Die Pilzsaison hat begonnen…

In dem Zusammenhang wurde mir am letzten Samstag ein Erlebnis der besonderen Art zuteil.
Seit Jahren wachsen in unserem Gärtchen zu Beginn des Wonnemonats ewig Pilze, die an Champignons erinnern, zumindest sind es aber keine Knollenblätterpilze. Beim entsprechenden Stichwort kam von der Mutter unserer Nachbarin, „das sind Maipilze und die können sie ohne Bedenken essen, da gibt es keine giftigen Sorten.“
„Nee, nee! Ich bin sehr misstrauisch, deshalb sammle und esse ich nur Pilze, die ich auch wirklich kenne!“
„Sie können es mir glauben, jene Sorte ist vollkommen ungiftig!“
„Ich lasse mir doch kein Kind in den Bauch reden, schaue mal im Netz nach und such gleich mal nach „Pilzsachverständigen!“
Die alte Dame wurde leicht ungehalten,“dass sie mir einfach nicht glauben wollen…“
Fand im Netz sehr schnell eine Seite für „Maipilze“, allerdings waren von vier abgebildeten Schwammerln – drei giftig!“
MehrerePilzberatungen kamen mir auch noch unter, wählte dann am Montag jene vom Botanischen Museum.
Meine Mitbringsel entpuppte sich als „Karbol-Champignon“, von einer Giftigkeit, die aber nicht ausreicht, um jemand unauffällig in die ewigen Jagdgründe zuschicken…
Nach dem Anschneiden kam es an der Schnittstelle zu einer schwachgelben Verfärbung und ganz leichtem Karbolgeruch. Seit Kindheitstagen erinnert mich selbiger Duft an die Poliklinik, zu jenen Zeiten existierte auch noch der Ausdruck: „Karbolmäuschen“…Da niemand weiter erschien, gings eine Stunde über Knöckschen und Stöckschen zu den neuesten Erkenntnissen über den Kahlen Krempling, den wir Anfang der 1970er in der Altmark, neben Maronenröhrlingen besonders oft verspeisten…
War alles sehr interessant, was der Scheff erzählte, abschließend gab es sogar einige Kopien zu meinen Fragen.
Mehrere Sachen fielen mir noch zu Pilzen ein.
Ende der 70er verteilten wir mehrere Graspflänzchen auf sehr sonnigen Lichtungen im Spandauer Forst, nach der Hege und Pflege gings nebenher noch in die Pilze. Massenhaft gab es dort oben Stellen mit Hallimasch und Sandröhrlingen. Eines Tages kamen wir mit einem ziemlich alten Sammler ins Gespräch, im Gegensatz zu uns, lag in seinem Körbchen recht wenig Beute, allerdings nur edle Teile. Der Fuchs ließ etwas ab, was damals schon zu denken gab, allerdings keiner je in Betracht gezogen hatte. Beide Pilzsorten benötigen recht sauren Untergrund und in der Nähe befand sich das Stahlwerk Henningsdorf, man konnte die dortigen Ausdünstungen auch gut schnuppern, hinzu kam noch entweichender Schwermetallstaub. Außerdem stand in der Westwinddrift, 60 Kilometer entfernt eine andere Dreckschleuder, das Stahl- und Walzwerk Brandenburg…
Ab jenem Tag wanderten besagte Arten nicht mehr ins Körbchen, allerdings bezogen wir die anschließenden Bedenken dann doch nicht auf die gefiederten Pflänzchen…
Seit vielen Jahrzehnten werden Pfifferlinge von mir nur noch getrocknet und anschließend in einer Kaffeemühle fein gemahlen. Mit selbigen Pulver lassen sich Gerichte aus nicht so edlen Pilze sehr gut aufwerten.
Leider hat sich in den letzten Jahren herumgesprochen, was man aus Parasole und Tintlinge für hervorragende Speisen bereiten kann, z. B. Schirmpilze, wie Schnitzel mit Panade herrichten…
Der Gau von Tschernobyl hatte sich für Pilzkulturen als großer Segen herausgestellt, dies konnte ich in den Niedersächsischen Wäldern am Zonenrandgebiet beobachten.
Abschließend noch eine witzige Begebenheit, die auch schon fast zwanzig Jahre zurückliegt. Wir tätigten bei Schwiegermutter in der Südheide, am ersten Weihnachtsfeiertag, den obligatorischen Verdauungsspaziergang und fanden auf unserer Tour noch massenhaft Steinpilze von recht ansehnlichen Ausmaßen und ohne Untermieter…
Weiterhin existieren Unmassen an Pilzarten, von denen Menschen und anderes Getier mächtig gequält werden können.
 – Dann gibt es u.a. noch die magic mushrooms, vor deren unsachgemäßen Handhabungen sei hier aber gewarnt! Außerdem existiert in unseren Breiten eine Sorte im Unterholz, wo es sehr aufwendig ist, auf Ökobasis an die entsprechenden Halluzinogene heranzukommen. Wer hat schon zu Hause ein Pferd oder Rentier herumstehen, dem er kiloweise jenen Pilz verabreichen kann, um anschließend im richtigen Augenblick bei dem Einhufer oder der Hirschart die Pisse aufzufangen…

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