{"id":492,"date":"2008-08-20T09:12:58","date_gmt":"2008-08-20T08:12:58","guid":{"rendered":"http:\/\/12decode.de\/zonenklaus\/wordpress\/?p=492"},"modified":"2022-02-19T09:45:14","modified_gmt":"2022-02-19T08:45:14","slug":"wembley","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=492","title":{"rendered":"WEMBLEY &#8211; Fr\u00fchjahr &#8217;77"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: medium;\">Zur Erinnerung!\u00a0 <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Um 1974 im Osten, dem ersten Schlaraffenland aller Arbeiter und Bauern auf deutschem Boden, bei 21 Tagen Grundurlaub, drei Wochen Urlaub zu machen, wurden die sowieso <\/span><em><span style=\"font-size: medium;\">arbeitsfreien<\/span><\/em><span style=\"font-size: medium;\"> Samstage hinzugerechnet.<br \/>\nDrei Jahre sp\u00e4ter, nun bereits ein Jahr in der ber\u00fchmten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Accumulatorenfabrik_Sonnenschein\"><em>Firma Sonnenschein<\/em><\/a><\/span><em><span style=\"font-size: medium;\">, <\/span><\/em><span style=\"font-size: medium;\"><em>im tiefsten Sumpf des Kapitalismus&#8217;\u00a0<\/em> und deren, dort <em>herrschenden Wolfsgesetze,<\/em> gab es mit drei Tagen <\/span><em><span style=\"font-size: medium;\">Erschwernis<\/span><\/em><span style=\"font-size: medium;\"> &#8211; 30 Tage zur <\/span><em><span style=\"font-size: medium;\">Regenerierung<\/span><\/em><span style=\"font-size: medium;\"> &#8211; was vollen sechs Wochen entsprach<\/span><em><span style=\"font-size: medium;\">.<\/span><\/em><span style=\"font-size: medium;\"> Mir reichte diese Zeit f\u00fcr einen Trip auf die immergr\u00fcne Insel nicht, ich wollte noch zwei Wochen unbezahlt, was aber nicht machbar schien. Zu eben dieser Zeit gab es allerdings in der Firma Kurzarbeit, dass hie\u00df, t\u00e4glich musste ein Kollege aus der Abteilung zu Hause bleiben. Nun kam mein listiges Proletenhirn zu dem Ergebnis, f\u00fcr alle Mitarbeiter diese <em>schrecklichen, arbeitslosen Tage<\/em> zu \u00fcbernehmen, was t\u00e4glich zwischen 50 bis 80 Mark Netto weniger in der Lohnt\u00fcte ausmachten. Mein Vorhaben rief nicht ge\u00adrade Begeisterungsst\u00fcrme hervor, weder bei der Gesch\u00e4ftsleitung, noch bei den betroffenen Kollegen, vom Betriebsrat ganz zu schweigen.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Allen begann ich auf den Senkel zu gehen, schlie\u00dflich gab mein Meister un\u00adter der Bedingung auf, wenn alle Kollegen mit meinem Plan einverstanden w\u00e4ren und der Rest sollte mit der Gewerkschaft abgekaspert werden. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Schlie\u00dflich fanden es fast alle O.K, bis auf <\/span><em><span style=\"font-size: medium;\">Hammerkarl<\/span><\/em><span style=\"font-size: medium;\">. Mit selbigen lag ich seit geraumer Zeit schr\u00e4g, wegen eines Kuckuckseis an dem ich mich beteiligt hatte. <\/span><br \/>\n<em><span style=\"font-size: medium;\">Pille<\/span><\/em><span style=\"font-size: medium;\"> war auf diese Idee gekom\u00admen, weil er irgendwann, an seine Fr\u00fchschicht noch acht Stunden dranh\u00e4ngen musste. Wir pappten eine Blechtafel von 1,5 mal einem Meter \u00fcber Karls Arbeitsplatz. Befestigten das Teil mit Schwerlastd\u00fcbeln an der Betonwand und schwei\u00dften zus\u00e4tzlich die Schrauben noch am Blech fest. Von mir stammte die fein s\u00e4uberliche Frakturschrift darauf: <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\"><i>Es trinkt der Mensch, es s\u00e4uft das Pferd.<\/i><\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\"><i>Doch Hammerkarl machts umgekehrt!<\/i><\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Schlie\u00dflich gab der alte Suffsch\u00e4ddel, der immer wieder seiner gr\u00f6\u00dften Zeit bei der LAH <\/span><em><span style=\"font-size: small;\"><b>(<\/b><\/span><\/em><em><span style=\"font-size: small;\">f\u00fcr Nichtwissende &#8211; <\/span><\/em><strong><span style=\"font-size: small;\">L<\/span><\/strong><em><span style=\"font-size: small;\">eibstandarte <\/span><\/em><strong><span style=\"font-size: small;\">A<\/span><\/strong><em><span style=\"font-size: small;\">dolf <\/span><\/em><strong><span style=\"font-size: small;\">H<\/span><\/strong><em><span style=\"font-size: small;\">itler<\/span><\/em><em><span style=\"font-size: small;\"><b>)<\/b><\/span><\/em><span style=\"font-size: medium;\"> nachtrauerte, auch das Einverst\u00e4ndnis. Stotternd, wie immer, wenn ihn etwas aufgeregte: <em>Duh, duh St\u00fcck Sah-sah-sachsenschei\u00dfe, duh! Du halber Ruh-ru-russe! Icke will dir ja nich im Weje stehn, weh-wenn du einem unserer Verb\u00fcndeten ah-aus dem ersten Krieg einen Beh-besuch abstatten willst&#8230;<\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Von <\/span><em><span style=\"font-size: medium;\">Pille<\/span><\/em><span style=\"font-size: medium;\">, dem stellvertretenden Betriebsratsknecht erfolgte noch das letzte Wort. Schlie\u00dflich trete die IG-Metall daf\u00fcr ein, Arbeitspl\u00e4tze zu erhalten und sollte nicht Urlaubsgeilen Ostlern bezahlte Kurzarbeitstage zuschanzen, so als verl\u00e4ngerten Urlaub. Als Gewerkschafter gab ich ihm sogar Recht und beim n\u00e4chsten Billard\u00adtermin ein gro\u00dfes Bier nebst Wodka aus. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">So konnte ich schlie\u00dflich Ende April 1977, nach sechs Wochen Irland und anschlie\u00dfenden zwei in Wales, feststellen dass sich die Ebene auf der ich mich nun bewegte, m\u00e4chtig verschoben hatte. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Da reichte es ein paar Jahre vorher noch aus, wenn ich auf dem Heimtramp, nachts im finstersten Halle\/Saale fest hing, und mir sogar die 4 Mark 80 f\u00fcr die R\u00fcckfahrt fehlten, am n\u00e4chsten Morgen im Zug den Schaffner zu bitten, mir ein Ticket auszuh\u00e4ndigen, das dann wenig sp\u00e4ter in Sangerhausen bezahlt wurde. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">In Westeuropa war dann immer ein Euroscheck meine eiserne Reserve, wenn es mit dem Daumen partout nicht weiter ging. Dieses Bankpapierchen n\u00fctzte ei\u00adnem allerdings auch nicht viel, wenn man sich beim Ausf\u00fcllen zu bl\u00f6de anstellt, wie es mir in Wales erging. Dieser faux pas unterlief mir in Bangor auf einer Bank. Wieder einmal hatte ich seit Monaten meine Unterschrift ver\u00e4ndert und es vergessen. Jener Krakel auf dem Scheck war deshalb nicht mit dem im Ausweis identisch, worauf mir logischer Weise kein Geld ausgezahlt wurde. Knapp kalku\u00adliert schien die restliche Barschaft noch bis Dover \u00fcber Liverpool zu reichen. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">In der N\u00e4he von Bir\u00admingham, lie\u00dfen mich ein Wust von Schnellstra\u00dfen und Autobahnen schier ver\u00adzweifeln, also bis zur Hauptstadt in den Zug. <\/span><span style=\"font-size: medium;\">Anfangs in dieser Gegend, vielleicht auf 20 oder 30 Kilometern, rechts und links der Bahnstrecke ewig Industrieruinen auch aus dem letzten Jahrhundert&#8230; <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">In London wollte ich bei dem jungen Landlord ei\u00adnes Inders, den ich w\u00e4hrend meiner Tramptour in Irland kennen lernte, \u00fcber\u00adnachten, der Typ sollte spottbillig seinen Wohnwagen vermieten. Als ich zu sp\u00e4ter Stunde im Ortsteil Wembley endlich das Haus fand, schlug Murphy zu. Im Garten nirgendwo ein Campingwagen, allerdings die Mini-Rasen\u00adfl\u00e4che vom Rangieren total hin\u00fcber und in der Ausfahrt frische Radspuren. Mein Be\u00adkannter allein im Haus, wollte mich berechtigter Weise dort nicht n\u00e4chtigen lassen. So als Entsch\u00e4digung kam die Offerte zu einigen Pints in einem Nobelrestaurant. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Wieder auf der Stra\u00dfe, begann er mit sich zu hadern, denn es nieselte. Davon befreite ich ihn, als wir an einem Hinweisschild zum Stadion vorbei kamen und ihm kundtat, dort eine Penne zu suchen. Kurz darauf, just in dem Moment, als es, wie die Briten sich auszudr\u00fccken pfle\u00adgen, <i>Katzen und Hunde<\/i> regnen begann, leuchtete auf der anderen Stra\u00dfen\u00adseite das schummerig Entree eines kleinen Hotels auf, nichts wie r\u00fcber.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Mist, nirgends eine Klingel zu finden, also laut an den T\u00fcrfl\u00fcgel po\u00adchen. Drinnen tat sich nichts, auch nicht, vom Ger\u00e4usch der wummernden F\u00e4uste, allerdings ging dabei langsam das Portal auf. Drinnen, vor dem Counter nahm ich auf meinem Rucksack Platz und begann zu rauchen. Anschlie\u00dfend er\u00adfolgten weitere Versuche mich bemerkbar zu machen, durch Rufen und klopfen auf die Schlagklingel am Tresen, nicht r\u00fchrte sich. Nun wurde mir alles Schei\u00df\u00adegal, ich wollte nur noch ratzen. Z\u00fcndete noch einen Glimmer an und begann rum zuschnankern, gewahrte dabei hinter der Anmeldung eine Kellertreppe und kam auf die Idee, einfach runter zu gehen um mich dort breit zu machen. Egal was sp\u00e4\u00adter geschehen w\u00fcrde, aber die T\u00fcr war verschlossen. Als ein weiterer Versuch scheiterte, mich bemerkbar zu machen, erfolgten weitere Erkundungen. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Ebener\u00addig, hinter der linken T\u00fcr befand sich ein kleiner Speisesaal. Gegen\u00fcber an der Stirnseite des Raumes, in einer Zieharmonikaholzwand noch ein Zugang, hinter der sich das gleiche Mobiliar wie im ersten Raum befand. Allerdings waren die Fensternischen mit dicken Stores verhangen und diese gemauerten Ausbuch\u00adtungen waren so gewaltig, dass man dort ohne weiteres auf einer Matte pennen konnte, ohne gleich gesehen zu werden, falls jemand den Raum betrat. In k\u00fcrze\u00adster Zeit wurde das Nachtlager gerichtet. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Ich musste wie ein Stein geschlafen haben, als es drau\u00dfen bereits hell war, ert\u00f6nte Stimmengewirr aus dem vorderen Speiseraum und alle m\u00f6glichen anderen Ger\u00e4usche, die G\u00e4ste so veranstalteten, wenn sie sich das Fr\u00fchst\u00fcck einverleiben. Hinzu kamen gigantische Ger\u00fcche die umherwaberten. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Mit einem flauen Gef\u00fchl in der Magengegend, nicht nur wegen des Kohldampfes der sich einstellte, brach ich lautlos meine Zelte ab. Zog leise den Store etwas beiseite, platzierte den Rucksack an der T\u00fcr, hockte mich an einen Tisch und harrte der Dinge die da kommen sollten. Im Nachbarraum wurde es langsam immer ruhiger, es schienen dabei Stunden vergangen zu sein, was ich aber nicht korrekt nachvollziehen konnte, da meine Taschenzwiebel nachts den Dienst versagte. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Endlich trat Ruhe ein, au\u00dfer dem leichten Ger\u00e4uschpegel aus dem Vorraum, am Counter. Nun war es an mir, mich startklar zu machen. Rich\u00adtete oben mit meinem zweigeteilten, f\u00fcnfzinkigen Kamm die langen Fusseln, striegelte notd\u00fcrftig den Bart und drapierte anschlie\u00dfend die Baskenm\u00fctze auf dem Haupt. Zupfte <i>ordentlich<\/i> die Hosenbei\u00adne der Jeans in den Springerstiefeln zurecht, kroch in den Parka, nahm einen tie\u00adfen Zug Whiskey, <i>irischen Paddy<\/i>, schob mir einen Riegel Kaugummi hinter die Kiemen, schulterte salopp meinen Rucksack &#8211; dabei kroch aber m\u00e4chtiger Bammel in mir hoch. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Wie sollte ich den Raum betreten? <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Vorsichtig die T\u00fcr \u00f6ffnen oder alles forsch laufen lassen? <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Also doch die zweite Variante! <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Schlie\u00dflich war es bei mir immer schon Gang und Gebe, illegal in niedlichen, kleinen englischen Hotels zu \u00fcbernachten. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Also tief Luft geholt und durch&#8230;<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Versucht l\u00e4ssig ging es an, trat aber keine zwei Schritte in den Raum, noch nicht mal die Klinke losgelassen und erschrak pl\u00f6tzlich, wie selten in meinem Leben. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Hinter dem halbge\u00f6ffneten T\u00fcrfl\u00fcgel sprang jemand erschrocken auf, als er meiner ansichtig wurde, wobei der Stuhl krachend umschlug und br\u00fcllte mit \u00fcberschlagender Stimme, als ob ihm der Leibhaftige erschienen war. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Bruchteile von Sekunden ging bei mir nichts mehr, dann kam es langsam. Da stand ein hutzliges, am ganzen Leib zitterndes altes Weib. Zu erst nahm ich von Gesicht und Hals, nur fettige, bepapp\u00adte Falten war, ein riesiges Maul und drinnen ein vibrierendes Z\u00e4pfchen, nebenher dieses infernalische Gekreische. Bes\u00e4nftigend hob ich meine H\u00e4nde, unge\u00adschickter weise rutschte dabei mein Rucksack runter und knallte ihr vor die F\u00fc\u00dfe. Was die Verr\u00fcckte veranlasste, nach hinten zu torkeln, gegen den Tisch zu knallen und noch etwas nachzulegen mit der Laut\u00adst\u00e4rke. W\u00e4hrend ich mich nach dem Reisesack b\u00fcckte und mit der verbleibenden Hand Beschwichtigungsversu\u00adche unternahm, kam mir kurz der Gedanke meine beiden H\u00e4nde zu etwas ande\u00adren zu gebrauchen. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">In diesem Moment wurde mir schlagartig klar, das es Individu\u00aden gab, die in solch einem Fall jemanden den Hals umdrehen mussten. Gott noch mal, wo nahm diese Vettel ihre Energie nur her? Den Rucksack schon wieder ge\u00adschultert und ein paar Schritte von ihr entfernt, wurde sie immer wieder lauter wenn ich mich nur nach ihr umdrehte. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Nun kam mir endlich, wer da so infernalisch sang, die Braut musste eine ziem\u00adlich alte Amerikanerin sein. Ihre d\u00fcnnen Beinchen steckten in unf\u00f6rmigen Lat\u00adschen, der K\u00f6rper wurde von einem gesteppten, schweinchenrosafarbigen Mor\u00adgenmantel umh\u00fcllt. Riesige, knallrote Krallen und unf\u00f6rmigen Klunker zierten die pergamentenen Finger. In den grauen Haaren steckten viele, nun etwas aus der Form geratene Lockenwickler. Als ich das letzte Mal zu dem hysterischen Weib blickte, hatten ihre Ohren und sichtbare Teile des Gesichtes schon eine ge\u00adf\u00e4hrliche R\u00f6tung angenommen, die mehr ins violette tendier\u00adten. Mit dieser Birne w\u00e4re sie glatt als Werbegag, f\u00fcr <i>Mag Light<\/i> oder <i>Osramgl\u00fchbirnen<\/i> durchgegangen. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Nun war es an mir, mich darauf zu konzentrieren, was sich im vorderen Teil des Speisesaales und an der Rezeption abspielte. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Nie w\u00e4re ich auf die Idee gekom\u00admen, dass sich so viele Menschen in solch einem kleinen Hotel aufhalten k\u00f6nnten. Bestimmt an die 40 Leute glotzten mich an, wie in Bayreuth den Siegfried, aller\u00addings niemand ausgesprochen feindlich, einige grinsten dabei recht unversch\u00e4mt.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Jetzt lag es an mir, erst mal etwas auf bedeppert zu mimen, nichts verstehen vor\u00adgeben, um langsam wieder Oberwasser zubekommen. Ein schm\u00e4chtiger Mann, in feinen Zwirn gekleidet, ungef\u00e4hr in meinem Alter, En\u00adde 20, versuchte gleichzeitig auf mehreren Hochzeiten zu tanzen. Gab mir zu ver\u00adstehen, am Tresen der Rezeption auf ihn zu warten, w\u00e4hrend er die nun endlich verstummte G\u00e4stin tr\u00f6stete und sehr feinf\u00fchlig hinaus komplimentierte. Gleich\u00adzeitig versuchte die Menschenmasse im Vorraum durch Handbewegungen und sanfte Spr\u00fcche zu vertreiben. Gleichzeitig eine \u00e4ltere umher\u00adwuselnde Dame bes\u00e4nftigte, die unentwegt nach der Polizei rufen wollte, bei der es sich um die Chefin und Mutter handelte, wie sich bald herausstellte. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Als wir uns endlich zu dritt, im geschlossenen Speisesaal wieder fanden, kam f\u00fcr mich eine Lehrstunde an englischen Umgangsformen. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Freundlich steif stellte der junge Mann sich und Mutti vor, nebenbei fischte er unbemerkt einen Aschenbecher, denn ich hielt mich schon wieder an einer Fluppe fest. Ihn irritierte etwas die Tatsache, dass ich partout nichts zu verstehen schien. In feinstem Englisch, mit einer K\u00f6rpersprache, die der von Louis Tren\u00adker in keinster Weise nachstand, versuchte er herauszubekommen, weshalb ich im Gegensatz, wie er es normalerweise gew\u00f6hnt war, morgens mit Rucksack aus dem hinteren Speisesaal in Richtung Rezeption bewegte. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Schlie\u00dflich gelang Junior, Mutti zu beruhigen. Die alte Dame kam absolut <a href=\"https:\/\/de.pons.com\/%C3%BCbersetzung\/englisch-deutsch\/posh\"><em>posh<\/em><\/a> daher, plauderte in ihre Muttersprache, wie ich es aus Kindheitstagen nur bei den Sprachkursen der BBC erlebte. Deshalb verstand ich fast alles. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Die Seniorchefin versuchte zum Schluss nochmals ihren Sohn zu bewegen, dass er wenigstens meinen Rucksack auf Diebesgut kontrollieren sollte. Was er mir peinlich ber\u00fchrt darbrachte. Ich kam seiner Aufforderung nach und begann mein knirsch gepacktes Reiseutensil vor ihm auszubreiten, schlie\u00dflich verzichten sie auf die g\u00e4nzliche Kontrolle. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Es schien gelaufen, da wollte die Alte wenigstens noch einen Blick in meinen Pass werfen und alles begann von vorn. Dieses kleine gr\u00fcne Ding, was ich ihr in die Hand dr\u00fccken wollte, lehnte sie angewidert ab, den <i>Berliner Behelfsm\u00e4\u00dfigen Personalausweis, <\/i>ihr auch vollkommen unbekannt war. Sofort brachte sie wieder die Polizei ins Spiel. Nur gut, in diesem kleinen Teil gab es ja einen Hinweis in Englisch, schlie\u00dflich schienen F\u00fchrerschein und Scheckkarte sie halbwegs zu \u00fcberzeugen. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Beide begleiteten mich dann an die Eingangst\u00fcr, wobei Mutti im Vorraum stehen blieb, mich nur mit kurzem Nicken verabschiedete, sie schien die Welt nicht mehr zu verstehen. Ihr Sohn entlie\u00df mich mit einem H\u00e4ndedruck, <\/span><em><span style=\"font-size: medium;\">&#8220;Es war nett ihre Bekanntschaft gemacht zu haben, f\u00fcr die \u00dcbernachtung berechne ich heute nichts. F\u00fcr die n\u00e4chste Zeit sind sie uns ein willkommener Gast, aber dann mel\u00adden sie sich bitte wie alle an\u00adderen G\u00e4ste an der Rezeption an! Ich w\u00fcnsche ihnen einen weiteren angenehmen Aufenthalt in unserem Land.&#8221;<\/span><\/em><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Die letzten beiden Tage meines Aufenthaltes im U.K. sind schnell erz\u00e4hlt. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Kurz kam ich noch in Konflikte mit mir, beim Anblick eines Posters. An bewusstem Tage sollte im Wembley-Stadion jene kalifornische Gruppe auftreten, die <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ERrwjR4ZlfI\"><i>Jan &amp; Dean<\/i><\/a> so geil abkupferten und im \u00e4hnlichen Stil eigene Sachen verzapften. Die\u00adses Problem erledigte sich aber von selbst, als ich in Soho, in einer Pizzeria mit bekam das es wieder zu sch\u00fctten begann. Also, nix <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=wREBD2og5iY\"><i>Beach Boys<\/i><\/a>, sondern f\u00fcrs letzte Geld ein Ticket nach Dover erstanden. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Wie sollte ich aber von der Insel runter, deshalb war am F\u00e4hrhafen nach Calais wieder Kreativit\u00e4t gefordert. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">In der Warteschlange guckte ich mir ein sehr junges P\u00e4rchen aus, von ihrer Rostlaube schloss ich auf eine bestimmte Lebenseinstellung, nebst Verst\u00e4ndnis f\u00fcr mein Problem. Bei dem Typen setzte ich, was Men\u00adschenkenntnis anging, total aufs falsche Pferd. Es schien sich bei ihm um einen modisch gestylten Freizeithippie aus dem Bonner Raum zu handeln, au\u00dferdem auch noch Fan von ZDF-XY-Zimmermann: <\/span><em><span style=\"font-size: medium;\">Man h\u00f6rt und liest ja so viel&#8230;<\/span><\/em><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Dabei war mein Anliegen vollkommen risikofrei, allerdings mit leichtem Aufwand ver\u00adbunden. Alles klappte doch noch, was ich seiner Freundin verdankte. Das Paar sollte meinen Rucksack, worin er Drogen vermutete, mit auf den Kahn nehmen, aber, wenn ich nicht kurz vor Ab\u00adfahrt an Deck erschien, sie ihn mir wieder runter auf die Pier schmei\u00dfen sollten. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Nur gut, dass es sich beim englischen K\u00f6nigshaus um die Hannoveraner Linie und nicht die Preu\u00dfische handelt. Die Genossen von der Pass- und Zollkontrolle schienen andere Sorgen zu haben, als friedliche Leute neugierig wegen ihrer Papiere zu bel\u00e4stigen. Aufs Schiff gelangte ich in mitten einer lustigen Meute belgischer Jugendlichen, in dem Chaos gaben die genervten Uniformtr\u00e4ger sehr schnell ihre Versuche des Nachz\u00e4hlens auf. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Gro\u00dfe Freude kam beim Chefhippie auf, als er mich endlich gewahrt, entschuldigte sich sofort wegen seiner kurz vorher ge\u00e4u\u00dferten Vorbehalte: S<\/span><em><span style=\"font-size: medium;\">ie wissen doch&#8230; Au\u00dferdem gibt es f\u00fcr solchen Fall, wie den ihrigen, Botschaf\u00adten und Konsulate&#8230;<\/span><\/em><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Ihn beeindruckte dann doch, dass es wirklich m\u00f6glich schien, solche Institutionen nicht in Anspruch zu nehmen. Sein schlechtes Gewissen daraufhin oder sonst was, kam mir dann doch sehr gelegen. Anschlie\u00dfend auf See wurde ich regelrecht gen\u00f6tigt mir meine Wampe bis zum Abwinken, mit K\u00f6stlichkeiten aus ihrem Picknickkorb voll zuschlagen. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Einschlie\u00dflich des sp\u00e4teren Lifts nach Aachen, empfing mich der Kontinent sehr lustig, allerdings versp\u00fcrte ich keine Lust weiter zu trampen. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Deshalb rief ich vom Bahnhof aus <\/span><em><span style=\"font-size: medium;\">S. an<\/span><\/em><span style=\"font-size: medium;\">, die aus der Domstadt stammende, kleine, dickbr\u00fcstige, in Berlin <em>stupidierende <\/em>Fabrikantentochter, als politisch bewegte Langzeitstudentin vermutete ich sie zuhause, dem war auch so&#8230;<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Sie organisierte sofort eine konspirative Geld\u00fcbergabe. Innerhalb k\u00fcrzester Zeit tauchte ein Freund von ihr auf und \u00fcberreichte mir eine<a href=\"https:\/\/www.ma-shops.de\/pollandt\/item.php?id=64288\"><em> blaue Fliese<\/em><\/a> f\u00fcr das Bahnticket. So rutschte ich auf einem Ritt, wieder in die eingemauerte Insel, mit allen diesen angenehmen Unterbrechungen, an Zaun und Mauer, die von mir, oft zum Entset\u00adzen der Mitreisenden aufgelockert wurden. <\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: medium;\">Leider haben die wenigsten so abgekotz, wie ich es unaufh\u00f6rlich tat&#8230;<\/span><\/p>\n<p><strong>PS.<\/strong><br \/>\nHatte mir besagten Termin deshalb ausgesucht, weil \u00fcberall der Ginster und Rhododendron bl\u00fchten. Trotz schwerer Bedenken eines Elektrikerkollegen, der vergangenes Jahr mit Kumpels eine 4w\u00f6chige Bootstour auf dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Shannon_(Fluss)\">Shannon<\/a> absolvierte und es fast die gesamte Zeit b\u00e4renm\u00e4\u00dfig schiffte. Sie ihre Zeit lediglich mit Saufen und Angelei verbrachten. Solch schauriges Wetter bleib mir in Irland die gesamte Zeit erspart, dies \u00e4nderte sich erst in den letzten drei Tagen, als ich noch einen kurzen Abstecher nach Liverpool machen wollte&#8230;<br \/>\n<strong> &#8211; <\/strong>Ward das anschlie\u00dfend ein Stress, als ich mich nach acht sehr erlebnisreichen Wochen, wieder an die Maloche gew\u00f6hnen musste. Hatte ich doch auf der gesamten Insel Menschen aus allen sozialen Schichten kennen gelernt, von den Slums in Dublin bis hin zur High Society.<br \/>\nAlles begann gleich am ersten Tag meines Aufenthaltes mit einem Arbeitssaufen bei den <em><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=IckO4Z8rYZg\">Dubliners<\/a><\/em>. Die Jungs hatten sich einen Kutter zugelegt und es war ein Tag Rostklopferei angesagt, zwar ohne Lohn aber saufen bis zum Abwinken&#8230;<br \/>\nAllein \u00fcber diese wenigen Stunden h\u00e4tte ich ein Buch schreiben k\u00f6nnen. Erst abends, recht trunken bereits, tolerierten alle die Tatsache, dass ich mit ihren Chauvinismus gegen\u00fcber den Briten nichts anfangen konnte.<br \/>\nDie n\u00e4chsten drei Tage ging es mir absolut schlecht, nicht etwa von der Zecherei. Obwohl w\u00e4hrend der Arbeitszeit der Himmel total bew\u00f6lkt war, hatte ich mir fast einen Sonnenstich eingefangen, den ich in den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wicklow_Mountains\"><em>Wicklow Mountains <\/em><\/a>auskurierte&#8230;<br \/>\nImmer wieder waren die Leute begeistert von meiner Trinkfestigkeit und ich mich traute eing\u00e4ngiges <em>deutsches Liedgut<\/em> vorzutragen, wozu in den Pubs die Musikanten oftmals mit einfielen. Es handelte sich dabei u.a. um: \u201e<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=SHN4qztTNis\"><em>Ein Mops kam in die K\u00fcche<\/em><\/a>\u201c, \u201e<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=zbnKDPNHi8Q\"><em>Ein Schneider fing \u00b4n Maus<\/em><\/a>\u201c und \u201e<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=hW2ZcqYREGE\"><em>Zwei rosa Elefanten<\/em><\/a>\u201c. Oftmals holte ich auch irgendwann meine D-Dur Bluesharp hervor, dann war alles zu sp\u00e4t&#8230;<br \/>\nRegelm\u00e4\u00dfig wurden meine <em>Sangeseinlagen<\/em> nat\u00fcrlich mit Unmengen an Volksdrogen verg\u00fctet. Was die Sauferei betraf, war es letztlich der billigster Urlaub, den ich je im Ausland verbachtet &#8211;\u00a0 aber sehr ungut f\u00fcr meine Leber.<br \/>\nAls absoluter Kommunikationskatalysator stellte sich manchmal auch die Vorf\u00fchrung eines maskulinen Trinkerspielchens heraus, welches allerdings nicht nur in Irland zum Besten gegeben wurde. Wenn ich den <em><a href=\"https:\/\/de.pons.com\/%C3%BCbersetzung\/deutsch-englisch\/pints?bidir=1#examples-Adeen37852302\">Pint\u00a0<\/a><\/em> Bier in fast identischer Geschwindigkeit ohne zu schlucken runter st\u00fcrzte, die meine Widerparts f\u00fcr einen doppelten<a href=\"https:\/\/www.getraenkewelt-weiser.de\/category.php\/whisky\/irland\/paddy-irish-whiskey-0-7-ltr-2413.html\"> Paddy<\/a> ben\u00f6tigten&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Erinnerung!\u00a0 Um 1974 im Osten, dem ersten Schlaraffenland aller Arbeiter und Bauern auf deutschem Boden, bei 21 Tagen Grundurlaub, drei Wochen Urlaub zu machen, wurden die sowieso arbeitsfreien Samstage hinzugerechnet. 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