{"id":27031,"date":"2015-09-16T23:13:25","date_gmt":"2015-09-16T22:13:25","guid":{"rendered":"http:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=27031"},"modified":"2020-10-27T01:28:51","modified_gmt":"2020-10-27T00:28:51","slug":"die-ewige-flamme-auf-dem-theodor-heuss-platz-mahnt-seit-60-jahren-gegen-vertreibung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=27031","title":{"rendered":"Die Ewige Flamme auf dem Theodor-Heuss-Platz mahnt seit 60 Jahren gegen Vertreibung (und mehr auch nicht)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\" align=\"CENTER\"><a title=\"Zuflucht in Berlin\" href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/zuflucht-in-berlin-die-ewige-flamme-auf-dem-theodor-heuss-platz-mahnt-seit-60-jahren-gegen-vertreibung\/12325292.html\">Zuflucht in Berlin<\/a>, anschlie\u00dfend een janz oller Text von mir:<br \/>\n&#8230;nach etwa 15 Minuten konnte ich mir am Heuss-Platz endlich wieder den etwas frischeren, leicht nach Benzin m\u00fcffelnden Ostwind um die L\u00f6ffel wehen lassen. Dabei fiel mir bruchst\u00fcckhaft jene lustige Geschichte aus den Achtzigern wieder ein, die mit einer nichtssagenden Zeitungsnotiz begann. Aus der damals hervorging, dass ein <i>Nichtsesshafte<\/i>r die \u201eEwige Flamme\u201e am Theodor Heussplatz entweiht hatte. Man verhaftete den T\u00e4ter, behandelte ihn so weit als m\u00f6glich erkennungsdienstlich und lie\u00df selbigen anschlie\u00dfend gleich wieder laufen. Vielleicht war dies gar nicht in seinem Sinne.<br \/>\nDen Rest erz\u00e4hlte mir kurz darauf ein Bekannter zu fortgeschrittener Stunde im damaligen Wilmersdorfer \u201eHolzwurm\u201c &#8211; zuf\u00e4lligerweise lungerte er an jenem Tag mit seiner gelblichen Motordroschke am \u201eHeussi\u201c herum.<br \/>\nSeit Jahren fehlte mir die Pointe. Sie musste etwas mit der Aufschrift an dem eckigen Hinkelstein am unteren Teil des Platzes zu tun haben. Also \u00fcberkam es mich heute, endlich mal dieses Zementmonster aus der N\u00e4he zu betrachten, denn ewig fuhr ich oben auf der Stra\u00dfe daran vorbei oder mit der U-Bahn darunter durch.<br \/>\nBeim \u00dcberqueren der Stra\u00dfe huschten mir ein Haufen in Stein gehauene oder Metall gegossene Banalit\u00e4ten durch den Kopf. Au\u00dferdem ging auch der letzte, in Historie promovierte Kanzler, ewig mit so etwas hausieren. Wenn ich an den Heckmeck dachte, den er veranstaltete, was die \u201eNeue Wache\u201c <i>Unter den Linden<\/i> betraf. Ganz zu schweigen von den nun dort verewigten Worten &#8211; so zur \u201eMahnung\u201c gedacht.<br \/>\nDr. Kappes setzte sich schlie\u00dflich mit seinem Lieblingsvers durch. Der bezog s\u00e4mtliche <i>Opfer totalit\u00e4rer Gewaltherrschaft<\/i> rund um den Globus zu jeder nur erdenklicher Zeit mit ein, ebenso unsere j\u00fcngere <i>deutche Gechichte<\/i> <b>(<\/b><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><i>\u00a9<\/i><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><i>Birne<\/i><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\"><b>)<\/b><\/span><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\">. <\/span>Ergo auch den netten SS-Soldaten von nebenan, der im Dritten Reich, <i>in Ausf\u00fchrung seines verantwortungsvollen Dienstes,<\/i> besoffen vom Wachturm eines KZs gefallen war&#8230;<br \/>\nDa ruht am unteren Rand jener erh\u00f6hten Rasenfl\u00e4che, ein Zementquader, ungef\u00e4hr 2 Meter lang, 1,5m breit und sch\u00e4tzungsweise 1,8m hoch, obendrauf befindet sich eine auf drei F\u00fcssen stehende Bronzeschale von zirka 1m Durchmesser, mit der \u201eewigen Flamme\u201c.<br \/>\nW\u00e4hrend mein Blick \u00fcber die metallene Beschriftung auf der westlichen Seite glitt, kam mir langsam alles wieder, lie\u00df dabei das Fahrrad vor dem Stein auf den Rasen kippen und gab mich der allseitigen Betrachtung hin.<br \/>\nDa man dieses Denkmal schon Anfang der <i>Goldenen F\u00fcnfziger<\/i> kreierte, ging der K\u00fcnstler sparsam mit einer Aufschrift um. Auf der, zur Stra\u00dfe nach Osten gerichteten Fl\u00e4che, stehen in gro\u00dfen Lettern drei gehauene Worte untereinander, insgesamt etwa 1,50 hoch:<br \/>\nFREIHEIT<br \/>\nRECHT<br \/>\nFRIEDE<br \/>\nNun ist diese Aufschrift nicht gerade prickelnd, aber f\u00fcr jeden in UNSERER Galaxie ist etwas dabei.\u00a0 Was soll man von solch \u201ek\u00fcnstlerischer\u201c Trivialit\u00e4t eigentlich halten?<!--more--><\/p>\n<p><strong>&#8211; <\/strong>An einem arschkalten Wintertag geschah hier folgendes:<br \/>\nTags\u00fcber hockte jemand oben auf dem Steinquader, am Rand des Feuernapfes. Hielt als Windschutz mit der linken Hand einen Teil seines Mantels als Segel gegen die tierisch kalte Brise, mit der anderen eine ge\u00f6ffnete Dose in die blakende Flamme.<br \/>\nSchlie\u00dflich tauchte, ob dieses ketzerischen Missbrauchs die Polizei auf.<br \/>\nDa der Koch sich nicht um die Herren unterhalb seiner Feuerstelle scherte, wurden die recht schnell ungehalten. Es entwickelte sich eine Rangelei, in deren Folge zuerst die B\u00fcchse abhanden kam. Denn der von unten so arg bedr\u00e4ngte, f\u00fchrte einen Veitstanz auf, um den schnappenden Griffen der Gendarmen zu entgehen. Seinerseits erfolgte auch bald die Kapitulation, da er fast nur noch in der Sch\u00fcssel herum h\u00fcpfte und es ihm scheinbar doch etwas zu warm wurde.<br \/>\nSchlie\u00dflich lag unser Koch am Boden und lie\u00df in den folgenden Minuten relativ ruhig die gewohnten Rituale von Staatswegen \u00fcber sich ergehen.<br \/>\nBeim Abmarsch halfen ihm die <i>Ordnungsh\u00fcter<\/i> sogar, indem sie seine, an den Betonklotz lehnendes Ged\u00f6ns von der verschneiten Wiese runter auf den Gehweg feuerten und ihn mit Gewalt vom Platz verscheuchten.<br \/>\nAllerdings beim Aufsammeln und Ordnen seiner Utensilien verursachte der Obdachlose abschlie\u00dfend noch einen Menschenauflauf. Denn nun wurde von ihm lauthals gegen die Polypen gewettert und dabei berief er sich unter lachender Anteilnahme der ihn umgebenden Gaffer, auf die Inschrift der gegen\u00fcber angebrachten Tafel.<br \/>\nAn der ungef\u00e4hr 1,2 mal einem Meter gro\u00dfen metallenen Fl\u00e4che, befinden sich folgende zwei S\u00e4tze: DIESE FLAMME MAHNT:<br \/>\nNIE WIEDER VERTREIBUNG!<br \/>\n&#8211; Wobei der aufgeregte Mann sich zeternd auf letzteren berief.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><b>Fu\u00dfnote: <\/b>Beim Anblick von in Stein gehauenem oder gegossenem verbalen D\u00fcnnschiss auf diesem Planeten f\u00e4llt mir fortw\u00e4hrend nur ein, dass Mahn- bzw. Denkm\u00e4lern etwas Kurioses an sich haben: <i>Genau so wenig, wie jemand beim Anblick eines Grabmals auf die Idee k\u00e4me, mit Graben zu beginnen, scheinen auch nur sehr wenige Leutchen eine Inspiration zu bekommen, sich hernach mal etwas <\/i>Nachhaltiges<i> \u00fcber den Sinn des gerade betrachteten <\/i>Denkmal(!)<i>s durch ihre grauen Zellen gehenzulassen&#8230; <\/i><br \/>\nDies ist bei solch einem kleinen eckigen Br\u00f6sel nicht anders als bei \u00fcberdimensionierten Anlagen! Minderheiten von humanistisch befleckten Traumt\u00e4nzern scheinen niemals zu raffen, dass sie lediglich krampfhaft versuchen, die sich seit Jahrtausenden st\u00e4ndig wiederholenden identischen Geschehnisse in <i>ihrem<\/i> Sinne erfolglos aufzuarbeiten. Hauptsache den eigenen beschr\u00e4nkten Profilneurosen wurde Gen\u00fcge getan. Dementsprechend k\u00f6nnen die Verwirklichungen solch pathologischer Eingebung nicht monstr\u00f6s genug ausfallen und deshalb m\u00fcssen selbige teilweise irrwitzigen Versinnbildlichungen auch noch inflation\u00e4r aus dem Boden gestampft werden, koste es was es wolle.<br \/>\nAls Regel kann dabei gelten: Mit ausufernden Dimensionen solcher <i>Feigenbl\u00e4tter <\/i>abgedroschener Emotionen werden lediglich Exempel statuiert, um damit das vorhandene, umgekehrt proportionale kollektive schlechte Gewissen der breiten Masse auch noch zu kaschieren<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zuflucht in Berlin, anschlie\u00dfend een janz oller Text von mir: &#8230;nach etwa 15 Minuten konnte ich mir am Heuss-Platz endlich wieder den etwas frischeren, leicht nach Benzin m\u00fcffelnden Ostwind um die L\u00f6ffel wehen lassen. Dabei fiel mir bruchst\u00fcckhaft jene lustige Geschichte aus den Achtzigern wieder ein, die mit einer nichtssagenden Zeitungsnotiz begann. 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