{"id":7090,"date":"2010-04-08T22:35:50","date_gmt":"2010-04-08T21:35:50","guid":{"rendered":"http:\/\/12decode.de\/zonenklaus\/wordpress\/?p=7090"},"modified":"2021-03-28T00:09:26","modified_gmt":"2021-03-27T23:09:26","slug":"wenn-schon-denn-schon-heimkinder-gab-es-auch-im-osten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=7090","title":{"rendered":"Wenn schon &#8211; denn schon! Heimkinder gab es auch im Osten"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.rbb-online.de\/kontraste\/archiv\/kontraste_vom_08_04\/ddr_spezialkinderheime.html\">Spezialheime<\/a><\/p>\n<p>In den letzten Tagen ist es endlich auch im Westen angekommen, dass es etliche Kommunisten gab, die einem \u00e4hnlichen Hobby fr\u00f6nten wie Katholen, was Misshandlungen und sexuelle Ausschweifungen mit Kindern und Jugendlichen angingen.<br \/>\nDabei w\u00e4ren diese Hobbys aus der Zone ewig im Dunkeln geblieben, wenn nicht irgendwelche Medienheinis wegen der Quoten auch mal einen Blick nach Osten geworfen h\u00e4tten. Dabei berichtete schon \u201e<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Elf_99\">Elf 99<\/a>\u201c \u00fcber Zust\u00e4nde in Werkh\u00f6fen und Spezialheimen, allerdings recht oberfl\u00e4chlich. Jahre sp\u00e4ter liefen Dok-Filme zum gleichen Thema, allerdings wurde dem Blickwinkel der anderen Seite mehr Raum einger\u00e4umt.<br \/>\nAnschlie\u00dfend unterhielt ich mich mit Betroffenen, denen ging es wie mir, wir hatten f\u00fcr dieses Pack nur Verachtung \u00fcbrig.<br \/>\nDies wird sich bestimmt \u00e4ndern, wenn Knete in Aussicht gestellt wird \u2013 wegen sog. Abfindungen. Wenn wieder mal die Stare ihr schlechtes Gewissen kompensieren d\u00fcrfen.<br \/>\nSchlie\u00dflich war es der Westen, der Ostzonien &#8211; Moskaus Appendix &#8211; viele Jahre fett am Leben hielt.<br \/>\nWas ich sehr lustig finde, seit solche Institutionen existieren, ist doch bekannt was da abl\u00e4uft.<\/p>\n<p>Ist doch der ganz normale Wahnsinn, wenn Leute irgendwo zusammengepfercht werden und alle Strukturen des anormalen Zusammenlebens nur mit Hilfe von Gewalt funktionieren, in Heimen, Lager, Knast, Armeen usw., auch in Schulen&#8230;<!--more--><\/p>\n<p>Mich verwundert allerdings jene Tatsache, dass noch niemand auf die Idee kam, die gleiche Ebene im Knast abzuleuchten.<br \/>\nNur eine Fu\u00dfnote aus meiner Zeit als wir in der Kripo-U-Haft gesammelt wurden, ehe es ein paar Tage sp\u00e4ter auf Transport ging. Wenn allen bekannt war, wer wo landete, knobelten die Langstrafer um das anwesende<em> Frischfleisch<\/em>. Im entsprechenden Knast wurde es sp\u00e4ter mit den Schlie\u00dfern geregelt, dass die <em>frisch Verlobten<\/em> anschlie\u00dfend auf einer Zelle landeten.\u00a0 So etwas lief immer recht problemlos ab, solch Entgegenkommen zahlte sich f\u00fcr die Angestellten immer aus, zumal ein wieder einger\u00fcckter <em>BV-er,<\/em> oder<em> Ller<\/em> sowieso seit Jahren mit den Beamten im freundlichen \u201eDu\u201c parlierte. <em>(Unter Umst\u00e4nden musste die \u201eJungfrau\u201c in der \u201eHochzeitsnacht\u201c auch noch die anwesenden Kumpels bedienen&#8230;)<\/em><\/p>\n<p>Zur\u00fcck in die Jahre 63\/64 als ich 18 Monate in einem sog. \u201enormalen Kinderheim\u201c verbrachte.<br \/>\n<em>(Diese Institution war mir schon kurz nach meiner Entlassung schnuppe.)<\/em><br \/>\nWas ich immer Schei\u00dfe fand, war die Reaktion meiner Umgebung, besonders in der Schule. Ich hatte das Gl\u00fcck und brauchte eher nicht in \u201eHeimklamotten\u201c herum laufen, tat es aber trotzdem und outete mich damit.<em> (Dieses Solidarit\u00e4tsgef\u00fchl entsprang meinem schlechten Gewissen, als einziger durfte ich t\u00e4glich von 14-18 Uhr in die Stadt.)<\/em><br \/>\nAuch Jahre\u00a0 sp\u00e4ter besuchte ich immer wieder Schulkameraden in Stolberg, musste aber als \u201eGammler\u201c, um das Heim immer einen gro\u00dfen Bogen machen, da der Leiter ewig von seinem Hausrecht Gebrauch machte.<br \/>\nZu allen Zeiten konnte jeder im Ort wissen, was in der Anstalt ablief, schlie\u00dflich mobten fast alle Lehrer gegen die Insassen, viele Mitsch\u00fcler unterst\u00fctzten die beteiligten \u201eLe<em>e<\/em>rk\u00f6rper\u201c bei ihren permanenten Aktionen. Auch waren \u00e4u\u00dferliche Malaisen durch Gewaltanwendung immer wieder sichtbar. Viele Gewaltopfer <em>(in der Regel handelte es sich um \u201eKollektive Erziehung\u201c unter den Kindern und Jugendlichen)<\/em> hielten trotz Redeverbot nicht mit ihrer Meinung hinter dem Berge.<br \/>\nManche Kids landeten von heute auf morgen in dem Heim und wussten gar nicht warum sie dort eingewiesen wurden.<br \/>\nSchlimm waren all jene dran, die es nie gelernt hatten sich zu wehren, die selbst aus relativ normalen Verh\u00e4ltnissen stammten, Scheidungskinder, Ableger von Alleinerziehenden, die sich nach Westen aus dem Staub gemacht hatten.<br \/>\nOder was meine Wenigkeit betraf, weil die Parteikarriere meiner Mutter wichtiger schien, als ihre beiden Ableger und sie mit mir nicht mehr klar kam. Meine Schwester zahlte bei diesem Gesch\u00e4ft m\u00e4chtig drauf, wurde ein angepasster Duckm\u00e4user und entwickelte einen ausgepr\u00e4gten Hang zu Typen, von denen sie ewig Pr\u00fcgel einstecken musste.<br \/>\nIch verweigerte mich total, innerhalb weniger Monate tendierten meine Zensuren in Richtung \u201e5\u201c, lernte aber von allen unbemerkt kontinuierlich weiter.<br \/>\nDas selbsternannte Scheffchen vom \u201eFamilienrat\u201c, <em>(anl\u00e4sslich dieser Tribunale ward immer ein abgehalfterter Stasi-Major anwesend)<\/em> ein guter \u201eFreund\u201c der Mutter meiner Schwester. Der Mann pl\u00e4dierte schlie\u00dflich f\u00fcr die Heimeinweisung.<br \/>\nF\u00fcr einige P\u00e4dago<em>ch<\/em>en galt ich als das gefundene Fressen, vornweg der Geographie- und Mathelehrer, ein cholerisches Kerbtier, der mich aber sehr schnell in Ruhe lie\u00df.<br \/>\nIhn lernte ich im Erdkundeunterricht kennen, die Klasse nahm gerade Indien durch.<br \/>\nDer Direktor lieferte mich ab. Tuschel, tuschel.<br \/>\n\u201eDer neue Mitsch\u00fcler hei\u00dft Klaus. Ich unterrichte Mathe und Gerographien. Setz dich dahinten hin!<br \/>\nWelche Zensur hast du in beiden F\u00e4chern?\u201c<br \/>\nDiese Frage brachte mich nat\u00fcrlich auf 100. Idiot!<br \/>\n\u201eIn beiden F\u00e4chern 4-ren&#8230;\u201c<br \/>\n\u201eDas wird sich zum Klassenabschluss \u00e4ndern, denn da wirst du eine \u201e5\u201c haben!\u201c<br \/>\nFast die gesamte Klasse wieherte frenetisch, beobachte in dem Moment nur die Mitsch\u00fcler, welche nicht lachten. Dazu geh\u00f6rte auch HW, der neben mir sa\u00df, er wude mein st\u00e4dtischer Freund. brachte ihm morsen bei und bastelte mit ihm Radios und h\u00f6rten nebebei zwanglos nur Westsender.<br \/>\n\u201eLos vor zur Karte!\u201c<br \/>\nNun reizte ich meine Karten aus, schlurfte langsam nach vorne, beide Daumen in den vorderen Schlaufen der Jeans und den Typen aus den Augenwinkeln beobachten, er begann zu kochen.<br \/>\nBelanglosigkeiten wurden gefordert, gro\u00dfe Fl\u00fcsse, einige St\u00e4dte und Bundesstaaten. Ohne gro\u00dfartige \u00dcberlegung huschten meine Finge \u00fcber den Subkontinent. Totale Stille im Raum, bis zu dem Zeitpunkt, als er schrie, \u201ezum Abschluss m\u00f6chte ich sehen wo der Berg \u201eKoh-i-nor\u201c liegt!\u201c<br \/>\nLeicht verdutzt schaute ich auf den Lehrer, der breit grinste, Teile der Klasse taten es ihm gleich.<br \/>\nHoppla.<br \/>\nIn diesem Moment drehte ich bei und schlurfte wieder auf meinen Platz, von hinten verfolgte mich das Geschrei&#8230;<br \/>\nGenau wei\u00df ich nicht mehr was ich ablie\u00df. Die Antwort kam w\u00e4hrend ich mich setzte, es ging aber in die Richtung: \u201eWenn sie den \u00fcber 100-kar\u00e4tigen Diamant der britischen Kronjuwelen meinen sollten, den kann ich schwerlich als Berg auf einer Indienkarte finden.\u201c<br \/>\nAlle glotzten mich an, wieder Ruhe.<br \/>\nSofort br\u00fcllte er ein Heimm\u00e4del an die Karte, \u201eund du sucht mir jetzt den Kilimandscharo!\u201c Darauf kam prompt, ohne mich zu melden, die Frage, was dieser Bl\u00f6dsinn eigentlich soll&#8230;<br \/>\nIn der Pause kam die Aufkl\u00e4rung, jene Spielchen trieb der Lehrer besonders gerne bei etwas unterbelichteten Sch\u00fclern und nat\u00fcrlich bei Neuank\u00f6mmlingen.<br \/>\nIn beiden F\u00e4chern landete ich schlie\u00dflich auf der Note \u201e2\u201c. Die \u201e1\u201c konnten sie mir angeblich nicht geben, wegen der \u201e4\u201c im Halbjahreszeugnis. Der Hauptgrund, wie einige meinten, schien der zu sein, dass ich ein Heimler war.<\/p>\n<p>&#8211; Auf Grund einer Einladung landete ich Ende 1990 beim 25-j\u00e4hrigen Klassentreffen. Selbiger Lehrer trudelte im Laufe des Abends auch dort ein.<br \/>\nDie Zeremonie des H\u00e4ndesch\u00fcttelns schien von ihm so gew\u00e4hlt, dass er mich geflissentlich \u00fcbersah, dann war klar, ich sollte sein Dessert werden. Ihm traute ich zu, dass er wieder irgendetwas mieses ausbr\u00fctete.<br \/>\nZwischendurch grinste er immer mal recht unversch\u00e4mt zu mir r\u00fcber. Endlich, mit ganz gro\u00dfer Geste kam seine Pranke auf mich zu. Wie in ganz alten Zeiten registrierten alle unseren Auftritt, in Zeitlupe erhob ich mich, zog aber meine schon ausgestreckte Hand wieder zur\u00fcck und stopfte beide in die Hosentaschen.<br \/>\nSein Blick von oben nach unten und wieder retour: Penner, Asozialer, Gammler&#8230;<br \/>\nDann hub ich an, \u201e&#8230; es ist mir bekannt, dass es nach so vielen Jahren unh\u00f6flich ist, unsere Begr\u00fc\u00dfung mit einer Frage zu beginnen. Bevor ich ich ihre feuchte Hand ergreife, m\u00fcssen sie mir erst eine ganz kurze Frage beantworten!\u201c Schaute ihn dabei voll an. \u201eWarum sind sie eigentlich immer so ein abgrundtiefes Arschloch gegen\u00fcber Heimkindern gewesen?\u201c<br \/>\nIm gleichen Moment kam mir.<br \/>\nSo eine Breitseite hatte ihn bestimmt in den letzten Jahren niemand verpasst, hoffentlich h\u00e4lt es seine Pumpe aus.<br \/>\nDie anschlie\u00dfende Stimmung war geteilt, allerdings nicht fifty-fifty.<br \/>\nVon H.-W. erfolgte ein Anschiss: \u201eDu kommst hierher und l\u00e4sst so einen Korken steigen, haust morgen wieder ab \u2013 aber wir leben hier. Das h\u00e4ttest du nicht in aller \u00d6ffentlichkeit ablassen d\u00fcrfen&#8230;\u201c<br \/>\n\u201eIhr habt fr\u00fcher die Schnauze gehalten und werdet es in bestimmten Situationen bis zur Urne weiter praktizieren. Dies kann ich nicht, will es auch nicht&#8230; Du scheinst auch alles vergessen zu haben&#8230;\u201c<br \/>\nAb diesem Zeitpunkt muste ich kein einziges Getr\u00e4nk mehr ordern, geschweige denn, sie anschlie\u00dfend auch noch bezahlen. Dann kam noch die Geschichte mit meinem Russischlehrer&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Spezialheime In den letzten Tagen ist es endlich auch im Westen angekommen, dass es etliche Kommunisten gab, die einem \u00e4hnlichen Hobby fr\u00f6nten wie Katholen, was Misshandlungen und sexuelle Ausschweifungen mit Kindern und Jugendlichen angingen. 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