{"id":45934,"date":"2026-11-03T20:42:09","date_gmt":"2026-11-03T19:42:09","guid":{"rendered":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=45934"},"modified":"2026-11-05T01:16:27","modified_gmt":"2026-11-05T00:16:27","slug":"ostzeit-geschichten-aus-einem-vergangenen-land","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=45934","title":{"rendered":"OSTZEIT &#8211; Geschichten aus einem vergangenen Land"},"content":{"rendered":"<p><i><a href=\"https:\/\/ausstellungen.ostkreuz.de\/detail\/ostzeit\/\">Sibylle Bergemann, Harald Hauswald, Ute Mahler, Werner Mahle<\/a>r &#8211; vier der bekanntesten ostdeut\u00adschen Fotograf:innen, und Maurice Weiss \u2013 alle Mitglieder der Agentur OSTKREUZ \u2013 zeigen in ungesch\u00f6nten und zugleich sensiblen Bildern den Alltag und die Menschen in der DDR jenseits der sozial-realistischen Wunschwirklichkeiten. Durch ihre Offenheit und pers\u00f6nliche Sichtweise erm\u00f6g\u00adlichen die Bilder einen authentischen Blick auf den Osten Deutschlands \u2013 und sind eine Auseinan\u00addersetzung mit einer Realit\u00e4t, die bis in die Gegenwart nachwirkt. <\/i><br \/>\nMuss aber noch jemand erw\u00e4hnen: <a href=\"https:\/\/www.gundula-schulze-eldowy.com\/\">Gundula Schulze Eldowy<\/a><br \/>\nGut, sie geh\u00f6rte nicht zu <i>OSTKREUZERN, <\/i>aber sie ist unbedingt erw\u00e4hnenswert!<br \/>\nBei ihr kommt noch hinzu, abgesehen davon, dass Madame die Geschehnisse der Zone, fast zeitgleich wie Hauswald ablichtete. Allerdings ist mir dazu aber auch ihre geschlechtsspezifische Betrachtungsweise aufgefallen.<br \/>\nAllerdings bin ich in jener Richtung vorbelastet gewesen, war jahrelang ein dauernder Besucher vom <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Das_Verborgene_Museum\">VERBORGENEN MUSEUM<\/a>, nebenher wurden von mir auch ganz unterschiedliche handwerkliche T\u00e4tigkeiten dort ausgef\u00fchrt.<!--more--><br \/>\nEine andere Kleinigkeit ist auch erw\u00e4hnenswert, da im Hinterhaus auch noch <a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/zonenklaus\/albums\/72157693033939592\">Helga Goetze<\/a> wohnte. Dabei handelte es sich allerdings um etwas andersgeartete Besuche, wobei meine Mitg\u00e4nger aller\u00addings, besonders Leutchen aus der Schweiz und dem \u00d6siland, hinterher immer total platt waren.<br \/>\nEtwas anderes fiel mir auch noch ein.<br \/>\nIrgendwann kam der Anruf von einem Bekannten, dass mittlerweile jenes riesige Brauerei-Areal, welches zu einem Kulturtempel umgemodelt werden soll, nun vollkommen leer stand. Allerdings noch ein ehemaliger Heizer dort herumhing. Wenn ich Lust h\u00e4tte, w\u00fcrde ich nach Anmeldung dort pl\u00fcndern k\u00f6nnen. Dar\u00fcber durfte ich gegen\u00fcber der Scheffin, nat\u00fcrlich kein Wort verlieren! Zumal mir im Haus drei Kellerr\u00e4ume geh\u00f6rten, so um die 50 Quadratmeter&#8230;<br \/>\nMachte mich irgendwann zu dem Heizer auf, ein \u00e4lterer Typ, aber mit einem sehr hellen K\u00f6pfchen, der auch f\u00fcr s\u00e4mtliche dortigen R\u00e4umlichkeiten die Schl\u00fcssel besa\u00df. Tauchte dort erstmalig mit meinem Drahteseln, nebst drei entsprechenden Sixpack auf und dr\u00fcckte der Handwerker zur Begr\u00fc\u00dfung einen L\u00fcbecker in seine Flosse.<br \/>\nNach mehreren Stunden kannte ich nun fast s\u00e4mtliche Gegebenheiten, allerdings nur bis zu den zweiten Keller\u00e4umen, da der Rest abgesoffen war, allerdings sollte alles 8 Keller-Stockwerke ha\u00adben. Denn in den riesigen ganz unteren R\u00e4umlichkeiten wurde ges\u00e4gtes Eis von den Berliner Ge\u00adw\u00e4ssern aufbewahrt, welches Rudel von Bauern dort ablieferten.<br \/>\nDen folgenden Tag tauchte ich solo mit unsrem <i>Opel Kadett Kombi <\/i>dort auf, pl\u00fcnderte nur in der K\u00fcche und dem Speiseraum&#8230;<br \/>\nNicht nur Geschirr, massenhaft verpackte Bestecke und \u00e4hnliches Inventar, dann f\u00fcr polnische Freunde Werkzeuge aller m\u00f6glichen Arten&#8230;<br \/>\nMit zwei Kumpels waren wir dann fotografisch zugange, dies zog sich anderthalb Wochen hin. Die beiden ersten Tage wurde allerdings sehr wenig fotografiert und nur mit Taschenlampen \u00fcberall herum geschnakert. Das gesamte Brauereigel\u00e4nde ist unterkellert und nach dem Krieg galt alles nur noch zu irgendwelchen Unterstellm\u00f6glichkeiten. Die letzten Jahre waren R\u00e4ume nur noch ein M\u00f6\u00adbellager.<br \/>\nUnser Scheff hatte allerdings etwas Bammel, da wir vom Keller bis zu s\u00e4mtlichen D\u00e4chern herum stromerten. Was gab es da alles &#8211; massenhaft R\u00e4ume f\u00fcr diverse Handwerker, Pferdest\u00e4lle, Scheu\u00adnen und immer konnte man etwas weg finden&#8230;<br \/>\nWitzig sahen die gewaltigen Kellerr\u00e4ume aus, dort gab es keine Feuchtraumkabel und Lampen mehr. S\u00e4mtliche riesigen Motore, Schaltschr\u00e4nke und Kreiselpumpen aus Rotguss waren zerd\u00f6p\u00adpert. Nirgendwo fand man auch nur die kleinste Mengen an Kupfer, Messing, Pumpenteile und an\u00adderes brauchbares Zeug&#8230;<br \/>\nJene Demontage wurde laut Strafgesetzbuch unter der Rubrik abgehandelt: <b>Diebstahl zum Nach\u00adteil von sozialistischem Eigentums! <\/b>Die entsprechende Belohnung f\u00fcr weggefundene Materialien begann mit mindesten zwei Totensonntage in der Braunkohle<b>!<\/b><br \/>\nAuf der anderen Seite gab es ja den kollektiven Spruch: <b>Wenn alle klauen, fehlt keinem etwas! <\/b><br \/>\nEine tierische Beobachtungen konnte man ansehen, zwei oder drei Zentimeter Staub lag auf den B\u00f6den und nur an den W\u00e4nden sah man, vielleicht 20 Zentimeter breit, die Rennspuren der Ratten!<br \/>\nWas Hauswald mit seinen Ablichtungen vom <i>Passagekaufhaus<\/i> t\u00e4tigte, dem ehemaligen <i>Tacheles, <\/i>erledigten wir mit der Brauerei. Wei\u00df gar nicht, wie viel S\/W-Neagtive und Dias damals produziert wurden&#8230;<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.radiodrei.de\/programm\/schema\/sendungen\/radio3_am_nachmittag\/archiv\/20261028_1600\/radio3_aktuell_1640.html\">Harald Hauswald: &#8220;KaDeO &#8211; Kaufhaus des Ostens<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.rbb-online.de\/rbbkultur-magazin\/archiv\/20261031_1830\/tacheles-kunsthaus-ddr-brd-geschichte-fotoband-kaufhaus-des-ostens-harald-hauswald.html\">Symbol f\u00fcr das Leben in der DDR<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.rbb-online.de\/abendschau\/videos\/20261101_1930\/fotoband-ueber-kaufhaus-des-ostens.html\">Ein Fotoband \u00fcber das &#8220;Kaufhaus des Ostens&#8221;<\/a>;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sibylle Bergemann, Harald Hauswald, Ute Mahler, Werner Mahler &#8211; vier der bekanntesten ostdeut\u00adschen Fotograf:innen, und Maurice Weiss \u2013 alle Mitglieder der Agentur OSTKREUZ \u2013 zeigen in ungesch\u00f6nten und zugleich sensiblen Bildern den Alltag und die Menschen in der DDR jenseits der sozial-realistischen Wunschwirklichkeiten. 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