{"id":33161,"date":"2019-10-20T22:15:25","date_gmt":"2019-10-20T21:15:25","guid":{"rendered":"http:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=33161"},"modified":"2020-04-29T17:43:28","modified_gmt":"2020-04-29T16:43:28","slug":"wenn-jemand-eine-reise-tutet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=33161","title":{"rendered":"Wenn jemand eine Reise tutet"},"content":{"rendered":"<p>Es ging in die kalte Heimat, aber&#8230;<br \/>\nZug rausgesucht und dann begann der allt\u00e4gliche Unbill, weil ich mir so dachte, dass es auf irgendeinen der infrage kommenden Bahnh\u00f6fe so etwas wie eine Post gibt. Wollte n\u00e4mlich ein paar Kr\u00f6ten auf dem Konto versenken. Das Netz wurde bem\u00fcht, dann kam mir, ganz bl\u00f6de kannst du ja nicht sein, wenn dort keine Postschalter existiert, dann entspricht dies lediglich den Serviceleistungen dieses Vereins. Wo k\u00e4men wir eigentlich hin, wenn sich jeder Kunde auch noch als K\u00f6nig aufspielen w\u00fcrde und dies in UNSERER Bananenrepublik.<br \/>\nAlso, viele Wege f\u00fchren in irgendeine andere Postfiliale, kannst ja \u00fcber das Nachbargrundst\u00fcck zum dortigen Postamt gehen und nimmst statt U-Bahn, den 249er Bus zum Zoo.<br \/>\nHalb 11 und eine Schlange bis zu den \u00e4u\u00dferen Treppenstufen.<br \/>\nAn den ersten sechs Leuten ging es problemlos vorbei, zwischen der ge\u00f6ffneten zweiten Schiebet\u00fcr holte sich der dort stehende Verbalwixer einen runter. Was mir kurz das Ohr streifte und bei seinem Outfit und Benehmen, sicher ein Klassenkampf erprobter K\u00f6rnerfresser, in Richtung Anwalt oder P\u00e4dagoche, in der Preislage eines arrivierten Proletenablegers mit schlechter Kinderstube&#8230;<br \/>\n\u201eEntschuldigung, ich w\u00fcrde gern vorbei gehen\u201c, der drehte sich halb um, glotzte mich darauf an wie eine Kuh, trat aber nicht etwas beiseite, sondern quatschte nun sehr viel lauter weiter.<br \/>\nNach wiederholt vorgebrachten Bitte, abermaliges umdrehen, verbunden mit einem strafenden Blick, einen halben Schritt nach der Seite und den Oberk\u00f6rper etwas weg gebeugt.<br \/>\nDachte mir so, l\u00e4sst die von jener kosmischen Flachzange den Tag nicht versauen, dr\u00fcckst dich aber trotzdem an ihm vorbei. Mit Rucksack und gr\u00f6\u00dferer Umh\u00e4ngetasche beladen, wurde er so heftig touchiert, dass ihm fast seine Kommunikationsprothese entglitt.<br \/>\nSeinen ungehaltenen Kommentar glitt an mir ab: \u201eAuch du Arschloch kannst dich genauso wie wir anstellen!\u201c<br \/>\nWarum anstellen, wenn ich seitlich zum Automaten musste&#8230;<br \/>\nKarte eingeschoben, der Mattscheibe machte mich stumm darauf aufmerksam, dass keine Einzahlungen m\u00f6glich w\u00e4ren &#8211; Grrrrrrrrrr<!--more--><br \/>\nNa gut, gehst erst einmal zu Sultan und trinkst einen Milchkaffee, w\u00e4hrenddessen d\u00fcste auf der anderen Seite mein Bus ab. Da sie im 10min\u00fctigen Abstand fuhren, nat\u00fcrlich kein Problem.<br \/>\nIn dem Moment tauchte ihr Bruder auf, beim Rauchen ergab sich die anschlie\u00dfende M\u00f6glichkeit eines Liftes mit ihm zum Bahnhof Zoo.<br \/>\nNach dem Lichtblick kam es wieder etwas dicker.<br \/>\nIn der Servicekiste der DB, an dem vielleicht 12 Meter langen Tresen, sind eigentlich f\u00fcnf Pl\u00e4tze f\u00fcr das Lohngesindel vorgesehen. Vier waren besetzt, wobei nach 15 Minuten, eine Frau sich verkr\u00fcmelte, vielleicht wegen der Mittagspause. Zwischendurch tauchte ein dicker Graukopf mehrfach auf, schaut kurz und sehr gewichtig in die Runde, mit einem Blick, als ob er 100 Meter Dummgucken trainierte.<br \/>\nWieso setzte sich dieser Patient nicht an einen der beiden freien Arbeitspl\u00e4tze?<br \/>\nVor mir immer noch sieben arme Schweine, die sich auch verarzten lassen wollen. Dann ist das dicke Grauchen wieder da, bedeutsam um sich schauend platzte er sich, fummelte kurz am PC herum und verschwand wieder. Es stellte sich heraus, von den sieben Leuten vor mir, waren Gott sei Dank zwei P\u00e4rchen.<br \/>\nEndlich kam ich dran, die DB-Tante schaute mich merkw\u00fcrdig an, als von mir kam, \u201eich m\u00f6chte keine Gespr\u00e4chstherapie, sondern nur eine Fahrkarte!\u201c<br \/>\nGab mein Reiseziel kund, welches sie nat\u00fcrlich nicht fand, weil sie laufend vor sich hin plapperte: Sanger<i><b>s<\/b><\/i>hausen. Den Ort finde ich nicht! \u201eKlar, ich wollte ja auch nach Sangerhausen!\u201c<br \/>\nWei\u00df der Deibel, weshalb die Leute ewig dieses \u201eS\u201c einschieben.<br \/>\n\u201eAha, kostet 22 Euro!\u201c<br \/>\nNun hatte mir meine Scheffin gesagt, es w\u00fcrde billiger werden wenn ich eine olle ABC-Karte stempelte, denn ab der C-Grenze w\u00fcrde der neue Fahrpreis gelten.<br \/>\n\u201eNix, egal, ob sie von Hauptbahnhof, Zoo oder Wannsee abfahren wollen, es handelte sich um einen Sonderpreis und der betr\u00e4gt 22 Euro. Da sie aber eine ABC-Karte haben, zahlen sie ab Werder, allerdings auch 22 Euro!\u201c Und ich Idiot schaltete nicht, h\u00e4tte n\u00e4mlich die 3.40 sparen k\u00f6nnen, bei einem Start am Bahnhof Zoo&#8230;<br \/>\nIm Zug war gen\u00fcgend Platz, allerdings gab es bis Magdeburg Sauwetter.<br \/>\nDann der Lichtblick &#8211; kurz vor dem Bahnhof kl\u00e4rte sich alles auf und meinen W\u00fcrstchenstand gab es auch immer noch&#8230;<br \/>\nIn der Ferkelbahn ging es weiter. Oh je, f\u00e4hrt man teilweise durch rottige und abgehangene Teilst\u00fccke, von Industrie und sowie-noch durch.<br \/>\nMich entsch\u00e4digten daf\u00fcr die ganze Zeit m\u00e4chtige Wolkenformationen, allerdings ebenerdig kamen nun \u00fcberall kleine und gr\u00f6\u00dfere Wackersteinh\u00fcgel hinzu. Die teilweise Jahrhunderte alte Hinterlassenschaft aus der gesch\u00e4ndeten Erde, als man dort nach Silber, Blei und Kupfer suchte&#8230;<br \/>\nBin schon mehrere Jahrzehnte nicht mehr durch das <i>Mansfeller Land<\/i> ged\u00fcst. Heute empfand ich es als Sternstunde, runde 90 Minuten, sich allerdings nur die Flora vollkommen beschaulich pr\u00e4sentierte, wenn einzelne Sonnenstrahlen das bunte Herbstlaub koitierten, wobei dann s\u00e4mtliches Blattwerk orgiastisch aufgl\u00fchte.<br \/>\nDies \u00e4nderte sich nach Verlassen des <a href=\"https:\/\/www.harzlife.de\/eisenbahn\/kanonenbahn.html\"><i>Blankenheimer Tunnels<\/i><\/a> sofort, \u00fcber der beginnenden <i>Goldenen Aue<\/i> hing eine fast geschlossenen dunkle Wolkendecke und es begann zu nieseln.<br \/>\nTrotzdem unternahm ich noch einen kleinen Rundmarsch. Beim Blick in die Sangerh\u00e4user Hauptstra\u00dfe kamen mir sogar <a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/zonenklaus\/48932114113\/in\/datetaken-public\/\">drei Mumien<\/a> entgegen, da waren es 10 Minuten nach 17 Uhr&#8230;<br \/>\nAm n\u00e4chsten Tag, <a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/zonenklaus\/48932654111\/in\/datetaken-public\/\">10 Uhr 40<\/a>, mit Blick in die entgegengesetzte Richtung, auch alles leergefegt!<br \/>\nZumindest tauchten in der ber\u00fchmten <a href=\"http:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/KLEMME.pdf\">KLEMME<\/a>, wo jene Zeilen entstanden, im Laufe der anderthalb Stunden mehrere Leutchen auf.<br \/>\nAnfang der 1980er kamen mir folgende S\u00e4tze in den Sinn:<br \/>\n<i>Irgend jemand verglich mal seine Heimatstadt mit dem Zentralfriedhof von Chicago und stellte dabei fest, dass sein Wohnort zwar halb so gro\u00df wie der Friedhof von Chicago sei, aber daf\u00fcr doppelt so tot. Dies traf f\u00fcr das Nest, in dem ich geboren wurde und den gr\u00f6\u00dften Teil meiner Jugend verbrachte, wei\u00df Gott nicht zu, denn nur doppelt so tot, w\u00fcrde die Situation, wie ich sie erlebte, nur besch\u00f6nigen, oder besser gesagt, es w\u00e4re sogar eine Aufwertung f\u00fcr diesen Marktflecken&#8230; <\/i><br \/>\nVierzig Jahre sp\u00e4ter muss meine damalige Ansicht unbedingt revidiert werden! Im Gegensatz zur heutigen Zeit, handelte es sich doch um ein recht quirliges St\u00e4dtchen. Kann aber sein, da die Laufmaschen an meinem Synapsen auch immer zahlreicher werden, entsteht deshalb vielleicht jener verkl\u00e4rte Eindruck, welcher in der Vergangenheit herum wabert&#8230;<br \/>\nWollte eigentlich jeden Tag etwas verzapfen, lie\u00df es dann aber sein, trotz meiner Bewunderung f\u00fcr den einen oder anderen Freund und den vielen Bekannten, welche in der kurzen Zeit meine dortigen Wege kreuzten, weil sie es dort aushalten m\u00fcssen&#8230;<br \/>\nEin sehr positive Begegnung soll aber hier erw\u00e4hnt werden, es betraf das Standesamt. Es wurde von mir aufgesucht, da ich wissen wollte, ob mein <i>Lesterschwein<\/i> noch oberhalb der Grasnarbe m\u00e4andert. Dort begegneten mir zwei sympathische junge Damen, die mich sehr kompetent abfertigten. Alles verbunden mit einer nostalgisch anmutenden Freundlichkeit, ohne dem Zeitgeist entsprechender <em>genderfaschistoiden politischen Korrektheit<\/em>!<br \/>\nFast vergessen, das Klassentreffen fanden wir auch OK.<br \/>\nAbgesehen davon, muss der Leber wieder etwas Zeit zur Regenerierung gegeben werden&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ging in die kalte Heimat, aber&#8230; Zug rausgesucht und dann begann der allt\u00e4gliche Unbill, weil ich mir so dachte, dass es auf irgendeinen der infrage kommenden Bahnh\u00f6fe so etwas wie eine Post gibt. Wollte n\u00e4mlich ein paar Kr\u00f6ten auf dem Konto versenken. 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