Letzten Freitagabend, vor dem TRACKS Magazin – ARTE

Habe mir gestern Filme vom Recorder eingezogen, ansonsten könnte man seit Wochen bereits, das gesamte Fernsehprogramm vollends in die Tonne latschen.
Wo bleiben eigentlich die Sendepausen?
Zwei Dokus gingen TRACKS voran, nur gut, dass ich mal wieder ins Programmheft geschaut hatte.
Alles begann 21:45 – Free to Rock, dann folgte 22:40 Soviet Hippies, beide Dokus sind bis zum 17. Dezember noch abrufbar!
Wobei mir der erste Beitrag nicht besonders gefiel, denn da wurde von zu vielen Unbeteiligten herum gelabert, besonders nervte da der Erdnussfarmer, er war ja eigentlich nie einer…
Bob Santelli, Geschäftsführer „The GRAMMY Museum“, hätte auch dem Schnitt anheimfallen können. Weshalb der Einwurf kam, dass die Sowjets Elvis als Bedrohung sahen, gibt für mich keinen Sinn.
Hatte doch in der McCarthy-Ära Bill Haley bereits begonnen, sehr sachte mit einem neuen Musikstil das Amiland aufzumischen. Dem schloss sich ein weiteres Weißbrot an, der noch dazu seine Inspirationen aus der schwarzen Musik schöpfte. Die trotz exzessive Rassentrennung, unter den Kids der Mittelklasse, unwahrscheinlich schnell große Beleibtheit fand.
Da musste das folgsame Rock´n Rollende Muttersöhnchen einfach aus dem Verkehr gezogen werden und dafür bot sich die Army an.
Vielleicht kam als ausgebuffte Intension noch hinzu, ihn als Werbeträger für Onkel Sam zu benutzen. Ältere GI´s, allerdings waren da nur pigmentierte Zeitgenossen darunter, von denen viele hier in Berlin hängen blieben, meistens Musiker, sie meinten, dass in den Endfünfzigern der hiesige Landstrich, wegen seiner unmittelbaren Nähe zum eisernen Vorhang, gar nicht so beliebt war…
Sämtliche Segnungen der freien westlichen Welt, erreichten uns zeitversetzt etwas später. Allerdings war für uns die deutsche Teilung ein Glücksfall, wir hatten nämlich keine Sprachbarriere über Zaun und Mauer.
Mit neun Jahren schenkte mir Opa seinen alten Kristall-Detektor aus den endzwanziger Jahren und dazu das Büchlein: Mit Spule, Draht und Morsetaste.
War schon stressig, immer wieder auf dem kleinen Halbleiterbrösel herumzukratzen, bis irgendwann eine Verbindung entstand. Innerhalb kürzester Zeit besaß ich eine Serien von Luftspulen, hauptsächlich für die starken Stationen auf Langwelle. Dort sendeten damals der Deutschlandsender, Radio Moskau und besonders heftig RIAS Berlin (der oftmals stundenlang blubbernd gestört wurde), manchmal kam auch schwach Radio Warschau hinzu.
Es folgten noch weitere radiotechnische Druckerzeugnisse in jene Richtung. Damit kam eine ganz neue Welt über mich, die sich ruckartig, nach dem Bau eines Pentoden-Audion, mit der AF7, fast grenzenlos erweiterte und mir jahrelang unbeschreiblichen Ärger einbrachte, wegen des heimlichen Abhörens von Radiostationen der westlichen Hemisphäre. Die Qualität des AM-Empfanges litt, zwar unter den vielen atmosphärischen Störungen mächtig, trotz der getrimmten Langdrahtantenne. Oftmals war es tagsüber fast nicht möglich etwas zuhören, wenn die beiden Bauern in den angrenzenden Gehöften irgendwelche Geräte mit Starkstrommotoren laufen ließen…
Alles änderte sich, 1959, nach dem Kauf eines UKW-Radios, allerdings durfte ich nie Westsender hören, laut einer Anweisung der Tochter meiner Großeltern!
In dem Doku-Beitrag schwatzten einige wichtigtuerischen Leute von psychologischer Kriegsführung aus jenen Tagen, was für meine Begriffe gar nicht stimmte.
Selbige Begrifflichkeit stammte nämlich aus dem Osten!
Erst einige Jahre später erkannten pfiffige westliche Radiomacher den Wert solcher Musiksendungen für die verdorbene Jungend in der Ostzone. Diesen locker eingeworfenen Spruch schnappte ich Anfang der 1960er mal in Berlin auf, den ließ ein RIAS-Moderatoren-Witzbold ab…
Amerikanische Titel wurden morgens in den Werbesendungen von Hessen II und NDR II, zwischendurch eingestreut, was unter der alten Generation, in beiden deutschen Staaten zu bösem Blut führte. Es gab Eltern von Mitschülern, denen es schlicht am Arsch vorbeiging, dass es sich bei mir um den Ableger einer ganz roten Sau handelte. Erst in dem Moment, wenn Little Richard oder Elvis liefen, wurden die Radios abgestellt, weil ihnen diese jüdisch-amerikanische oder Negermusik, noch tierisch auf ihren nationalsozialistisch geprägten Geist ging. Solche kurzen Einspielungen amerikanischer Musik waren lediglich von werbetechnischem Belang für die sich rasant entwickelnde Plattenindustrie und der Produktwerbung bundesgermanischer Industriezweige.
Erst als man auf gesamtdeutschem Boden registrierte, dass ein Generationenkonflikt zu schwelen begann, den es im Osten natürlich öffentlich nicht gab, ging alles westeuropäisch einher mit dem britischen Beat-Boom. Die anfängliche, damit verbundenen Protestbewegung, entwickelte sich im Westen sehr schnell zu einem kulturpolitischen Konsumphänomen, wobei nicht nur Stacheldraht deren exzessive Ausbreitung in Ostrichtung mächtig bremste.
Da blieben anfangs nur die Ätherwellen von Funk und Fernsehen übrig. Allerdings lief es zu Beginn der breitgefächerten R´n B-Ära, in beiden deutschen Staaten fast identisch ab. Lange Haare und entsprechendes Outfit, waren anfangs die billigste Form, seine Verachtung gegenüber den vorherrschenden Systemen auszudrücken, was nicht nur ich dringend brauchte. Habe zu meinen Ostzeiten viele Bekannte gehabt, die aus ähnlichen Verhältnissen kamen, wie es mir erging und bereits seit Kindheitstagen ewig in ihren stalinistischen Elternhäusern ausflippten.
Weil wir nicht kniend leben wollten!
Was ansonsten mehrheitlich immer als optimale Höhe angesehen wird, um arschkriechend den Aufstieg im hineingeborenen System optimal zu bewerkstelligen, natürlich entsprechend sämtlicher traditionellen Richtlinie der Altvorderen…
Muss in dem Zusammenhang an etwas erinnern, was viele nie bemerkt haben und auch nicht registrieren wollten.
Trotz der über 40 Jahre dauernden Sozialisation auf deutschem Boden, unter vollkommen verschiedenartigen ideologischen Vorzeichen, hatte sich eine absonderliche Tugend fast deckungsgleich weiterentwickelt – die doitsche Spießbürgerlichkeit. Dank der abendländisch/christlichen Kultur, besonders ausgeprägt durch den Einfluss des unsäglichen Reformators aus dem Mansfelder Land!
Mir schon klar, dass den Outsidern in leninistischen Gefilden noch wesentlich widerlichere Dinge widerfuhren. Viele Anmachen aus der Bevölkerung, unterschieden sich allerdings nicht besonders von denen in hiesigen Landstrichen. Im sowjetischen Schlaraffenland sollte man sämtliche Hippies einfach in Gulag´s einbuchten, in Gesamtdeutschland erfuhr alles noch die typische Besonderheit einer angedachten Endlösung, denn solche Leute wie uns, hätte man früher vergast!
Zu Beginn der end1960er wurde im Osten die Lage etwas entspannter.
Es wurden die künstlerisch-monetären Einstufungen für Musiker etwas gelockert. Von da an, konnten wenige Profis richtig Kohle verdienen. Diese Figuren interessierten mich aber niemals.
Es existierten viele Ostbands, die ich nie in meinem Leben gehört habe, vornweg die Pudys..

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