{"id":2308,"date":"2009-02-18T22:02:50","date_gmt":"2009-02-18T21:02:50","guid":{"rendered":"http:\/\/12decode.de\/zonenklaus\/wordpress\/?p=2308"},"modified":"2022-01-24T16:09:39","modified_gmt":"2022-01-24T15:09:39","slug":"tarantel-satirische-monatszeitschrift-der-sowjetzone-i","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=2308","title":{"rendered":"TARANTEL &#8211; Satirische  Monatszeitschrift der Sowjetzone (I)"},"content":{"rendered":"<p>Sicher interessant f\u00fcr Leute, die nie etwas von Propagandapublikationen aus dem Westen vernommen haben.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/12decode.de\/zonenklaus\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/ta0aa.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2309\" src=\"http:\/\/12decode.de\/zonenklaus\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/ta0aa-212x300.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/ta0aa-212x300.jpg 212w, https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/ta0aa.jpg 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/12decode.de\/zonenklaus\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/ta0bb.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2310\" src=\"http:\/\/12decode.de\/zonenklaus\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/ta0bb-206x300.jpg\" alt=\"\" width=\"206\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/ta0bb-206x300.jpg 206w, https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/ta0bb.jpg 320w\" sizes=\"auto, (max-width: 206px) 100vw, 206px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das Grab meiner Jugend, Sangerhausen, lag in der Westwinddrift, au\u00dferdem befand sich in der H\u00f6he von 10 000 ft (entspricht: 3333 yds) der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Luftkorridor_(Berlin)\">Luftkorridor<\/a> Frankfurt\/Berlin, deshalb wurden wir bis weit in 60er Jahre optimal mit Propagandamaterial eingedeckt. Diese einzelnen Flugbl\u00e4tter, oder Zeitschriften kamen entweder durch Ballonfracht angefahren oder wurden einfach aus den Fliegern gekippt, zeitweise regnete es nachts Unmengen dieser Papierchen.<\/p>\n<p>Der Osten war kein Deut besser, hatte aber immer die schlechteren Karten, <em>(Wieder mal typisch Zone, selbst da waren sie in den Arsch gekniffen.)<\/em> was die g\u00fcnstigen Luftstr\u00f6mungen gen Westen anging.<br \/>\nMit verst\u00e4rktem Einsatz ging es immer zum Sp\u00e4tsommer los, wenn die Herbstman\u00f6ver begannen und unsere Drachenzeit. Da regnete es zus\u00e4tzlich sogar Zeitschriften, t\u00e4uschend echte Milit\u00e4rgazetten in Kyrillisch, f\u00fcr NVA-Genossen ein Reprint der \u201eVolksarmee\u201c, allerdings d\u00fcnner und etwas kleiner &#8211; Wer mit solch einem Presseerzeugnis erwischt wurde, landete sofort in <a href=\"http:\/\/www.berlinonline.de\/berliner-zeitung\/archiv\/.bin\/dump.fcgi\/2000\/0629\/lokales\/0016\/index.html\">Schwedt<\/a> und musste nachdienen.<!--more--><br \/>\n<strong>Drei Episoden m\u00f6chte ich hier noch ablassen, die jene Luftpost betrafen. <\/strong><br \/>\nDie erste ereignete sich im Oktober 1957. Aus Anlass des 40sten Jahrestages der &#8220;Gro\u00dfen Sozialistischen Oktoberrevolution&#8221; fanden in unserer Umgebung wochenlange Man\u00f6ver statt, haupts\u00e4chlich von Angeh\u00f6rigen der Roten Armee.<br \/>\nEs begann an einem wundersch\u00f6nen Oktobertages am sp\u00e4ten Nachmittag. Die Sonne stand s\u00fcdwestlich \u00fcber dem Kyffh\u00e4users, als ich in meinem Zimmer ohrenbet\u00e4ubenden L\u00e4rm vernahm.<\/p>\n<div id=\"attachment_2321\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/12decode.de\/zonenklaus\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/01a1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2321\" class=\"size-medium wp-image-2321\" src=\"http:\/\/12decode.de\/zonenklaus\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/01a1-300x201.jpg\" alt=\" Die kleinb\u00fcrgerliche Idylle in der ich aufwuchs. Dieses Photo ist allerdings von 1929. \" width=\"300\" height=\"201\" srcset=\"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/01a1-300x201.jpg 300w, https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/01a1.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2321\" class=\"wp-caption-text\">Die kleinb\u00fcrgerliche Idylle in der ich aufwuchs. Dieses Photo ist allerdings von 1929.<\/p><\/div>\n<p>Wie riesige Hornissen kamen aus nordwestlicher Richtung, mehrere Staffeln \u201eFliegender Waggons\u201c, immer sechs \u201e<a href=\"http:\/\/74.125.77.132\/search?q=cache:YlmfY2hxStwJ:de.wikipedia.org\/wiki\/Jakowlew_Jak-24+Jak+24&amp;hl=de&amp;ct=clnk&amp;cd=1&amp;gl=de\">Jak 24<\/a>\u201c hintereinander, das Tal entlang geflogen, vielleicht 60 Meter hoch, fast in Augenh\u00f6he, im Abstand von vielleicht 10 Minuten. Ich sofort runter und hockte mich auf einen dieser riesigen St\u00fctzpfeiler unserer Hofmauer und beobachtete das Schauspiel. Vom Knattern der Rotoren taten mir augenblicklich die Ohren weh. Nebenbei gewahrte ich, dass unsere Federvieh vollkommen durchdrehte, es war von der Hofmauer runter in den Garten geflattert und raste zwischen den Himbeeren und anderem Gestr\u00e4uch laut kreischend hin und her. Vom aufgewirbelten Staub begann es dunkler zu werden.<br \/>\nSchr\u00e4g vor mir, vielleicht 400 Meter entfernt, auf der anderen Talseite, das gleiche Schauspiel. Alles Viehzeug vom Nachbar raste wie bl\u00f6de, kreuz und quer \u00fcber die abgeernteten Felder, H\u00fchner, G\u00e4nse, Enten, Schafe und der halbverhungerte Zossen.<br \/>\nZur gleichen Zeit machte sich bei unseren beiden b\u00e4uerlichen Nachbarn auch das gesamte Viehzeug selbstst\u00e4ndig, hinzu kamen da noch Rinder, Schafe und Pferde. Anschlie\u00dfend landete manches Tier sofort unter dem Messer, wegen schwerer Verletzungen die vom Koppeldraht herr\u00fchrten. Am schlimmsten traf es den Sch\u00e4fer, dessen Gatter sich gleich hinter dem \u201eBeinschuh\u201c befand. Keine hundert Meter von dort, s\u00fcdlich des \u201eGerichtsweges\u201c landeten einige \u201eFliegende Bananen\u201c.<br \/>\nDann stand mein Freund Datsch vor mir, sofort rannten wir zu oberen Gartenpforte und raus auf das Feld vor unserem Grundst\u00fcck.<br \/>\nAus S\u00fcden w\u00e4lzte sich eine riesige Staubwolke in unsere Richtung, hinter der die Helis verschwanden. Meine Oma verbot uns auch nur einen Schritt weiter, in dieses donnernde Chaos zu bewegen.<br \/>\nIn der D\u00e4mmerung gingen wir dann doch etwas n\u00e4her ran, denn einige Neugierige tauchten auf und denen schlossen wir uns an.<br \/>\nSowjetische Soldaten besch\u00e4ftigten sich etwas weiter weg, mit dem Aufbau des Gatters und andere fingen Schafe ein.<br \/>\nZwei Zelte wurden errichtet, \u201enat\u00fcrlich nur f\u00fcr die Offiziere, denn die Muschkoten pennen ja am liebsten nur in ihren Zeltbahnen eingrollt.\u201c<br \/>\nNachts gewahrte ich vom Balkon flackernde Feuer am Horizont, bei Tagesd\u00e4mmerung weckten mich infernalisch Knallger\u00e4usche, die von den startenden Hubschraubern stammten.<br \/>\nVor dem Gang zur Schule wurde registriert, dass in der N\u00e4he des Stammplatzes vom Sch\u00e4fer, nur noch ein gro\u00dfes Zelt stand. Nachmittags pirschten Datsch und ich in diese Richtung und beobachteten aus gesicherter Entfernung den Aufbau einer Funkstation, bestehend aus einem LKW und Gel\u00e4ndewagen, nebst der Errichtung von merkw\u00fcrdigen Antennenkonstruktionen. Die gesamte Anlage stand anschlie\u00dfend mehrere Wochen dort.<br \/>\nOmas Verbot mit den Russen Kontakt aufzunehmen, verblasste sehr schnell, denn ihre Bef\u00fcrchtungen, dass ich mir dort Fl\u00f6he und L\u00e4use einfing, bewahrheiteten sich nicht. Was haben wir dort alles abgestaubt, einzig meinen Beuteschapka konfiszierte sie, r\u00fcckte das M\u00fctzchen aber wieder raus, als ich es gegen etwas eintauschen wollte.<br \/>\nDas allergr\u00f6\u00dfte, was uns in diesen Wochen widerfuhr: mehrfach durften wir beidh\u00e4ndig, aus ungef\u00e4hr 8 Meter Entfernung, mit einer \u201e<a href=\"http:\/\/74.125.77.132\/search?q=cache:CEqvl8R9CjsJ:de.wikipedia.org\/wiki\/Makarow_(Pistole)+makarow&amp;hl=de&amp;ct=clnk&amp;cd=5&amp;gl=de\">Makarow<\/a>\u201c auf die dort stehenden Telefonmasten schie\u00dfen&#8230;<br \/>\nIn eben dieser Zeit, wurde die gesamte Umgebung regelrecht einem Fl\u00e4chenbombardement mit Flugbl\u00e4ttern ausgesetzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sicher interessant f\u00fcr Leute, die nie etwas von Propagandapublikationen aus dem Westen vernommen haben. 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