{"id":2767,"date":"2009-03-22T23:52:40","date_gmt":"2009-03-22T22:52:40","guid":{"rendered":"http:\/\/12decode.de\/zonenklaus\/wordpress\/?p=2767"},"modified":"2017-11-06T09:50:50","modified_gmt":"2017-11-06T08:50:50","slug":"untermieterinners","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=2767","title":{"rendered":"UntermieterInners"},"content":{"rendered":"<p>U-Mieter sind durch die Bank weg recht merkw\u00fcrdige Gestalten.<br \/>\nDie erste bei Frau E. aus B. war Anfang der achtziger ein junges M\u00e4del.<br \/>\nNennt man eigentlich weibliche Angestellte in einem Callcenter auch Callgirls? Wenn ja, dann war sie eins &#8211; bei \u201eOTTO\u201c.<br \/>\nAls Langzeitstudi verbrachte sie ihre Freizeit am Teflon dieses Versandhauses. Dieses Blondchen kaufte sich vom monatlichen Sal\u00e4r jede Menge Markenklamotten, trug manches gute St\u00fcck nur aus dem Kaufhaus in ihr Zimmer. Alle halbe Jahre mistete sie den Schrank aus und die Klamotten landeten dann im Prenzelgebirge.<br \/>\nDa ihr Mitteilungsbed\u00fcrfnis nicht \u00fcber Cocktail-Smalltalk unterstes Niveau hinausging, versuchte ich ihr aus dem Weg zu gehen\u2026<br \/>\n1986 zog ich dann ein, als Hintert\u00fcrchen f\u00fcr meine Freundin musste die WG in Sch\u00f6neberg am Leben erhalten bleiben, was meinen damaligen Mitbewohnern nur recht war.<br \/>\nAls die beiden erwachsenen Bonsais meiner Vermieterin eigene Nester unterhielten, hie\u00df es f\u00fcr mich, in der Wohnung umzuziehen. Von den 170 \u25a1-Metern, wurde ab nun das sch\u00f6nste Zimmer m\u00f6bliert untervermietet. Nebenbei lie\u00dfen wir, nach\u00a0 24-j\u00e4hriger Probezeit, unsere Zweierbeziehung staatlich sanktionieren.<br \/>\nAlle neuen Mitbewohner hatten es irgendwie mit der Fresserei.<!--more--><\/p>\n<p>&#8211; Der erste Mieter stammte kam Griechenland, aus besseren Verh\u00e4ltnissen. Historiker, der ein nichts sagendes Thema \u00fcber die zwanziger Jahre abhandelte, um die Eitelkeit seiner Erzeuger zu befriedigen, die sich hochgearbeitet hatten. Daf\u00fcr musste ein Zertifikat her, damit er anschlie\u00dfend den 4ten und 18ten Buchstaben unseres Alphabetes vor seinen Namen pappen konnte.<br \/>\nDer Junge konnte nur Kaffee kochen, ansonsten lebte er fasst ausschlie\u00dflich von Imbisskost. Seine s\u00fcddeutsche Freundin \u00fcberredete ihn, nach Hamburg umzuziehen. Vielleicht konnte er ja gut poppen und ihr kamen bei seinen Ern\u00e4hrungsversuchen Bedenken, dass er irgendwann die Norm nicht mehr schaffte&#8230;<br \/>\n&#8211; Der n\u00e4chste, ein wegen Suffs abgehalfterte, kleine Leinwandgr\u00f6\u00dfe &#8211; nun trocken.<br \/>\nSein Leben lief zwischen Fitnessstudio, Di\u00e4tk\u00fcche &#8211; jeden Tag zwei Rindersteaks mit einer Knolle Knofi und der Glotze ab &#8211; g\u00e4hnende Langeweile f\u00fcllte das Wochenende aus. Gegen ihn war Blondie hochgradig intellektuell.<br \/>\n&#8211; Als n\u00e4chstes lebte mehrer Monate ein blutjunges M\u00e4dchen aus Tunesien bei uns. Sie wollte nach dem Deutschintensivkurs Pharmazie studieren. Stammte auch aus besseren Verh\u00e4ltnissen, konnte aber noch nicht mal Wasser kochen, die Anleitung\u00a0 f\u00fcr ihre ersten Kochversuche (Nudelgerichte) stammten aus dem Netz, scheinbar von einem ehemaligen Army-Koch aus UK. Es brannte zwar nie etwas an, aber die Teigwaren entpuppten sich anfangs immer als schleimige Masse. Ihr Tunesischer Freund mit dem sie bald zusammenzog war nicht besser drauf, sprach allerdings perfekt Deutsch\u2026<br \/>\n&#8211; Aus der Umgebung von Elsterwerder stammte der folgende 12 Monatsmieter, von Amtswegen in Berlin gelandet. Nach einem halbj\u00e4hrigen Kurs in Cottbus, vom Jobcenter finanziert, musste er feststelle, dass er 6 Monate f\u00fcr Nothing die Bank dr\u00fcckte, denn keine Firma arbeite mehr mit dem gerade vermittelten Computerprogramm.<br \/>\nDer Junge entpuppte sich, bis auf eine Kleinigkeit, als der ideale U-Mieter. Stand erst Montagabend wieder auf der Matte, seine Rucksack gef\u00fcllt mit gekochten K\u00f6stlichkeiten von Omi.<br \/>\nFreitags ging es dann in die Heimat. Am Wochenende mit Kumpels saufend \u00fcber die D\u00f6rfer, &#8220;Kanaken klatschen&#8221;,\u00a0 dass er mal kleine Timmies, Roberts, Erics, Dylans und Magnusse zeugt, halte ich momentan f\u00fcr recht unwahrscheinlich, sprach er von seinen \u201eFreunden\u201c und Kumpels mit einer recht homoerotischen Ehrfurcht.<br \/>\nDieser eigentlich schweigsame Zeitgenosse, vielleicht 1,60 cm messend, huschte unauff\u00e4llig barfuss, aber immer in Kampfanzug durch die Bude und sofort retour zu seiner Playstation. Mehrer Stunden t\u00e4glich ert\u00f6nten dann aus seinem Zimmer Ger\u00e4usche von Explosi-onen und Maschinengewehrfeuer, zwischendurch immer wieder Ausrufe: \u201eDu Sau, dich mache ich fertig!\u201c, \u201eSchei\u00dfe!\u201c, \u201eMist! Dreck!\u201c und Jubelschreie\u2026<br \/>\nTetris spielte er bestimmt nicht.<br \/>\nIn den ruhigen Momenten schien er sich H\u00f6rnchen zubauen, denn er quarzte ewig Grass, eigene Ernte aus Omas Garten, das wie Katzenschei\u00dfe stank\u2026<br \/>\nNach einer Probe von mir, kippte der Genosse fast um. Mein Zeug stammte aus der Altmark. W\u00e4hrend der Trocknung m\u00fcffelte unser gesamtes Treppenhaus nach den Pfl\u00e4nzchen. Fast 4 Meter gro\u00dfe Teile, sie wuchsen vor der dicken S\u00fcdwand einer Scheune, auf einem ehemaligen Kolchosmisthaufen \u2026<br \/>\n&#8211; Was soll ich \u00fcber den letzten Mitbewohner, einem Halbpal\u00e4stinenser ablassen?<br \/>\nDieser Blindenscheff wohnte am l\u00e4ngsten hier, war bei seinem Einzug 26 Jahre und verkaufte sich deutscher als jeder Einheimische, allerdings nicht bei seinen Essgewohnheiten, denn er veredelte Tiefk\u00fchlpizza von Feinkost-LIDL.<br \/>\nAnfangs versuchte er noch mit einem Karaokeprogramm eigene Texte zu verarbeiten. Politisch korrekte Sch\u00f6nf\u00e4rberei. Mir kam es vor, als stammten sie aus einer Therapiegruppe von gefallenen M\u00e4dchen.<br \/>\nAls er endlich damit Ruhe gab, lief die ganze Zeit seine Glotze, sogar wenn er pennte\u2026<br \/>\nSein gr\u00f6\u00dftes Problem schienen T\u00fcrken zu sein: \u201eIch frage mich immer wieder, was suchen diese Kanaken hier?\u201c<br \/>\nNicht viel besser kamen Frauen bei ihm weg.<br \/>\nScheinbar gepr\u00e4gt durch das \u201e<a href=\"http:\/\/freilesen.de\/werk_Aesop,Der-Fuchs-und-die-Trauben,23,0.html\">Der Fuchs und die Trauben<\/a>-Syndrom\u201c. Als ich ihn mal nach einer seiner \u00fcblichen Verbalattacken danach fragte, konnte er mit dieser Fabel nichts anfange. Allerdings kl\u00e4rte ich ihn auch nicht dar\u00fcber auf.<br \/>\n\u201e\u2026diese d\u00e4mlichen Weiber, diese bl\u00f6den Fotzen, diese Schlampen und Nutten\u2026\u201c<br \/>\nMerkw\u00fcrdig war bei dem Typ, er konnte nicht richtig locker lachen. Seine Laute erinnerten mich immer an das Meckern eines Ziegenbocks, wenn man ihn am Strick oder an den H\u00f6rnern in den Stall zurren wollte und das Vieh sich dabei stur stellte. In solchen F\u00e4llen hilft nur hinhakeln mit dem Knie in die Rippen, dann erfolgen solche Ger\u00e4usche.<br \/>\nAuch L\u00e4cheln war unserem Frauenfreund fremd, er grinste nur immer nur recht merkw\u00fcrdig, speziell nach bestimmten Fragen von mir. So auch geschehen, als ich von ihm wissen wollte: \u201eSag mal, alle Weiber sind Fotzen, au\u00dfer Mutti, oder?\u201c<br \/>\nGott noch mal, wenn er sich mal hetero paart und Ableger zeugt, sicher auch in Mengen\u2026<br \/>\nVielleicht entwickelt er sich ja anders und versucht es folgenlos mit Mastdarmschwangerschaften, das w\u00e4re in der heutigen, bleihaltigen Zeit ein Segen\u2026<\/p>\n<p>Vor l\u00e4ngerer Zeit wedelte der Luftzug nach dem Fenster\u00f6ffnen in seinem Zimmer,\u00a0 ein DIN A4 Blatt vor meine F\u00fc\u00dfe. Es war von der Regalwand gesegelt und ich musste es archivieren, da mir so etwas noch nie untergekommen war &#8211; sein Wochenplan, mir ist allerdings nicht bekannt, ob er diese Listen immer anlegte.<a href=\"http:\/\/12decode.de\/zonenklaus\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/u-plan-02.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-2777\" src=\"http:\/\/12decode.de\/zonenklaus\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/u-plan-02-300x160.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"160\" srcset=\"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/u-plan-02-300x160.jpg 300w, https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/u-plan-02.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><br \/>\nVielleicht machte er ja heimlich eine Therapie und es handelte sich um die Anweisung eines P\u00fcchologen\u2026<br \/>\nAch so, meine Untermietemacken wurden glatt unterschlagen. Nur so weit, ich hasse Fastfood, koche gern und gut\u2026<br \/>\nAls T\u00fcrke deutscher Herkunft mag ich auch die einheimische Kost. Seit einigen Monaten gehen wir manchmal im \u201e<a href=\"http:\/\/www.freewebs.com\/restaurantmaria\/\">Maria<\/a>\u201c, vis-\u00e0-vis vom ADAC in der Bundesallee etwas einpicken, die Kinder haben diesen kleinen Laden entdeckt.<br \/>\nAuf der Karte befinden sich \u00fcberschaubare internationale Gerichte, wer sich nicht auf der Flucht befindet und Bratkartoffeln mag, sollte es ansagen, die gibt es dann ganz kross.<br \/>\nDie beiden Indischen K\u00f6che kommen an die Machart von meiner Oma heran!<\/p>\n<p>Unser neuer Mitbewohner gef\u00e4llt uns sehr, allerdings wohnt er drau\u00dfen.<br \/>\nEr quatscht kein dummer Zeug, erscheint abendlich p\u00fcnktlich wie ein Maurer, immer kurz vor Zehn. Vor ein paar Wochen fiel er mir auf, als ich ihn h\u00e4ngend an den verschm\u00e4hten Meisenkn\u00f6deln\u00a0 m\u00fcmmeln sah.<br \/>\nSeine Macke besteht neuerdings darin, wenn er rechts vom Kn\u00f6terich in die Schale des Blumenkastens hopst, rennt er anschlie\u00dfend zweimal auf den Wasserschenkeln der Fenster hin und her, dann wird sein Abendmahl begutachtet.<br \/>\nAm liebsten frisst dieser kleine Freund Kuchen, Schnittk\u00e4se, Knackies und Rinde vom Falkenbrot (Es handelt sich dabei auch um unser Lieblingsbrot) aus der <a href=\"http:\/\/www.vollkorn-backhaus.de\/\">K\u00f6rnerfresserb\u00e4ckerei<\/a>. Franz\u00f6sischen Camembert mag er nicht sonderlich (Gutmenschen sei hier gesagt, ich glaube nicht, dass er oder sie etwas gegen Franzosen hat), ebenso Speck\u2026<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/12decode.de\/zonenklaus\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/img_6951a.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2780\" src=\"http:\/\/12decode.de\/zonenklaus\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/img_6951a-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/img_6951a-225x300.jpg 225w, https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/img_6951a.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/12decode.de\/zonenklaus\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/untermieter1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-2782\" title=\"untermieter\" src=\"http:\/\/12decode.de\/zonenklaus\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/untermieter1-300x225.jpg\" alt=\"untermieter\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/untermieter1-300x225.jpg 300w, https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/untermieter1.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>U-Mieter sind durch die Bank weg recht merkw\u00fcrdige Gestalten. 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