{"id":35950,"date":"2021-01-27T22:38:16","date_gmt":"2021-01-27T21:38:16","guid":{"rendered":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=35950"},"modified":"2021-03-01T00:41:41","modified_gmt":"2021-02-28T23:41:41","slug":"mal-etwas-aus-vergangenen-zeiten-tresen-magazin-1998","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=35950","title":{"rendered":"Mal etwas aus vergangenen Zeiten &#8211; Tresen Magazin, 1998"},"content":{"rendered":"<p>In jenen Tagen, gingen die Reste der <i>fetten Westberliner Jahre <\/i>schon ihrem Ende entgegen und dies bereits seit fast 10 Jahren.<br \/>\nStimmt eigentlich nicht, denn in den Coca-Cola-Sektoren begann das bed\u00e4chtig Sterben von Kunst und Kultur bereits in den ausgehenden 1970ern, was die massenhaften \u00f6ffentliche Veranstaltungen betrafen. Wo sich irgendwelche Nasen beliebig produzieren konnten, <a href=\"https:\/\/www.kreuzberger-chronik.de\/chroniken\/2005\/maerz\/mensch.html\">auch Musiker, bis weit in die Nacht hinein.<\/a><br \/>\nAu\u00dferdem gab es damals noch nicht diese \u00e4u\u00dferst niedrige Toleranzschwelle, da am\u00fcsierten sich Zeitgenossen, von 8 bis 80, ohne irgendwelche gro\u00dfe Probleme miteinander. Als Beleg fallen mir da, z. B. jene mehrfache Er\u00f6ffnungsfeten der 7er U-Bahnlinie nach Spandau ein. Es gab Freibier, die BVG <i>liebte damals ihre Kunden nicht<\/i>, sondern bezog sie praktisch ein, sie besa\u00dfen damals noch ein Orchester, welche die anstehenden Feten kr\u00e4ftig aufmischten. Nachmittags lungerte auch ich mit Kumpels dort herum, alles lief sehr friedlich ab. \u00c4ltere Leutchen wunderten sich lediglich \u00fcber den merkw\u00fcrdigen Geruch, der unseren <i>Zigaretten<\/i> entstiegen, den sie bisher nicht kannten&#8230;<br \/>\nWas haben wir uns auf dem franz\u00f6sischen Volksfest, anl\u00e4sslich der dargebotenen Wein und Brinolproben, nebenher auch die Kante gegeben. Zu den Amis gingen wir haupts\u00e4chlich wegen der Musik hin, bei den Briten, in Wilmersdorf wurde lediglich gezecht und abgehangen&#8230;<br \/>\nEin <i>Fescht <\/i>muss ich auch noch erw\u00e4hnen, es war das letzte, wo man zum samst\u00e4glichen Abschluss eine Rockmucke anbot.<!--more--><br \/>\nS\u00e4mtliche Biertischgarnituren warden noch mit bezechten Prolls und ihren Weibsbildern okkupiert und keiner von den wollte verschwinden. Massenhaft str\u00f6mten junge Leute heran und hingen an den R\u00e4ndern ab, wobei viele Jungs und M\u00e4dels bereits die umliegenden B\u00e4ume erklommen.<br \/>\nEine alte Bekannte von mir, die Gattin eines Arbeitskollegen von <i>Sonnenschein<\/i>, stand mit ihrem riesigen Losbuden-Anh\u00e4nger dort herum. Sie fragte ich, ob wir ihr zu dritt auf den Kopf steigen d\u00fcrften. Nach kurzer \u00dcberlegung &#8211; \u201caber nur ihr, weil ich nicht wei\u00df ob es euch \u00fcberhaupt aushalten w\u00fcrde&#8230;\u201c<br \/>\nAlles ging klar, nur wurde alles erklommen, wo es irgendwo m\u00f6glich erschien. Am Schlimmsten sah es auf einem Toilettencontainer aus. Pl\u00f6tzlich tauchte der dortige KOB auf, seines Zeichens ein ausgepr\u00e4gter Vollpfosten, der \u00fcberall herum kreischte und verlangte, dass alle die oberen Regionen verlassen sollten, die Betroffenen ihn aber nur nur mit dussligen Bemerkungen eingedeckten. Irgendwann verlegte dieses gr\u00fcne M\u00e4nnchen von den Roadies ein Mikrofon, was sie nicht gestatteten. W\u00e4hrend des Soundchecks startete er einen weiteren Versuch, der wieder in die Hose ging.<br \/>\nMittlerweile entstand im Rund totales Chaos, wobei nun einige der besoffenen Alten, sich endlich doch entschlossen, abzuhauen. Mittlerweile hatte sich der Platz soweit gef\u00fcllt, dass alle dicht an dicht standen und mittig versuchte der irre Polyp in Richtung B\u00fchne zu gelangen, dies ging aber nicht, weil vor ihm, sich alle einhakten und damit sein Fortkommen unterbanden, was auch in anderen Richtungen geschah. Zum Geschrei der Anwesenden kam nun noch der witzige Versuch, die Mikrofone und Instrumente entsprechen einzustellen, dabei entstanden bewusst irre laute \u00dcbersteuerungen. Wir sa\u00dfen auf unserer Losbude bestimmt 50 Meter von der B\u00fchne entfernt, aber in unserer Horchwaffeln quietschte es so laut, dass es schmerzte.<br \/>\nBackstage sahen wir dann schon den Schefff, er lebte damals in Neuk\u00f6lln oder war es schon K-Berg? Jedes mal, wenn er ganz kurz die B\u00fchne betrat, Lautes Aufschreien, Geklatsche und Jubelrufe.<br \/>\nPl\u00f6tzlich geschah etwas vollkommen idiotisches, wo es sogar Tote h\u00e4tte geben k\u00f6nnen.<br \/>\nAm \u00f6stlichen Zuschauerrand standen drei Fahnenstangen, vielleicht 6 Meter hoch, an denen entsprechende <a href=\"https:\/\/www.bannerstop.com\/produkte\/fahnen-drucken\/fahnen-drucken\/bannerfahne.html\">Bannern<\/a> baumelten, von Berlin, Kreuzberg und Schwarz\/Rot\/Senf. Ein Typ erklomm barfu\u00df, wirklich wie ein Affe, den Mast mit den deutschen Farben. Es wurde kurzfristig etwas leiser, da alle gebannt den Jugendlichen beobachteten. Wobei anfangs alles seine Aktionen frenetisch bejubelt wurden. Zuerst riss er den blonden Streifen ab, zerkn\u00fcllte ihn auff\u00e4llig und holte etwas aus seiner Hosentasche, pfefferte anschlie\u00dfend ein Fl\u00e4schchen nach au\u00dferhalb. Sch\u00fcttelte danach den Streifen <span style=\"font-size: xx-small;\"><b>(<\/b><\/span><span style=\"font-size: xx-small;\">vielleicht 40 cm breit und 3 Meter lang<\/span><span style=\"font-size: xx-small;\"><b>)<\/b><\/span> auf volle L\u00e4nge und z\u00fcndete ihn an, der sofort vollst\u00e4ndig Feuer fing, sachte in Richtung der wartenden Menge segelte. Entsetzende Aufschreie, da hatte es aber der Polizist auch auf die B\u00fchne geschafft, ein Mikro an sich riss und keifend die Veranstaltung f\u00fcr beendet erkl\u00e4rte, dazu man ihn aber auch mit allen m\u00f6glichen Wurfgeschossen eindeckte.<br \/>\nDer brennende Lappen hatte keine Sch\u00e4den verursacht, nun gab es aber einen noch gr\u00f6\u00dferen Aufschrei. W\u00e4hrenddessen befanden sich aber alle Musiker bereits auf ihren Pl\u00e4tzen, der Schefff fl\u00fcsterte dem Gendarmen etwas in seine L\u00f6ffel, entwand ihm das Mikrofon, machte dazu eine bes\u00e4nftigende Bewegung mit seinen Armen, ruckartige Stille im Rund, gefolgt von einem weiteren infernalischen Aufschrei, als er kund gab, dass er jetzt sofort mit Singen beginnen will!<br \/>\nWir bekamen ein ganz geiles Konzert geliefert, wo es keine weiteren Probleme mehr gab.<br \/>\nH\u00e4tte fast vergessen, wer sich an dem Abend dort schaffte.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=dQrZIY2LU7k\">Es handelte sich um jenes britische Wei\u00dfbrot<\/a>, der sein Feeling f\u00fcr schwarze Musik, als junger Typ im Amiland, noch ausgiebig vertiefte&#8230;<br \/>\nWei\u00df gar nicht, ob Gerd, der ehemalige Herausgeber vom <a href=\"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Tresen-Magazin-April-1998.pdf\">Tresen Magazin<\/a>, noch einkaufen geht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In jenen Tagen, gingen die Reste der fetten Westberliner Jahre schon ihrem Ende entgegen und dies bereits seit fast 10 Jahren. 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