Vom Hauptmarktflecken des zänkischen Bergvolkes nördlich der Alpen ins südliche Sachsen Anhalt

War einige Tage in der heimlichen „Hauptstadt“, später hängte ich noch zwei Tage in der kaltem Heimat dran, wollte mich sonntags allerdings nach Halle verkrümeln. Tagsüber war bereits undurchsichtige Suppe mit vielleicht 80 Meter Sichtweite, gegen 18 Uhr waren es dann nur noch rund 50 Meter. Wer die Ecke kennt, der weiß, dass es sich in den Grunddörfern bei Eisleben noch verdichten kann. Also retour und politisches Asyl bei Puffi beantragt und üblicherweise erhalten. Spät in der Nacht endete unser hochprozentiger Exkurs innerhalb kürzester Zeit, als wir bei einer abschließenden Session nicht mehr in der Lage waren, korrekte Akkorde auf der Klampfe zugreifen…
Seit vielen Jahren sammelt der Scheff für mich Zeitungsausschnitte und zwei-dreimal erhalte ich dann ein Ostpaket. Nun hatte ich im letzten Monat gerade eine „Geschenksendung – Keine Handelsware“ erhalten, drin befand sich auch ein angekündigtes Werk.

Schade, dass jene Publikation so in die Hose ging. Fand darin vollkommen kritiklos viele dummrote Stalinisten verewigt, wogegen die Dame so manchen Zeitgenossen, auch jüngeren Datums, zumindest mit einer Fußnote hätte erwähnen sollen, z. B. : Johann Gottfried Schnabel, Julius Graf von Bose, Max Hoelz, Alexander Herrmann (Meine Großeltern besaßen so ein Instrument, ihre Tochter klimperte darauf auch ganz leidlich. Ich durfte nie Unterricht nehmen, da die Genossin meinte, dabei handle es sich um ein kleinbürgerliches Relikt, denn mir wollte sie schließlich die Karriere als Pilot der NVA ebnen…), Alban Hess, Peter „Mischa“ Langner (Hierzu etwas von U. Trolle.) u.a.
Gelungen fand ich jene Seite, bei der Madame Stadel ausführlich auf Amalie (Irmgard Röthling) einging. Im gleichen Atemzug hätte es ihrem Lehrerkollegen, Pento Paulsen, auch gut angestanden, ein paar Worte über ihn zu verlieren. Jene etwas eigenwillig Persönlichkeit, aber guter Pauker, wurde nämlich von einer unsäglichen Trinität, bestehend aus Fräulein S., Frau L. und der Mutter meiner Schwester vom Gymnasium vertrieben, wegen seiner christlichen Einstellung. Erinnere mich da an eine Diskussion, deren Wortlaut ich als Kind aufschnappte, als ihr Vater, sie und ihren stalinistischen Genossinnen einer tiefen Dummheit bezichtigte, die den Grund der Relegation betraf.
Als Begründung kam von ihr u.a., dass es nicht vereinbar sei, wenn sich an einer sozialistischen Oberschule ausgerechnet der Physiklehrer zum Christentum bekannte, obwohl dies niemals im schulischen Bereich einfloss…
Nach dem Mauerfall wurden mir von mehreren Seiten recht merkwürdige Spekulationen zum Tod von Pento herangetragen, weshalb hat man da eigentlich niemals nachgehakt?

Schleef kam bei ihr sehr kurz weg.
Mit meinem Gedächtnis steht es manchmal nicht mehr zum Besten, auf der anderen Seite lässt sich C. S. über einen Zossen oder eine Teppichratte aus…
Scheinbar war Einar ihr unbekannt oder das Interesse nicht so ausgeprägt. Vielleicht will sie ja die Klitterung zu seiner Person anderen überlassen, den Leuten, die aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen, ausgerechnete dem dortigen Oberdorfschulzen, zum 70sten Geburtstag des Theatermannes die Laudatio halten ließen – scheinbar wegen der politischen Quoten. Jedenfalls gab es irgendein Happening, kann mir schon vorstellen wie dies über die Bühne ging. Viele Leute darunter, die jemanden kennen, der irgendwann mal Einar gesehen hatte. Wenn ich daran denke, was in dem Schleef-Verein für Schnarchnasen sind. Vor mehreren Jahren monierte ich ein Vijo in der etwas größeren Besenkammer vom Spenglermuseum, die man als Ecke des schlechten Gewissens, den Leuten als Alibi für ihren verblichenen Landsmann präsentiert. Letztes Jahr im Mai hatten sie den Fauxpas immer noch nicht korrigiert. Witzigerweise waren nur Puffi und Gerald Neuschel in der Lage, jenen Spruch, den eine ganz wichtige Tante mit spitzen Mündchen in die Kamera plapperte, zu interpretieren…
Ich verkneife mir auf den Rest einzugehen
Der Geschichtsverein scheint, wie das Sangersdorfer Schleef-Grüppchen, aus ähnlichem Holz geschnitzt zu sein. Davon konnte ich mich im letzten Jahr überzeugen, als ich mit einigen Leuten aus dem Sangerhäuser Geschichtsverein in der „Akademie der Künste“ war. Helmut Loth, der Traditions- und Heimatpfleger, macht wirklich tolle Stadtführungen und bringt sein Wissen auch gut an,  was aber speziell die 1970/80er Jahre betreffen, da kommt nicht viel rüber. Auf dem Weg zum Kulturtempel wollte ich von einem alteingesessenen Sangerhäuser (W. St.) wissen, wie es kam, dass solche stalinistischen Flachzangen wie Paul Rö. und seine Frau, nebst den roten Schergen (Zu diesen Leuten zählte auch die Mutter meiner Schwester.) aus dem Kreml in der Bahnhofstrasse, schleichend die einheimischen Plebse umkrempelten – der alte Herr glotze daraufhin wie ein Schwein ins Uhrwerk, danke!
Hier beende ich meine kurzen Betrachtungen, muss allerdings noch an einen Geistesblitz vom Genossen T. (Auch so ein aktives Ekelpaket.) erinnern. Beim entsprechenden Stichwort brachte Puffi vorgestern den weltbewegenden Satz aufs Trapez den diese Pfeife im Oktober1962, anlässlich einer Protestversammlung zur Kubakrise im „Thomas-Müntzer-Klubhaus“ abließ. Als er zum Schluß, ohne Manuskript, das erste und letzte mal etwas euphorisch hinausposaunte: „…liebe Genossen! Kuba den Kubanern und Indien den Indianern!“
Ansonsten scheint meine Geburtsstadt üblicherweise alles zu verpennen, bis auf wenige Ausnahmen…
Da bringt eine solches Geschehen, deren Verlinkung ich hier noch präsentieren möchte, mal kurzzeitig etwas Aufregung und Betroffenheit unter die Massen. Muss demnächst mal einen alten Bekannten aufsuchen, der in jene Geschichte vollkommen unschuldig hineintrudelte – was an solchen Situationen totale Scheiße ist, für den Pöbel wird bei ihm etwas hängengeblieben sein…
Angeblich ging es der Trude lediglich um die Rente, dazu fällt mir noch etwas ein.
Was passiert wohl mit Sangershausen, wenn auch der letzte Schewwerochsen*-Pensionär nicht mehr einkaufen geht, weil er die Radieschen von unten betrachtet?
*ugs. „Schieferochse“ – Bergmann im Kupferschieferbergbau

3 Gedanken zu „Vom Hauptmarktflecken des zänkischen Bergvolkes nördlich der Alpen ins südliche Sachsen Anhalt

  1. Pingback: 76ster Geburtstag von E. Schleef | Blogwart Zonenkl@us

  2. Zonenkolja

    Danke Puki!
    Gruß retour aus der großen lauwarmen Provinz in mein kaltes Hinterland!
    Werde aber noch etwas ablassen zu Deinen Sätzen!
    Wenn ich den Finger aus dem Arsch bekomme, vielleicht noch heute, aber gesondert im Blog.
    Old Ben, ich will nicht Recht haben, aber an verschiedene Sachen immer mal wieder erinnern…

  3. Pucki

    Klaus,Du hast in vielen Dingen recht!Lese Deine Kommentare regelmäßig!!Gruß aus Sangerhausen.

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