{"id":35720,"date":"2020-12-13T16:37:05","date_gmt":"2020-12-13T15:37:05","guid":{"rendered":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=35720"},"modified":"2024-02-29T16:51:28","modified_gmt":"2024-02-29T15:51:28","slug":"charley-pride-geht-nicht-mehr-einkaufen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=35720","title":{"rendered":"Charley Pride geht nicht mehr einkaufen"},"content":{"rendered":"<p>Da mich die Mutter meiner Schwester, ein stalinistisches Flintenweib, mehrfach beim Lauschen von Westsendern erwischt hatte, durfte ich nicht mehr an ihr Radio.<br \/>\nMit 11 Jahren baute ich mir dann meinen ersten<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Audion\"> Audion<\/a>, aus Teilen von den Schuttpl\u00e4tzen der Umgebung. Die folgenden Jahre nannte man mich daher auch: <strong><i>Schuttk\u00f6nig<\/i><\/strong>.<br \/>\n<span style=\"font-size: xx-small;\">In jenen Tagen begann ich auf Ostradiosendungen bewusst zu verzichten, sp\u00e4ter reduzierte sich auch der entsprechende Fernsehkonsum. Befand sich in meiner unmittelbaren N\u00e4he irgendwelche Lautsprecher, sei es im Ferienlager, im Lehrlingswohnheim oder bei der Truppen, innerhalb k\u00fcrzester Zeit funktionierten die Teile nicht mehr&#8230;<\/span><br \/>\nTags\u00fcber gab es auf Mittelwelle lediglich<i> AfN-Frankfurt,<\/i> wo f\u00fcr mich entsprechend genehme Musik blubberte, anfangs Country-Mucken und etwas Rock\u00b4n Roll. Nachts kamen dann noch <i>Radio Luxemburg<\/i> und <i>Radio Monte Carlo<\/i> hinzu, etwa zur gleichen Zeit einige Piratensender&#8230;<br \/>\n\u00dcber jene Hits landete ich schlie\u00dflich bei den schwarzen Kl\u00e4ngen!<br \/>\nWenig sp\u00e4ter kam es dann zur <i><a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/British_Invasion\">British Invasion<\/a> popul\u00e4rer Musik<\/i>.<br \/>\nDanach war alles zu sp\u00e4t!<br \/>\nTrotz der massenhaften Einfl\u00fcsse von Pop-Musik, blieb ich <i>Western &amp; Country <\/i>immer treu.<br \/>\nSo kam es, dass irgendwann als Country-Interpret ebenso<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Charley_Pride\"> Charley Pride<\/a> hinzukam, dessen Mucken mir auch von Anfang an gefielen. Erst zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt erfuhr ich, dass es sich bei ihm um eine<i> Dachpappe<\/i> handelte, denn bis dato war diese spezielle Musikrichtung fest in den H\u00e4nden von <i>Wei\u00dfbroten<\/i> und <i>Kalkgesichtern&#8230;<\/i><br \/>\nMit jedem Hinscheiden von gerade den <a href=\"https:\/\/www.rollingstone.de\/charley-pride-us-countrylegende-gestorben-2168759\/\">Pers\u00f6nlichkeiten<\/a>, die einen lange Jahre auch gepr\u00e4gt haben, beh\u00e4lt man zwar weiterhin in guter Erinnerung, allerdings kommt doch schon manchmal der Gedanke hinzu, dass der eigene finale Rettungsschuss nicht mehr allzu fern lauert&#8230;<!--more--><b><\/b><\/p>\n<p><b>PS.<\/b><br \/>\nHabe die letzten drei Bezeichnungen extra benutzt, um einen Bogen in Richtung von krankhaften Herangehensweisen bestimmter historischen Begrifflichkeiten zu schlagen. Muss dazu aber bemerken, ich finde es auch abartig, dass an \u00e4u\u00dferster brutale <i>Stare<\/i> <i>der Kolonialzeit<\/i> immer noch erinnert wird und sie zu bestimmten Anl\u00e4ssen, teilweise in den Medien sogar hypt.<br \/>\nWas Schimpfworte betrafen, erinnere ich mich immer wieder an eine Diskussionsrunde mit Freunden vom Gro\u00dfvater, in der ich als Kind damals hockte, nach dem sich die vorher anwesenden Frauen verkr\u00fcmelt hatten. Mir wurde dann lediglich stille Zuh\u00f6rerschaft bewilligt, da G\u00f6ren die Klappe halten mussten, wenn sich Erwachsene unterhielten. In den Runden lernte ich zuzuh\u00f6ren, au\u00dferdem herrschte <i>bei den M\u00e4nnern Streitkultur<\/i>, wenn sie dazu <i>Konj\u00e4cksche <\/i>genussvoll schl\u00fcrften und dicke Zigarren pafften.<br \/>\nFazit eines Sp\u00e4tnachmittags: Die Leute sollten endlich dazu \u00fcbergehen, s\u00e4mtlich sog. Kraftausdr\u00fccke in den normalen Sprachgebrauch zu \u00fcbernehmen. Was zur Folge h\u00e4tte, es g\u00e4be weniger Beleidigungsklagen, au\u00dferdem lie\u00dfe sich dadurch das geistige Niveau der betroffenen Ausraster erkennen.<br \/>\nNat\u00fcrlich musste mein Gro\u00dfvater wieder das letzte Wort haben, was ich mir von ihm abschaute.<br \/>\nEr bezog sich dabei auf das <i>absolut beliebteste deutsche Schimpfwort<\/i>, n\u00e4mlich <i>Arschloch<\/i>!<br \/>\nF\u00fcr ihn war es keine Beleidigung, sondern nur eine Feststellung!<br \/>\nDenn, so lange man sein <i>Arschloch<\/i> nicht zugekniffen hatte, erfreute man sich eigentlich noch einer gewissen Gesundheit&#8230;<br \/>\nJene Art der Kommunikation, mit Hilfe irgendwelcher ordin\u00e4ren Ausdrucksweisen, habe ich von meinen Gro\u00dfeltern und ihrem Freundeskreis nie vernommen.<br \/>\nDies \u00e4nderte sich schlagartig, als ihre Tochter zu manchen Treffen, Stasi- und anderweitig <i>dummrotes Pack<\/i> anschleppte. Welche gleich von Anbeginn, den zus\u00e4tzlich mitgebrachten<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Trinkbranntwein_f%C3%BCr_Bergarbeiter\"> Kumpeltod<\/a>, dann aus Senfgl\u00e4sern soffen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da mich die Mutter meiner Schwester, ein stalinistisches Flintenweib, mehrfach beim Lauschen von Westsendern erwischt hatte, durfte ich nicht mehr an ihr Radio. Mit 11 Jahren baute ich mir dann meinen ersten Audion, aus Teilen von den Schuttpl\u00e4tzen der Umgebung. Die folgenden Jahre nannte man mich daher auch: Schuttk\u00f6nig. 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