcppeln erschienen. Entwickelte es sich f\u00fcr die Kantenlatscher alles eine Nummer gr\u00f6\u00dfer, mussten die armen Schweine der Be-Po <strong>(<\/strong><em>ugs. auch Arbeiterkn\u00fcppelgarde genannt<\/em><strong>)<\/strong> dran glauben.<br \/>\nIn Schnellgerichtsverfahren wurde so f\u00fcr Nachschub an der Arbeitsfront in gesiebter Luft gesorgt. Die Menge von Schauprozessen, betreffs Jugendkriminalit\u00e4t im Bezirk Halle und deren Landkreise, war in der Zone immer beispiellos. Ebenso das m\u00e4\u00dfige Niveau in Politik und auf h\u00f6herer Leitungsebene von Gro\u00dfbetrieben. Auf Blindenchefs der Partei, die verantwortlich zeichneten f\u00fcr Vorgaben in allen Lebenslagen, m\u00f6chte ich hier nicht weiter eingehen. <em><strong>(<\/strong>Muss aber bemerken, da hat man in den letzten Jahrzehnten, was die \u201calten Bundesl\u00e4ndern\u201c angeht, viel vom Osten abgekupfert. Jene Schei\u00dfe, die fr\u00fcher Parteisekret\u00e4re verzapften, die von den komplizierten, innerbetrieblichen Abl\u00e4ufen eins hatten &#8211; und zwar unbegrenzt &#8211; n\u00e4mlich keine Ahnung! Diese Jobs erledigen heute mit viel Elan BWLer<\/em><strong>.)<\/strong><br \/>\n<strong>M<\/strong>\u00f6chte nochmals zu den immer wieder auftretenden Schauprozessen zur\u00fcckkommen. Auch darauf, wie im Vorfeld zugearbeitet wurde und einzelne Situationen im Zusammenspiel mit der Auslegung von Gesetzen &#8211; musterg\u00fcltig ausgef\u00fchrt von Paragraphenknechte, welche h\u00fcndisch jenes System hofierten.<\/p>\n<p><strong>B<\/strong>enutze dazu Beispiele von<em> Kannenmitgliedern<\/em>, wo durch Rechtsbeugung immer wieder \u00e4hnlich gelagert, Leute im Knast landeten. Es uferte auch aus, dass Familienmitglieder im Wohnbezirk und den Betrieben in Mitleidenschaft gezogen wurden. Bei den Medien, speziell der Bezirksparteipostille \u201eFreiheit\u201c, sorgten Schmierfinken, so genannte \u201eVolkskorrespondenten\u201c, f\u00fcr entsprechende Manipulation, indem sie mit <em>Volkes Stimme<\/em> irgendwelche G\u00fclle verspritzten. Einige Jahre sp\u00e4ter konnte ich in Rostock einen \u00e4hnlich gelagerten Prozess verfolgen, es betraf Kumpels von mir, harmlose <em>Gammler<\/em>. Heraus kam etwa die Preislage in Halle, Notzuchtverbrechen, K\u00f6rperverletzung, mehrerer Eigentumsdelikte,\u00a0 <em>verbrecherischer Trunkenheit<\/em>, man griff auch noch in die Kiste folgender Delikte&#8230;<br \/>\n<strong>&#8211;<\/strong> <strong>W<\/strong>enn jemand bei polizeilichen Ma\u00dfnahme hopp genommen wurde, der wenige Tage vorher aus dem <em>Sozialistischen Kollektiv<\/em> geflogen war, nur weil er sich den Bestrebungen seiner Kollegen widersetzte, die seine Frisur nicht hinnahmen, da man im <em>Roten Brigadetagebuch<\/em> niemand verewigen wollte, der als schlechte Kopie dieser <em>amerikanischen Heulboje<\/em> sich in seiner Freizeit zu diesen <em>Schluckaufges\u00e4ngen<\/em> auch noch am\u00fcsierte. Nun wenige Tage arbeitslos war, konnte dieser Umstand zwei Totensonntage <em>Arbeitserziehung<\/em> in der Braunkohle nach sich ziehen oder durch Erpressung, eine neue Planstelle als IM besetzt werden<br \/>\n<strong>&#8211; S<\/strong>chl\u00e4ge abwehren, durch hochrei\u00dfen der Arme &#8211; <em>Widerstand gegen die Staatsgewalt<\/em>, 2 Jahre Minimum <strong>(<\/strong><em>Wir waren sp\u00e4ter etwas schlauer, bei solch \u00e4hnlichen Eins\u00e4tzen wurde sich ruckartig hingekniet und die H\u00e4nde hinter dem Kopf<\/em> gefaltet.<strong>)<\/strong><br \/>\n<strong>&#8211; B<\/strong>lanke Anwesenheit w\u00e4hrend staatlicher\u00a0<em>Ordnungsma\u00dfnahmen <\/em>&#8211; Rowdytum, mindestens 2 Jahre Knast<br \/>\n<strong>&#8211; L<\/strong>autes, provokantes abspielen westlicher Musik in der \u00d6ffentlichkeit &#8211; wurde wegen Verbreitung geahndet, zumindest der IM-Job winkte<br \/>\n<strong>&#8211; V<\/strong>erbales Rummobbern w\u00e4hrend der Verhaftungszeremonie &#8211; Hetze, 2 Jahre oder<em> Boykotthetze<\/em> noch ein weiters Jahr Zuschlag<br \/>\n<strong>&#8211; <em>M<\/em><\/strong><em>opeds<\/em> wurden als Tatwerkzeuge sichergestellt. Weil dies meistens nicht haltbar schien, wurde gesucht und man konnte fast immer etwas finden, um solch eine Karre auf Monate aus dem Verkehr zuziehen: Zylinder manipuliert, irgendwelche Ritzel abgedreht, Rei\u00dfgas angebracht, am Schalld\u00e4mpfer gefummelt, bei der 350er jeden Topf mit einem Vergaser versehen, zu viele Teile verchromt, h\u00e4rtere Federung eingebaut, Lenker ausgetauscht usw.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu Beginn meines 9. Schuljahres tauchte der zwei Jahre j\u00fcngere Aggi, aus Halle, im Heim auf. Seine Mutti war zu zwei Totensonntage hinter Schwedischen Gardinen verdonnert worden. Es handelte sich dabei um eine exemplarische Bestrafung, diese Nase hatte auf ihrer Arbeitsstelle, im Kaufhaus, nebenbei Nahtlose von ihrem Ex aus dem Westen, als B\u00fcckware verkauft. 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