{"id":23749,"date":"2014-03-05T12:21:19","date_gmt":"2014-03-05T11:21:19","guid":{"rendered":"http:\/\/12decode.de\/zonenklaus\/wordpress\/?p=23749"},"modified":"2020-05-02T10:23:47","modified_gmt":"2020-05-02T09:23:47","slug":"karli-hoffmann-ein-sangerhauser-original-geht-nun-auch-nicht-mehr-einkaufen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=23749","title":{"rendered":"Karli Hoffmann, ein Sangerh\u00e4user Original, geht nun auch nicht mehr einkaufen"},"content":{"rendered":"<p>Vor einigen Wochen erkundigte ich mich bei einem Freund nach dem einen oder anderen Alteingesessenen, zu denen mir in dem Zusammenhang, immer wieder irgendwelche Schnurren einfielen &#8211; Karli geh\u00f6rte dazu &#8211; Pferdefuhrunternehmer und Gastwirt der \u201eSchecke Pauli\u201c. Wei\u00df der Deibel, wieso die abgeranzte Kneipe so hie\u00df. Als Grundsch\u00fcler soff ich da schon und wir spielten dort 17 &amp; 4&#8230;<br \/>\nEr war auch einer jener Sorte, die ich irgendwie bewundertet. Sie machten ihr Ding, nat\u00fcrlich gab es da auch so manche Schwierigkeiten mit Flachzangen der Beh\u00f6rden, aber sie wurstelten sich durch, als ob das hirnlose Kommunistenpack ringsherum nicht existierte&#8230;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/12decode.de\/zonenklaus\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/KARLI.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-23750\" src=\"http:\/\/12decode.de\/zonenklaus\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/KARLI-150x98.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"98\" srcset=\"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/KARLI-150x98.jpg 150w, https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/KARLI-300x196.jpg 300w, https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/KARLI.jpg 884w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>Dachdeckermeister M\u00fcller war auch so eine lustige Griebe.<br \/>\nBesagten Handwerker erlebte ich mal, als er die oberste Zecke des Kreises in der \u201eKlemme\u201c auflaufen lie\u00df, wegen des Kirchen-Chronometers. Deren Zifferbl\u00e4tter im Rahmen einer Dachreparatur\u00a0 nach dem Brand (1970\/71), gleich mitgestrichen wurden.<br \/>\nWir sa\u00dfen am fr\u00fchen Nachmittag in trauter Runde, mein Freund Puffi h\u00e4tte in dem Fall wieder passend kommentieren k\u00f6nnen: <strong>&#8220;<\/strong>Wo Klaus gerade hockt, sind wieder mehrere Jahrzehnte Zuchthaus versammelt<strong>\u201c<\/strong>, als der Dachdecker mit seinem Knecht hereingeschneite. Fluchend ob der K\u00e4lte und Feuchtigkeit setzte er sich an unseren Tisch und schmiss gleich eine gro\u00dfe Runde, beide wollten an diesem Tag Feierabend machen, zu viel Wind und Nieselregen.<br \/>\nAlle schon gut vorgegl\u00fcht, da erkundigte sich jemand mit sehr lauter Stimme, ob hier ein Herr M\u00fcller anwesend sei, der gab sofort entsprechende Zeichen. Daraufhin schickte man den neugierigen Frager weg, verbunden mit dem Hinweis, dass ihn jemand gerade noch in \u201eVetters-Fr\u00fchst\u00fcckstube&#8221;<strong>*<\/strong> sitzen sah. Unser Kl\u00fcngel quittierten seinen Abgang mit wieherndem Lachen.<br \/>\n<strong>\u201e<\/strong>Leute, das war der Kutscher UNSERER SED-Kreispflaume<strong>*<\/strong>, der fahndet schon seit geraumer Zeit nach mir, ein bisschen Bewegung schadet dem nichts.\u201c<br \/>\nWomit der Dachdecker nicht rechnen konnte, kurz darauf stand der Fahrer wieder im Raum, diesmal aber in Begleitung seines Scheffchens. Der <em>Kreisleiter<\/em> d\u00fcste irrig durch die Kneipe und br\u00fcllte sofort wie auf dem Kasernenhof los, wurde nat\u00fcrlich von allen Seiten m\u00e4chtig belegt, ob seines Gekreisches.<br \/>\nSchlie\u00dflich gewahrte er den Gesuchten.<br \/>\n&#8211; Was das denn solle? Er w\u00fcrde die ganze Angelegenheit schon seit Tagen mit Missfallen beobachten, wieder sei auch am heutigen Tag nicht viel geschafft worden, au\u00dferdem w\u00e4re noch Arbeitszeit.<br \/>\nDies schien f\u00fcr den Handwerksmeister zu viel.<br \/>\nGanz ruhig wurde der hektische Genossen darauf aufmerksam gemacht, dass er schlie\u00dflich nicht auf Stundenbasis rabottete und im Gegensatz zu anderen, seine Arbeiten immer zur Zufriedenheit der Auftraggeber fertigstellte.<br \/>\nEr k\u00f6nnte sich vorstellen mal mit ihm zu tauschen, denn wie andere ihre Arbeit erledigten, so w\u00fcrde er gern mal seinen Urlaub verbringen, au\u00dferdem gebe es noch den Arbeitsschutz.<br \/>\nJeder am Tisch grinsten, dabei flogen die K\u00f6pfe immer ruckartig in die Richtung des jeweiligen Sprechers. Es ging ein Weilchen Hin und Her, schlie\u00dflich sollte M\u00fcller mit rauskommen, was er ablehnte, mit Hinweis auf seinen wohlverdienten Feierabend.<br \/>\nNun drehte der Funktion\u00e4r nochmals auf, <strong>\u201e<\/strong>auch wenn f\u00fcr diese Arbeit ein Objektlohn vereinbart sei, m\u00fcssten doch schlie\u00dflich irgendwann mal Fortschritte zu sehen sein!<strong>\u201c<\/strong><br \/>\n<strong>&#8220;<\/strong>Sie sind ein&#8230; Sie m\u00fcssten mal richtig hinschauen! Mehr als arbeiten geht nicht! Au\u00dferdem, was kann ich daf\u00fcr, wenn der Stundenzeiger mir laufend den Pinsel aus der Hand schl\u00e4gt.<strong>&#8220;<\/strong><br \/>\nNun wurde das darauf einsetzende Chaos urkomisch, da der Angesprochene nicht zu verstehen schien, um was es eigentlich ging. Die Anwesenden klatschten auf ihre Schenkel und den Tisch, dabei kippten Gl\u00e4ser um, einige fielen zu Boden. Der Dachdecker lehnte sich w\u00e4hrend dessen ganz gelassen zur\u00fcck, und schaute mit schr\u00e4g gehaltenem Kopf, unschuldig dreinblickend den gro\u00dfen Parteinik an.<br \/>\nDer glotzte in die Runde und schnallte rein gar nichts.<br \/>\nSein Fahrer begann ihn am Mantel\u00e4rmel nach drau\u00dfen zu zerren.<br \/>\nSchon als beide hinter der Schwingt\u00fcr den Windfang betraten, gab es in der ganzen Kneipe kein Halten mehr. Nun wollte auch jeder wissen, was an unserem Tisch abgegangen war. M\u00fcller, mit hochrotem Kopf, die Narbe unterhalb seiner Stirn gl\u00fchte, sielte sich im von ihm verzapften Tohuwabohu nebst des h\u00f6hnischen Gel\u00e4chters.<!--more--><\/p>\n<p>Dass solche Stare, wie der abgetretene Genosse, manchmal schwer von Kapee waren, schien in Sangersdorf Tradition zu haben.<br \/>\nKnapp 10 Jahre zur\u00fcck war dem Parteifreund Tippel, Scheffchen vom Rat des Kreises, ein gigantisches Eigentor gelungen. Dies geschah 1962 im hiesigen Sch\u00fctzenhaus, w\u00e4hrend einer Protestversammlung, anl\u00e4sslich der Kubakrise.<br \/>\nGenosse T., der seine Texte sonst immer akkurat ablas und mit leiernder Stimme darbot, zog abschlie\u00dfend bei jenem trauten Zusammensein noch vom Leder. Das erste und einzige Mal, frisch, frei und fr\u00f6hlich keifte diese Nase euphorisch etwas ins Publikum, seine Faust dabei rhythmisch aufs Rednerpult knallen und losbr\u00fcllen waren eins. <strong>&#8220;<\/strong>Kuba den Kubanern und Indien den Indianern<strong>!!!&#8221;<\/strong><br \/>\nAnschlie\u00dfend glotzte er noch verst\u00e4ndnislos in die Runde, als es vor Lachen niemand mehr auf seinem Stuhl hielt. Jener rote Geistesblitz breitete sich damals wie ein Steppenbrand aus, so lustig waren halt nur gro\u00dfe Rhetoriker der <strong>\u201e<\/strong>Dreigrammbewegung<strong>\u201c<\/strong> im Mansfelder Land. Sein Sohn musste f\u00fcr den Bonmont vom Alten, jahrelang f\u00fcrchterlich blechen&#8230;<\/p>\n<p><strong>*<\/strong>&#8220;<em>Vetters Fr\u00fchst\u00fcckstube<\/em>&#8221; &#8211; weitere ber\u00fchmte Sangerh\u00e4user Kneipe in der Bahnhofstra\u00dfe, 10 Min.\u00a0\u00a0 von\u00a0 der &#8220;Klemme&#8221; entfernt<br \/>\n<strong>*<\/strong><em>SED-Kreispflaume<\/em> &#8211; ugs., 1. Sekret\u00e4r der SED-Kreisleitung<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einigen Wochen erkundigte ich mich bei einem Freund nach dem einen oder anderen Alteingesessenen, zu denen mir in dem Zusammenhang, immer wieder irgendwelche Schnurren einfielen &#8211; Karli geh\u00f6rte dazu &#8211; Pferdefuhrunternehmer und Gastwirt der \u201eSchecke Pauli\u201c. Wei\u00df der Deibel, wieso die abgeranzte Kneipe so hie\u00df. 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