{"id":30114,"date":"2017-09-21T22:20:17","date_gmt":"2017-09-21T21:20:17","guid":{"rendered":"http:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=30114"},"modified":"2024-09-14T10:56:38","modified_gmt":"2024-09-14T09:56:38","slug":"drei-saetze-von-sven-hedin-vorher-aber-etwas-ueber-schweissmauken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=30114","title":{"rendered":"Drei S\u00e4tze von Sven Hedin, vorher aber etwas \u00fcber Schwei\u00dfmauken"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?attachment_id=30115\" rel=\"attachment wp-att-30115\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-thumbnail wp-image-30115 alignleft\" src=\"http:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/sven-hedin-91x150.jpg\" alt=\"\" width=\"91\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/sven-hedin-91x150.jpg 91w, https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/sven-hedin-181x300.jpg 181w, https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/sven-hedin-768x1272.jpg 768w, https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/sven-hedin-618x1024.jpg 618w, https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/sven-hedin-624x1034.jpg 624w, https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/sven-hedin.jpg 1343w\" sizes=\"auto, (max-width: 91px) 100vw, 91px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Meine letzte U-Bahnlekt\u00fcre war ein B\u00fcchlein \u00fcber den schwedischen <i>Entdecker<\/i>, nichts besonderes. Wem <i>Hedin<\/i> nichts sagt, erf\u00e4hrt aber trotzdem einiges \u00fcber ihn.<br \/>\nAllerdings wird mit keinem Wort seine Spionaget\u00e4tigkeit in den bereisten L\u00e4ndern erw\u00e4hnt. An die drei abschlie\u00dfenden S\u00e4tze kann ich mich nat\u00fcrlich nicht erinnern, aber an die Szene mit den Stiefeln!<br \/>\nIn Gro\u00dfvaters Bibliothek befanden sich ein paar Jahrb\u00fccher: <i><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Der_Gute_Kamerad\">Der Gute Kamerad<\/a>.<\/i><br \/>\nNeben Karl May, fand man dort auch Kurzgeschichten von allen m\u00f6glichen Schreibern aus den unterschiedlichsten L\u00e4ndern. Jene Folianten wiesen mir den Weg zu den Originalen, die nat\u00fcrlich ebenfalls in Opas Regalen standen, so wurde ich bald ein gro\u00dfer Fan von Sven Hedin. In meiner Kind- und Jugendzeit kamen durch <i>Bestrafungen<\/i> meiner <i>Erziehungsberechtigten <\/i>sehr viele Monate an Stubenarrest zusammen, k\u00f6nnte diese Zeit sogar in Jahren z\u00e4hlen. Aber die vielen B\u00fccher von Klassikern der Weltliteratur, er\u00f6ffneten mir gigantische Horizonte, wobei ich bei aufkommenden Fragen, nat\u00fcrlich auf sofortige Hilfe der Gro\u00dfeltern z\u00e4hlen konnte. Deren Tochter behauptete sp\u00e4ter immerfort, ich h\u00e4tte permanent falsche Schlussfolgerungen aus dem vielen Lesestoff gezogen.<br \/>\nWesentlich entscheidender war f\u00fcr mich aber die Tatsache, dass mir in meinem weiteren Leben jegliches Unrechtsbewusstsein, <i>nach sogenannte Bestrafungen<\/i>, fast g\u00e4nzlich abhanden kam, egal um was es dabei auch ging, wenn jemand versuchte mich auf irgendeine Art zu disziplinieren&#8230;<\/p>\n<p><b>Hier erst die Stiefelgeschichte. <\/b><br \/>\nBei deren Vorstellung mir damals fast das Kotzen ankam, wegen der Vorstellung, dass dieses arme Schwein ja eine <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=IF_UHJ_Dzgc\">Schwei\u00dfmauken<\/a>-Bouillon saufen musste.<br \/>\n\u2026<br \/>\n<b>&#8211; <\/b>Der Sand war 52,7 Grad hei\u00df, und die D\u00fcnen ragten an etlichen Stellen 60 Meter empor. Zwei Wochen mu\u00dften sich Tiere und Menschen durch dieses Inferno schinden, bis Sven Hedin dahinterkam, da\u00df Jolltschi aus Bequemlichkeit in Merket die Wasserkanister nicht hinreichend gef\u00fcllt hatte.<br \/>\nZuerst starben nun die Kamele; das letzte Schaf und den Hahn schlachtete man, um ihr Blut aufzusaugen. Es War gespenstisch: <i>Ausgemergelt, mit bl\u00f6dsinnigem Gesichtsausdruck und starren Augen sa\u00df Jolltschi vor dem Zelte und kaute an den feuchten Lungen des Schafes. Seine H\u00e4nde <\/i><i>waren blutig und das Gesicht ebenfalls mit Blut befleckt. <\/i><br \/>\nEr hatte keine Kraft mehr, sich Weiterzuschleppen, und so wurde er mit Mohammed Schah, der bereits im Koma lag, auf Nimmerwiedersehen zur\u00fcckgelassen. Auch Islam Bai blieb auf der Strecke &#8211; als letzter gab am S.Mai Kasim Achun auf, obwohl Sven Hedin an diesem Tag &#8211; einem Sonntag \u00fcbrigens! &#8211; den Uferwald des Chotan-darja erreicht hatte. Gest\u00fctzt auf einen Spaten zog er jetzt allein weiter und fand am Abend &#8211; dreizehn Tage sp\u00e4ter als berechnet- endlich Wasser.<br \/>\n<i>Nie ist das Leben mir sch\u00f6ner, reicher und werthvoller erschienen als in dieser Nacht im Bette des Chotan-darja. Die Zukunft l\u00e4chelte mich wie in einem Lichtermeer an. Es verlohnte sich, zu leben, und das Gerede, die Erde sei ein Jammerthal, war in meinen Augen eine leere Fabel. In dem <\/i><i>verziickten Zustande, in dem ich mich befand, war es mir, als habe mich ein Engel des Himmels durch das n\u00e4chtliche Dunkel nach dem kleinen T\u00fcmpel gef\u00fchrt, und ich glaubte, das Rauschen seiner Fliigelschl\u00e4ge zu h\u00f6ren.<\/i><br \/>\n\u2026<br \/>\n<i>Doch nun flog der Gedanke zu dem sterbenden Kasim zur\u00fcck, der hinten im Walde lag und mit dem Tode k\u00e4mpfte, ohne im Stande zu sein, sich zu bewegen, geschweige denn, den dreistiindigen Weg bis zum Wasser zur\u00fcckzulegen. Er bedurfte baldiger Hilfe. Die Blechb\u00fcchse war zu klein; sie h\u00e4tte ihn das Wasser nur fl\u00fcchtig kosten lassen. Was war zu thun? Wie w\u00fcrde ich ihm eine hinreichende Menge Wasser bringen k\u00f6nnen?<\/i><br \/>\n<i>Die Stiefel! Nat\u00fcrlich, meine schwedischen, wasserdichten Stiefel! Sie waren ebenso gut und ebenso sicher wie irgendein anderes Gef\u00e4\u00df. Mit einem Plumpse tauchten sie in das Wasserbecken hinab; dann zog ich die Strippen auf die Enden des Spatenstiels, trug ihn auf der rechten Achsel und <\/i><i>wanderte leichten Schrittes eilig den Weg, den ich gekommen, zur\u00fcck.<\/i><br \/>\n\u2026<br \/>\n<i>Als ich bei Kasim anlangte, lag er noch in derselben Stellung, wie ich ihn verlassen hatte. Er betrachtete mich anfangs mit wild starrenden, bl\u00f6dsinnigen Blicken; doch als er mich erkannte, machte er eine Kraftanstrengung,<\/i><br \/>\n<i>kroch zu mir hin und fl\u00fcsterte: \u00abIch sterbe!\u00bb<\/i><br \/>\n<i>\u00abWillst du Wasser haben?\u203a\u203a fragte ich gelassen. Er sch\u00fcttelte den Kopf und sank zusammen. Er ahnte nicht, was die Stiefel enthielten. Ich nahm den einen Stiefel und lie\u00df ihn das Schwappen des Wassers h\u00f6ren. Er zuckte zusammen, stie\u00df einen unartikulierten Laut aus, und als ich ihm den Stiefelschaft an die Lippen setzte, trank er ihn in einem Zuge aus, und im n\u00e4chsten Augenblick leerte er auch den andern. <\/i><br \/>\nNichts vermochte jemals mehr die perfide Zelebration eines Quellwunders aus <i>schwedischen, wasserdichten Stiefeln<\/i> an \u00f6ffentlicher Wirkung zu \u00fcbertreffen.<!--more--><b>&#8230;<\/b><\/p>\n<p><b>&#8211; <\/b>Jene drei S\u00e4tze stammen aus einem Brief von 1949 und sind vollkommen zeitlos.<br \/>\nVielleicht findet man sie bereits in Keilschrift auf 5000j\u00e4hrigen Tontafeln aus Mesopotamien.<br \/>\n<i>Ja, die Welt ist nicht besser geworden, seit wir uns (im Jahre 1926) das letzte mal gesehen haben! Ein scheu\u00dflicher Verfall von Verstand und Moral greift \u00fcberall um sich, und die ganze Welt verwandelt sich in ein Tollhaus.<\/i><br \/>\n<i>Die Politik, die von den Westm\u00e4chten betrieben wird, f\u00fchrt zu Europas Untergang, zum Untergang der Welt und ihrer Kultur. Die Menschen sind vom Wahnsinn gepackt wie von einer pathologischen Seuche, und \u00abgegen die Dummheit k\u00e4mpfen selbst die G\u00f6tter vergebens\u00bb.<\/i><br \/>\nFast 70 Jahre bedeuten doch auch schon etwas und von der Aussage her hat sich <i>n\u00fcscht<\/i> ge\u00e4ndert&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine letzte U-Bahnlekt\u00fcre war ein B\u00fcchlein \u00fcber den schwedischen Entdecker, nichts besonderes. Wem Hedin nichts sagt, erf\u00e4hrt aber trotzdem einiges \u00fcber ihn. Allerdings wird mit keinem Wort seine Spionaget\u00e4tigkeit in den bereisten L\u00e4ndern erw\u00e4hnt. 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