{"id":31122,"date":"2018-02-23T22:39:19","date_gmt":"2018-02-23T21:39:19","guid":{"rendered":"http:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=31122"},"modified":"2023-09-09T09:29:17","modified_gmt":"2023-09-09T08:29:17","slug":"seit-dem-vergangenen-6-februar-geht-manne-chicago-das-berliner-blues-boogie-piano-harp-fossil-nicht-mehr-einkaufen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=31122","title":{"rendered":"Manne Chicago, das Berliner Boogie-Blues-Piano-Harp-Fossil, geht seit dem vergangenen 6. Februar nicht mehr einkaufen!"},"content":{"rendered":"<p>Gestern erreichte mich die traurige Kunde&#8230;<br \/>\nDer Schefff war ja auch von der Sorte, der einen unwahrscheinlichen Blick f\u00fcr Details besa\u00df. Fand es immer wieder gigantisch, wenn er von den alten Zeiten in den Coca-Cola-Sektoren berichtete, den vielen Klubs, Kneipen und Schuppen, in denen amerikanische Musik lief. Er hatte bereits w\u00e4hrend seiner jungen Jahre, in verschiedensten Westberliner <i>Tanzmusikkapellen<\/i> das <em>Mississippi-Saxophon<\/em> popul\u00e4r gemacht. Was zehn Jahre nach Beendigung des letzten Weltkrieges oftmals mit m\u00e4chtig vielen \u00c4rgernissen einher ging, da der Rock\u00b4n Roll ja aus der schwarzen Richtung kam. F\u00fcr Leute seines Schlages, wo nat\u00fcrlich auch sein Geburtsjahr eine wichtige Rolle spielte, entpuppten sich die drei Westsektoren zu einer Spielwiese, von ungeahnter Kreativit\u00e4t in allen Lebenslagen. F\u00fcr ihn betraf es die Musik, besonders den Boogie Woogie. Also brachte er sich das Pianospiel selbst bei.<br \/>\nWer von Rang und Namen mit ihm alles muckte, da konnte man nur staunen! Und in was f\u00fcr siffigen H\u00fctten er auftrat und welche Probleme es f\u00fcr unsereins manchmal gab, wieder ins Zentrum zur\u00fcckzukommen, aus Gatow, Kladow, den hintersten Winkeln von Spandau oder Rudow. Ecken in denen sich Hase und Fuchs, nicht nur Gute Nacht<b>*<\/b> sagten, wo an den Wochenenden n\u00e4chtens kein Bus fuhr, sich keine Droschke hin verirrte&#8230; <span style=\"font-size: xx-small;\"><b>*<\/b>Auf, auf, sprach der Fuchs zum Hasen, kannst du mir nicht mal einen Blasen?<\/span><!--more--><br \/>\nOftmals war mir das Gl\u00fcck hold und ich konnte mit Manne, in seiner klapprigen M\u00f6hre zur\u00fcck d\u00fcsen, darin kam deshalb kaum eine Unterhaltung zustande. Im Winter war das Teil arschkalt, weil die Heizung versagte.<br \/>\nEinige Jahre existierte die <i>Blues Cooperative Berlin<\/i>, in jenem lockeren Verein mischte auch Manne mit. In den Anfangstagen der UFA-Fabrik gab es von denen mal ein geiles Wochenende mit Blues und seinen vielen Varianten. Irgendwann gingen mir aber verschiedene der Leute m\u00e4chtig auf den Keks, dies geschah zu Zeiten der Nachr\u00fcstungsdebatte, anfangs der 1980er. Da gab es<em> linkslastige Schwachmaten<\/em>, die ihre Mucken unter der Rubrik: <i>Rock<\/i> oder <i>Blues gegen Raketen<\/i>, anboten, entsprechend war nat\u00fcrlich das Publikum&#8230;<br \/>\nLegend\u00e4re Sonntage fanden in den Mitt80ern statt. Da liefen wir vom S-Bahnhof Wannsee \u00fcber die Havel nach <em>Heckeshorn<\/em> das Eis qietschte und knarrte, eisige K\u00e4lte um minus 15 Grad herum. In<i> Bolles Bootshaus<\/i> kam die Vermutung auf, dass man in einer Sardinenb\u00fcchse stand. Die Leute dr\u00e4ngelten sich in der H\u00fctte, dass stundenweise die Getr\u00e4nke und anschlie\u00dfend die leeren Gl\u00e4ser von allen weitergegeben wurden. Dazwischen a\u00dfen G\u00e4ste auch noch, die Luft entsprach nach heutigen Vorgeben, mindestens der Smogstufe 70! Kondenswasser lief in Str\u00f6men die Scheiben hinab und zwischen drin der total verschwitzte Manne auf seinen Telefonb\u00fcchern&#8230;<br \/>\nWenn Manne zwischen den Sets pausierte, gab es in der Regel immer irgendwelche Leute, die er dann an die Tasten lie\u00df. Oftmals gestattete er mir, dass ich seine 12taktiken Blueskammellen mit der Harp zerhacken durfte&#8230;<br \/>\nSehr eigen war er auch! In einem der letzten Monate, wo<i> C. Robinson<\/i> sein <i>Blues Caf\u00e9<\/i> in der K\u00f6rnerstrasse noch betrieb, waren <a href=\"http:\/\/www.gunterschulze.de\/\"><i>Blues-Gunther<\/i><\/a> und ich die beiden einzigen zahlenden G\u00e4ste und der Pianist bestand darauf seinen Job zumachen. Sp\u00e4ter tauchte kurz <a href=\"http:\/\/www.piano-schulze.de\/\"><i>Piano-Schulze<\/i><\/a> auf und sie spielten dann sogar noch vierh\u00e4ndig.<br \/>\nIn meinem un\u00fcberschaubaren Archiv befinden sich noch massenhaft Aufnahmen von allen m\u00f6glichen Berliner Musikern, anfangs, ab 1985 analog mit einem AIWA-Walkman aufgenommen, sp\u00e4ter, von 2001 mit dem MD-Player. Dazu geh\u00f6rten Mannes oftmaligen Auftritte in unserer bescheidenen Wohnung, von 170 Quadratmetern&#8230;<br \/>\nWollte noch zwei Gigs in die TUBE setzen, bin aber momentan zu bl\u00f6de, sie mit dem <em>Movie Maker<\/em> entsprechend aufzuarbeiten.<br \/>\nWas ich unbedingt noch erw\u00e4hnen muss, sind jene vielbeschworen Himmelfahrtstouren, die eigentlich immer unter der Schirmherrschaft von ihm stattfanden, so sollte es gesehen werden!<br \/>\nGegen 11 Uhr an besagtem Tag trudelten die Massen auf dem S-Bahnhof Waidmannslust ein, dann ging es so um die 6 Kilometer zum Humboldtschl\u00f6sschen. Die Idee zu jenem Ausflug ward Ende der 1950er, von einer Abiturklasse aus der Taufe gehoben. Alle wollten sich bis zum Lebensende, egal in welche Richtung sie entfleuchten, an diesem Tag dort treffen.<br \/>\nMittlerweile ist die ehemalige Gruppe doch schon etwas geschrumpft&#8230;<br \/>\nMehrfach beteiligte ich mich an den feuchtfr\u00f6hlichen Wanderungen.<br \/>\nAm S-Bahnhof wurde ger\u00fcstet, auf das Unterteil eines Kinderwagens kam ein 30-Literf\u00e4\u00dfchen, es wurde angestochen und ab ging\u00b4s. Erste Rast auf unserem Weg, war immer bei den <a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/zonenklaus\/40422934802\/in\/datetaken-public\/\">Eltern<\/a> eines der Gr\u00fcndungsmitglieder, die Erbsensuppe und Schmalzstullen kredenzten.<br \/>\nAuf halber Tour wurde das Tegler Flie\u00df mit einem ranzigen Schlauchboot \u00fcberquert. Daf\u00fcr ging es quer durch eine sumpfige Wiese, wobei Manne ewig auf die Rufe der entsprechenden V\u00f6gel aufmerksam machte. Einer aus der Gruppe musste sich bereitfinden und als erster, die sechs Meter ans andere Ufer paddeln, um anschlie\u00dfend das Gef\u00e4hrt mit den einzelnen Leuten, mit Hilfe einer Leine r\u00fcber zu zerren. Als ich mal an der Reihe war, unkte Manne herum, dass schon l\u00e4nger keiner mehr ins Wasser gefallen war, <a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/zonenklaus\/40422934632\/in\/datetaken-public\/\">prompt passierte es mi<\/a>r. Hatte mich aber vorsichtshalber der Klamotten entledigt, stak dann aber bis \u00fcber den Bauch in dem fast stehenden Gew\u00e4sser, r\u00fchrte beim Herausklettern nat\u00fcrlich den ekelhaft stinkenden Sumpf mit auf. Der zwanzig Minuten sp\u00e4ter, auch durch den Einsatz eines Geschirrsp\u00fclmittels, nicht weichen wollte. Lustig war die Tatsache, dass die Omi, von der ich das Zeug nebst eines <a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/zonenklaus\/38656308840\/in\/datetaken-public\/\">Wasserschlauches<\/a> erhielt, sofort kreischend ihre Mischpoke und die Nachbarschaft zusammenrief&#8230;<br \/>\nNach einer Stunde landeten wir dann immer am <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schloss_Tegel\">Humboldtschl\u00f6\u00dfchen<\/a>, wurden dort von <em>Familie Heinz<\/em> empfangen, wobei die Dame des Hause einen Blumenstrau\u00df erhielt und die mitgelaufenen Musiker ein St\u00e4ndchen gaben. Im Gegenzug gab es vom Hausherrn den Inhalt von zwei Flaschen <i>F\u00fcrst Bismarck, <\/i>weiter ging der Zug anschlie\u00dfend zur Grabst\u00e4tte des gro\u00dfen Naturforschers<i>. <\/i>Dort passte Manne wie ein Schie\u00dfhund auf, dass auch jeder noch einen pisswarmen Schluck Bier in sein Glas erhielt, wobei die restliche Gerstenkaltschale, bereits an eingeschlafene F\u00fc\u00dfe erinnerte.<br \/>\nIn Linie harrten wir dann alle an der metallenen Einfriedung. Irgendwer musste <em>einige ergreifende Worte<\/em> rezitieren, derweil <em>Herr Chicago<\/em> dazu den <i>Wilhelm Humboldt-Blues<\/i> intonierte. Einzeln trat jeder w\u00e4hrenddessen vor das Grab, and\u00e4chtiger Blick nach oben in die Unendlichkeit, die H\u00e4lfte des Bieres landete mit Todesverachtung im eigenen Schlund, der Rest auf Wilhelms Grab&#8230;<br \/>\n\u00dcber den hohen Maschendrahtzaun ging es retour zum U-Bahnhof Tegel.<br \/>\nFr\u00fcher hob seitlich vom <i>Haxenhaus<\/i> kurzzeitig eine m\u00e4chtige Dr\u00e4ngelei an und in der dortigen Telefonzelle, denn mitten in der Nacht bestand ein <i>alter Kamerad<\/i> in Australien, der nur all zwei Jahre hier aufschlug, auf den entsprechende Situationsberichte.<br \/>\nDamit war der Tag aber noch nicht abgefressen!<br \/>\nManne unwahrscheinlich hart im Nehmen, spielte abends immer noch irgendwo, dazu kamen dann auch die Gattinnen der Wanderv\u00f6gel hinzu&#8230;<\/p>\n<p>Habe im Netz etwas gest\u00f6bert und hier sind einigen Links:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.amrum-news.de\/2015\/05\/18\/bluesveteran-hans-blues-boogie-spielt-mit-74-jahren-erstmals-auf-amrum\/\">Hans Blues&amp;Boogie<\/a> Ich hab den Blues schon etwas l\u00e4nger: <a href=\"https:\/\/books.google.de\/books?id=Ao_tjT67BKQC&amp;pg=PA201&amp;lpg=PA201&amp;dq=manne+chicago&amp;source=bl&amp;ots=yTtR2herOx&amp;sig=6PbeiSl6dmC_EpY5hKSCH3K9BJE&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ved=0ahUKEwj-zo-e4b7ZAhVIjZAKHb92BTEQ6AEIYDAN#v=onepage&amp;q=manne%20chicago&amp;f=false\">Spuren einer Musik in Deutschland,<\/a> da muss etwas nach beiden Seite gescrollt werden!<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.gratis-in-berlin.de\/musik\/item\/2013133-manne-chicago-der-grosse-alte-mann-am-boogie-woogie-piano-live-bei-speiches-r-b-kneipe\">Manne C.<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=SAXhHqsz68g&amp;t=4542s\">M. Chicago &amp; Friends<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=axKWhhHxEow&amp;t=17s\">Manne im Fl\u00f6z, Dezember 1987<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=PjvDyi8oE7M&amp;t=25s\">Manne Chicago u.a. &#8211; jazz for fun, 1989.04.30.<\/a><\/p>\n<p><strong>Das allerletzte oberirdische Event mit Manne findet am 27. M\u00e4rz, 12 Uhr auf dem Friedhof Schmargendorf statt<\/strong>, Misdroyer Stra\u00dfe 51-53, 14199 Berlin.<br \/>\nVerkehrsanbindungen:<br \/>\n186, 249, Haltestelle Kirchstra\u00dfe<br \/>\n110, 186, 249, Haltestelle Berkaer Stra\u00dfe \/ Breite Stra\u00dfe<br \/>\n110, Haltestelle Platz am Wilden Eber<\/p>\n<p><strong>\u00a0&#8211; Mach et jut old Ben!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern erreichte mich die traurige Kunde&#8230; Der Schefff war ja auch von der Sorte, der einen unwahrscheinlichen Blick f\u00fcr Details besa\u00df. Fand es immer wieder gigantisch, wenn er von den alten Zeiten in den Coca-Cola-Sektoren berichtete, den vielen Klubs, Kneipen und Schuppen, in denen amerikanische Musik lief. 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