{"id":3513,"date":"2009-08-18T20:09:44","date_gmt":"2009-08-18T19:09:44","guid":{"rendered":"http:\/\/12decode.de\/zonenklaus\/wordpress\/?p=3513"},"modified":"2019-02-08T02:45:33","modified_gmt":"2019-02-08T01:45:33","slug":"fortsetzung-vom-16-august","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=3513","title":{"rendered":"Fortsetzung vom 16. August"},"content":{"rendered":"<p>Ach so, ich habs, wieso mich der olle <strong>LaBeef<\/strong> an etwas erinnerte&#8230;<br \/>\n&#8211; Letzten Donnerstag waren wir zur Er\u00f6ffnung einer Fotoausstellung im HdKdW &#8211; <a href=\"http:\/\/74.125.77.132\/search?q=cache:QFafPXC_2BMJ:www.hkw.de\/de\/programm2009\/ostzeit\/projekt-detail_3.php+ostzeit&amp;cd=1&amp;hl=de&amp;ct=clnk&amp;gl=de\">\\&#8221;Ostzeit\\&#8221;<\/a><br \/>\n20 Minuten gen\u00fcgten mir, fand nichts besonderes dabei, schade, viele kastrierte Situationen abgelichtet, auch von Hauswald. Bergemann, wie \u00fcblich, gef\u00e4lliger Modekram, ihr Zeug ist nicht besonders zonenspezifisch. Da finde ich keinen besonderen Unterschied zum Westen, denn nichts hat sich parallel in beiden deutschen Staaten so kultiviert, wie die kleinb\u00fcrgerliche Spie\u00dfigkeit.<br \/>\n<em>Mir sind ein Haufen Leute bekannt, die Unmassen an Photos aus alten Zeiten irgendwo liegen haben, auch Super-8 gefilmte Sachen und keiner macht was damit. Mein Zonenarchiv, zwei Schuhkartons voller Bildern, wurden vom Arschloch <\/em>(Kosenamen des Schreiberlings f\u00fcr den damaligen Schwager)<em> entsorgt, als ich in den Knast wanderte.<br \/>\nUrkomische Sachen dabei, doppelt und mehrfach belichtet. Meine Fotos stellte ich mit einer 6&#215;9 \u201eVoigtl\u00e4nder&#8221; aus den 30ern her. Viel Situationskomik darunter &#8211; oft \u201eLomographiert&#8221;, wie es heute hei\u00dft. Bis auf 20 Photos, die von der Mutter meiner Schwester weggefunden wurden und auf der KD von \u201eHorch + Greif&#8221; landeten, blieb nichts \u00fcbrig&#8230;<br \/>\nIch geh\u00f6re leider auch zu denen, die nur in die Schublade wixen, habe zu verschiedenen Projekten tausende von Negativen, was das gesamte Gel\u00e4nde der Kulturbrauerei angeht, von den Dachb\u00f6den, bis runter zu den abgesoffenen Kellern. Im Mansfelder Land hatten wir, die damals noch stehenden Kupferschiefer Produktionsanlagen abgelichtet, das Hallenser Paulusviertel geh\u00f6rt auch zur Sammlung, usw.<\/em><br \/>\nWas die 70\/80er Jahre in der Zone angehen, existiert f\u00fcr mich nur eine wirkliche Zeitzeugin: <a href=\"http:\/\/www.berlin-ineinerhundenacht.de\/\">Gundula Schulze-Eldowy<\/a>! Wem bruchst\u00fcckhaft, einiges aus der Biographie dieser <em>verr\u00fcckten<\/em> Braut bekannt ist, wer nur schemenhaft Einblick bekam in ihr Schaffen und sie vielleicht auch mal kennen gelernt hat, wird mich verstehen&#8230;<br \/>\n&#8211; Als die ganz \u201ewichtigen&#8221; Leute auftauchten, drei sollten labern, verschwand ich nach drau\u00dfen, dort gab es einen Grillstand mit hervorragenden Th\u00fcringern u.a., erw\u00e4hnenswert sind auch die Schrippen&#8230;<!--more--><br \/>\nMein R\u00fcckweg f\u00fchrte \u00fcber den L\u00fctzowplatz.<br \/>\nWenn ich daran denke, was dort mal los war, allein in den 70er\/80er Jahren. Auf dem dortigen Rummel hielt ich mich letztmalig auf, als das erste mal dort eine Loopingbahn auftauchte, mit einem \u00dcberschlag. F\u00fcnf Mark gel\u00f6hnt, 25 Sekunden Fahrt, rauf auf den Drahtesel und weg.<br \/>\nLegend\u00e4r war zu dieser Zeit die \u201eTaverne am L\u00fctzowplatz&#8221;. Ich m\u00f6chte nicht wissen, was sich heutzutage Leute unter diesem hochtrabenden Namen vorstellen, sicher etwas ganz nobles. Wie soll man diese H\u00fctte beschreiben? Als flache Holzscheune, oder nebeneinander, zusammen gezimmerte Baubuden, ich wei\u00df es nicht. Jedenfalls brannte in diesem Laden immer die Luft. Der Boden bestand aus grob gezimmerten Bohlen, die so wippte, dass jeder annehmen konnte man bricht bald durch. \u00dcberall standen Stempel f\u00fcr die Dachkonstruktion rum, von der es bei Regenwetter tropfte. Die Deckenh\u00f6he war um die vier Meter hoch, das Mobillar bestand teilweise aus Gartenm\u00f6beln. S\u00e4mtliche Toiletten befanden sich in einen Zustand, dass man ein russisches Taiga-Plumsklo mit f\u00fcnf Sternen h\u00e4tte pr\u00e4mieren k\u00f6nnen.<br \/>\n<em>(Das besonders in sog. \u201eStudentenkneipen&#8221; &#8211; zwar die W\u00e4nde ideologisch immer auf dem neuesten Stand zugepappt &#8211; aber die Schei\u00dfh\u00e4user auch f\u00fcr Typen in einem bedenklichen Zustand waren, ist einer damaligen L\u00fccke in der Kneipengesetzgebung zuzuschreiben. Einer im \u201eKollektiv&#8221; meldete die Pinte auf seinen Namen an und bekam die Auflage diese erb\u00e4rmliche Beschaffenheit innerhalb eines Jahres zu beseitigen. Vor Ablauf dieser Frist ging die Tr\u00e4nke auf den n\u00e4chsten Mitbesitzer \u00fcber und das Spielchen begann von vorn&#8230;)<\/em><br \/>\nEgal, was in diesem Laden stattfand, er war immer gerammelt voll, angef\u00fcllt mit einem repr\u00e4sentativen Querschnitt der Berliner Ober- und Unterwelt, von blutjungen Strichern, bishin zu scheintoten Mumien, gepflegte und \u201eungepflegte&#8221; Gestalten tummelten sich dort.<br \/>\nKennen lernt ich diesen Laden, anl\u00e4sslich eines Tuntenballs. Ein Kumpel ben\u00f6tigte einen Hiwi, u.a. als Beleuchter, er wollte am Eingang die ankommenden Gestalten ablichten. Ich lie\u00df mich f\u00fcr Zech und Kiff breitschlagen und war nach k\u00fcrzester Zeit platt, wie eine vom Panzer \u00fcberrollte Padde. Wer da alles auftauchte, auch von der sogenannten \u201eProminenz&#8221;. Im total breiten Zustand war mir anfangs absolut nicht klar, war das alles nun dekadent, krank, unwahr, oder lie\u00dfen manche aufgebl\u00e4hten Tucken nur ihre mond\u00e4nen Tr\u00e4ume an diesem Abend raus. In dieser Gemeinde schien wirklich jeder, jeden zu kennen. An jenem Abend war nat\u00fcrlich, wie scheinbar immer, <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/literarischewelt\/article112105559\/Blutsturz-geile-Punks-und-Ratten-Jenny.html\">Strapsharry<\/a> der King.<br \/>\nIrgendwann durften wir auch in die Bude, ich hielt es allerdings nicht lange dort aus. Schon drau\u00dfen gingen mir die unterschiedlichsten W\u00e4sserchen der Herren und Damen auf den Sack, aber drinnen war es nicht zum Aushalten&#8230;<br \/>\nGingen da nur 300 Leute, oder sogar 400 rein, oder mehr, ich wei\u00df es nicht mehr. Es liefen dort Konzerte, Tanzveranstaltungen, merkw\u00fcrdige Galas und sonst was. Die kaputten Reste von Bands der 50\/60 Jahre traten dort auf, f\u00fcr mich war dann immer m\u00e4chtig Nostalgie angesagt.<br \/>\nIn dem Laden konnte jeder saufen bis zu Abwinken, du konntest dir auch die Nase pudern, oder irgendwelchen Schei\u00df einpicken &#8211; aber zum Kiffen musstest man raus. Eine unangenehme Eigenheit hing diesem Schuppen noch an, bei Countymucke musste man besoffenen US-Wei\u00dfbroten unbedingt aus dem Weg gehen. Diese Rednecks enterten grunds\u00e4tzlich im Rudel diese Kneipe &#8211; mit langen Haaren und Bart warst du ein beschissener Hippie und folglich Freiwild.<br \/>\n<em>(So etwas habe ich bei <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Quasimodo_(Musikclub)\">Giorgio<\/a> nie erlebt, gut, es kam zwar auch vor, dass sich ein Schwarzer mal im Dope vergriffen hatte, es artete nie in einer Bambule aus.)<\/em><br \/>\nEndlich bin ich nun wieder bei <strong>Sleepy<\/strong> gelandet.<br \/>\nW\u00fcsteste Mucken habe ich dort erlebt, mit dem Berliner Rockabilly-Roll-Fossil: \u201e<a href=\"http:\/\/www.beepworld.de\/members71\/jackyspelter\/jackyandjoe.htm\">Jacky<\/a> and his Strangers&#8221;. Wobei sich Youngsters m\u00e4chtige Augen holten <em>(Meggi und ich nat\u00fcrlich auch)<\/em>, wie Fans der ersten Stunde ihre mittlerweile, manchmal etwas in die Breite gegangenen alten M\u00e4dels auf diesem Heubodendielenbrettern herumwirbelten, teilweise in ihren original Klamotten. Die Jungs aber auch nach drei Nummern auf den Stuhl plumsten und sofort an ihren alten 501ern die obersten Kn\u00f6pfe aufrissen.<br \/>\nBei Jacky fingen oft schon nach dem ersten Set die Sessions an, wer da alles auf die B\u00fchne kam, ein Bekannter lie\u00df mal ab, die \u201eTaverne&#8221; und Jacky als Lehrer, ist der beste \u00dcbungsraum in Berlin&#8230;<br \/>\nHeutzutage ist diese Platz, was Kultur angeht, mehr als mausetot.<br \/>\nIrgendwann in den 80ern begann sich das Kapital dort in Glas und Stahlbeton auszuscheissen, die Kr\u00f6nung ist dieser nicht unh\u00e4ssliche CDU-Tempel. Viele der heutigen \u201eStararschitekten&#8221; sind scheinbar mit der Geschwindigkeit einer <a href=\"http:\/\/74.125.77.132\/search?q=cache:vl36YIM3ZlkJ:www.eads.com\/1024\/de\/eads\/history\/airhist\/1950_1959\/Lockheed_F-104_G.html+F-104&amp;cd=14&amp;hl=de&amp;ct=clnk&amp;gl=de\">F-104<\/a> durch ihre Kinderstube gerast, und durften als Kids auf dem Kohlenkasten manchmal mit Briketts spielen und sie immer wieder anders stapeln. Siehe Hauptbahnhof, S\u00fcdkreuz, Po-Platz u.s.w.<br \/>\nWelch Geistes Kinder manche dieser Zunft darstellen, lie\u00df mal so ein Wicht, anl\u00e4sslich der \u201eNeugestaltung&#8221; vom \u201ePlatz der Republik&#8221; ab. In der Abendschau entbl\u00f6det sich doch diese Pfeife vor der Kamera: \u201eendlich ist dieser am\u00f6boide Charakter dieses Platzes beseitigt worden&#8221;.<br \/>\nDieser Platz lebte sehr viele Jahre, war Lebensqualit\u00e4t f\u00fcr tausende gro\u00dfe und kleine Menschen, die dort t\u00e4glich ausspannten, Sport trieben oder einfach nur abhingen. Geile Openairs fanden dort statt. Dann tituliert ein primitiver Lakai des Kapitals unsereins als \u201eAm\u00f6be&#8221;&#8230;<br \/>\nIch glaube, wenn Respektlosigkeit quietschen w\u00fcrde, m\u00fcsste ihm ewig ein Knecht mit einer riesige \u00d6lkanne folgen. Die Tante, die damals die Umgestaltung veranlasste, finde ich keinen Deut besser.<br \/>\nIch wette um eine Flasche Gehacktes. Bei jenem Typen handelt es sich um einen arrivierten Proletenableger, der allerh\u00f6chsten eine Ecke im dunklen Flur als Kinderstube besa\u00df und wenn er ganz brav war, zum Spielen auf den Kohlenkasten klettern durfte, wenn Pappi im Wohnzimmer seinen t\u00e4glichen Rausch ausschlief&#8230;<br \/>\n<strong>Noch zwei Hinweise, wo man Mucke von <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=zeP371QkWXM\">Sleepy LaBeef<\/a> und Konsorten lauschen kann.<\/strong><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.dagny.us\/default.asp?id=9\">Eine Station aus Schweden<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.phonostar.de\/radiomagazin\/sendertipps\/558\/Das+Radio+f%FCr+Rockabilly-Cats+und+Rock%27n%27Roller\">Aus dem Amiland<\/a><br \/>\nBei Rockabilly Radio kam mir vor einigen Wochen, nach vielen Jahren <a href=\"http:\/\/www.kinkyfriedman.com\/\">Kinky<\/a> <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=x_f6YGgG2hE\">Friedman<\/a> endlich mal wieder unter. Welcher Sender in der <span lang=\"de-DE\">europ\u00e4ischen <\/span>Provinz spielt heute noch <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=7BYky67PB-4\">Songs<\/a> von diesem politisch inkorrekten <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=w9yvug7ofH8\"><em>Judenjungen<\/em><\/a>? Eigentlich sehr schade&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ach so, ich habs, wieso mich der olle LaBeef an etwas erinnerte&#8230; &#8211; Letzten Donnerstag waren wir zur Er\u00f6ffnung einer Fotoausstellung im HdKdW &#8211; \\&#8221;Ostzeit\\&#8221; 20 Minuten gen\u00fcgten mir, fand nichts besonderes dabei, schade, viele kastrierte Situationen abgelichtet, auch von Hauswald. Bergemann, wie \u00fcblich, gef\u00e4lliger Modekram, ihr Zeug ist nicht besonders zonenspezifisch. 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