{"id":745,"date":"2008-10-08T20:41:40","date_gmt":"2008-10-08T19:41:40","guid":{"rendered":"http:\/\/12decode.de\/zonenklaus\/wordpress\/?p=745"},"modified":"2023-02-20T11:07:55","modified_gmt":"2023-02-20T10:07:55","slug":"sudgelande-nachtrag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=745","title":{"rendered":"S\u00dcDGEL\u00c4NDE &#8211; Nachtrag"},"content":{"rendered":"<p>Mehrere Jahre, ca. 1978-84, war es am ersten Weihnachtstag Brauch, eine Wanderung auf der verwachsenen Bahntrasse zu veranstalten. Meistens begannen wir den Aufstieg an den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Yorckbr%C3%BCcken\"><em>Yorkbr\u00fccken<\/em><\/a>, manchmal bereits am<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Berlin_Anhalter_Bahnhof\"><em> Anhalter Bahnhof<\/em><\/a>. Je nach Lust und Laune ging die Tour bis weit hinter den <em>Priesterweg<\/em>. Das anschlie\u00dfende Kaffeetrinken, zum <em>Aufw\u00e4rmen<\/em>, endete regelm\u00e4\u00dfig am n\u00e4chsten Morgen. Zwischendurch bet\u00e4tigte ich mich f\u00fcr <em>mutigen Wessibesuch<\/em> auch zu anderen Zeiten als Scout, denn es mussten bestimmte, recht unverst\u00e4ndliche Verhaltensregeln eingehalten werden.<!--more--> Die ostdeutschen Bahnw\u00e4chter traten grunds\u00e4tzlich im Duo auf, richtige Recken darunter, denen man aber anmerkte, dass mehr Wert auf Muskelmasse und Ideologie gelegt wurde, als an ausgepr\u00e4gtere Gehirnwindungen. Ihre Bewaffnung bestand aus etwas l\u00e4ngeren Kn\u00fcppel, habe es aber nie erlebt, dass jemand damit zuschlug. Es war recht einfach, sich aus ihren F\u00e4ngen zu befreien. Tauchten sie unverhofft auf, liefen alle in verschiedene Richtung auseinander. Gelang ihnen doch ein Fang, musste das Opfer wie am Spie\u00df schreien, nebenbei wurde alles mit den Kameras, aus sicherer Entfernung dokumentiert. Nat\u00fcrlich durften dann auch die entsprechenden Spr\u00fcche nicht fehlen. Kurz darauf konnte man immer verschwinden, wurde allerdings auch des Bahnhofes verwiesen, &#8211; nix anschlie\u00dfende Fahrt mit der Elektrischen. Was sollten sie auch machen, das einzige, sie h\u00e4tten uns an die Westberliner Polizei ausliefern k\u00f6nnen, das w\u00e4re aber Kollaboration mit dem Klassenfeind gewesen. Die Genossen durften ja noch nicht mal Ausweise kontrollieren, von uns besa\u00df an solchen Tagen sowieso niemand irgendein Papierchen.<br \/>\nNach 1984, als Honni im Westen die S-Bahn still legen lie\u00df, wurde es auf dem Gel\u00e4nde richtig ruhig, obwohl sie wegen der Anlagen vermehrt Streife liefen. Mann, war dort alles rottig, \u00fcberall stinkender M\u00fcll, in vielen kleinen Splitterbunkern und den Kellerr\u00e4umen der zerst\u00f6rten Bahngeb\u00e4ude. Reste von Alt\u00f6l, Farben und dem ganzen Zeug, was in einem Gro\u00dfbetrieb anfiel\u2026 Zwischen den Gleisbetten Asche, Schlacke und immer wieder \u00d6l- und Fettr\u00fcckst\u00e4nden. Es gab Gebiete, da bereitete bei feuchtwarmem Wetter das Atemholen Schwierigkeiten, besonders um den Priesterweg herum.<br \/>\n<em>(Wo bestimmte Kreise heute mit dem Begriff <\/em>Sukzession<em> rumhuren. Sich bannig freuen, wenn es ihnen gelungen ist, wieder mal irgendwo, \u00fcber solche gesch\u00e4ndeten Arealen das gr\u00fcne M\u00e4ntelchen der Verdr\u00e4ngung und des Vergessens auszubreiten.)<\/em><br \/>\n&#8211; Ist es nach verwaltungsm\u00e4\u00dfiger Sch\u00f6nf\u00e4rberei, bei Industriebrachen nicht erforderlich gleich Maschen- und Stacheldraht zu ziehen, wird ein <em>Investor<\/em> gesucht. Gelingt es nicht diese Fl\u00e4chen erfolgreich zu verschleudern, auch wenn man solchen Spekulanten noch zus\u00e4tzliche Millionen unter ihre Vorhaut schieben w\u00fcrde, hilft nur <em>Sukzession<\/em>. Damit in den folgenden Jahren alles \u00fcberwuchert, der Boden, die Vorgangsakten in den \u00c4mtern und die grauen Zellen anderer Beteiligten.<br \/>\nMeiner Vermutung nach, wird es beim S\u00fcdgel\u00e4nde folgenderma\u00dfen ablaufen: Da man munkelt, dass auf dem gesamten Territorium nie eine exakte Suche nach explosiven Hinterlassenschaften aus dem letzten Krieg statt fand, wird dieses Manko irgendwann der Grund sein, um alles zu schlie\u00dfen, wenn der Stahlpreis weiter rasant steigt. Denn im Boden befinden sich tausende Tonnen an Eisenbahnschienen, in einer Stahlg\u00fcte, die heute ohne weiteres, in diesen Mengen \u00fcberhaupt nicht mehr herstellbar ist. <em>(Wegen der Luftverschmutzung) <\/em>Steuerzahler*<sup><b>INNERINNEN u.\u00e4.\u00a0<\/b><\/sup> werden dann f\u00fcr Munitionssuche und Entsorgung des hochgradig verseuchten Bodens zu Kasse gebeten und der Rest wird seinen \u00fcblichen Gang gehen. Zu den Millionen Quadratmeter leer stehender B\u00fcrofl\u00e4chen, kommen neue hinzu. Direkt neben den Bahngleisen bieten sich auch <em>Seniorenresidenzen <\/em>an, statt Fernsehen dann ganzt\u00e4gig Z\u00fcge glotzen, spart ein Haufen Pflegepersonal ein.<br \/>\nKeine Panik, mindestens zwei, drei Jahre ist noch Sukzession angesagt\u2026<br \/>\n&#8211; <em>(Bestimmt wird etwas \u00c4hnliches mit dem ehemaligen Salzbergwerk Asse in Niedersachsen passieren. Klare Luft ist zu Gen\u00fcge vorhanden, es wird sich auch ein amerikanisches Gutachten finden lassen, welches belegt, das gr\u00f6\u00dfere Dosen von Radioaktivit\u00e4t der Gesundheit sogar f\u00f6rderlich sind. In eben diese Richtung \u00e4u\u00dferte sich nach Tschernobyl der gr\u00f6\u00dfte Atomphysiker Niedersachsens,<\/em> Uschi von der Leyens<em> Pappi. Angesprochen auf die Sch\u00e4dlichkeit von radioaktiven Fallout im L\u00e4ndchen: \u201eMit Radioaktivit\u00e4t ist es wie mit Alkohol, in Ma\u00dfen genossen, sind beide nicht sch\u00e4dlich&#8230;\u201c)<\/em><br \/>\n&#8211; Ich finde es schon bemerkenswert, wie sich Pflanzen derartig Territorien zur\u00fcck erobern. Auf seinen vielen Quadratkilometer Grenzstreifen, mit Herbiziden geficktem Boden dauerte es an manchen Stellen fast sechs Jahre, bis wieder eine durchgehende Kr\u00fcppelgr\u00fcnfl\u00e4che entstand. <em>(Nicht nur meine Beobachtung an der <\/em>Potsdamer Chaussee<em> in Gatow, da befand sich der Mauerstreifen gleich an der westlichen Fahrbahnseite.)<\/em> Ist auch nicht von ungef\u00e4hr, dass auf dem S\u00fcdgel\u00e4nde massig Akazien anzutreffen sind, sie gedeihen auf total verseuchten B\u00f6den und sind Rauchresistent.<br \/>\nGleich zur Er\u00f6ffnung des S\u00fcdgel\u00e4ndes, lag im dortigen Caf\u00e9 und einer kleinen Dauerausstellung, ein fetter, in Leder gebundener Foliant herum, den sie nat\u00fcrlich angekettet hatten. Die Besucher durften sich darin mit Lobhudeleien verewigen. Die vorzufindenden Eintr\u00e4ge waren an d\u00fcmmlicher Unwissenheit nicht zu toppen!<br \/>\nDaraufhin nummerierte ich zuerst durchg\u00e4ngig s\u00e4mtliche beschriebenen Seiten <b>(<\/b><i>Wie ich es zu meinen Zonenzeiten immer mit den Beschwerdeb\u00fcchern tat<\/i>.<b>) <\/b>und nahm dann Ma\u00df an der gutmenschelnden <em>Sukzessions-Verbalhurerei<\/em> vom BUND. Denn im \u00d6ko-Panoptikum wurde an die Besucher appelliert, die errichteten Traversen und anderweitigen Absperrungen nicht zu \u00fcbertreten, <i>damit sich die Natur vollkommen frei entwickeln konnte&#8230;<\/i><br \/>\nAls wahrer Grund galt aber nur eine fehlende, niemals stattgefundene korrekte Fundmunitionssuche! Nannte auch noch andere Fakten zum dortigen Areal. Wenn ich mich richtig erinnere, kalligraphierte ich damals alles in gut lesbarer lateinischer Schrift, nicht wie sonst immer in <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/S%C3%BCtterlinschrift\"><em>S\u00fctterlin<\/em><\/a>.<br \/>\nKurz darauf besuchten wir das Gel\u00e4nde wegen einer Veranstaltung, nat\u00fcrlich war das <i>G\u00e4stebuch<\/i> dann verschwunden!<\/p>\n<p>Zu den Fotos.<br \/>\n<em>(Von einer Weihnachtstour mit sieben oder acht Leuten, Matsch und Nieselregen, da blieb mir etwas bestimmtes haften)<\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-thumbnail wp-image-39886 alignleft\" src=\"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/01-143x150.jpg\" alt=\"\" width=\"143\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/01-143x150.jpg 143w, https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/01-285x300.jpg 285w, https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/01-768x808.jpg 768w, https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/01-624x657.jpg 624w, https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/01.jpg 921w\" sizes=\"auto, (max-width: 143px) 100vw, 143px\" \/><\/p>\n<p>1.) Der l\u00e4ngere Aufenthalt war schon gef\u00e4hrlich in den kleinen Splitterbunkern von etwa zwei Meter H\u00f6he und keinen acht Quadratmeter Bodenfl\u00e4che. Wer wei\u00df wie viel Leute dort manchmal ausharrten. Zu meiner Zeit schien dieser bewohnt zu sein, vielleicht von Kids oder Obdachlosen.<br \/>\n2.) Als fast alle in einem deformierten Stellwerksgeb\u00e4ude rum schnakerten, war mir nach einem Mixh\u00f6rnchen &#8211; Lacht\u00fcrken mit Gras. Kurz darauf, breit wie jener Hamster, der sich auf einem St\u00fcck <em>Reichsautobahn<\/em> mit einem <a href=\"https:\/\/www.stupidedia.org\/stupi\/Y-Tours\">Y-Tours<\/a>&#8211;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Leopard_2\">Leoparden<\/a> anlegen wollte. In diesem Zustand\u00a0 gewahrte ich an dem sehr gammeligen Gittermast nicht weit von dem Geb\u00e4ude, etwa 5 Metern hoch, jene sp\u00e4tere Kopfbedeckung. Schon im Aufsteigen begriffen, stellte jemand fest, dass zwei Winkeleisen am Boden fast weggefault waren, also runter und gemeinsam versucht den Mast umzukippen. Es ging ziemlich schnell von der Hand, allerdings krachte das Teil mit riesigem Get\u00f6se in einen Schuppen, was dem Lampenschirm gut tat, allerdings zwei S-Bahnnasen auf den Plan riefen. Irgendjemand machte von mir dieses Foto <em>(Ich glaube Det aus Krefeld)<\/em> und flitzte sofort weg, weil blaue Ost-Jungs angerannt kamen&#8230;<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-thumbnail wp-image-39887 alignleft\" src=\"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/02-150x126.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"126\" srcset=\"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/02-150x126.jpg 150w, https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/02-300x252.jpg 300w, https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/02-1024x861.jpg 1024w, https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/02-768x646.jpg 768w, https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/02-1536x1292.jpg 1536w, https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/02-624x525.jpg 624w, https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2008\/10\/02.jpg 1672w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><em>Recht begriffsstutzig<\/em>, machte ich das Beste daraus und lief den Genossen lachend, mit meinen noch zus\u00e4tzlich erhobenen H\u00e4nden entgegen. Blubberte auf dem Weg zum Bahnhof<em> Priesterweg<\/em> d\u00e4mliches Zeug, und verteidigte dabei sehr aggressiv meine neue Kopfbedeckung. Endlich auf dem Bahnsteig, waren meine Bekannten alle abhanden gekommen. Schlie\u00dflich tauchte einer nach dem anderen von unten, ganz zuf\u00e4llig wieder auf. Das war der Moment, als ich begann um Hilfe zu schreien, meine beiden Begleiter verstanden die Welt nicht mehr, denn sie spazierten ganz friedlich neben mir, ohne mich auch nur zu ber\u00fchren. Das Rotk\u00e4ppchen aus dem Abfertigungsh\u00e4uschen sprang zu ihren Kollegen und fl\u00fcsterte hastig etwas, daraufhin ein Griff und schon ging es gewaltsam \u00fcber den Bahnsteig, die Treppe runter zum Ausgang. Nun ging der Terz richtig los, da ich die Bahn zur R\u00fcckreise benutzen wollte, standhaft verteidigten beide RBBs <em>(<strong>R<\/strong><\/em><em>eichs-<strong>B<\/strong>ahn-<strong>B<\/strong>ullen) <\/em>den Eingang. Schlie\u00dflich erschien jemand mit Hang zur Harmonie <em>(Ich glaube es war Meggi)<\/em> und bes\u00e4nftigte mich. Gemeinsam ging es dann zum Insulaner, immer diesen gelochten Topf auf der Birne, der mir nachts schlie\u00dflich irgendwie abhanden kam.<\/p>\n<p>Brandneue Photos und Text vom <a href=\"http:\/\/kapuziner.twoday.net\/stories\/5233579\/\">S-Bahn-Urwald<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mehrere Jahre, ca. 1978-84, war es am ersten Weihnachtstag Brauch, eine Wanderung auf der verwachsenen Bahntrasse zu veranstalten. Meistens begannen wir den Aufstieg an den Yorkbr\u00fccken, manchmal bereits am Anhalter Bahnhof. Je nach Lust und Laune ging die Tour bis weit hinter den Priesterweg. Das anschlie\u00dfende Kaffeetrinken, zum Aufw\u00e4rmen, endete regelm\u00e4\u00dfig am n\u00e4chsten Morgen. 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