{"id":26112,"date":"2015-03-12T22:38:58","date_gmt":"2015-03-12T21:38:58","guid":{"rendered":"http:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=26112"},"modified":"2015-03-12T23:40:45","modified_gmt":"2015-03-12T22:40:45","slug":"deutschlandradio-kultur-schmecken-darf-alles-aber-nicht-jedem-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=26112","title":{"rendered":"Deutschlandradio Kultur &#8211; Schmecken darf alles, aber nicht jedem"},"content":{"rendered":"<p><a title=\"Eine Lange Nacht \u00fcber Nahrungstabus\" href=\"http:\/\/www.deutschlandradiokultur.de\/eine-lange-nacht-ueber-nahrungstabus-schmecken-darf-alles.1024.de.html?dram:article_id=313462\">Eine Lange Nacht \u00fcber Nahrungstabus<\/a><br \/>\nAnfangs geht es ja irgendwann mit Pferdefleisch los.<br \/>\nVielleicht erinnert sich mancher meiner DoKo-Runde in der kalten Heimat, dass ich \u00f6fters Experimente mit Zossengerichten machte. Als Gro\u00dfmutter dies registrierte, wurde sie t\u00fcckisch, kaufte f\u00fcr mich extra einen Topf und eine l\u00e4ngliche Sandkuchenform f\u00fcr Hackfleischkuchen. Beide Kochteile lagerte sie unterhalb der Sp\u00fcle, zwischen dem Reinigungszeug. Teller und Bestecke musste ich ganz korrekt abwaschen, Stunden sp\u00e4ter wiederholte sie angeekelt einen zus\u00e4tzlichen Abwaschgang&#8230;<br \/>\n<b>(<\/b><i>Das waren damals Zeiten. Hatte der alte H. mal wieder einen Zossen unterm Messer rief mich sein Sohn in der Firma an und sofort gings w\u00e4hrend der Arbeitszeit f\u00fcr \u00b4n Stunde in sein Gesch\u00e4ft, denn innerhalb k\u00fcrzester Zeit ging alles \u00fcber den Tresen.<\/i><b>)<\/b><br \/>\nDie Schilderung ihrer letzten blutjungen Untermieterin, eines Lehrlings vom dortigen Fernmeldeamt, brachte die Oma vollkommen aus der Fassung. Einen Tag vor ihrer Wochenendheimfahrt, plapperte sie euphorisch \u00fcber das kommende sonnt\u00e4gliche Mittagsmahl. Beheimatet in einem Dorf bei Neubrandenburg, gab es an jenem Tag Stare, die ihr Gro\u00dfvater unter einem Netz vom Kirschbaum fing&#8230;<br \/>\nAngeblich sollte das Fleisch nach den tagelang gefressenen Knuppern schmecken.<br \/>\n\u00c4hnliches gab ein Kollegen aus der Schokoladenbude kund, in der ich mal jobte. Selbiger Knabe fand in der letzten Mastphase seines Borstenviechs, w\u00f6chentlich einen Sack Kokosraspel weg. Wei\u00df gar nicht mehr, wie viel hundert Ostmark solch Teil kostete&#8230;<br \/>\nBeim besten Willen konnte ich keinen Unterschied von seinem Edelschwein, zu einem Br\u00f6sel Fleisch aus der Freibank erkennen, die sich gegen\u00fcber unserer Firma befand&#8230;<br \/>\nOma besa\u00df in manchen Situationen ein ausgepr\u00e4gtes Ekelgef\u00fchl, einmal geschah Folgendes.<br \/>\nZum Mittagsmahl gerufen, kam ich vom unteren Teil des Gartens in die K\u00fcche, in den geschlossenen H\u00e4nden sa\u00df ein kleiner Laubfrosch, den ich noch vorher allen zeigen wollte. Gro\u00dfmutter gerade dabei, die Suppe am Tisch zu verteilen &#8211; auf meine Frage, ob ich ihr noch vorher ein Tierchen zeigen k\u00f6nnte, schlug sie meine H\u00e4nde weg, der Frosch h\u00fcpfte geradewegs in den Topf. Nach drei, vier Schwimmbewegungen gab er sofort den Geist auf, Oma schrie erschrocken auf und kippte den Inhalt sofort in den Eimer unter dem Waschbecken, wo Essensreste f\u00fcr die H\u00fchner gesammelt wurden, gleich danach gab es eine Kopfnuss. Danach erhielt Opa das <i>verdorbene<\/i> Beh\u00e4ltnis, er kochte daraufhin f\u00fcr kleinere Reparaturen den Teer darin&#8230;<br \/>\nDie alte Dame half fr\u00fcher den Schlachtern, wenn Ziegen oder Schweine zerteilt wurden. S\u00e4mtliches Federvieh und Karnickel schlachtete sie. Nach dem traumatischen Ger\u00fccht einer geh\u00e4ssigen Nachbarin wurden die Langohren sofort verschenkt. Als selbige Klatschbase vernahm, dass sie bei Witwe S. zum Essen eingeladen waren, fragte sie hinterfotzig, \u201eob ihnen der eigene Dachhase gemundet hatte..?\u201c<br \/>\nWie es der Deibel wollte, kurz vorher war ihre Lieblingsmieze nicht wieder aufgetaucht&#8230;<!--more--><br \/>\nZeit meines Lebens habe ich alles gegessen, was auf den Tisch kam, allerdings stellten sich im Laufe der Zeit doch ein Wandel ein. Bei Hamstern war es einfach der Tatsache zuzuschreiben, dass es niemand mehr gab, der diese niedlichen Nager fing und zubereitetet. Oma hatte mir als Halbstarker das einkn\u00f6pfbare, wundersch\u00f6n gezeichnete Hamsterfutter <b>(<\/b><i>Unser Nachbar fing diese kleinen Viecher und verarbeitete die Fellchen anschlie\u00dfend.<\/i><b>)<\/b> ihres Persianers geschenkt, welches ich sofort in eine <a title=\"Weste\" href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/zonenklaus\/14348269139\/in\/set-72157627685719972\">Weste<\/a> f\u00fcr mich umfunktionierte.<br \/>\nNierchen wurde nach der Knastzeit nie wieder anger\u00fchrt, an solchen Tagen stank das gesamte Cottbuser Zuchthaus stundenlang nach einer riesigen Pissbude.<br \/>\nSehr witzige Fleisch und Insektenteile wurden in China eingepickt.<br \/>\nWobei frittierte Skorpione und eine gro\u00dfe Asselart lediglich als Tr\u00e4ger f\u00fcr wohlschmeckende Panaden herhielten. Heuschrecken besitzen schon so etwas wie ein Eigengeschmack. Zwangsl\u00e4ufig muss man sich dort gleich die entsprechenden Esskultur aneignen, was die Gastgeber immer am\u00fcsiert und wohlwollend registrierten, wenn man es ihnen gleich tat. Es ging ja auch nicht anders <b>(<\/b><i>Au\u00dferdem: When in Rome, do as the Romans do!<\/i><b>)<\/b>, denn es geh\u00f6rt zu den allbekannten Legenden, dass Chinesen mit St\u00e4bchen essen! Ich konnte es zwar vorher bereits, wurde aber dort eines Besseren belehrt. Gut, gr\u00f6\u00dfere Teile oder f\u00fcr Salate da benutzt man schon die <i>zweizinkige<\/i> Gabel und \u00fcberl\u00e4dt damit seinen Teller. Ansonsten bleibt bei den ewigen Steh-Parties nur \u00fcbrig, mit den Fingern zu mampfen und merkw\u00fcrdige Essensteilchen zwischen den Fressleisten heraus zupolken und wieder am Tellerhand zu drapieren.<br \/>\nGut vorbereitet auf die dortigen Sitten, hielt ich mich immer in der N\u00e4her der Gastgeber und des lokalen Reisef\u00fchrers auf. Konnte erstens immer gleich fragen, was das ganze Zeug eigentlich war und a\u00df dann wie sie. F\u00fchrte den Teller an meinen Klappe und schob mit den \u00fcbereinandergelegten H\u00f6lzchen alles rein. Anfangs spuckte ich Kn\u00f6chelchen, Schwartenteilchen und andere Partikel noch vorsichtig vor mir oder seitlich aus. Sp\u00e4ter in gr\u00f6\u00dferen Runden, auch schon mal verwegen \u00fcber den Tellerrand. Sehr schnell gew\u00f6hnt man sich an die multitasking Form des Speisen. Mit vollem Mund reden, nebenbei auch noch alle st\u00f6rende Partikel ausspucken, wenn\u00b4s geht, sehr ger\u00e4uschvoll&#8230;<br \/>\nKam schon alles strange r\u00fcber, sammelten sich die unbrauchbaren Reste auf einem wundersch\u00f6nen Parkett und man musste beim Umherlaufen m\u00e4chtig Obacht geben, um sich nicht zu erden.<br \/>\nAls letztes noch einige Bemerkungen zum Fr\u00fchst\u00fcck.<br \/>\nDa gab es die gleichen K\u00f6stlichkeiten, nur alles kalt. Solange die Schwimmh\u00e4ute eines Entenfu\u00dfes frisch aus dem siedenden Fett kommen, kann man sie knackend weg bei\u00dfen. Morgens erinnerte alles an br\u00fcchige Gummiteile, ebenso ging es mit unterk\u00fchlten H\u00fchnerh\u00e4lsen, dem wabbligen Kopf und den blinden Augen im Antlitz&#8230;<br \/>\nOb jemals Hund oder <a title=\"Katze\" href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/zonenklaus\/6143385455\/in\/set-72157627630485924\">Katze<\/a> bei jenen ausladenden Fressfeten drunter waren, wage ich zu bezweifeln. Wobei mir ein hiesiger Chinese mal erz\u00e4hlte, dass ihn der Geschmack von Teppichratten an m\u00e4nnliches Wildschwein erinnere&#8230;<\/p>\n<p>Nebenbei bemerkt, fand ich die gesamte Sendung sehr interessant!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Lange Nacht \u00fcber Nahrungstabus Anfangs geht es ja irgendwann mit Pferdefleisch los. 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