{"id":8213,"date":"2010-07-23T23:37:31","date_gmt":"2010-07-23T22:37:31","guid":{"rendered":"http:\/\/12decode.de\/zonenklaus\/wordpress\/?p=8213"},"modified":"2010-07-30T00:06:59","modified_gmt":"2010-07-29T23:06:59","slug":"bitte-lassen-sie-die-fenster-offnen-damit-die-gerechtigkeit-hereinflattern-kann%e2%80%9c","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zonenklaus.de\/wordpress\/?p=8213","title":{"rendered":"Bitte lassen sie die Fenster \u00f6ffnen, damit die Gerechtigkeit hereinflattern kann!\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Um den Bogen zu schlagen betreffs eines \u00e4hnlichen Spruches, wie ihn Fritz Teufel 1967 ablie\u00df, muss ich zur\u00fcck ins Jahr 1965.<br \/>\n&#8211; Anschlie\u00dfend folgen noch einige Fu\u00dfnoten.<br \/>\nIrgendwann im Fr\u00fchjahr stand \u201edie Meue\u201c urpl\u00f6tzlich Sp\u00e4tvormittags am \u201eStammtisch\u201c in der \u201eKlemme\u201c. <em>(Puffi h\u00e4tte in besagter Situation sicher abgelassen: \u201eKlaus hockt wiedermal in trauter Runde mit 100 Jahren Zuchthaus.\u201c) <\/em><br \/>\nMir f\u00e4llt absolut nicht mehr ein, wieso ich in dieser Kneipe hing, statt in der Schule zu sein. Anl\u00e4sslich meines damaligen Lebenswandels erlaubte ich mir n\u00e4mlich keine zus\u00e4tzlich Freizeiten.<br \/>\n\u201eLeute! Dackel ist wieder aufgetaucht. Wir k\u00f6nnten ihn besuchen, allerdings nur kurzfristig im Kreisgericht! Sie wollen ihm eine dr\u00fcber braten wegen \u201eBeischlafdiebstahls\u201c. Die Verhandlung ist \u00f6ffentlich!\u201c<br \/>\nBetretenes gegenseitiges Anglotzen. Wieso dieses Delikt? Keiner konnte es sich vorstellen, ich wusste noch nicht mal, um was es da \u00fcberhaupt ging.<br \/>\n\u201eWenn wir da jetzt auftauchen, lassen die uns sowieso nicht rein!\u201c<br \/>\n\u201eDie Meue\u201c zu mir gewandt, \u201edu machst dich vom Acker!\u201c<br \/>\nDas k\u00f6nnte denen so passen.<br \/>\n\u201eLasst ihn ruhig mitkommen! Kann ihm sehr hilfreich sein f\u00fcr das weiteres Leben, wenn er die sozialistische Rechtspflege beizeiten studieren darf!\u201c<br \/>\nNach einer peniblen Ausweiskontrolle gelangte alle in den kleinen Saal.<br \/>\nDer Angeklagte griente uns an wie ein Honigkuchenpferd, als er die Horde im Zuschauerraum gewahrte. Wegen aufkeimender Begr\u00fc\u00dfungszeremonien wurden beide Seite sofort verwarnt. Nebenbei irritierte unsere Anwesenheit das \u201eHohe Gericht\u201c etwas.<br \/>\nDann nahm alles seinen sozialistischen Lauf. <!--more--><br \/>\nDackel plapperte anfangs ewig dazwischen, weil er den Pflichtverteidiger ablehnte. Nach mehreren Verwarnungen war auch dies \u00fcberstanden.<br \/>\nNun entwickelte sich etwas, wobei das Gef\u00fchl aufkam, dass sogar der Richter nicht durchblickte. Von den beiden Blindfischen an seiner Seite, ganz zu schweigen. Diese Sch\u00f6ffen kannte ich noch nicht mal vom Sehen, ebenso ging es mir bei der Gesch\u00e4digte und ihrer Freundin, der gleichzeitigen Zeugin.<br \/>\nWo hatte Dackel diese h\u00fcbschen K\u00e4then nur aufgetrieben?<br \/>\nAlle Anwesenden schienen sich bei diesem Indizienprozess k\u00f6stlich zu am\u00fcsieren. Nur der anwesende \u201eVolkskorrespondent\u201c <em>(Ich glaube dieser Schmierfink stammte aus Gonna)<\/em> ballte irgendwann sein Gesicht zur Faust.<br \/>\nBei dem abhandengekommenen Geschmeide musste es sich um etwas handeln, was aus kleinen Silberm\u00fcnzen bestand und mit Draht zusammen ger\u00f6delt war. Ohrringe und ein Armband geh\u00f6rten\u00a0 ebenso dazu, alles aus KuK-Zeiten.<br \/>\nAls Beweis diente lediglich eine M\u00fcnze, die der Angeklagte nach der ersten Nacht geschenkt bekam und als Beweismittel vor dem Richter lag.<br \/>\nWas auch immer, es entwickelte sich langsam zu Dackels Gunsten, auch mit Hilfe des Pflichtverteidigers. Bis zu dem Zeitpunkt, als der \u201eBeischlafdieb\u201c das \u201eletzte Wort\u201c in Anspruch nahm. Dabei absolut nicht kapierte, wie viel Jahre er sich mit dieser \u201ewitzigen\u201c Aktion einhandelte.<br \/>\n\u201eHohes Gericht! Bitte lassen sie die Fenster \u00f6ffnen, damit die Gerechtigkeit hereinflattern kann!\u201c<br \/>\nSekundenbruchteile absolute Stille. In unser schallendes Auflachen mischte sich das\u00a0 \u00fcberschlagende Gekreische vom Richter, der die Verhandlung augenblicklich unterbrach. Dackel umgehen hinausf\u00fchren lie\u00df, ebenfalls die restlichen Anwesenden, bis auf unsere Gruppe nebst Zeitungsmenschen.<br \/>\nEinzeln wurden wir nach vorn gerufen, belehrt und mussten alle wegen \u201eMissachtung\u201c des Gerichtes eine Geldbu\u00dfe von 10 Mark abdr\u00fccken. Mich hob der Genosse Richter bis zum Schluss auf. Begann nebenher einen nicht enden wollenden Salm, ohne Punkt und Komma.<br \/>\nKlar, in einem Dorf von 15 000 Einwohnern kannten sich die Alteingessenen, s\u00e4mtliche dummroten Zecken sowieso. Was macht dieser Eierkopp? Bezieht meine Familie und die Abwege als missratener Sohn mit ein.<br \/>\nDem musste gegengehalten werden, zumal alle Kumpels an der T\u00fcr auf mich warteten und am\u00fcsiert das Geschehen beobachteten.<br \/>\nMeiner Bitte nach Abk\u00fcrzung dieser Litanei, entsprach der Richter umgehend. Lauthals verdoppelte er aber meinen Einsatz.<br \/>\n\u201eDie Meue\u201c sammelte anschlie\u00dfend in der \u201eKlemme\u201c 20 Mark&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um den Bogen zu schlagen betreffs eines \u00e4hnlichen Spruches, wie ihn Fritz Teufel 1967 ablie\u00df, muss ich zur\u00fcck ins Jahr 1965. &#8211; Anschlie\u00dfend folgen noch einige Fu\u00dfnoten. 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