Charley Pride geht nicht mehr einkaufen

Da mich die Mutter meiner Schwester, ein stalinistisches Flintenweib, mehrfach beim Lauschen von Westsendern erwischt hatte, durfte ich nicht mehr an ihr Radio.
Mit 12 Jahren baute ich mir dann meinen ersten Audion, aus Teilen von den Schuttplätzen der Umgebung. Die folgenden Jahre nannte man mich daher auch: Schuttkönig.
In jenen Tagen begann ich auf Ostradiosendungen bewusst zu verzichten, später reduzierte sich auch der entsprechende Fernsehkonsum. Befand sich in meiner unmittelbaren Nähe irgendwelche Lautsprecher, sei es im Ferienlager, im Lehrlingswohnheim oder bei der Truppen, innerhalb kürzester Zeit funktionierten die Teile nicht mehr…
Tagsüber gab es auf Mittelwelle lediglich AfN-Frankfurt, wo für mich entsprechend genehme Musik blubberte, anfangs Country-Mucken und etwas Rock´n Roll. Nachts kamen dann noch Radio Luxemburg und Radio Monte Carlo hinzu, etwa zur gleichen Zeit einige Piratensender…
Über jene Hits landete ich schließlich bei den schwarzen Klängen!
Wenig später kam es dann zur British Invasion populärer Musik.
Danach war alles zu spät!
Trotz der massenhaften Einflüsse von Pop-Musik, blieb ich Western & Country immer treu.
So kam es, dass irgendwann als Country-Interpret ebenso Charley Pride hinzukam, dessen Mucken mir auch von Anfang an gefielen. Erst zu einem späteren Zeitpunkt erfuhr ich, dass es sich bei ihm um eine Dachpappe handelte, denn bis dato war diese spezielle Musikrichtung fest in den Händen von Weißbroten und Kalkgesichtern…
Mit jedem Hinscheiden von gerade den Persönlichkeiten, die einen lange Jahre auch geprägt haben, behält man zwar weiterhin in guter Erinnerung, allerdings kommt doch schon manchmal der Gedanke hinzu, dass der eigene finale Rettungsschuss nicht mehr allzu fern lauert…

PS.
Habe die letzten drei Bezeichnungen extra benutzt, um einen Bogen in Richtung von krankhaften Herangehensweisen bestimmter historischen Begrifflichkeiten zu schlagen. Muss dazu aber bemerken, ich finde es auch abartig, dass an äußerster brutale Stare der Kolonialzeit immer noch erinnert wird und sie zu bestimmten Anlässen, teilweise in den Medien sogar hypt.
Was Schimpfworte betrafen, erinnere ich mich immer wieder an eine Diskussionsrunde mit Freunden vom Großvater, in der ich als Kind damals hockte, nach dem sich die vorher anwesenden Frauen verkrümelt hatten. Mir wurde dann lediglich stille Zuhörerschaft bewilligt, da Gören die Klappe halten mussten, wenn sich Erwachsene unterhielten. In den Runden lernte ich zuzuhören, außerdem herrschte bei den Männern Streitkultur, wenn sie dazu Konjäcksche genussvoll schlürften und dicke Zigarren pafften.
Fazit eines Spätnachmittags: Die Leute sollten endlich dazu übergehen, sämtlich sog. Kraftausdrücke in den normalen Sprachgebrauch zu übernehmen. Was zur Folge hätte, es gäbe weniger Beleidigungsklagen, außerdem ließe sich dadurch das geistige Niveau der betroffenen Ausraster erkennen.
Natürlich musste mein Großvater wieder das letzte Wort haben, was ich mir von ihm abschaute.
Er bezog sich dabei auf das absolut beliebteste deutsche Schimpfwort, nämlich Arschloch!
Für ihn war es keine Beleidigung, sondern nur eine Feststellung!
Denn, so lange man sein Arschloch nicht zugekniffen hatte, erfreute man sich eigentlich noch einer gewissen Gesundheit…
Jene Art der Kommunikation, mit Hilfe irgendwelcher ordinären Ausdrucksweisen, habe ich von meinen Großeltern und ihrem Freundeskreis nie vernommen.
Dies änderte sich schlagartig, als ihre Tochter zu manchen Treffen, Stasi- und anderweitig dummrotes Pack anschleppte. Welche gleich von Anbeginn, den zusätzlich mitgebrachten Kumpeltod, dann aus Senfgläsern soffen…

2 Gedanken zu „Charley Pride geht nicht mehr einkaufen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.