{"id":23248,"date":"2014-01-08T23:59:45","date_gmt":"2014-01-08T22:59:45","guid":{"rendered":"http:\/\/12decode.de\/zonenklaus\/wordpress\/?p=23248"},"modified":"2024-04-09T23:09:48","modified_gmt":"2024-04-09T22:09:48","slug":"alles-komiker-oder-was","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=23248","title":{"rendered":"Alles Komiker oder was?"},"content":{"rendered":"<p>Zweisprachige <a href=\"http:\/\/www.bz-berlin.de\/aktuell\/berlin\/analphabetin-64-muss-zum-deutsch-kurs-article1785068.html\">Analphabetin (64) muss zum Deutsch-Kurs<\/a>.<br \/>\nNun aber ran, denn bei ihrer durchschnittlichen Lebenserwartung von etwas \u00fcber 80 Jahren, bleibt nicht mehr viel Zeit.<br \/>\nMir fiel bei diesem Artikel ein, nebenher k\u00f6nnte man ihr ja auch gleich noch etwas die Rechnerei beibringen. Die erste Textaufgabe h\u00e4tte sogar einen praktischen Wert. Wie viel Stunden muss sie in der Woche \u201elernen\u201c, wenn der Unterricht von 9 bis 13 Uhr stattfindet usw.<br \/>\nNun waren f\u00fcr Familie Cehavir die ersten 15 Jahre in Westeuropa, was Deutsch angeht, verlorene Liebesm\u00fch\u00b4. Denn au\u00dfer dem verblichenen F\u00fchrer, sprechen \u00d6sis bekanntlich einen recht merkw\u00fcrdigen alpenl\u00e4ndischen Dialekt &#8211; allerdings macht die hiesige Sprachschule einen guten Schnitt.<br \/>\nRichtig lustige Sachen kommen von der ethnisch vorbelasteten Tante des Jobcenters: <em><strong>&#8220;<\/strong>Unsere Vermittlungsfachkr\u00e4fte<\/em> <strong>(<\/strong><em>Nat\u00fcrlich alles <\/em>Eksperten<em> und <\/em>Innen<em>!<\/em><strong>) <\/strong><em>sind geschult, Lese- und Rechtschreibschw\u00e4chen zu erkennen und L\u00f6sungswege aufzuzeigen&#8230;<strong>\u201c<\/strong><\/em><br \/>\n<em><strong>\u201e<\/strong>Nat\u00fcrlich kann man dar\u00fcber streiten, ob ein Integrationskurs f\u00fcr eine 64-J\u00e4hrige f\u00fcr deren berufliche Perspektive sinnvoll ist&#8230;<strong>\u201c<\/strong><\/em><br \/>\nIn totaler Unkenntnis der Situationen in <strong>(<\/strong><em>nicht nur<\/em><strong>)<\/strong> t\u00fcrkischen Familien setzte die <em>gro\u00dfe Ekspertin <\/em>noch einen drauf: <strong>\u201e<\/strong><em>Allerdings tragen deutsche Sprachkenntnisse ja auch dazu bei, das allt\u00e4gliche Leben in Deutschland zu erleichtern.<\/em><strong>&#8220;<\/strong> <strong>(*)<\/strong><br \/>\nKlingt fast so, als ob jene Erkenntnis vom Herrn Dieter Lenzen <strong>(<\/strong><em>Ein m\u00e4chtig gewaltiger \u00a0Erziehungswissenschaftler<\/em><strong>)<\/strong> stammt, der Professor Dr(<strong>?<\/strong>) lie\u00df in Richtung <em>Integration<\/em> mal ab, <em>wir m\u00fcssen daf\u00fcr Sorge tragen, dass t\u00fcrkische Familien zu Hause \u201eDEUTSCH\u201c reden&#8230;<\/em>!<br \/>\n1976 war ich der erste Bundesgermane in der ber\u00fchmten Firma <em>Sonnenschein<\/em>, der begann private Kontakte zu den osmanischen Arbeitskollegen zu kn\u00fcpfen. Nebenher wurden mir ganz private Probleme offeriert, weil ich sehr oft\u00a0 deren Beh\u00f6rdenkram erledigte&#8230;<br \/>\nWette um eine Flasche Gehacktes, weder Herr Lenzen, noch die <em>Sprecherin<\/em> vom Amt, haben jemals eine t\u00fcrkische Gro\u00dffamilie life erlebt und auf l\u00e4ngere Zeit an deren Problemen Anteil nehmen d\u00fcrfen. Ich meine damit aber nicht Quoten- und Renomierpassgermanen <strong>(<\/strong><em>Mit denen man kokettiert, wenn es um <\/em>gelungene Integration<em> geht.<\/em><strong>)<\/strong>,\u00a0 die mittlerweile in etablierten Parteien und Beh\u00f6rden zu finden sind und nun auch losgel\u00f6st von ihren Landsleuten, eigene Wege gehen.<br \/>\nVor Jahrzehnten fragte ich eine linkslastige Politnase<strong> (<\/strong><em>Er schaffte es sp\u00e4ter sogar zu hohen Weihen als Ausl\u00e4nderbeauftragter<\/em>.<strong>)<\/strong>, ob er jemals n\u00e4heren Kontakt zu seinen fremdl\u00e4ndischen Mitb\u00fcrgern hatte, da meinte ich auch wieder nicht \u201eseinen Griechen\u201c oder \u201eseinen Pizzawirt\u201c, sondern Ali Normalverbraucher nebst vermummter Gattin&#8230;<br \/>\nDer glotzte wie ein Schwein ins Uhrwerk, als wir beim entsprechenden Stichwort auf die vielfach zur Schau getragene politische Gesinnung der t\u00fcrkischen <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/vermischtes\/weltgeschehen\/article8929141\/Streit-um-politisch-korrekte-Schnurrbaerte.html\">Barttracht<\/a> kamen, tat er in seiner Unkenntnis alles als eine der \u00fcblichen Provokationen ab. Nebenbei vertrat jener Genosse \u00e4hnliche Ansichten wie meine ehemaligen Arbeitskollegen, die anfangs auch nicht verstehen wollten, dass mir deren politische Ansichten schei\u00dfegal waren, wenn sie von mir Hilfe im Alltag erwarteten &#8211; dessen ungeachtet machte ich jedem Ausl\u00e4nder klar, dass ich mich in keiner Weise agitieren lassen werde.<br \/>\nDer sp\u00e4tere gro\u00dfe Politiker verschiss bei mir bis in die Steinzeit auf Grund seines Erkl\u00e4rungsversuches nach einer Provokation meinerseits.<br \/>\nIn jenen Tagen war in Berlin das Nummernschild B-DM aufgetaucht.<br \/>\nNun meine Frage dazu, denn ich wollte eine Best\u00e4tigung von ihm, ob immer noch Autokennzeichen verboten seien, deren K\u00fcrzel von nazistische Organisationen herr\u00fchren w\u00fcrden. Von einer Ahnung beschlichen, sollte ich <em>konkreter<\/em> <strong>(<\/strong><em>Eine damalig beliebte Floskel von Linxwixern<\/em>.<strong>) <\/strong>werden.<br \/>\nOK, ich m\u00f6chte das Kennzeichen B-HJ haben, wo muss ich mich dahin wenden?<br \/>\nSchon klar, eine Provokation!<br \/>\nDas Scheffchen holte weit aus. Sein Monolog endete damit, dass nat\u00fcrlich entsprechende Kennzeichen weiter verboten seien und dann kam noch die Frage, weshalb denn ausgerechnet B-HJ.<br \/>\nAlso, wenn jetzt B-DM erlaubt sei, m\u00f6chte ich einfach wegen der Gleichberechtigung B-HJ haben.<br \/>\nWas antwortet diese Flachzange darauf?<br \/>\n\u201eGut, der BDM war zwar kein katholischer Jungm\u00e4dchenverein, aber du willst mir doch nicht weismachen, dass es sich bei denen um eine nationalsozialistische Organisation handelte?&#8230;\u201c <strong>(<\/strong><em>Dabei hatte er sich in grauer Vorzeit an der FU mit solchen Zusammenh\u00e4ngen besch\u00e4ftigt und f\u00fcr sein Lexikonwissen ein Diplom erhalten&#8230;<\/em><strong>)<\/strong><br \/>\nWelchen Kraftausdruck ich f\u00fcr ihn ausw\u00e4hlte, wei\u00df ich nicht mehr. \u00d6fters h\u00f6rte er noch zus\u00e4tzlich, \u201eAlter, wenn Dummheit quietschen w\u00fcrde, m\u00fcsstest du immer eine sehr gro\u00dfe \u00d6lkanne mit dir herumschleppen&#8230;\u201c<br \/>\nLachend quittierte er dann solche Momente&#8230;<!--more--><\/p>\n<p><strong>(*) <\/strong>Hier muss ich noch mehrere S\u00e4tze ablassen, was das Verst\u00e4ndnis vor drei ganz unterschiedlichen t\u00fcrkischen Kollegen zur deutschen Sprache angeht, allerdings aus der Zeit von den End-70ern bis Mitte der 80ern.<br \/>\nDer Kurde sprach eigentlich, wenn wir uns unbemerkt unterhielten, astreines Deutsch, kauderwelschte aber sonst immer anatolisches Kanakenesperanto \u2013 \u201eDeutsch schlekt spreken muss kommt, Ausl\u00e4nder nix alles verstehen&#8230;\u201c Er war auch der Meinung, dass am Abend die t\u00fcrkischen Rundfunkbeitr\u00e4ge im SFB 3 nicht der Weg sind, \u00e4lterer T\u00fcrken zum Deutschlernen zu animieren&#8230;<br \/>\nMein anderer Kollege, ein 1956 aus Bulgarien vertriebener Osmane und <em>Grauer Wolf<\/em>, gab sich \u00fcberhaupt keine M\u00fche noch mehr zu lernen. Im Gegensatz zu ihm, sprach seine Frau richtig gutes Deutsch, seine beiden Kinder \u201eickten\u201c, wie Berliner.<br \/>\nAllerdings gab es mit ihnen Probleme.<br \/>\nPapa war zwar nicht gerade gl\u00e4ubig, schickte aber die G\u00f6ren ewig zum Koranunterricht, wozu sie absolut keine Lust versp\u00fcrten, wegen des auswendig Lernens arabischer Suren. Er erpresste die Ableger immer damit, kein Koranunterricht &#8211; dann keine Knete f\u00fcr blutr\u00fcnstige Bollywood-Filme &#8211; schlie\u00dflich w\u00fcrden sie auch kein Hindi verstehen.<br \/>\nDer Effendi verachtete die ausl\u00e4ndischen SFB-Sendungen, weil sie kommunistisch angehaucht waren. Er schleppte mich mal mit zu <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Alparslan_T%C3%BCrke%C5%9F\">Alparslan T\u00fcrke\u015f<\/a> (In die Deutschlandhalle?), beim dort registrierten Fanatismus wurde mir ganz anders&#8230;<br \/>\nAlle guten Dinge sind drei, dann h\u00f6re ich auf.<br \/>\nDer letzte aus meiner Runde war gebildet und versuchte sich aus dem ganzen politischen Irrsinn seiner Landsleute herauszuhalten. Lief mit einem wuchernden, oberhalb gestanztem Schnauzer herum, galt aber als Kemalist. Er war auch der einzige, der ein ruhiges, ausgeglichenes Familienleben f\u00fchrte. Wirklich alle meine Bekannten machten ewig einen auf Macho, dabei hatten \u00fcberall die Ehefrauen Hosen an.<br \/>\nDer Scheff wohnte in der Britzer Hufeisensiedlung, in seiner Wohnung gab es nichts vom sonstigen bonbonfarbenen Kitsch seiner anderen Leute. Als ich das erste mal sein Wohnzimmer betrat musste ich hell auflachen, was mir aber keiner \u00fcbel nahm. Die l\u00e4ngste Wand zierte eine Phototapete mit Panoramablick auf den K\u00f6nigssee, davor eine<em> geschmackvolle Sitzgruppe<\/em> drapiert und dar\u00fcber, mitten im kr\u00e4uselnden See, prangte in einem ziemlich gro\u00dfen Goldrahmen: <em>Mustafa Kemal Atat\u00fcrk<\/em>&#8230;<br \/>\nLustige, merkw\u00fcrdige, ganz schr\u00e4ge, vollkommen normale Erlebnisse nahm ich zu den unterschiedlichsten Gelegenheiten wahr, sei es privater Natur gewesen, zu irgendwelchen Festen oder im Rudel zu Fress- und Sauftouren. Denke dabei an solche Etablissements, wie <em>Linsenlucy<\/em>, wo ich auch mal meine deutschen Kollegen hinschleppte.<br \/>\nEine total verr\u00e4ucherte H\u00fctte, in der besonders<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schwimmen_(Kartenspiel)\"><i> Schwimmen<\/i><\/a> gespielt wurde.<br \/>\nIn der Mittagspause spielten wir es in der Firma, mit 30 Pfennige Einsatz pro Nase. Bei <i>Lucy<\/i> ging es teilweise um Eins\u00e4tze von mehreren hundert M\u00e4rkern. Neben mir gab es \u00f6fters nur noch zwei unauff\u00e4llig herum hockende recht lustig ausschauende deutsche<i> Damen<\/i> in dem Laden. Den beiden Grauchen sah man an, bei ihnen handelte es sich schon um etwas abgehangenes Fleisch und ihre deformierten Fressleisten zierten zudem noch die Skyline von Manhattan&#8230;<br \/>\nL\u00e4sternd wurde immer wieder registriert, wenn einer der \u00e4lteren <i>Gastarbeiter<\/i> sich kurz mit einer in deren Etablissement verkr\u00fcmelte, ihrem stinkenden <i>Oraloffice<\/i>. F\u00fcr einen Heiermann gab es dort die entsprechende Erleichterung&#8230;<br \/>\nJene riesige Mehrfachhochzeit im <em>Gesellschaftshaus Neuk\u00f6lln<\/em> bei der wir im richtigen Augenblick einen Stellungswechsel vornahmen. Gerade unten angekommen, ging ober eine riesige Schl\u00e4gerei nebst gezogener Messer los.<br \/>\nDie N\u00e4chte im <em>Kasino<\/em> &#8211; das billigste Ges\u00f6ff ein halber Liter <em>Mariacron<\/em> und eine gro\u00dfe Pulle Cola f\u00fcr 50 Mark, oft reichte das Gedeck noch nicht mal f\u00fcr unsere Runde&#8230;<br \/>\nOder als wir mit Ziya, der seine Frau vorher anrief, dass er noch eine Schicht anh\u00e4ngen musste, total stoned uns am Kotti, im Tali-Kino, die legend\u00e4ren Rocky-Horror-Picture-Show einzogen.<br \/>\nOder wenn ich an Ahmed denke, wei\u00df gar nicht mehr, wie sein Laden am G\u00f6rli hie\u00df (\u201eIstanbul\u201c oder \u201eKara Deniz\u201c?) der sich immer wie ein Honigkuchenpferd freute, wenn unsere Meute bei ihm einfiel und ich das abschlie\u00dfende Cola-Glas mit Raki, auf einen Zug runter kippte&#8230;<br \/>\nMeine Erlebnisse mit Kollegen und deren Familien in Istanbul, mit n\u00e4chtlicher Ausgangssperre wegen des Milit\u00e4rputsches, was aber w\u00e4hrend des Ramadans \u00fcberhaupt nicht st\u00f6rte, da wir jede Nacht in ausgiebiger V\u00f6llerei schwelgten&#8230;<br \/>\nTats\u00e4chlich w\u00fcrden meine Erlebnisse sogar f\u00fcr ein Buch reichen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zweisprachige Analphabetin (64) muss zum Deutsch-Kurs. 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