{"id":3230,"date":"2009-08-05T23:21:44","date_gmt":"2009-08-05T22:21:44","guid":{"rendered":"http:\/\/12decode.de\/zonenklaus\/wordpress\/?p=3230"},"modified":"2020-03-31T16:49:24","modified_gmt":"2020-03-31T15:49:24","slug":"sangerhausen-die-fortsetzung-vom-29-vii-geschichte-nr-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=3230","title":{"rendered":"SANGERHAUSEN &#8211; Die Fortsetzung vom 29. VII. &#8211; Geschichte Nr. 2"},"content":{"rendered":"<p>Als mir Nils vor Jahren berichtete, wo er als Kind aufwuchs, fiel mir sofort diese Geschichte ein.<br \/>\nIn besagtem Haus wohnte damals ein lustiges Kerlchen, der sich Ekel erregend als \u201eSchulmeister&#8221; versuchen durfte und nicht nur ich hasste ihn.<br \/>\n<strong>&#8211; Vor Nachahmung jenes Racheaktes m\u00f6chte ich aber dringend abraten.<\/strong><br \/>\nZu dieser und \u00e4hnlichen Taten, stiftete uns ein Bauer an, der alter Bielig. Mein Freund Datsch und ich hockten an sonnigen Nachmittagen oft in seinem Garten am Stadtrand, wobei er immer wieder R\u00e4uberpistolen erz\u00e4hlte. Kommunisten und Neureiche hatte es ihm besonders angetan. In uns fand er willige Helfer. Kam es zur Ausf\u00fchrung solcher Missetaten, bei denen er uns mit Rat und Tat unterst\u00fctzte, mussten wir anschlie\u00dfend haargenau berichten. Regelm\u00e4\u00dfig gab es dann eine Belohnung und wir k\u00f6nnten uns an seinem Obst und Gem\u00fcse schadlos halten. <!--more--><br \/>\nLieber war uns nat\u00fcrlich Kleingeld, dies r\u00fcckte er aber nur f\u00fcr besonders gelungene Kuckuckseier raus.<br \/>\nWenn der Landwirt anschlie\u00dfend br\u00fcllend lachte, der ganze K\u00f6rper bebte, er mit den Pranken beide Schenkel bearbeite, schlie\u00dflich seine Wampe hielt, war klar &#8211; jetzt kam der Griff in das Uhrent\u00e4schchen. F\u00fcr 20 Pfennige gab es mehrere gro\u00dfe saure Gurken aus dem Fass oder ein Haufen frisches Sauerkraut. Besonders standen wir auf Lindenbl\u00e4tterbonbons mit Waldmeistergeschmack, vom Konsum, der sich in seinem Wohnhaus befand.<br \/>\nBei einer Schilderung flippte der Mann so aus, da ging nebenher das Mundst\u00fcck von seinem ollen Kn\u00f6sel zu Bruch, in dem er ewig die Reste seiner stinkenden Zigarren quarzte.<br \/>\nSehr ungehalten wurde unser R\u00e4delsf\u00fchrer, weil\u00a0 wir hoch und heilig gegabelt hatten, aber auf Grund bestimmter Skrupel, es mit der Ausf\u00fchrung haperte. So auch in diesem Fall, schlie\u00dflich gab es in der Zone einen Kaugummiparagraphen der bis zum Exzess ausgeknautscht wurde &#8211; \u201e<a href=\"http:\/\/74.125.77.132\/search?q=cache:WTHshOm_01wJ:de.wikipedia.org\/wiki\/Strafgesetzbuch_(DDR)+Rowdytum+ddr&amp;cd=1&amp;hl=de&amp;ct=clnk&amp;gl=de\">Rowdytum<\/a>&#8221; &#8211; was auch 12-j\u00e4hrigen schon bekannt war.<br \/>\nTagelang quatschten alle \u00fcber die Planung, unsere Skrupel wechselten ewig, denn ging dabei etwas schief, endeten wir im \u201eSpezialheim&#8221;.<br \/>\nMehrfach wurde Anlauf genommen, immer einen <a href=\"http:\/\/74.125.77.132\/search?q=cache:Yr-Fi65zWC0J:de.wikipedia.org\/wiki\/Polyamide+Dederon&amp;cd=1&amp;hl=de&amp;ct=clnk&amp;gl=de\">Dederon<\/a>beutel mit unserem Equipment dabei, ein Schraubglas mit W\u00fcrstchen aus dem Plumsklo, mehrere Zeitungen (sicher die \u201e<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mitteldeutsche_Zeitung\">Freiheit<\/a>&#8220;) und ein Parf\u00fcmfl\u00e4schchen mit Spiritus, stoppten dabei trotzdem immer die zu ben\u00f6tigende Zeit mit Hilfe des Zifferblatts von <a href=\"http:\/\/www.mmaronde.de\/312.htm\">St. Ulrich<\/a>.<br \/>\nEndlich schworen wir gegenseitig, es an einem bestimmten Tag hinter uns zubringen, egal was passieren sollte.<br \/>\nUm einen Testruf abzulassen, ob der P\u00e4dagoche zu Hause war, gings in die Stadt runter. Die n\u00e4chstliegende Telefonzelle sollte deshalb nicht benutzt werden, weil es auffiel, wenn Halbw\u00fcchsige am fr\u00fchen Abend das Teil betraten. Denn die gesamte Nachbarschaft be\u00e4ugte misstrauisch das gelbe H\u00e4uschen, weil \u201eRowdies&#8221;<strong>*<\/strong> ewig aus den H\u00f6rern das Innenleben klauten. Au\u00dferdem befanden sich in unmittelbarer N\u00e4he mehrere Gesch\u00e4fte, der Konsum, ein B\u00e4cker und ein Kolonialwarenladen, in dem auch weit nach Gesch\u00e4ftsschluss noch Alkis im Verkaufsraum lungerten und urpl\u00f6tzlich auftauchen konnten.<br \/>\nMitgefangen, mitgehangen. Eigentlich war es egal wer was machte, trotzdem hatte wir geknobelt und mir fiel leider der schwierigere Teil unserer Ausf\u00fchrung zu. Derweil Datsch unterhalb der Treppe, sie wurde von einer hohen Buchsbaumhecke ges\u00e4umt, die Stra\u00dfe ableuchtete, begann ich vor der Eingangst\u00fcr mein sch\u00e4ndliches Treiben. Alles ging in einer affenartigen Geschwindigkeit von statten, trotz des aufwallenden Muffensausens.<br \/>\nAuf den Gitterrost vom Fu\u00dfabtreter kam eine Zeitung, darauf die Schei\u00dfe aus dem Glas. Dann zerkn\u00fcllte ich mehre Zeitungsbl\u00e4tter und drapierte sie \u00fcber dem H\u00e4ufchen. Bespritzte das Papier mit etwas Spirtus, z\u00fcndete alles an, klingelte kurz Sturm und sprang die Treppe hinab. Scharfen Schrittes ging es unten rechts, vielleicht 20 Meter auf dem Gehsteig entlang,dann \u00fcberquerten wir die Stra\u00dfe und schlenderten auf den anderen Seite zur\u00fcck, dabei unauff\u00e4llig den Eingang im Auge behaltend.<br \/>\nKam von da ein Gekreische, als der Pauker mit seinen Filzpantoffeln die Flammen austrampelte&#8230;<\/p>\n<p><strong>*<\/strong>Rowdy &#8211; war im Zonensprachgebrauch der 50er\/60er Jahre, der einzige Begriff aus dem absolut verp\u00f6nten anglo-amerikanischen Wortschatz, der auch den gr\u00f6\u00dften Partei-Blindenscheffs in der Provinz ganz leicht \u00fcber die Zunge flutschte. Allerdings in Sachsen-Anhalt und weiter s\u00fcdlich sehr witzig klang. Bin mir aber nicht sicher, ob ihn auch jede rote Flachzangen schreiben konnte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als mir Nils vor Jahren berichtete, wo er als Kind aufwuchs, fiel mir sofort diese Geschichte ein. In besagtem Haus wohnte damals ein lustiges Kerlchen, der sich Ekel erregend als \u201eSchulmeister&#8221; versuchen durfte und nicht nur ich hasste ihn. &#8211; Vor Nachahmung jenes Racheaktes m\u00f6chte ich aber dringend abraten. 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