{"id":30305,"date":"2017-10-25T23:48:40","date_gmt":"2017-10-25T22:48:40","guid":{"rendered":"http:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=30305"},"modified":"2025-03-06T15:42:03","modified_gmt":"2025-03-06T14:42:03","slug":"fats-domino-geht-nicht-mehr-einkaufen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=30305","title":{"rendered":"Fats Domino geht nicht mehr einkaufen"},"content":{"rendered":"<p>Nun haben sich fast alle 1920er bereits \u00fcber den Acker gemacht, nun f\u00e4ngt es an und rafft die 1930er weg. Alles Zeitgenossen, die mich seit meiner vormalig Detektor h\u00f6renden, dann w\u00e4hrend der aktiven Radiobastelzeit begleiteten, in der ich damals ein gro\u00dfer Fan der <i>westlich dekadente Musik <\/i>wurde, was mir sehr viel \u00c4rger einbrachte. Egal, was die roten Deppen auch anstellten, jene \u00c4therwellen, was sie Ausgeburten der psychologischen Kriegsf\u00fchrung nannten, fanden bei mir immer sperrangelweite Ohren. Von dem Feeling, welches Western&amp;Country-Kl\u00e4nge, schwarze Musik, besonders Blues, der Rock\u00b4n \u00b4Roll und sp\u00e4ter die h\u00e4rteren Gitarrenkl\u00e4nge konnte ich nie lassen. Fats war f\u00fcr mich immer einer der Gr\u00f6\u00dften, besser gesagt, einer der vielen ganz gro\u00dfen Pianisten und S\u00e4nger. Allerdings empfand ich ihn auch immer als Ausnahme mit seinen vielen g\u00e4ngigen Gassenhauer. Mehrfach kreuzten sich unsere Wege in den unterschiedlichsten Konzerth\u00fctten Westberlins.<br \/>\nBeim ersten mal, gleich nach meiner \u00dcbersiedlung konnten wir ihn sauw\u00fctend erleben, anl\u00e4sslich eines Konzertes, 1975\/76, in der Philharmonie. Da war mir anschlie\u00dfend danach, irgendwo in diesem Musentempel hinzuschei\u00dfen, so als Protest.<br \/>\nHatte in den anf\u00e4nglich Tagen nicht registriert, dass der Meister im Dorf herumhing, das Konzert war nat\u00fcrlich ausverkauft. Machte mich an besagtem Abend trotzdem los. Massenhaft standen Leute mit Schildern vor den Eing\u00e4ngen, die alle auf eine Karte hofften. Drehte schon bei, als ich registriert, niemand schlich direkt an den Bushaltestellen herum. Mit meiner br\u00fcllenden Nachfrage in Richtung jeden Pulk\u00b4s der sich aus dem Bus quetschte, war mir schlie\u00dflich das Gl\u00fcck doch hold.<br \/>\nEine junge Frau plapperte nebenher, dass ihr Freund sie im Stich gelassen h\u00e4tte&#8230;<br \/>\nWenn mich nicht alles t\u00e4uscht, wollte die junge Frau den Vorverkaufspreis, der sich auf 24 M-chen belief, gl\u00fccklich bekam sie 30.<br \/>\nAn jenem Abend gab es keine Vorgruppe, so enterte gleich die Band ihren Platz. W\u00e4hrend der Ank\u00fcndigung vom big Chief hub grellendes Pfeifen und Johlen an. Fats h\u00e4mmert sofort los, aber es kam kein Ton \u00fcber das Gesangsmikro.<br \/>\nWie frisch gefickte Eichh\u00f6rnchen wuselten sofort mehre Knechte herum, der Pianist r\u00fcckte etwas beiseite, spielte w\u00e4hrenddessen einh\u00e4ndig weiter.<br \/>\nNach mehreren Minuten gab es f\u00fcr ihn das OK, kurz darauf das gleiche Problem. Nun stand er aber auf, ging zum hinteren B\u00fchnenrand und redete gestikulierend auf einen h\u00f6heren Knecht ein.<br \/>\nWieder Retour auf seinem Platz, nur wenige korrekte Kl\u00e4nge kamen vom Piano, dann vermischte sich alles leichten Knackger\u00e4uschen. Mit seinem freundlichen Gesicht war nun alles vorbei, diesmal wurde die B\u00fchne verlassen. Unmut machte sich nun im Saal breit, allerdings konnte die Band einiges abfangen. Wieder ein Test &#8211; alles im gr\u00fcnen Bereich, jemand aus dem Haus t\u00e4tigte eine kurze Entschuldigung, das Aufatmen nebst breiten Grinsen vom Star sprang auf Publikum \u00fcber.<br \/>\nKeine zehn Minuten waren vergangen, da versagten die elektronischen T\u00f6ne vom Piano und Gesang wieder. Fats stand auf, verbeugte sich ganz kurz, winkte sehr abgenervt in Richtung der Zuschauern und verschwand.<br \/>\nWas nat\u00fcrlich m\u00e4chtige Irritationen hervorrief.<br \/>\nDie Band schaffte sich wie auf der Titanic, als der endg\u00fcltige Abgang vom gro\u00dfen Meister angek\u00fcndigt wurde und wir das Geld in den Entsprechenden Vorverkaufsstellen zur\u00fcckholen konnten&#8230;<br \/>\nVoll in Rage ging es zur Garderobe.<br \/>\nAls oller Ostblueser steckte in der Tasche vom Shelly, Gott sei Dank, ein Flachmann.<br \/>\nTrank ihn drau\u00dfen in einem Zug aus und rauchte noch eine Zigarette. Pl\u00f6tzlich stand meine Kartenverk\u00e4uferin neben mir, an ein Wegkommen war in der n\u00e4chsten Zeit nicht zudenken, deshalb wurde geschwatzt. Irgendwann gewahrte ich, dass sie gar nicht so schlecht aussah. Diese Erkenntnis hatte bestimmt auch etwas mit den wenigen Wochen in Freiheit zu tun und den zwangsl\u00e4ufigen Erfahrungen in alle Richtungen.<!--more--><br \/>\nIrgendwann begann die Dame doch zu nerven, scheinbar hatte sie Probleme und wollte mit einem Fremdfick ihrem, noch nicht ganz Ex, eine auswischen. Allerdings sollte man in solch einer Situation nicht ohne Punkt und Komma daherreden. Nicht auszudenken, die benutzt dann in der Horizontalen ihr flottes Mundwerk auch nur dazu, um sich verbal einen runter zu holen.<br \/>\nSie hatte gewiss den Sinn eines One Night Stand\u00b4s noch nicht kapiert&#8230;<br \/>\nIn mir klingelte es, fehlte noch, dann tritt vielleicht selten dummer Fall ein, dass sie sogar etwas Lustgewinn dabei empfindet, dann h\u00e4tte ich sie vielleicht in der n\u00e4chsten Zeit an der Backe kleben&#8230;<br \/>\nAuf den anderen Seite fand ich meine Vermutung doch nicht so abwegig, wegen dieser Geschichte mit der zus\u00e4tzlichen Karte, wo jemand verhindert war! Durch etwaige Menschenkenntnis hast du an solch einem Abend mehrere Stunden Zeit dein <i>Opfer<\/i> auszuleuchten. Mit etwas Gl\u00fcck l\u00e4sst sich diese Frist bereits als Vorspiel verbuchen&#8230;<br \/>\nZog es dann doch vor und spazierte solo in die Bleibtreustra\u00dfe.<br \/>\nEinige Jahre sp\u00e4ter verpasste ich mit einem Kumpel Fats, obwohl nichts weiter anlag an jenem Abend. Champion Jack Dupree gab sich die Ehre, wir fanden ihn aber leicht neben der Rolle, merkw\u00fcrdigerweise bat er zwischen seinem letzten Set um eine kurze Unterbrechung. Die wir drau\u00dfen sofort f\u00fcr ein weiteres H\u00f6rnchen benutzten. Dort sahen wir den Schefff in einem Taxi verschwinden, die Potse hoch in Richtung Kanal.<br \/>\nKeine konnte uns die Auskunft erteilen, was dies sollte. Nach fast einer Stunde ging es folglich woandershin.<br \/>\nWenige Tage sp\u00e4ter erfuhr ich, weshalb Champion so lange weggeblieb. Er war in der Philharmonie mit Fats Domino verabredet, den er anschlie\u00dfend ins Quartier anschleppen wollte. Dort gab es aber wegen mehrerer Zugaben eine nicht eingeplante Verz\u00f6gerung.<br \/>\nDeshalb standen die ganze Zeit zwei Fl\u00fcgel auf der B\u00fchne!<br \/>\nDas sch\u00f6nste Konzert erlebte unser R\u00b4n B-Rudel lange vor dem Mauerfall in der Waldb\u00fchne. Vielleicht 5000 Leute dort, absolut geiles Wetter, fast nur Hardcorefans, darunter ein Haufen farbige GI\u00b4s und eine Superstimmung, wie ich sie selten da empfand.<br \/>\nSehr dicht gedr\u00e4ngt, h\u00fcpften, tanzten, schwankten auf der Rasenfl\u00e4che vor der B\u00fchne teilweise mit total verkl\u00e4rten Blicken, singend die Meute herum. Pl\u00f6tzlich stieg die Bl\u00e4sergruppe von der B\u00fchne und m\u00e4anderte fast eine halbe Stunde hin und her durch die ausgelassenen Massen. W\u00e4hrenddessen oben auf der B\u00fchne, Mister Domino die Tasten des Fl\u00fcgels wie ein Berserker bearbeitete und schubste dabei mit seiner riesigen Wampe den Fl\u00fcgel, von der einen Seite auf die andere vor sich her &#8211; elephant\u00f6s!<br \/>\nUnd vor dieser ausgelassenen <i>Dekadenz<\/i> haben uns die senilen und impotenten Kommunisten immer bewahren wollen, warum eigentlich?<\/p>\n<p><strong>Tsch\u00fcss Meister!!!<\/strong><\/p>\n<p>Hier einige 1930er Kollegen, die mir gerade einfielen, welche noch auf der Pendenzenliste von Bruder Hein stehen: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=kZ6h0kyqSRk&amp;9638-1005=\">Richard Wayne Penniman<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=MqT1BPsuA5E\">Jerry Lee Lewis<\/a>, Willie Nelson, Tina Turner, Ginger Baker<br \/>\nHatte mir f\u00fcr die Schreiberei eine Sendung herausgesucht, die vor zehn Jahren aufgezeichnet wurde: <a href=\"https:\/\/archive.org\/details\/Manao_Radio_Wed_Sept_26_Fats_Domino\">Manao_Radio_Wed_Sept_26_Fats_Domino<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun haben sich fast alle 1920er bereits \u00fcber den Acker gemacht, nun f\u00e4ngt es an und rafft die 1930er weg. 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