{"id":30456,"date":"2017-11-19T17:53:16","date_gmt":"2017-11-19T16:53:16","guid":{"rendered":"http:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=30456"},"modified":"2024-02-29T16:59:53","modified_gmt":"2024-02-29T15:59:53","slug":"letzten-freitagabend-vor-dem-tracks-magazin-arte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=30456","title":{"rendered":"Letzten Freitagabend, vor dem TRACKS Magazin &#8211; ARTE"},"content":{"rendered":"<p>Habe mir gestern Filme vom Recorder eingezogen, ansonsten k\u00f6nnte man seit Wochen bereits, das gesamte Fernsehprogramm vollends in die Tonne latschen.<br \/>\nWo bleiben eigentlich die Sendepausen?<br \/>\nZwei Dokus gingen TRACKS voran, nur gut, dass ich mal wieder ins Programmheft geschaut hatte.<br \/>\nAlles begann 21:45 &#8211; <a href=\"https:\/\/www.arte.tv\/de\/videos\/077375-000-A\/free-to-rock\/\"><i>Free to Rock<\/i><\/a>, dann folgte 22:40 <a href=\"https:\/\/www.arte.tv\/de\/videos\/062920-000-A\/soviet-hippies\/\"><i>Soviet Hippies<\/i><\/a>, beide Dokus sind bis zum 17. Dezember noch abrufbar!<br \/>\nWobei mir der erste Beitrag nicht besonders gefiel, denn da wurde von zu vielen Unbeteiligten herum gelabert, besonders nervte da der <em>pr\u00e4sidentiale Erdnussfarmer<\/em>, er war ja eigentlich nie einer&#8230;<br \/>\nBob Santelli, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer &#8220;The GRAMMY Museum&#8221;, h\u00e4tte auch dem Schnitt anheimfallen k\u00f6nnen. Weshalb der Einwurf kam, dass die Sowjets Elvis als Bedrohung sahen, gibt f\u00fcr mich keinen Sinn.<br \/>\n<b>&#8211;<\/b> Hatte doch in der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/McCarthy-%C3%84ra\">McCarthy-\u00c4ra<\/a> <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=XLDwMWkp1Iw\">Bill Haley<\/a> bereits begonnen, sehr sachte mit einem neuen Musikstil das Amiland aufzumischen. Dem schloss sich ein weiteres <em>Wei\u00dfbrot<\/em> an, der noch dazu seine Inspirationen aus der <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=yoHDrzw-RPg\">schwarzen<\/a> <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=lzQ8GDBA8Is\">Musik<\/a> sch\u00f6pfte. Die trotz exzessive Rassentrennung unter den Kids der Mittelklasse\u00a0 unwahrscheinlich schnell gro\u00dfe Beleibtheit fand.<br \/>\nDa musste das folgsame <i>Rock\u00b4n Rollende<\/i> Mutters\u00f6hnchen einfach aus dem Verkehr gezogen werden und daf\u00fcr bot sich die Army an.<br \/>\nVielleicht kam als ausgebuffte Intension noch hinzu, ihn als Werbetr\u00e4ger f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.google.de\/search?q=unkel+sam&amp;num=20&amp;newwindow=1&amp;tbm=isch&amp;tbo=u&amp;source=univ&amp;sa=X&amp;ved=0ahUKEwjugNa-jMvXAhVQ6KQKHUZnDOgQsAQIPw&amp;biw=1920&amp;bih=904#imgrc=cLu2-exGeJVTkM:\">Onkel Sam<\/a> zu benutzen. \u00c4ltere GI\u00b4s, allerdings waren da nur pigmentierte Zeitgenossen darunter, von denen viele hier in Berlin h\u00e4ngen blieben, meistens Musiker, sie meinten, dass in den Endf\u00fcnfzigern der hiesige Landstrich, wegen seiner unmittelbaren N\u00e4he zum eisernen Vorhang, gar nicht so beliebt war&#8230;<!--more--><br \/>\nS\u00e4mtliche Segnungen der <i>freien westlichen Welt<\/i>, erreichten uns zeitversetzt etwas sp\u00e4ter. Allerdings war f\u00fcr uns die deutsche Teilung ein Gl\u00fccksfall<i>, <\/i>wir hatten n\u00e4mlich keine Sprachbarriere \u00fcber Zaun und Mauer.<br \/>\nMit neun Jahren schenkte mir Opa seinen alten Kristall-Detektor aus den mittzwanziger Jahren und dazu das B\u00fcchlein: <i><a href=\"https:\/\/kupdf.com\/download\/mit-spule-draht-und-morsetaste-ddr-1953_596bd23bdc0d60ad54a88e7e_pdf\">Mit Spule, Draht und Morsetaste.<\/a> <\/i><br \/>\nWar schon stressig, immer wieder auf dem kleinen Halbleiterbr\u00f6sel herumzukratzen, bis irgendwann eine Verbindung entstand. Innerhalb k\u00fcrzester Zeit besa\u00df ich eine Serien von Luftspulen, haupts\u00e4chlich f\u00fcr die starken Stationen auf Langwelle. Dort sendeten damals der <em>Deutschlandsender<\/em>, <a href=\"http:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Goworit-moskwa.mp3\"><em>Radio Moskau<\/em><\/a> und besonders heftig <em><a href=\"http:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/RIAS.mp3\">RIAS Berlin<\/a> <\/em><span style=\"font-size: small;\"><b>(<\/b><\/span><span style=\"font-size: small;\"><i>der oftmals stundenlang blubbernd gest\u00f6rt wurde<\/i><\/span><span style=\"font-size: small;\"><b>)<\/b><\/span>, manchmal kam auch schwach <em>Radio Warschau<\/em> hinzu.<br \/>\nEs folgten noch weitere radiotechnische Druckerzeugnisse in jene Richtung. Damit kam eine ganz neue Welt \u00fcber mich, die sich ruckartig, nach dem Bau eines <a href=\"http:\/\/funkperlen.blogspot.com\/2017\/11\/pauls-rohren-audion.html\"><em>Pentoden-Audion<\/em><\/a>, mit der AF7, fast grenzenlos erweiterte und mir jahrelang unbeschreiblichen \u00c4rger einbrachte, wegen des heimlichen Abh\u00f6rens von Radiostationen der <i>westlichen Hemisph\u00e4re.<\/i> Die Qualit\u00e4t des AM-Empfanges litt, zwar unter den vielen atmosph\u00e4rischen St\u00f6rungen m\u00e4chtig, trotz der getrimmten Langdrahtantenne. Oftmals war es tags\u00fcber fast nicht m\u00f6glich etwas zuh\u00f6ren, wenn die beiden Bauern in den angrenzenden Geh\u00f6ften irgendwelche Ger\u00e4te mit Starkstrommotoren laufen lie\u00dfen&#8230;<br \/>\nAlles \u00e4nderte sich, 1959, nach dem Kauf eines UKW-Radios, allerdings durfte ich nie Westsender h\u00f6ren, laut einer Anweisung der Tochter meiner Gro\u00dfeltern!<br \/>\nIn dem Doku-Beitrag schwatzten einige wichtigtuerischen Leute von psychologischer Kriegsf\u00fchrung aus jenen Tagen, was f\u00fcr meine Begriffe gar nicht stimmte.<br \/>\nSelbige Begrifflichkeit stammte n\u00e4mlich aus dem Osten!<br \/>\nErst einige Jahre sp\u00e4ter erkannten pfiffige westliche Radiomacher den Wert solcher Musiksendungen f\u00fcr die <i>verdorbene Jungend in der Ostzone. <\/i>Diesen<i> <\/i>locker<i> <\/i>eingeworfenen Spruch schnappte ich Anfang der 1960er mal in Berlin auf, den lie\u00df ein RIAS-Moderatoren-Witzbold ab&#8230;<br \/>\nAmerikanische Titel wurden morgens in den Werbesendungen von Hessen II und NDR II, zwischendurch eingestreut, was unter der alten Generation, in beiden deutschen Staaten zu b\u00f6sem Blut f\u00fchrte. Es gab Eltern von Mitsch\u00fclern, denen es schlicht am Arsch vorbeiging, dass es sich bei mir um den Ableger einer <i>ganz roten Sau<\/i> handelte. Erst in dem Moment, wenn <i><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=eFFgbc5Vcbw\">Little Richard<\/a> <\/i>oder <i><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=w0ZdxKlvTTA\">Elvis<\/a> <\/i>liefen, wurden die Radios abgestellt, weil ihnen diese <i>j\u00fcdisch-amerikanische<\/i> oder <i>Negermusik, <\/i>noch tierisch auf ihren national<i>sozialistisch<\/i> gepr\u00e4gten Geist ging. Solche kurzen Einspielungen amerikanischer Musik waren lediglich von werbetechnischem Belang f\u00fcr die sich rasant entwickelnde Plattenindustrie und der Produktwerbung bundesgermanischer Industriezweige.<br \/>\nErst als man auf gesamtdeutschem Boden registrierte, dass ein Generationenkonflikt zu schwelen begann, <i>den es im Osten nat\u00fcrlich \u00f6ffentlich nicht gab<\/i>, ging alles westeurop\u00e4isch einher mit dem britischen Beat-Boom. Die anf\u00e4ngliche, damit verbundenen Protestbewegung, entwickelte sich im Westen sehr schnell zu einem kulturpolitischen Konsumph\u00e4nomen, wobei nicht nur Stacheldraht deren exzessive Ausbreitung in Ostrichtung m\u00e4chtig bremste.<br \/>\nDa blieben anfangs nur die \u00c4therwellen von Funk und Fernsehen \u00fcbrig. Allerdings lief es zu Beginn der breitgef\u00e4cherten R\u00b4n B-\u00c4ra, in beiden deutschen Staaten fast identisch ab. Lange Haare und entsprechendes Outfit, waren anfangs die billigste Form, seine Verachtung gegen\u00fcber den vorherrschenden Systemen auszudr\u00fccken, was nicht nur ich dringend brauchte. Habe zu meinen Ostzeiten viele Bekannte gehabt, die aus \u00e4hnlichen Verh\u00e4ltnissen kamen, wie es mir erging und bereits seit Kindheitstagen ewig in ihren stalinistischen Elternh\u00e4usern ausflippten.<br \/>\nWeil wir nicht kniend leben wollten!<br \/>\nWas ansonsten mehrheitlich immer als optimale H\u00f6he angesehen wird, um arschkriechend den Aufstieg im hineingeborenen System optimal zu bewerkstelligen, nat\u00fcrlich entsprechend s\u00e4mtlicher <i>traditionellen Richtlinie<\/i> der Altvorderen&#8230;<br \/>\nMuss in dem Zusammenhang an etwas erinnern, was viele nie bemerkt haben und auch nicht registrieren wollten.<br \/>\nTrotz der \u00fcber 40 Jahre dauernden Sozialisation auf deutschem Boden, unter vollkommen verschiedenartigen ideologischen Vorzeichen, hatte sich eine absonderliche Tugend fast deckungsgleich weiterentwickelt &#8211; die <i>doitsche<\/i> <em>Spie\u00dfb\u00fcrgerlichkeit<\/em>. Dank der abendl\u00e4ndisch\/christlichen <i>Kultur<\/i>, besonders ausgepr\u00e4gt durch den Einfluss des uns\u00e4glichen <i>Re<\/i>formators aus dem Mansfelder Land!<br \/>\nMir schon klar, dass den Outsidern in leninistischen Gefilden noch wesentlich widerlichere Dinge widerfuhren. Viele Anmachen aus der Bev\u00f6lkerung, unterschieden sich allerdings nicht besonders von denen in hiesigen Landstrichen. Im <em>sowjetischen Schlaraffenland<\/em> sollte man s\u00e4mtliche Hippies einfach in Gulag\u00b4s einbuchten, in Gesamtdeutschland erfuhr alles noch die typische Besonderheit einer angedachten <i>Endl\u00f6sung<\/i>, denn solche Leute wie uns, h\u00e4tte man fr\u00fcher vergast!<br \/>\nZu Beginn der end1960er wurde im Osten die Lage etwas entspannter.<br \/>\nEs wurden die <i>k\u00fcnstlerisch<\/i>-monet\u00e4ren Einstufungen f\u00fcr Musiker etwas gelockert. Von da an, konnten wenige Profis richtig Kohle verdienen. Diese Figuren interessierten mich aber niemals.<br \/>\n<b>&#8211;<\/b> Es existierten viele Ostbands, die ich nie in meinem Leben geh\u00f6rt habe, vornweg die <i>Pudys&#8230;<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Habe mir gestern Filme vom Recorder eingezogen, ansonsten k\u00f6nnte man seit Wochen bereits, das gesamte Fernsehprogramm vollends in die Tonne latschen. Wo bleiben eigentlich die Sendepausen? Zwei Dokus gingen TRACKS voran, nur gut, dass ich mal wieder ins Programmheft geschaut hatte. Alles begann 21:45 &#8211; Free to Rock, dann folgte 22:40 Soviet Hippies, beide Dokus [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-30456","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemeines"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/30456","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=30456"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/30456\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":41229,"href":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/30456\/revisions\/41229"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=30456"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=30456"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=30456"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}