{"id":590,"date":"2008-09-01T22:45:09","date_gmt":"2008-09-01T21:45:09","guid":{"rendered":"http:\/\/12decode.de\/zonenklaus\/wordpress\/?p=590"},"modified":"2018-09-16T21:21:15","modified_gmt":"2018-09-16T20:21:15","slug":"vor-zehn-jahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=590","title":{"rendered":"Vor zehn Jahren&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Seit vielen Jahren, stolpern meine entz\u00fcndeten \u00c4uglein immer wieder, \u00fcber ganz wichtige Ausf\u00fchrungen von Herrn H. aus B. Oft erinnern sie mich, an ein flatterndes, nicht ganz sauberes H\u00f6schen im Wind\u2026<\/p>\n<p>Mir fiel gestern noch ein Artikel aus der <em>BILD f\u00fcr Intellektuelle<\/em> ein, leider fand ich dieses Geschreibsel nicht im Netz. Jener Text animierte mich damals zu einer Aussage\u2026<!--more--><\/p>\n<p><strong>Spiegel, Nr. 30,17.VII. 98 &#8211; <\/strong><strong>&#8220;Das war ein Spa\u00df&#8221;<\/strong><br \/>\nIst doch logisch, wenn ein Rudel unter Rufen: \u00bbSieg Heil\u00ab, \u00bbHeil Hitler\u00ab und \u00bbDeutschland den Deutschen\u00ab \u00fcber andere herf\u00e4llt, es sich dabei um eine v\u00f6llig unpolitische Minderheit von Kids handelt. <em>Deren innere Anspannung enorm ist<\/em>, weil ihnen der zugige Westwind viel von den Perspektiven weggeblasen hat, f\u00fcr die sie Mal eine br\u00f6ckelige Basis bekommen haben, <em>in einer stickigen, brackigen Gesellschaft<\/em> &#8211; die mit Milliarden Krediten aus dem Westen verl\u00e4ngert am Leben erhalten wurde.<br \/>\nNebenbei gesagt, der Begriff \u201eFidschis\u201c stammt nicht etwa aus dem Skinheadslang, sondern wird landl\u00e4ufig von Gro\u00dfteilen aller Bev\u00f6lkerungsschichten in \u201eNeuf\u00fcnfland\u201c benutzt. Er reiht sich lediglich nahtlos in eine Kette anderer Begriffe ein, die schon seit Jahrzehnten dort im Sprachgebrauch sind. So z. B. \u201eKameltreiber\u201c &#8211; f\u00fcr Araber, \u201eBimbos\u201c &#8211; f\u00fcr Afrikaner, oder \u201eNigger\u201c f\u00fcr schwarze Amerikaner.<br \/>\nIn Einem muss ich Skinhead Sven K. Recht geben, dies mit den Sachsen stimmt.<br \/>\nSchon nach drei Stunden Aufenthalt in Warnem\u00fcnde, im September 1965, bekam ich eins in die Fresse, verbunden mit der Bemerkung, dass Sachsen hier nicht bedient werden, da ich mich in der Kneipe, <em>Seehund<\/em>, vor dem Tresen erdreistete, aus der zweiten Reihe Bier zu bestellen.<br \/>\nSp\u00e4ter kam hinzu, dass es f\u00fcr einen aus dem S\u00fcden fast unm\u00f6glich schien, eine Einheimische Schnecke anzugraben. Au\u00dferdem erinnere ich mich ferner an den immer wieder auftauchenden, <em>sehr lustigen Spruch<\/em> auf der Toilette im Lehrlingswohnheim: <em>F\u00fcr die Hippies LSD &#8211; f\u00fcr Sachsen Zyklon-B!<\/em><br \/>\nDer latente Hass, gegen die <em>F\u00fcnfte Besatzungsmacht,<\/em> resultiert nicht von ungef\u00e4hr. Schlie\u00dflich sprach nicht nur <em>Onkel WU<\/em>, als Regierungschef, das s\u00e4chsische Idiom, sondern es diente auch der Kommunikation in den oberen Etagen der Betriebe, der Vopo, der Stasi usw.<br \/>\nHinzu kam, dass zur <em>Gr\u00fcnen SS<\/em>, den Grenztruppen, in den Anfangsjahren, bevorzugt Sachsen mit der <em>Grenzsicherung an der vordersten Front zum Klassenfeind<\/em> betraut wurden. Ebenso waren bei der <em>Volksmarine<\/em>, lange Zeit die s\u00fcdlichen Mundarten vorherrschend. Was den Leuten, unterhalb von Berlin, nebenbei noch einbrachte, dass es sich bei ihnen um eine Spezies von besondere staatstreuen Dienern handelte<br \/>\nDass man sich fr\u00fcher nicht mit den <em>Kanackers<\/em> anlegte, kann ich so nicht stehen lassen.<br \/>\nDies haben Teile der Elterngeneration von Flachzange Sven K. genauso get\u00e4tigt. Allerdings wurden solche Ausw\u00fcchse sofort, unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit, mit hohen exemplarischen Strafen geahndet.<br \/>\nPhysische Anmache betraf ausl\u00e4ndische Studenten in Leipzig genauso, wie Arbeitskr\u00e4fte aus Polen, dem Tschechland und Ungarn, die ich w\u00e4hrend meiner Zonenhippiezeit in allen Teilen der DDR kennen lernte.<br \/>\nImmer wieder konnte ich, als Argument f\u00fcr die latente Feindseligkeit betreffs Fremder h\u00f6ren, dass sie resultierte, aus der bevorzugten Behandlung jener Leute von Staatswegen. Hilfsarbeiter, die kein Wort Deutsch verstanden, bekamen Fach-arbeiterl\u00f6hne mit Zuschl\u00e4gen und wohnten in Neubauwohnungen.<br \/>\nAn den Unis unterlagen Ausl\u00e4nder keiner Anwesenheitspflicht f\u00fcr Vorlesungen und ihr Stipendium war nicht Leistungsbezogen. Wenn ein DDR-ler mehr finanzielle Unterst\u00fctzung im Monat haben wollte, musste er sich in seiner Freizeit leicht politisch bet\u00e4tigen, in Laberkursen, <em>wie den Zirkeln Junger Sozialisten,<\/em> w\u00e4hrend seine Kommilitonen gen Westberlin reisen konnte. Auch die unterschiedlichen Wohnverh\u00e4ltnisse in den Studentenheimen erzeugten Missgunst, da die Fremdlinge wesentlich gro\u00dfz\u00fcgiger untergebracht wurden.<br \/>\n1972 erz\u00e4hlte mir ein algerischer Studie in Magdeburg: \u201eEde, du darfst doch nicht glauben, dass ich anschlie\u00dfen nach Nordafrika gehe, bin schlie\u00dflich Franzose! Wir sind sehr froh dar\u00fcber, dass eure Verantwortlichen so bl\u00f6de sind und meinen, wir w\u00fcrden den <i>proletarischen Internationalismus <\/i>weiter tragen! In Algerien h\u00e4tte ich nie studieren d\u00fcrfen, anschlie\u00dfend werde ich in Frankreich f\u00fcr meine gesamte Familie sorgen k\u00f6nnen&#8230;\u201c<br \/>\nErstmals bekam ich die aggressive Sitimmung Mitte der sechziger Jahre mit. Als eine weltbekannte DDR-Kunstspringerin mit ihrem dunkelh\u00e4utigen Kind um ihr Leben rennen musste, als sie ein Warnem\u00fcnder Hotel aufsuchen wollte.<br \/>\nOder, als Anfang 66 monatelang Hatz auf Farbige veranstaltet wurden, der eine Messerstecherei beim sonnt\u00e4glichen, von der FDJot organisierten <em>Tanztee<\/em> im <em>Kurhaus<\/em> vorausgegangen war. Wobei ich nicht guthei\u00dfen m\u00f6chte, dass ein Besatzungsmitglied, des damals auf der Werft gelegenen kubanischen Frachters <em>Sierra Maestra<\/em>, wegen eines Missverst\u00e4ndnisses heraus begann, jemanden auf der Tanzfl\u00e4che zu perforieren, keine drei Meter von meinem Sitzplatz entfernt.<br \/>\nMehrere ausl\u00e4ndische Studenten in Rostock mussten daraufhin, w\u00e4hrend des Rachefeldzuges von selbsternannten jugendlichen Sheriffs, dran glauben. Dass es damals keinen Toten gab, lag scheinbar nur darin begr\u00fcndet, dass die Hemmschwelle, jemanden <em>abzuknipsen<\/em>, aus Angst vor den drakonischen Strafen sesentlich h\u00f6her waren.<br \/>\nJene Hatz war f\u00fcr mich nebenher auch sehr Gesch\u00e4ftssch\u00e4digend. T\u00e4tigte ich doch mit solchen Leuten meinen Handel mit Zigaretten, Klamotten, Pornos und allen m\u00f6glichen Billigschei\u00df aus dem Duty Free. Hauptsache es lie\u00df sich irgendwie erkennen, dass es westliche Produkte waren&#8230;<br \/>\nAuch in meiner Geburtstadt, Sangerhausen, ist man mit algerischen Bergbaustudenten aus Freiberg, den<em> Kameltreibern,<\/em> nicht gerade zimperlich umgegangen.<br \/>\nEinzig mit, in den siebziger Jahren, aufgetauchten Vietnamesen, habe ich zu meiner Ostzeit, nie Rangeleien mitbekommen. Diese kleinw\u00fcchsigen Menschen waren schlie\u00dflich auch keine Konkurrenz, f\u00fcr das angeknackste Selbstbewusstsein so mancher Typen, deren M\u00e4dels sich mal kurz als Konsumnutten mit einem Ausl\u00e4nder einlie\u00dfen, wegen ein paar <em>Nietenhosen<\/em> oder <em>Schminksets<\/em>.<br \/>\nZum Schluss noch zwei Fragen!<br \/>\nWelche Art von Qualifikation macht \u00fcberhaupt einen Sozio<em>lochen<\/em> aus, wie der von ihnen, aus dem fernen Bielefeld zitierten Herrn Hurrelmann? Und wieso bekommt so jemand, immer wieder von den Medien die M\u00f6glichkeit, seinen <em>populistischen D\u00fcnnschiss<\/em> abzulassen, auch mit Plattheiten aus der Zone kokettieren darf, die von einer\u00a0 Klofrau aus Leipzig-Connewitz stammen k\u00f6nnten.<br \/>\nDabei f\u00e4llt mir ein, zum besseren Verst\u00e4ndnis f\u00fcr so manchen, auch <em>stupidierten<\/em> und Promovierten westdeutschen Zeitgenossen, sollte man vielleicht an den Zufahrtswegen in die f\u00fcnf neuen L\u00e4nder, die vor ein paar Jahren demontierten, gro\u00dfen Schilder wieder anbringen, auf denen stand: <em>Bitte denken Sie daran, Sie fahren weiter durch Deutschland!<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit vielen Jahren, stolpern meine entz\u00fcndeten \u00c4uglein immer wieder, \u00fcber ganz wichtige Ausf\u00fchrungen von Herrn H. aus B. 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