{"id":25371,"date":"2014-12-04T03:44:52","date_gmt":"2014-12-04T02:44:52","guid":{"rendered":"http:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=25371"},"modified":"2015-07-19T23:02:36","modified_gmt":"2015-07-19T22:02:36","slug":"kalenderblatt-auf-d-radio-vor-50-jahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=25371","title":{"rendered":"Kalenderblatt auf d-radio &#8211; vor 50 Jahren"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.deutschlandradiokultur.de\/kalenderblatt.931.de.html\">Gr\u00f6\u00dfte Massenverhaftung<\/a>\u00a0in der Geschichte Kaliforniens<br \/>\nGebe mal den Link f\u00fcr einem <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Blutige_Erdbeeren\">Film<\/a>, er setzte sich mit einem \u00e4hnlich gelagerten Thema auseinander und war f\u00fcr uns 1973 der\u00a0<a href=\"http:\/\/www.kinokalender.com\/film513_blutige-erdbeeren.html\">absolute Knaller<\/a> &#8211; vorrangig wegen der Mucke von Buffy Sainte-Marie, Crosby, Stills, Nash and Young und nat\u00fcrlich dem \u201eGive Peace a Chance&#8221; von John Lennon, eingebunden in die brutale R\u00e4umungsszene am Schluss&#8230;<\/p>\n<p>Dazu geh\u00f6rt folgende Geschichte, die auch etwas mit dem Lennon-Song zu tun hatte.<br \/>\nJene Bilderserie entstand an dem Tag, als sich unser Rudel nach der legend\u00e4ren Fete in Pfeffers\u2020 <strong>(<\/strong><em>Keiner konnte es damals fassen, als der sympathische Chaot wenige Jahre sp\u00e4ter, freiwillig sein Leben zur\u00fcckgab<\/em>.<strong>)<\/strong> sturmfreier Bude zum Eschental aufmachte.<br \/>\nBevor wir losmarschierten gab es m\u00e4chtigen \u00c4rger, da sich einige nicht an die Abmachung gehalten hatten, weil am Abend vorher das Schlafzimmer f\u00fcr tabu erkl\u00e4rt ward. Auf den Laken der Ehebetten seiner Eltern prangten riesige Landkarten von ganz speziellen Dr\u00fcsendekreten und darunter auf den Matratzen nat\u00fcrlich die gut erkennbare Kopien. Wer schleppten denn von uns, in jenen Tagen gro\u00dfartig Traktorreifen <strong>(<\/strong><em>Mit Talkum eingepuderte dickwandige Gummihirsche! Zumal Abtreibung oft f\u00fcr die sicherste Form der Verh\u00fctung galt.<\/em><strong>)<\/strong> f\u00fcr einen Spontanfick mit sich herum, damals gings ewig mit blankgezogener Waffe in den Kampf&#8230;<br \/>\nSchlie\u00dflich fand sich ein M\u00e4del bereit, die gesamte siffige Bettw\u00e4sche ihrer Oma zum Waschen und B\u00fcgeln anzuvertrauen. Man wendete die Matratzen, versah sie mit frischen Laken, alle Federteile bekamen neue Bez\u00fcge und dann wanderten wir recht lautstark quer durch Dorf, rauf zu besagter Ausflugsgastst\u00e4tte.<br \/>\nJeder Bekannte der unseren Weg kreuzte, wurde animiert mit uns weiter zuziehen&#8230;<br \/>\nIn der Kneipe angekommen, machten sich alle unter der rechtsseitigen Bretter\u00fcberdachung breit. Feuchte(?) witterte anfangs noch ein gutes Gesch\u00e4ft, bekam es aber bald mit der Angst zu tun. Irgendwann hingen \u00fcber 50 Leute dort herum, da ewig jemand eine Klampfe mit hatte und einige schrammeln konnten, ging es schlie\u00dflich immer lauter zu. Zwischendurch wuselten anfangs noch die G\u00f6ren von anderen G\u00e4sten zwischen uns herum.<br \/>\nDas eigentliche Chaos entstand, als auch noch Ali auftauchte, den irgendwer zuf\u00e4llig in der Stadt aufgegabelt hatte. Der legte sehr zivilisiert los, mit den ganzen Highlights, \u00fcber Bob Dylan, Joan Baez, Animals, Stones usw., schlie\u00dflich wurde ewig \u201eGive Peace a Chance&#8221; intoniert und mit zunehmenden Alkoholpegel immer lauter dargeboten, wobei der stampfende Rhythmus, von auf den Tischen knallenden Halblitergl\u00e4sern herr\u00fchrte. Irgendwann am fr\u00fchen Abend verkr\u00fcmelten sich auch die letzten sonnt\u00e4glichen Spazierg\u00e4nger. Lange vorher kam vom Kneiper ewig die Ansage, \u201edies ist aber die letzte Runde!\u201c, dann gab er sich aber geschlagen.<br \/>\nP\u00fcnktlich zur beginnenden D\u00e4mmerung erschienen drei Herren in Dederon-Kluft und beendeten das lustige Spektakel&#8230;<br \/>\nIn den folgenden Jahren erhielt keiner von den langhaarigen <em>Haupt\u00fcbelt\u00e4tern<\/em> dort wieder ein Getr\u00e4nk.<!--more--><br \/>\nNachdem kurz darauf \u201e<a href=\"http:\/\/www.veoh.com\/watch\/v444420017EJJpCqJ?h1=Blutige+Erdbeeren+\">Blutige Erdbeeren<\/a>\u201c <strong>(<\/strong><em>Nebenbei bemerkt, ein Film der keinem meiner Bekannten im Westen gel\u00e4ufig war.<\/em><strong>)<\/strong> in den Kinos lief, gab es so manchen fast abbruchreifen Tanztee, wenn ein Band es wagte, Lennons Hit zu spielen, weil es immer Leute gab die sofort auf ihre Knie fielen, klatschend und auf den Boden wummernd den Rhythmus vorgaben.<br \/>\nAllerdings war es den FDJ-Fuzzies auch nicht recht, wenn fast der ganze Saal ein ber\u00fchmtes St\u00fcck mit totaler Ruhe begegnete.<br \/>\nDies geschah ein Jahr vorher zum Pop, in einem der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Helbra\">Grundd\u00f6rfer<\/a>.<br \/>\nVon den heutigen Kids kann es sich bestimmt niemand mehr vorstellen, wie schnell man sich sogar ohne h\u00e4usliche Telefone verabreden konnte, wenn irgendwo in der Zone jemand mehrere Tage sturmfrei Bude hatte oder das H\u00e4uschen ohne die Eltern war &#8211; so auch dort geschehen.<br \/>\n&#8211; Mir war unser Disponent vom Meisterbereich hold, der grinste zwar immer gequ\u00e4lt, wenn selbiger mich in meinem Outfit gewahrte, welches er wegen seiner Sozialisation, in der Tat nicht nicht verstehen konnte. Bei ihm handelte es sich auch um einen G\u00fcnter-Grass-Verschnitt, mit dem gewissen t\u00e4towierten Logo unter seinem linken Oberarm. Der Kollege deckelte aber auch oft mein Verhalten, wenn die Roten, FDGB-K\u00fchn und Meister Gebauer, mal wieder an mir Ma\u00df nehmen wollten und gab dann unbemerkte Zeichen, damit ich wieder geschmeidig wurde.<br \/>\nSeine betriebliche Telefonnummer durfte ich an meine Kumpels weitergeben, nur wenn er sich meldete gab es Kurzinfos und mich dann prompt erreichten.<br \/>\n&#8211; Die ersten tauchten bereits Mitte der Woche dort auf, besa\u00dfen einen Urlaubsschein vom Doc oder machten mal wieder F-Schichten. Freitagnacht glich alles bereits einem Hunnencamp. Im kleinen Dachgeschoss povten Leute, in der Waschk\u00fcche, im ehemaligen Ziegenstall und dar\u00fcber auf dem Heuboden, andere lie\u00dfen sich bei Freunden von unserem Gastgeber einquartieren&#8230;<br \/>\nSamstag spielten recht gute Lokalmatadoren, die \u201eSterne\u201c aus Eisleben(?). Nun war ein Tag vorher Jimi ins Nirwana aufgebrochen und wir w\u00fcnschten uns ein Hendrix-Set, aber schon nach dem ersten Titel sollte die Tanzveranstaltung abgebrochen werden.<br \/>\nBereits zu den ersten Kl\u00e4ngen von \u201cHey Joe\u201c hockte sich unser riesiges Rudel im Schneidersitz auf den Boden, mit geschlossenen Augen, die Arme in \u201eHand up\u201c-Position und wiegten unserer K\u00f6rper leicht im Rhythmus. Nach ganz kurzer Zeit der Irritation tanzte niemand mehr, die nicht sa\u00dfen, standen mit gesenkten K\u00f6pfen am Rand und fast alle hielten ihre rechte Hand auf dem Herzen&#8230;<br \/>\nKurzzeitig schauten die Bandmitglieder recht verunsichert in den Saal, lie\u00dfen sich aber von den sofort aufgetauchten Ordnern nicht dazu bewegen, augenblicklich ihr Spiel zu beenden und riskierten damit ein Spielverbot.<br \/>\nMich faszinierte immer wieder die Tatsache, dass in der Runde immer Freunde und Kumpel waren, die fast kein Alkohol tranken, aber dort wurde bis zum Umfallen literweise Kumpeltod gezecht. Dem nicht genug, zwischendurch griffen einige auch noch zur Chemie. Dabei waren wir schon vom Pop besoffen nach Hause gekommen, \u00fcberredeten aber unseren Landlord auch noch, seine 30 Liter Stachelbeerwein zur Verf\u00fcgung zustellen, obwohl das Zeug noch leicht gluckerte.<br \/>\nGab das anschlie\u00dfend eine Klatsche und am n\u00e4chsten Morgen eine dicke Birne.<br \/>\nMir fallen permanent kleine Geschichten von jenem Wochenende ein, so wie diese.<br \/>\nKurz vor der Morgend\u00e4mmerung versuchte ich zu pennen, was nicht so einfach war. Ringsherum wurde gerammelt, Leute quatschten, lachten, au\u00dferdem m\u00fcffelte das olle Heu m\u00e4chtig. Deshalb entfernte ich vorm Einschlafen genau \u00fcber meinem Kopf vier Dachziegel. Endlich im seligen Schlaf versunken, damals ging es noch mit Pofen auf dem R\u00fccken, als irgendetwas \u00fcber mein K\u00f6rper, in Richtung Kopf zuwandern schien, nebenbei auch noch die Atmung erschwerte. Irgendwie kam es dabei zu einem leichten Albtraum und \u00f6ffnete deshalb pl\u00f6tzlich die Augen.<br \/>\nDa schaute mich der Teufel an!<br \/>\nInnerhalb weniger Momente realisierte ich die Gesamtheit, es handelte sich um den fetten vierbeinigen Distriktbesch\u00e4ler, der auf meiner Brust hockte und mich betrachtete. War mir in dem Augenblick nicht klar, wer sich mehr erschrocken hatte, ich oder der Kater. Durch einen kurzen Aufschrei setzte er sofort zum Sprung durch die \u00d6ffnung an, verhakte sich dabei aber mit den Hinterl\u00e4ufen in meinem Gesichtskanten. Der Oberk\u00f6rper bereits auf dem Dach strampelte des Vieh wie verr\u00fcckt um die Beine freizubekommen, fauchte und schrie dabei wie ein S\u00e4ugling. Sofort erfolgte ein erleichternder Griff in den Bart wobei ich den Kopf sofort in Richtung der Luke hob.<br \/>\nNach seiner hektischen Befreiung, blutete mein Kinn und die rechte Hand, war dadurch aber hellwach. Begab mich zum Herzh\u00e4uschen, duschte mit dem Gartenschlauch und setzte Kaffeewasser auf. Der wabernde Duft von dem frisch gebr\u00fchten Ges\u00f6ff brachte sofort Bewegung in die gesamte H\u00fctte&#8230;<br \/>\n&#8211; Bin noch nicht ganz fertig.<br \/>\nUngef\u00e4hr drei Wochen sp\u00e4ter erhielten etliche Feteng\u00e4nger Post vom Gesundheitsamt.<br \/>\nDie meisten als Drucksache, andere als Postkarte, auch meine Wenigkeit wurde mit solch \u00f6ffentlicher Aufforderung bedacht, verbunden mit der Androhung einer Geldstrafe, wenn der Termin nicht unverz\u00fcglich wahrgenommen w\u00fcrde. Wir sollten uns beim Onkel Doktor f\u00fcr H&amp;G melden, zwecks eines Abstriches.<br \/>\nDas Ergebnis war negativ, denn im richtigen Augenblick bekam ich im Verlauf der Fete noch nicht mal die Augenlider hoch, geschweige denn meinen Jogi.<br \/>\nEin knappes Jahr sp\u00e4ter, bewahrte mich die Trunksucht erneut vor einem R\u00fcsselschnupfen, aber dies w\u00e4re schon wieder eine andere Geschichte&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gr\u00f6\u00dfte Massenverhaftung\u00a0in der Geschichte Kaliforniens Gebe mal den Link f\u00fcr einem Film, er setzte sich mit einem \u00e4hnlich gelagerten Thema auseinander und war f\u00fcr uns 1973 der\u00a0absolute Knaller &#8211; vorrangig wegen der Mucke von Buffy Sainte-Marie, Crosby, Stills, Nash and Young und nat\u00fcrlich dem \u201eGive Peace a Chance&#8221; von John Lennon, eingebunden in die brutale [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[25,32],"tags":[],"class_list":["post-25371","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-geschichten","category-sangerhausen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/25371","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=25371"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/25371\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":25378,"href":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/25371\/revisions\/25378"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=25371"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=25371"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=25371"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}