{"id":386,"date":"2008-07-19T21:49:09","date_gmt":"2008-07-19T20:49:09","guid":{"rendered":"http:\/\/12decode.de\/zonenklaus\/wordpress\/?p=386"},"modified":"2026-03-03T01:41:02","modified_gmt":"2026-03-03T00:41:02","slug":"zonennostalgie-auf-mehreren-seiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=386","title":{"rendered":"Zonennostalgie auf mehreren Seiten"},"content":{"rendered":"<p>Mehrere Seiten f\u00fcr Leute, welche von unb\u00e4ndiger <a href=\"http:\/\/www.ddr-wissen.de\/wiki\/ddr.pl?DDR-Lexikon\">Zonen<\/a>&#8211;<a href=\"http:\/\/64.233.183.104\/search?q=cache:E1Tzis5O5VUJ:www.kirchenweb.at\/kochrezepte\/ddr\/gemuese\/blitzgurken_einlegen.htm+gurken+einlegen+dill+essig+zucker&amp;hl=de&amp;ct=clnk&amp;cd=3&amp;gl=de\">Nostalgie<\/a> geplagt werden.<br \/>\nAuf einer befindet sich ein Test, habe ihn fehlerfrei bestanden, obwohl ich zum Schluss, das erste Schlaraffenland der Arbeiter und Bauern abgrundtief verachtete.\u00a0 Au\u00dferdem bereits seit dem 23. Oktober 1975 (<em>Ausgerechnet am Geburtsttag der Mutter meiner Schweste.<\/em>) durch den Sumpf des absterbenden Kapitalismus wate\u2026<br \/>\nDazu fielen mir zwei kurze Geschichten ein.<!--more--><br \/>\nIch beginne mit der, den Osten betreffende, da nach dem erfolgreichen Test, mein Stab\u00fc-Lehrer aus der kalten Heimat, die Welt wieder nicht verstanden h\u00e4tte. Dieses Rattengesicht zensierte mich oft eine Zensur schlechter, weil ihm die Kluft zwischen meinen theoretischen Kenntnissen und meines Handelns zu gro\u00df erschien. Da der Kl\u00fcgere ja nachgibt, habe ich nie Widerspruch gegen seine Bewertungen eingelegt.<br \/>\nOb er wegen jener Kuckuckseier, die ich ihm anonym legte, mal Schwierigkeiten bekam, ist mir nicht bekannt, sie kamen wie folgt zustande.<br \/>\nAls \u201e<em>Opfer des Stalinismus<\/em>\u201c &#8211; <em>klingt jut wah?<\/em> &#8211; bekamen wir das erste Jahr im Westen milde Gaben vom Staatsb\u00fcrgerinnenverband, die jeder den <em>hungernden Br\u00fcdern und Schwestern<\/em> oder der buckligen Verwandtschaft hinter der Mauer zukommen lassen sollte. Heute nennen sich ja diese Damen \u201eLadies of Charity\u201c <strong>(<\/strong><em>Ihre Devise: Tue Gutes und rede viel dr\u00fcber!<\/em><strong>)<\/strong><strong>,<\/strong> war schon ein merkw\u00fcrdiger Klub, kam aber immer sehr gut mit diesen alten Tanten klar. Um f\u00fcr den folgenden Monat eine neues Pr\u00e4sent abzustauben, musste man mit dem Abschnitt eines Paketscheins f\u00fcr die dort angegebene Ost-Adresse antanzen. Ich f\u00fcllte diese Postteile immer mit Bleistift aus und korrigierte sie anschlie\u00dfend mit Kugelschreiber, da mir ja alles fehlte, wurde mein neuer Hausstand komplettiert, mit Kleinigkeiten die es dort im Wert von 50 Mark monatelang gab. So bedachte ich meinen ehemaligen Politp\u00e4dago<em>ch<\/em>en mehrfach mit alten \u201eBILD\u201c-Zeitungen, versehen mit entsprechenden Absendern, z.B. RIAS Berlin\u2026<br \/>\nIn der <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/politik\/article1196915\/DDR-Test.html?gclid=CMLi0765y5QCFQyR1QodvRL1kg\">&#8220;WELTONLINE&#8221;<\/a> findet man den Test: <span style=\"text-decoration: underline;\">Was wissen Sie \u00fcber die DDR?<\/span><br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline;\"> Ein Frage lautet:<\/span> Welcher dieser Soldaten geh\u00f6rt der Nationalen Volksarmee an?<br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline;\"> Antwort:<\/span> Die Uniformen der NVA orientierten sich stark an Modellen der Reichswehr und der Wehrmacht. Auch der Helm ging auf ein Versuchsmodell der Nazi-Armee zur\u00fcck, konnte aber nicht mehr produziert werden.<br \/>\n<strong>&#8212;<\/strong> Diese andere Geschichte betrifft den Besuch des <a href=\"http:\/\/64.233.183.104\/search?q=cache:BHq87QCerIUJ:www.panzermuseum.com\/+Panzermuseum+munster&amp;hl=de&amp;ct=clnk&amp;cd=6&amp;gl=de\">Panzermuseums<\/a> in Munster. Dort existiert eine Abteilung \u00fcber die weit 4000j\u00e4hrige Geschichte des Kopfschutzes von Kriegern, bis hin zur Entwicklung des letzten Wehrmachtstahlhelms, eben jener blechernen NVA-Hurra-T\u00fcte. Es handelte sich dabei nicht nur um ein <em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/M45_(Stahlhelm)\">\u201eVersuchsmodell<\/a>&#8220;<\/em>, zur Herstellung fehlten vor dem End<em>siech<\/em> schlicht Stahl und Fabrikationsanlagen\u2026<br \/>\n<strong>&#8211; <\/strong>Zur Sommerurlaubszeit ging es von Schwiegermutter aus mit den Kids immer einmal in den \u201eHeidepark\u201c Soltau, dieser Ausflug fand traditionell an einem Donnerstag statt. Ich lieferte dort die vergn\u00fcgungss\u00fcchtige Bagage ab, besorgte mir \u201eFAZ\u201c, \u201eDIE ZEIT\u201c, \u201eSTERN\u201c und verkr\u00fcmelte mich zum Lesen an einen naheliegenden Waldrand. Dort war relativ ruhig, zumindest was den Krach des Vergn\u00fcgungsparks anging, aber relativ regelm\u00e4\u00dfig bretterten dort Phantom-J\u00e4ger im extremen Tiefflug umher. Mann, zogen die permanent eine Kerosinwolke hinter sich her&#8230;<br \/>\nSchlie\u00dflich verbrachte ich dann, im Sommer 1989, mehrer Stunden in jenem \u201eMuseum\u201c.<br \/>\nWar interessant, aber auch lustig.<br \/>\nAm sp\u00e4ten Vormittag traf ich am Schlagbaum ein. Die dortigen Spunde grinsten \u00fcber mein Outfit &#8211; sehr bunte Ballonm\u00fctze, am Gesichtskanten zwei l\u00e4ngere Z\u00f6pfe, hinten einen k\u00fcrzeren, die Jeans mit vielen farbigen Flicken besetzt, einem recht br\u00fcchigen Shellparka und barfuss.<br \/>\nSolo die Ausstellung zu besuchen ginge nicht, allerdings k\u00f6nnte ich mich einer bald eintreffenden Busladung anschlie\u00dfen, m\u00fcsste allerdings mir auch Schuhe anziehen.<br \/>\nSchlie\u00dflich erschien ein Bus, der spuckte eine Horde Senioren von einer ganz bestimmten Sorte aus, M\u00e4nnchen und Weibchen &#8211; wenn deren Blicke h\u00e4tten t\u00f6ten k\u00f6nnen!<br \/>\nKurzes Beinvertreten, sich beim Pf\u00f6rtner Besucherausweis empfangen und drinnen wieder sammeln. Zwei dieser alten Knaben hingen an ihren Kr\u00fcckst\u00f6cken wie Zitteraale, lehnten aber unter lautstarken Protest leichte Rollst\u00fchle ab.<br \/>\nVon dem Zeitpunkt an, als es in Richtung der Ausstellungshallen ging, klebte ein pickliger Bursche in Kampfanzug, Turnschuhen und einer knisternden Handgurke an meiner Seite. Die permanente Anwesenheit jenes Typen fing an, mich m\u00e4chtig zu nerven. Da man in manche Fahrzeuge auch hineinkriechen durfte, sah ich dann ewig seine Larve in den Luken. Jetzt kam mein Part und begann ihn anzumachen, w\u00fctend machte mich die Tatsache, dass er sich absolut nicht provozieren lie\u00df.<br \/>\nEtwas gr\u00f6\u00dferen Abstand wahrte er nach einer Frage meinerseits, warum er denn nicht von meiner Pelle wich, ob er mir einen blasen wolle: <em>Dies ginge leider nicht, da ich auf Schlitzpisser stehen w\u00fcrde<\/em><strong>!<\/strong><br \/>\nSehr w\u00fctende, unverst\u00e4ndliche, aber auch grinsende Blicke aus der Umgebung.<br \/>\n<strong>\u00a0&#8212;<\/strong> <em>Saison<\/em>&#8211;<em>Linxwixer <\/em>sagen mir ja eine gewisse Affinit\u00e4t nach, was das III. Reich angeht, <strong>(<\/strong><em>W<\/em><em>as ich ja auch viele Silvester an der <strong>FU<\/strong>nit\u00e4t<\/em> <em>stupidierte.<\/em><strong>)<\/strong> manche sehen mich sogar in dieser Ecke. <span style=\"font-size: xx-small;\"><b>(<\/b>Ein Haufen Leute darunter, die soweit links stehen, dass sie schon wieder rechts herauskommen&#8230;<b>) <\/b><\/span>Ewig verlangten solche Nasen von mir dann Rechtfertigungen, weil mich diese<em> destruktive Technik<\/em>, als Bestandteil UNSERES Lebens auch interessiert &#8211; lassen jene Flachzangen nat\u00fcrlich nie gelten!<br \/>\nSelten habe ich w\u00e4hrend \u00e4hnlich langer F\u00fchrungen so fundiertes Wissen erlebt, allerdings nur was die technische Seiten betrafen. Nach und nach kam es auch zu Gespr\u00e4chen mit einigen <em>der alten Kameraden<\/em>, fast alle gaben gestanzte Meinungen wieder, typisches althergebrachtes Rudelverhalten.<br \/>\nDa mich bestimmte Darstellungen, zeitweise mehr als nur an den abschlie\u00dfenden Besuch des <em>Nazi-Traditons-Kabinett<\/em> erinnerten, <strong>&#8211;<\/strong> <em>denn niemals vorher hatte ich jemals so unendlich viele eckige Piktogramme mit Hakenenden zu Gesicht bekommen. Von winzigen Swastikas, bis hin zu gro\u00dfen Teilen auf irgendwelchen besonders gestalteten Untergr\u00fcnden<\/em> <strong>&#8211;<\/strong> besonders was die Langlebigkeit dieser Garnison anging, riefen meine Einw\u00e4nde auch Proteste und heftig gef\u00fchrte Diskussionen hervor. Aber ohne besondere Ausf\u00e4lligkeiten, da unser Museums-<em>F\u00fchrer<\/em> dann immer gleich mit seinem verordneten Hang zur Harmonie einschritt\u2026<br \/>\nWie \u00f6fters schon erlebt, kam von einigen Herren w\u00e4hrend der Verabschiedung, <em>leider w\u00fcrde ich ja mit meinem profunden Wissen auf der falschen Seite stehen\u2026<\/em><br \/>\n<strong>&#8212;<\/strong> Wenn es um das <em>Nichtwissenwollen<\/em> oder <em>bewusster Falschdarstellungen<\/em> ging, war ich schon immer das Kamel, welches den Rasen wegknabberte, der gerade wieder \u00fcber einer unbequemen Sache pr\u00e4chtig wucherte.<br \/>\nIn den 90ern erlebte ich in Warnem\u00fcnde, anl\u00e4sslich der \u201eHanserail\u201c etwas \u00e4hnliches, dort versuchten die Veranstalter unbequeme Dinge auch einfach zu ignorieren.<br \/>\nStundenlang waren wir vorher schon in Rostock,\u00a0 auf und in Schiffen herumgekrebst und wollten zum Abschluss noch die Segler am dortigen Passagierkai betrachten. S\u00e4mtliche Objekte waren bis ins Detail mit riesigen Tafeln versehen, wo man teilweise mehrsprachig, angefangen von der Kiellegung die Geschichte verfolgen konnte.<br \/>\nMeine Freundin, ihre Tochter und ich dr\u00e4ngten uns zu einer Gruppe, der eine Frau gerade die Dreimastbark <a href=\"http:\/\/64.233.183.104\/search?q=cache:Iw4QBCln8-QJ:de.wikipedia.org\/wiki\/Eagle_(Schiff)+schulschiff+horst+wessel&amp;hl=de&amp;ct=clnk&amp;cd=3&amp;gl=de\">&#8220;Eagle&#8221;<\/a> erl\u00e4uterte. Bereits vorher war mir aufgefallen, dass dieser Pott der <em>Gnade der sp\u00e4ten Nachgeburt<\/em> anheim gefallen war. Denn es existierte lediglich der Hinweis, dass es sich um ein Segelschulschiff der <em>United States Coast Guard<\/em> ab 1946 handelte, sonst gab es nichts erkl\u00e4rendes.<br \/>\nAuf die Frage, ob dieses Schiff nicht etwas \u00e4lter sei, antworte die sehr junge <em>Erkl\u00e4rerin<\/em>, dass w\u00e4re sicher m\u00f6glich, sie k\u00f6nne aber zu diesem Schiff nichts weiter sagen und forderte zum Weitergehen auf.<br \/>\nMein laut vorgebrachter Einwand, dass ich die Frage beantworten k\u00f6nnte, lie\u00df alle sofort verharren, um mich dabei prompt anzuschauen. Meine Freundin die wusste, was in solchen F\u00e4llen kam, verkr\u00fcmelte sich sofort.<br \/>\n<strong>\u00a0&#8212;<\/strong> \u201eAlso, dieser Kahn lief 1936 bei \u201e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Blohm_%2B_Voss\">Blohm und Voss<\/a>\u201c von Stapel, es handelt sich um einen <em>Dreimaster<\/em> der <a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/zonenklaus\/6890331160\/in\/photolist-buSK3Q-buSKiY-buSKmy-buSKp7-buSKqU\/\"><em>Gorch-Fock-Klasse<\/em> <\/a>und war urspr\u00fcnglich die\u00a0 \u201e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eagle_(Schiff)\">Horst Wessel<\/a>\u201c, ein Schwesternschiff der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sagres_(Schiff,_1938)\">&#8220;Albert Leo Schlageter<\/a>&#8220;, beides Schulschiffe der<strong> H<\/strong>itler <strong>J<\/strong>ugend!&#8221;<br \/>\nDa hatte ich etwas losgetreten&#8230;<br \/>\nSofort prasselte es auf sie herab, aber von allen Seiten.<br \/>\nDas <em>nostalgisch\/ideologische Sahneh\u00e4ubchen<\/em> bekam meine Freundin gar nicht mehr mit. Jemand lie\u00df daraufhin etwas ab, ungef\u00e4hr so: \u201eLeute, bei dem <em>Frollein<\/em> handelt es sich garantiert um eine Altlast, die zu DDR-Zeiten\u00a0 bestimmt Pionierleiterin war!&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mehrere Seiten f\u00fcr Leute, welche von unb\u00e4ndiger Zonen&#8211;Nostalgie geplagt werden. Auf einer befindet sich ein Test, habe ihn fehlerfrei bestanden, obwohl ich zum Schluss, das erste Schlaraffenland der Arbeiter und Bauern abgrundtief verachtete.\u00a0 Au\u00dferdem bereits seit dem 23. 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