Schuld – Ferdinand von Schirach

In den neuen, fesselnden Geschichten Ferdinand von Schirachs gerät unsere Alltagsmoral ins Wanken.
Möchte mit der Herstellungsqualität dieses Büchleins beginnen.
Einfach sehr sauber in Kunstleder  gebunden und was heute fast nicht mehr gemacht wird, dieses Teil besitzt ein Lesezeichen, ein tiefrotes „Lesebändchen“!
Warum der Piperverlag auf den Farbton der Bücher seines Großvaters zurückgriff, weiß der Teufel.
Bei bestimmten Autoren ist es scheinbar Bedingung. In meinem Sammelsurium befinden sich auch noch die ellenlangen Schmachtfetzen aus dem Hause Dietz, gesammelten Werke von Lenin, Stalin, Mao Tsetung und den arrivierten Handwerkern der Zonenregierung – alle Einbände im bewährten braun gehalten…
Das Büchlein ist sehr kurzweilig, falls aber alles zu einer unendlichen Geschichte ausufert, werde ich auf weitere nicht zurückgreifen.
Wer mit offenen Augen und Ohren durch die Botanik schlendert, kann da auch mit halten, was Mord, Totschlag und andere unappetitlichen Begebenheiten betreffen.
Tragisch sind solche Sachverhalte, wo sich Unschuldige anschließend ihr gesamtes Leben mit herumschlagen müssen.
Nach der ersten Geschichte könnte man ja nur noch abkotzen, nicht nur über den Hergang des Verbrechens, auch was die „Aufklärung“ der Tat betrifft und deren gesamte Handhabung seitens der Justiz…
Was sind das für Staatsdiener, wenn sie nicht in der Lage sind einen Fake von Kindern aufzuklären und ein Unschuldiger dafür drei Totensonntag hinter schwedischen Gardinen verschwinden musste.
Für ein „Sexualdelikt“, wo er im Knast von morgens bis abends, über 1000 Tage nur 8-en lief und von wirklich allen nur drangsaliert wurde.
Gut, der Mann konnte sich vom Trinkgeld seiner „Haftentschädigung“ in Berlin eine „neue Existenz“ aufbauen, was geschieht aber mit der ganzen Scheiße in seiner Birne?
Zur vierten Storie – „Kinder“ – möchte ich etwas ähnliches ablassen.
Jener Betroffene konnte anschließend nicht so einfach abtauchen, er war Jahrzehnte redlich integriert in einem kleinen süddeutschen Nest – über Nacht war alles im Arsch. Die Anschuldigung klärte sich zwar sehr schnell auf, trotzdem blieb ringsumher nur Gülle übrig und anschließend bleibt doch immer etwas hängen…
Nach dem die Geschichte passiert war, musste ich lange darüber nachdenken, um wen es sich dabei handelte, als man mir sie mir zutrug. Das Mädeln war mir nur beiläufig bekannt. In dem Kinderladen (nicht nur in dem) schien ein Haufen alleinerziehenden, grauen Mäuse zu hängen.
Madame lebte in einer recht merkwürdigen Beziehung, mit vielem hin und her. Beide litten darunter, sie immer ein bisschen mehr. Stimmt eigentlich nicht ganz, bei ihr schien es sich um die Reinkarnation des großen Weltschmerzes zu handeln.
In einem Moment, beim entsprechenden Stichwort, „öffnete“ sie sich in der illustren Runde – zaghaft kam, „mein Vater hat mich als Kind auch missbraucht“ und stand plötzlich im Mittelpunkt als sehr bedauernswertes Geschöpf.
Prompt war ab dem Augenblick jedem klar, weshalb dieses „gequälte“ Menschenkind so anders daherkam. Ein gefundenes Fressen in jener Zeit, wo gerade in ihrem Bekanntenkreis viele Leute in violetten Latzhosen und mit fettigen Haaren umhersterzelten.
Schließlich wurde die „Zweierbeziehung“ aufgekündigt und reumütig ging es retour.

Da alles Hals über Kopf abgelaufen war, kam dem Papa etwas spät die Eingebung, was nun eigentlich mit dem Ableger geschah, den er ganz gern mal wieder gesehen hätte. Die Ex verleugnete sich laufend, zuletzt legten ihre Eltern bei seinen Anrufen den Hörer immer gleich auf.
Also mal persönlich nachschauen.
Sein Kind bekam er zwar nicht zu Gesicht, erfuhr aber, dass die Göre bei den „Schwiegereltern“ lebte.
In Berlin gings zu den Ämtern.
Nebenbei kam die „Schändung“ seiner Verflossenen zur Sprache. Es könnte in der Sache alles sehr schnell abgewickelt werden, dazu wäre aber einen Anzeige gegen den Sittenstrolch notwendig. Der Verlassenen tat er es hernach, ohne zu ahnen, welche Maschinerie anlief, beginnend mit der Verhaftung.
Billige Vorabendkrimis zeigen allerdings immer ganz andere Situationen. In der Realität wittern doch die dümmsten Vernehmer Morgenluft, jeder Verhaftete kommt sich in kürzester Zeit vor wie eine ausgequetschte Zitrone…
Kurz darauf erfolgte die Retourkutsche – Strafanzeige wegen böswilliger, unbegründeter Beschuldigungen.
Plötzlich stellte sich heraus, dass anfangs niemand etwas vom Missbrauch je vernommen hatte.
Der Alte kam recht schnell wieder frei – aber…
Nun folgte ein monatelanger Hick-Hack, der mächtige Kreise zog, wobei ewig Rudel von Zeugen  im Bayerischen antanzen mussten…
Wie alles ausging, interessierte mich schließlich nicht mehr

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.