{"id":40440,"date":"2023-09-22T21:47:26","date_gmt":"2023-09-22T20:47:26","guid":{"rendered":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=40440"},"modified":"2026-04-04T13:58:30","modified_gmt":"2026-04-04T12:58:30","slug":"die-fortsetzung-zum-gestrigen-schrieb","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=40440","title":{"rendered":"(Wildwechsel die II.) Die Fortsetzung zum gestrigen Schrieb&#8230;"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: medium;\">War nun bei dem durchgeknallten Bekannten untergekommen, wie sollte es aber weitergehen?<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Von dem Trip in Richtung \u00d6siland wurde mir abgeraten, wegen vermuteter Minen an der Grenze.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Eine ganz \u00e4hnliche Auskunft gab es zwischendurch in der bundesgermanischen Botschaft, die Leute hockten damals provisorisch im \u201eEuropa Hotel\u201c am Wenzelsplatz. Solle doch zur\u00fcck in die <i>DDR<\/i> gehen und dort einen Ausreiseantrag stellen. Dies war bereits ein Jahr vorher geschehen, Anfang M\u00e4rz, danach tat sich aber nichts weiter&#8230;<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Mein Landlord gab den Hinweis, es in Danzig oder Stettin \u00fcber die Ostsee zu versuchen. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Ein sehr witziger Vorschlag nach den vier Wandertagen!<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Dann trat aber etwas ein, was ich schlie\u00dflich unter sehr gelungenen Urlaubstagen abbuchte&#8230; <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Wollte am sp\u00e4teren Vormittag ins Zentrum fahren, besa\u00df aber kein Ticket f\u00fcr die Tram. Fragte des\u00adhalb Wartende, wer mir einen Fahrschein verkaufen k\u00f6nnte. Eine sehr attraktive Dame, sch\u00e4tzte \u00dc-50, die Deutsch mit amerikanischen Einschlag sprach, schenkte mir daraufhin solch Teil. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Im Wagen unterhielten wir uns dann. <i>Ich bin letzte Woche in ihrer Heimat, in Frankfurt gelandet. <\/i>Outete mich in dem Moment als Ossi. Einen Ausweis oder Pass konnte ich allerdings nicht vorwei\u00adsen, hatte zu Beginn des ungewissen Trips, den <a href=\"https:\/\/www.ddr-wissen.de\/wiki\/ddr.pl?PM-12\"><i>PM12 <\/i><\/a>weggeworfen, besa\u00df nur noch den F\u00fchrer\u00adschein. Meine kurzen Schilderungen fand die Frau so interessant, dass sie mich sofort zum Fr\u00fch\u00adst\u00fcck ins \u201eEuropa Hotel\u201c einlud, dort registrierte ich dies mit der Botschaft. Mittlerweile wusste ich, sie stammt aus Odessa in Texas und erledigte f\u00fcr ihren alten Lebenskameraden, der 1968 emigriert war, eine Erbschaftsgeschichte&#8230;<i> <\/i><\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\"><i>Ob wir uns nochmal sehen k\u00f6nnten?<\/i><\/span><\/p>\n<p><!--more--><span style=\"font-size: medium;\">Kein Problem! <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Zum Abschied wollte sie mir gleich noch 100(<b>!<\/b>) US-Dollar<strong>*<\/strong> &#8211; damals eine riesige Summe, wenn ich sie in Kronen getauscht h\u00e4tte &#8211; in die Hand dr\u00fccken, dies wurde von mir allerdings abgelehnt. Wollte es n\u00e4mlich, bei einer anstehenden Verhaftung nicht darauf ankommen lassen, wegen eines zus\u00e4tzlichen Devisenvergehens, den entsprechenden Nachschlag von mindestens einen weiteren zus\u00e4tzlichen <i>To\u00adtensonntag<\/i> im Knast zu riskieren&#8230; <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">F\u00fcr den sp\u00e4ten Nachmittag wurde ein erneutes Treffen anberaumt. Nahm aber 100 Kronen dankend an und verbrachte anschlie\u00dfend den ganzen Tag im <a href=\"https:\/\/www.prague.eu\/de\/objekt\/orte\/2721\/nationalmuseum-narodni-muzeum?back=1\">Nationalmuseum<\/a>&#8230;<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">War total platt, als wir uns dann trafen, h\u00e4tte sie fast nicht wiedererkannt. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Morgens noch im Kleid und leichtem M\u00e4ntelchen, nebst einer recht klobigen Handtasche, etwas zu auff\u00e4llig geschminkt, nebst knallroten Fingern\u00e4geln. Aufgefallen war mir allerdings von Anbeginn ihr freundlicher Gesichtsausdruck und ihre wundersch\u00f6nen Augen. Nun stand sie jugendlich einge\u00adkleidet vor mir, nichts erinnerte mehr an ein <i>texanisches Landei<\/i>. Ihr modischer Schick kam aus einem Spezialladen:<i>Toll verarbeitet und sehr billig, au\u00dferdem wollte ich mir sowieso andere som\u00admerliche Kleidung kaufen&#8230;<\/i><\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Sie kam mir in dem Moment vor, wie eine Replik von <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/leute\/dolly-parton-nichts-an-mir-ist-echt-aber-alles-kommt-von-herzen-a-673412.html\"><i>Dolly Parton<\/i><\/a>! <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Ebenso fehlte pl\u00f6tzlich das geschlechtsspezifische wunderliche Gehabe einer Amerikanerin, mei\u00adnerseits verstand ich jene Offerte. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Die folgenden Tage wurde ihr eigentliches Ansinnen sehr ge\u00adrafft, den Rest verbrachten wir gemeinsam. Hinzu kam, der Empfangschef ihres Hotels organisierte einen <i>befreundeten<\/i> Fahrer, der uns nach <i><a href=\"https:\/\/www.holocaust.cz\/de\/geschichte\/ghetto-theresienstadt\/\">Theresienstadt<\/a> <\/i>und<a href=\"https:\/\/www.prague.fm\/de\/7905\/karlstejn-karlstein\/\"><i> Karl\u0161tejn<\/i><\/a> kutschierte. Kulturell gese\u00adhen, war nat\u00fcrlich auch ein Besuch des <i><a href=\"https:\/\/www.tschechien-hautnah.eu\/eintrittskarten\/schvarzes-theater-ticket\/\">Schwarzen Theaters<\/a> <\/i>angesagt.. . . .<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Musste mich ganz sch\u00f6n zusammennehmen, um nun nicht umgedreht in das unbedarfte Landei aus dem Osten zu mutieren. Denn ihre Dollars galten im Tschechland als Universalschl\u00fcssel f\u00fcr wirk\u00adlich alle Lebenslagen. <i>Dies konnte ich etwas sp\u00e4ter auch erleben, mit meinen Westm\u00fccken in den Taschen.<\/i><\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Am vorletzten Abend lernten wir im <a href=\"https:\/\/ahojausprag.wordpress.com\/2018\/12\/22\/auf-den-spuren-jaroslav-haseks-iiu-kalicha\/\"><i>U Kalicha <\/i><\/a>einen Franzosen kennen. Welcher bereits acht Sprachen be\u00adherr\u00adschte und in Polen einen abschlie\u00dfenden Sprachkurs besuchen wollte. Zuf\u00e4lligerweise unter\u00adrichtete die Amerikanerin Deutsch, Anarchist Philipp ebenso. Er jobbte noch als freier Journalist der <a href=\"https:\/\/www.liberationnews.org\/\"><i>Lib\u00e9ra\u00adtion<\/i> <\/a>und als <i>Freejazz-Musiker<\/i>. Unwahrscheinlich lustig war beider Neugier auf Begriffe meiner Mutter\u00adsprache. Die Frau notierte ewig Worte meiner oftmals sehr bildhaften Sprache. Bei dem Franzosen verhielt es sich \u00e4hnlich, da plapperte ich w\u00e4hrend unserer gemeinsamen Fahrt in die Slowakei, auch noch mehrere Kassetten mit politischen Ost-Witzen voll. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Mein Aufenthalt in Polen ist sehr schnell erz\u00e4hlt. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Nach meinem illegalen Grenz\u00fcbertritt, traf ich mich mit Philipp in einem kleinen Nest, auf der Landstra\u00dfe nach Zakopane wieder, dort \u00fcbernachteten wir in der <\/span><span style=\"font-size: medium;\"><i><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/zonenklaus\/8654346533\/in\/photolist-anLCoT-ebKMHg\">Willa Bajeczka<\/a>, <\/i><\/span><span style=\"font-size: medium;\">bei Bekannten. Am n\u00e4chsten Tag brachte ich den Franzosen in <\/span><span style=\"font-size: medium;\">Krak\u00f3w unter und trampe sofort weiter nach <\/span><span style=\"font-size: medium;\"><i>W<\/i><\/span><em><span style=\"font-size: medium;\"><i>roc\u00ad\u0142aw<\/i><\/span><\/em><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Schlug zuerst bei einem Freund<\/span><i> <\/i><span style=\"font-size: medium;\">auf. Zwei Wochen lieferte ich mit ihm Milch aus, von 22 Uhr bis gegen 3 morgens und alles im Laufschritt. Fungierte sofort als Spannemann, weil sein Partner krankheitshalber ausgefallen war. Dann ging es weiter nach <\/span><span style=\"font-size: medium;\"><i>Warszawa<\/i><\/span><span style=\"font-size: medium;\">, landete bei Roman, der mich kurz darauf zu einem obskuren Happening mitnahm, inszeniert von <\/span><a href=\"https:\/\/seniorweb.ch\/2019\/10\/09\/tadeusz-kantor-theatertier\/\"><span style=\"font-size: medium;\"><i>Tadeusz Kantor<\/i><\/span><\/a><span style=\"font-size: medium;\">. Im kulturellen Chaos prostituierten wir uns entsprechend mit Musik, mein Spezi mit Gitarre und ich mit der Harp. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Alles vom Feinsten, angefangen bei den Speisen, darunter kulinarische K\u00f6stlichkeiten, die mir voll\u00adkommen unbekannt waren, von den erlesenen Getr\u00e4nken ganz zu schweigen. Trieb sich da eine de\u00adkadente Kunstschickeria herum. Mumien darunter, die voll gehangen mit blitzenden Brillanten und in erlesener Kleidung herumliefen. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Wir spielten Blues und manchmal wurden Gitarrensaiten total entspannt, dann klang alles nach Si\u00adtar&#8230;<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Vor uns stand ein Hut, worin die Leute Geld fallen lie\u00dfen. Wei\u00df nicht mehr, wie viel zusammen\u00adkam. Es handelte sich aber um eine exorbitant hohe Summe. Pl\u00f6tzlich lief mir dort ein alter Spezi \u00fcber den Weg, der bekannteste polnische Hippie, gerade aus den USA zur\u00fcckgekehrt. Er hatte dort seinen Freund <a href=\"https:\/\/allenginsberg.org\/\"><i>Allan Ginsberg<\/i><\/a> besucht. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Wir schwatzten eine Runde, dann dr\u00fcckte er mir eine Art Visitenkarte in die Hand, dazu ein Tip, wo und wie ich die sommerliche Zeit verbringen k\u00f6nnte, wurde durch seine Hilfe recht problemlos im\u00admer weitergereicht. So landete ich anschlie\u00dfend f\u00fcr einige Wochen in den Urw\u00e4ldern von <i><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bieszczady\">Biesz\u00adczady<\/a>, <\/i>direkt an der Ukrainischen Grenze. Dort k\u00e4mmten wir Heidelbeeren, sammelten Pilze und Kr\u00e4uter. Ein Abnehmer holte zus\u00e4tzlich identisches Zeug aus anderen dortigen T\u00e4lern, seine Beute wurde dann nach Westberlin gebracht.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Ach so!<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Auf der R\u00fcckseite der kunstvollen Visitenkarte stand nur folgender Satz: <i>To jest Ede, mu pom\u00f3\u017c i niezadawaj pyta\u0144!<\/i> &#8211; <span style=\"font-size: small;\">(Das ist Ede, helft ihm und stellt keine Fragen!)<\/span><i>, <\/i>alles versehen mit seinem besonderen Signum&#8230;<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=40435\">(Wildwechsel die I.)<\/a><\/p>\n<p><strong>*So nebenbei:<\/strong>\u00a0 Eine Ostmark &#8211; 4 Tschechische Kronen(CZK), Westmark &#8211; 12 (CZK), US-Dollar &#8211; 40 (CZK) und ein halber Liter k\u00f6stliches Bier kostete 3 (CZK). .\u00a0 .\u00a0\u00a0 .\u00a0\u00a0\u00a0 .<\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\"><b>Fortsetzung <i>folcht<\/i><\/b><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>War nun bei dem durchgeknallten Bekannten untergekommen, wie sollte es aber weitergehen? Von dem Trip in Richtung \u00d6siland wurde mir abgeraten, wegen vermuteter Minen an der Grenze. Eine ganz \u00e4hnliche Auskunft gab es zwischendurch in der bundesgermanischen Botschaft, die Leute hockten damals provisorisch im \u201eEuropa Hotel\u201c am Wenzelsplatz. 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