{"id":20824,"date":"2013-04-23T22:04:47","date_gmt":"2013-04-23T21:04:47","guid":{"rendered":"http:\/\/12decode.de\/zonenklaus\/wordpress\/?p=20824"},"modified":"2025-02-01T01:23:41","modified_gmt":"2025-02-01T00:23:41","slug":"richie-havens-geht-nicht-mehr-einkaufen-goodbye-old-ben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=20824","title":{"rendered":"Richie Havens geht nicht mehr einkaufen &#8211; Goodbye old Ben!"},"content":{"rendered":"<p>Zwei kurze Geschichten zum Verblichenen.<br \/>\n<strong>F<\/strong>\u00fcr mich war auf dem Dreieralbum vom <a href=\"http:\/\/www.metacafe.com\/watch\/7624067\/woodstock_1969\/\">Woodstock-Festival<\/a> der Mitschnitt von <a href=\"http:\/\/derstandard.at\/1363708941304\/Folk-Saenger-Richie-Havens-gestorben\">Richie Havens<\/a> eins der sch\u00f6nsten St\u00fccke.<br \/>\n1970 wurden mir diese Scheiben auf Grund von vielen Verwicklungen als Geschenk offeriert.<br \/>\nAm 23. Dezember waren Jimi und ich f\u00fcr einige Tage bei einem Freund in Krak\u00f3w eingerastet, wir wollten anschlie\u00dfend Silvester in Zakopane feiern.<br \/>\nDer Aufenthalt bei unserem Landlord stand unter einem schlechten Stern, dies lag an seiner recht merkw\u00fcrdigen Freundin, jung, sehr h\u00fcbsch und bereits mittags immer schon leicht dr\u00f6hnig. Bei ihr handelte es sich um eine reiche Passamerikanerin mit polnischen Wurzeln, kurz vorher war das M\u00e4del aus D\u00e4nemark eingereist, besser gesagt, von dort ausgewiesen worden. Kurz in der <a href=\"https:\/\/www.visitdenmark.de\/daenemark\/reiseplanung\/christiania-gdk957761\">Christiania<\/a> eingerastet, hatte sie gleich einen PKW gekauft und war \u00f6fters recht bezecht hopp genommen worden. Die Kopenhagener Beh\u00f6rden stellten schlie\u00dflich ein Ultimatum, entweder die Karre verkaufen und niemals mehr dort fahren oder ab nach Polen&#8230;<br \/>\nHeilig Abend stand von Madame die Einladung zum Weihnachtsbei\u00dfen in einem Nobelhotel an, wobei fast alles in die Hose ging, da sie kurz vor dem Aufbruch darauf bestand, die wenigen Meter mit ihrer Karre zufahren &#8211; sie aber schon wieder recht angesoffen. Die Streiterei erreichte w\u00e4hrend der kurzen Fahrt den H\u00f6hepunkt, irgendwann schaut ich von hinten auf den Tacho, wir waren zu diesem Zeitpunkt schon mehrfach mit quietschenden Reifen um die Tuchhallen gerast und raunte zu Jimi, \u201eeh, die Tusse spinnt vollends! Die hat auf gerader Strecke fast 80 Sachen drauf!\u201c Mein Kumpel schaute nach vorn und schrie entsetzt, \u201eAlter &#8211; das sind Meilen! Das sind Meilen!!!\u201c<br \/>\nDann ging alles ganz schnell, weil pl\u00f6tzlich die Miliz an uns klemmte, der Beifahrer zog nach der letzten Kurve vorsichtig die Handbremse bis zum Anschlag und kamen am Ziel zum Stehen, schr\u00e4g vor uns hielten die Gendarmen.<br \/>\nWas wir dann sahen verbl\u00fcffte uns reichlich. Die Frau zog den Z\u00fcndschl\u00fcssel, stieg aus kramte aus ihrer Handtasche ein B\u00fcndel zerkn\u00fcllte Scheine, fischte mehrere Zehndollarnoten heraus, torkelte mehrere Schritte auf die Uniformierten zu, dr\u00fcckte jedem einen Schein in die Hand und schwankenden Schrittes ging es in Richtung eines livrierten Knechtes vor dem Hotel. Dem Herrn rief sie etwas zu, schmiss ihm in hohem Bogen die Schl\u00fcssel entgegen, der fing sie gekonnt auf, der erhielt im Vorbeigehen auch seinen <strong><em>S<\/em><em><strong>a<\/strong>wbuck <\/em><\/strong>und parkte den Wagen korrekt.<br \/>\nMann, unserer Auftritt in Richtung Speisesaal war mir doch recht unangenehm.<br \/>\nErstmalig in solch nobler H\u00fctte. Ewig wuselten irgendwelche Knechte herum und alles glotzte am\u00fcsiert. Das hing etwas mit dem Outfit zusammen. Wir beide in hellgelben Fransenstiefeln, nach einer Skitze von mir hergestellt, dazu in den bunten gekn\u00fcpften Jacken. Jimi mit einer tief violetten Ballonm\u00fctze <strong>(<\/strong><em>die ich ihm nach seinen Anweisungen gen\u00e4ht hatte<\/em><strong>)<\/strong> und mein Haupt zierte eine wei\u00dfe Pelzm\u00fctze aus tibetanischen Bergziegenfell, deren Ausma\u00dfe den Afrolook von Angela Davis um vieles \u00fcbertraf. Die Jeans an den Schenkeln kunstvoll, vielfarbig in sehr kleinkarierten Schachbrettmustern gestopft, am Hals hing Gebamsel aus Lederschn\u00fcren mit Strass, teilweise fein geflochten und auf meiner 50er-Jahre GST-Jacke prangte der hebr\u00e4ische Schriftzug: \u201eShalom\u201c.<br \/>\nVon den anwesenden G\u00e4sten w\u00e4re bestimmt niemand auf die Idee gekommen, dass wir aus dem musterg\u00fcltigem sowjetischen Appendix westlich der <em><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/spiegelgeschichte\/d-76574307.html\">Oder-Nei\u00dfe-Friedensgrenze<\/a><\/em> stammten.<br \/>\nNebenher die permanenten Streitereien unserer Gastgeber, mal lauter, mal leiser. Die verf\u00fcgten aber \u00fcber Narrenfreiheit, denn alle Bediensteten in dem Schuppen schienen mit ihrer Art vertraut&#8230;<br \/>\nWerde jetzt alles etwas abk\u00fcrzen<!--more--><br \/>\nAch so, der Hauptgang wurde schlie\u00dflich kalt eingepfiffen, da der Disput kulminierte und wir auf das Ende der Auseinandersetzung warteten, au\u00dferdem lag auf dem riesigen Teller neben dem Truthahnteil ein Haufen aus fast schwarzer Pampe, mit dem wir nichts anfangen konnten &#8211; die stellte sich sp\u00e4ter als Pflaumenmus heraus.<br \/>\nAuf dem kurzen Heimweg knallte es mir dann fast die Hufen weg. Hatte ich mich doch zwischendurch immer mal erbarmt und mehrfach die Sto-Gramm von dem h\u00fcbschen Schluckspecht vernichtet.<br \/>\nWieder daheim, pennte Madame erstmal eine Runde und Pies legte dann stinksauer eines seiner Geschenk auf den Plattenteller, selbige Maschine stand unter einem ausladendem Ast des Weihnachtsbaumes. Stunden vorher hatten wir die nagelneuen Plattensch\u00e4tze noch ehrfurchtsvoll begutachtet.<br \/>\nAlles begann mit den \u201eDoors\u201c, irgendwann tropfte Wachs herunter, ich h\u00e4tte heulen k\u00f6nnen, Jimi ging es nicht anders. Was dann kam, sprengte unsere Vorstellung vom Umgang mit nagelneuen LP\u00b4s. Irgendwann knallte der Arm, ob des Wachses in Richtung Mitte. Der Scheff nahm ein Messer,\u00a0 kratzte das erh\u00e4rtete Zeug weg, nahm ein Streichholz, klemmte es quer unter den Saphir und legte obendrauf ein volle Schachtel zapa\u0142ki.<br \/>\nDas war zu viel, Jimi trudelte in Richtung Povt\u00fcte.<br \/>\nAls Pies sich anschickte, das Woodstock-Album aus seiner Schutzh\u00fclle zu pellen, kam entsetzter Protest meinerseits: \u201eDon&#8217;t do it, I can&#8217;t see it!!!\u201c<br \/>\nVerbl\u00fcfft schaute mich mein polnischer Freund an, reichte mir die Scheibe, \u201eEde! Prezent f\u00fcrr sie&#8230;!\u201c<br \/>\nMein bl\u00f6der Gesichtsausdruck lie\u00df ihn schallend lachen, \u201ePrezent!\u201c<br \/>\n&#8211; H\u00f6re hier auf, denn \u00fcber den Ablauf dieser anderthalb Wochen k\u00f6nnte man ein sehr lustiges Buch verzapfen&#8230;<br \/>\nWegen der ewige Bambule zwischen dem merkw\u00fcrdigen P\u00e4rchen zogen wir schlie\u00dflich zu einem befreundeten Bildhauer &#8211; <em>Hatte eben mal im Netz gest\u00f6bert und mitbekommen, dass <a href=\"https:\/\/www.google.de\/search?q=jerzy+beres&amp;lr=lang_de&amp;hl=de&amp;tbs=lr:lang_1de&amp;source=lnms&amp;tbm=isch&amp;sa=X&amp;ei=lvB2UfSrIYfJswb2pIDgCg&amp;ved=0CAcQ_AUoAQ&amp;biw=1280&amp;bih=612\">Jerzy Bere\u015b<\/a> im letzten Jahr, am 25. Dezember 2012, verstorben ist.<\/em><br \/>\nEtwas muss noch eingeschoben werden.<br \/>\nEin sympathischer Stino versteckte w\u00e4hrend des Grenzwechsels die Platten unter seinem Hemd, diese Vorsichtsma\u00dfnahme stellte sich aber als vollkommen unbegr\u00fcndet heraus, denn der Zug war gerammelt voll und au\u00dferdem gab es keine Kontrollen. Ab 1972 konnten dann\u00a0 Polen und das Tschechland\u00a0<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reiseanlage_f%C3%BCr_den_visafreien_Reiseverkehr\"> \\&#8221;visafrei\\&#8221; <\/a>besucht werden.<\/p>\n<p>In der zweiten Neujahrswoche tauchte ich in einem Magdeburger Studentenklub der Fachschule f\u00fcr E-Technik(?) auf, gut verstaut \u201eWoodstock\u201c unterm Arm.<br \/>\nAuch meinem Kumpel Meier gelang es nicht, mich an den Idioten vom Einlass vorbei zu schleusen, dass ich schlie\u00dflich hereinkam verdankte ich dem dortigen \u201eSchallplattenunterhalter\u201c, geil wie er auf die drei Scheiben war, bat er mir sofort 10 <a href=\"https:\/\/www.ddr-museum.de\/de\/objects\/1015454\">M\u00e4hdrescher<\/a> an und drohte den Verantwortlichen damit, wenn sie mich nicht reinlie\u00dfen, er an dem Abend nur noch 100% Ostmucke auflegen w\u00fcrde.<br \/>\nEinige wenige St\u00fccke wurden aufgelegt, \u201e<a title=\"Tens years after\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=K0ohJac56vo\">Tens years after<\/a>\u201c, \u201e<a title=\"Joe Cocker\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=bRzKUVjHkGk\">Joe Cocker<\/a>\u201c, \u201e<a title=\"Canned Heat\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6smtAY8dXSI\">Canned Heat<\/a>\u201c&#8230;<br \/>\nDer eigentlicher Renner des Abends war aber Richie Havens mit seinem \u201eFreedom\u201c.<br \/>\nZu vorger\u00fcckter Stunde lief dieser Song nochmals. Da wurde es dem DJ doch etwas unheimlich, wegen anstehender textlicher Schwierigkeiten br\u00fcllten die ekstasisch hottenden Leute wie am Spie\u00df letztlich nur immer wieder \u201eFreedom!\u201c<\/p>\n<p><strong>E<\/strong>nde der 70-er oder Anfang der 80-er fand in der Berliner Eissporthalle ein \u201eWoodstock-Revival\u201c statt und dies war blank zum Abkotzen, nicht nur wegen der auftretenden Pop-Heroen, auch der Sound kam abartige her\u00fcber.<br \/>\nHier einige Highlights vom Event:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=xuUBCF3KKxc\">Country Joe McDonald<\/a> trat solo auf, den Rest konnte man vergessen.<br \/>\nRichie Havens kam mit Band und machte einen auf Senior-Hippie-Show, der Dealer musste ihnen vorher auch noch absoluten Schei\u00df untergejubelt haben.<br \/>\nJoe Cocker verkaufte sich an jenem Abend als vollblutalkoholisierten Spastiker, der schlie\u00dflich mehrfach die Eins\u00e4tze verpasste, gar nicht registriert wie er mit allem m\u00f6glichen Zeug bombardiert wurde und schlie\u00dflich untergehakt zwei Roadies r\u00fcckw\u00e4rts von der B\u00fchne gezerrt wurde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei kurze Geschichten zum Verblichenen. 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