{"id":453,"date":"2008-08-14T15:05:38","date_gmt":"2008-08-14T14:05:38","guid":{"rendered":"http:\/\/12decode.de\/zonenklaus\/wordpress\/?p=453"},"modified":"2024-08-13T21:54:38","modified_gmt":"2024-08-13T20:54:38","slug":"shit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=453","title":{"rendered":"Gestern, Thema: Mauer\/Nachtrag \u2013 HUNDESCHEISSHAUFEN IN BERLIN \u2013 ERINNERN MANCHMAL AN SACHERTORTEN"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"font-size: medium;\">W<\/span><span style=\"font-size: medium;\">as<\/span><span style=\"font-size: medium;\"> Alfred Polgar vor rund 80 Jahren ablie\u00df,<br \/>\nkann ich leicht nachvollziehen &#8211;<br \/>\nDie Fremde ist nicht Heimat geworden.<br \/>\nAber die Heimat Fremde.\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"RIGHT\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-size: medium;\">Im Restreich Deutscher Nation Ost, befand sich ab 1945, auf 13\u00b0 24\u2032 36\u2033 \u00f6stlicher L\u00e4nge und 52\u00b0 31\u2032 12\u2033 n\u00f6rdlicher Breite, eine politische Insel. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">In Teheran und Jalta von der kurzzeitigen Anti-Hitler-Zweck-Kriegs-Gemein\u00adschaft USA, Gro\u00dfbritannien und Sowjetunion gegen Nazideutschland vorbereitet \u2013 besiegelt im Sommer 1945 in Potsdam, an einem korrekten Runden Tisch des Schlosses Cecileinhof. So richtig ist mir nie klar geworden, warum anschlie\u00dfend Frankreich auch ein relativ gro\u00dfes St\u00fcck vom Kuchen Berlin und dem Reich bekam. Aber dies war einmal Politik, ist nun Geschichte und hat au\u00dfer den Franzosen eigentlich nie jemanden interessiert. <\/span><br \/>\n<a name=\"more-453\"><\/a><span style=\"font-size: medium;\">Da politische Entscheidungen oft mit Eitelkeiten zu tun haben, ferner beeinflusst werden durch eingebildete Kr\u00e4nkungen, wobei besonders Gro\u00dfm\u00e4chte anf\u00e4llig sind, taten sich die westlichen Besatzer auch im zerst\u00f6rten Marktflecken Berlin sehr schnell zusammen \u2013 nun als Koalition gegen ihren einstigen Verb\u00fcndeten aus dem Osten. Infolgedessen entstanden die so genannten \u201eWestsektoren\u201c, auf einer Fl\u00e4che von \u00fcber 400 Quadrat km, mit \u00fcber zwei Millionen Einwohnern. \u201eDer kapitalistische Coca-Cola-Sektor\u201c, wie es damals manch \u201ewitziger\u201c Politiker aus dem illegalen, sowjetzonalen Regierungssitz in Pankow, kurz und knapp formulierte. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Durch ein Missgeschick vom Klapperstorch in der SBZ <\/span><span style=\"font-size: medium;\"><b>(<\/b><\/span><em><strong><span style=\"font-size: small;\">S<\/span><\/strong><span style=\"font-size: small;\">owjetische <\/span><strong><span style=\"font-size: small;\">B<\/span><\/strong><span style=\"font-size: small;\">esatzungs<\/span><strong><span style=\"font-size: small;\">z<\/span><\/strong><span style=\"font-size: small;\">one<\/span><\/em><span style=\"font-size: small;\"><b>)<\/b><\/span><span style=\"font-size: medium;\"> abgeworfen, lernte ich sp\u00e4ter in den dortigen Schulen, dass man diese \u201eimperialistischen Sektoren\u201c mit einem Pfahl im K\u00f6rper \u201eunser Deutschn Demo\u00adkratschn Replik\u201c vergleichen konnte. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">M\u00f6glicherweise resultiert aus dieser Metapher mein eigentlich, kindliches Trau\u00adma. Weshalb ich auch immer tiefer in \u201ewestlich\/dekadente Anschauungen \u201c abglitt, und meine Phantasien dabei recht weit ins Kraut schossen. In der Umgebung Aufgeschnapptes und der Ire Bram Stoker \u00fcbten infolgedessen, einen nicht geringen Einfluss auf mich aus. Als gro\u00dfer Fan von ihm war mir schlie\u00dflich bekannt, dass nur mit Hilfe eines etwas gr\u00f6\u00dferen Zahnstochers die M\u00f6glichkeit bestand, das sch\u00e4ndliche Treiben eines Vampirs zu beenden. Indem der nach Knoblauch stinkender Held, Kreuze schlagend, jenem blutgierigen Wicht dieses angespitzte Holz in sein Herz, oder was sich sonst dort befand, hineinrammte. <\/span><br \/>\n<em><span style=\"font-size: medium;\">Hat ziemlich lange gedauert, bis dieser politische Pfahl zum Schluss die erhoffte Wirkung zeigte\u2026<\/span><\/em><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Es n\u00fctzte nicht viel, dass Dachdecker, Tischler oder sonst was f\u00fcr Hilfsarbeiter mit rasantem politischen Aufstieg in der Zone, alle Wundr\u00e4nder dieser gro\u00dfen ideologischen Verletzung immer wieder mit Unmengen von Stacheldraht flickten. So en passant wurden die Massen auf beiden Seiten von jedem und allen auch noch verschei\u00dfert. Aber ausnahmslos konnte jedermann, wenn er es nur wollte, mit seinen Komplexen und Macken hausieren gehen und sie beharrlich auf Kosten der Allgemeinheit ausleben, auf seine spezielle und bekloppte Art. Das galt f\u00fcr Ost und West, von unten nach oben und zur\u00fcck. Dieses merkw\u00fcrdige Lebensgef\u00fchl wurde gem\u00e4\u00df der Verfassung des jeweiligen Landes \u201edemokratisch\u201c garantiert und entsprechend interpretiert. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Eines Tages <\/span><em><span style=\"font-size: medium;\"><b>(<\/b><\/span><\/em><em><span style=\"font-size: small;\">Ich glaube es begann am 13. August 1961<\/span><\/em><em><span style=\"font-size: small;\"><b>)<\/b><\/span><\/em> <span style=\"font-size: medium;\">rammten uniformierte Handwerker im Osten, wohlgeformte Autobahnteile zum Trocknen in den m\u00e4rkischen Sand. Gott sei Dank, vom Westen aus betrachtet, vor den kunstvoll gekn\u00fcpften Stacheldraht. Von fast 100 englischen Landmeilen Sektorengrenze, waren Innerst\u00e4dtisch, ungef\u00e4hr 40 km aus Beton. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Allerdings habe ich so manches Mal dieses drahtige Makramee, von einer Plattform aus bewundert. Man muss es ihnen lassen, sie haben sich immer sehr viel M\u00fche gegeben. Besonders wenn nach gewisser Zeit, 101%-ige Genossen auf westlicher Seite, von einem durchschnittlich, gerade mal 2 Meter breiten Streifen DDR-Staatsgebiet aus, der Wand ein glei\u00dfendes Wei\u00df verpassten. Anschlie\u00dfend, das frisch gestrichene Mauerwerk kurz an ein erstarrtes Leichentuch erinnerte. Diese perfekte Grundierung war immer sofort Basis f\u00fcr teilweise durchgeknallte Happenings. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Zu einer Zeit, als die Ruine vom \u201eHaus Vaterland\u201c noch auf dem Potsdamer Platz stand und dort an das \u201eTempodrom\u201c noch nicht zu denken war, befand ich mich stoned in einem Rudel, das n\u00e4chtens die Mauer illuminierte. Ganz simpel, Mollies hergestellt aus Flaschen einer Feinkost-<\/span><em><span style=\"font-size: medium;\">ALDI<\/span><\/em><span style=\"font-size: medium;\">-Biersorte. Diese Teile lagen richtig geil in der Hand. Es w\u00fcrde zu weit f\u00fchren, wenn ich mich hier \u00fcber die unterschiedlichsten Flammenarten auslassen w\u00fcrde, die bei den mannigfaltigsten Wurftechniken entstanden, es war einfach genial\u2026 <\/span><span style=\"font-size: small;\"><b>(<\/b><\/span><em><span style=\"font-size: small;\">Scheinbar in weiser Voraussicht wurde dem Beton deshalb Unmengen von Asbest zugesetzt.<\/span><\/em><span style=\"font-size: small;\"><b>) <\/b><\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Fast eine halbe Stunde dauerte es, bis alle m\u00f6glichen westlichen Uniformtr\u00e4ger unser pyromanisches Treiben ruckartig beendeten, angef\u00fchrt von englischer Milit\u00e4rpolizei. Denn Westberliner Polizei durfte unmittelbar vor der Mauer keine Ma\u00dfnahmen ergreifen, sie bet\u00e4tigten sich bis zum Schluss nur als B\u00fcttel der Alliierten. <\/span><br \/>\n<em><span style=\"font-size: medium;\">An einen schizophrenen Aufruf des DGBs, kurz nach dem Mauerbau, m\u00f6chte ich hier auch noch erinnern: \u201eWer im Westen mit der Ostzonalen S-Bahn f\u00e4hrt, der finanziert Ulbrichts Stacheldraht\u201c. Vielleicht war es wirklich nur die Unwissenheit der Gewerkschaftsfunktion\u00e4re, denn jener Spruch war nicht koscher. Schlie\u00df\u00adlich tat jeder Bahnfahrer damals etwas f\u00fcr die Erhaltung von Arbeitspl\u00e4tzen in den Stahlwerken von NRW. <\/span><\/em><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Zu meinen Ostzeiten raffte ich es nie, wenn mir gegen\u00fcber irgendwelche Flachzangen ablie\u00dfen, der \u201eAntifaschistische Schutzwall\u201c sei auch zu \u201e<\/span><em><span style=\"font-size: medium;\">meiner<\/span><\/em><span style=\"font-size: medium;\"> Sicherheit\u201c errichtet worden. Erst nach meiner \u00dcbersiedlung \u2013 in Westberlin habe ich geschnallt was damit gemeint war \u2013 aber scheinbar wieder alles falsch verstanden. Von der westlichen Seite gab dieser Spruch mir pl\u00f6tzlich einen Sinn. Die Floskel stimmte. Richtig, zu <\/span><em><span style=\"font-size: medium;\">meinem<\/span><\/em><span style=\"font-size: medium;\"> Schutz! Die Mauer hielt mir jahrelang die Leute vom Hals, wegen denen ich als Ableger eines Stalinistischen Rotk\u00e4ppchens schon mit 14 Jahren das erste Mal versuchte in den West zu gelangen. Nur gut, dass ich es elf Jahre sp\u00e4ter nochmals probierte. Denn dadurch war es mir verg\u00f6nnt, von den 10043 Tagen Trocknungszeit der senkrecht stehenden Zonen-Autobahn, wenigstens die letzten rund 700 Wochen, vom 23. Oktober 1975 bis zum 9. November 1989, auf der bunten Seite jener Betonplatten, in der drittgr\u00f6\u00dften t\u00fcrkischen Stadt <\/span><span style=\"font-size: medium;\"><b>(<\/b><\/span><em><span style=\"font-size: small;\">Was w\u00fcrde<a href=\"https:\/\/www.tripadvisor.at\/ShowUserReviews-g274725-d7949249-r267488263-Jan_III_Sobieski_Monument-Gdansk_Pomerania_Province_Northern_Poland.html\"> Jan Sobieski<\/a> heute dazu sagen?<\/span><\/em><span style=\"font-size: small;\"><b>)<\/b><\/span> <span style=\"font-size: medium;\">den absterbenden Kapitalismus zu genie\u00dfen. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Es war ein langsamer, aber ein sehr sch\u00f6ner Tod \u2013 der bedauerlicherweise abrupt beendet wurde\u2026 <\/span><br \/>\n\u2026<span style=\"font-size: medium;\">auch durch solche Nasen aus der \u201eHeldenstadt\u201c Leipzig, die mir Mauer und Zaun auf Distanz hielten. Jene, die dann montags durch die Strassen torkelten, irgendwelchen Bl\u00f6dsinn kr\u00e4hten und sich an riesige Transparente klammerten. Auf einer dieser mobilen Schlagagitation hatten ehemalige Genossen folgenden Spruch gepinselt, den ich bezeichnend fand! Zu dem mir allerdings nichts mehr einfiel, der da lautete: <b>\u201eLieber Helmut nimm uns an die Hand und f\u00fchr uns in Dein Wirtschaftswunderland.\u201c<\/b><\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Zugegeben, in jener Zeit gab es schon \u00fcberall sehr breite Schneisen die <\/span><em><span style=\"font-size: medium;\">bei ALDI<\/span><\/em><span style=\"font-size: medium;\"> f\u00fchrten\u2026<\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was Alfred Polgar vor rund 80 Jahren ablie\u00df, kann ich leicht nachvollziehen &#8211; Die Fremde ist nicht Heimat geworden. 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