„Es gab keinen Sex im Sozialismus“

Nicht jener ungewollte Einsturz der lotrechten Autobahn quer durch Berlin, animierte mich zu dem folgenden Geschreibsel, sondern Kaminers neuestes Werk. (wg.  Kapuziner)
Wladimir sollte diese Behauptung nicht zu Laut in die Welt posaunen, sonst glauben es viele Wessis auch noch. Wobei die (der) Pfeife(r) aus Hannover in seinem Selbstverständnis als Sozialpüchologe und Paragraphenkomiker, seiner These der frühkindlichen Nachttopffolter im Osten, noch die hinzufügt – natürlich wissenschaftlich begründet – dass es sich bei den beklagenswerten Brüdern in Schwestern im Osten, dem Homo Sapiens Sozialismusiensis, um Windbefruchter handelte…
Zu jener Zeit, als ein Lustmolch namens: Oswald Kolle durch die Bundesgermanischen Gefilde tingelte und seinen Landleuten zu erklären versuchte, dass man vom Wichsen keinen Buckel bekommt, gab es östlich der Elbe schon ein anderes Verständnis, was den Sex anging.
So mancher Altgenosse (Wenn er nicht alles verdrängt hat) mit dem Bayerischen oder Schwäbischen Idiom auf der Zunge, könnte mir dem sicher beipflichten. Der neben seinem Klassenkampf als Saisonrevoluzzer, nach den drögen KAPITALKURSEN im freien Teil von Berlin; sich nebenher zur Spermatherapie eine Konsumnutte in Ostberlin hielt… (Ich weiß, wo von ich rede!)

Etwas aus der kalten Heimat (Anfang der 70er)
Wurde man Günni auf der Straße ansichtig, befand er sich auf Pirsch. Ständig von Stangenfieber geplagt, gab es als Therapie nur das Raus und Reinspiel. Eben noch schnackte man mit ihm, wobei er unruhig umherschaute, da kam: „Tschuldige mal kurz!“, schon befand sich eine Kirsche im Visier und er machte sich augenblicklich in deren Richtung von dannen. Kam der alte Bock darauf hin nicht wieder zurück, lag das Opfer schon so gut wie flach, in seiner Bude, die er bei Oma bewohnte.
Tauchte irgendwo ein Rockzipfel auf, hing er flugs dran. Kehrte Günter mit leuchtenden Augen zurück, schien für später alles klar. Stand er aber ohne Regung anschließend wieder neben einem, war er aufgelaufen. Dauernd wiederholte sich dieses Spielchen. Für mich war es immer sehr lustig ihn dabei zu beobachten. Wenn dieser spacke Typ bei einem Mädel stand oder nebenher lief, fummelte er ständig vor seiner Fressleiste herum, wegen panischer Angst vorm Zahnarzt, zierte sie die Skyline von Manhattan.
Günni war nicht nur Sexbesessen, sondern litt auch noch unter einer anderen Macke. Ohne Notenkenntnis spielte er brillant Gitarre und trommelte hervorragend, aber immerfort von den Organen drangsaliert. Permanent mit öffentlichem Spielverbot belegt, nahm er jede sich nur bietende Möglichkeit wahr, sein Können unter Beweis zu stellen. Eigentlich Linkshänder, sah es urkomisch aus, wenn er sich an einer normal gestimmten Klampfe verging. Da kam das Gefühl auf, ein Spastiker schaffte sich an dem Instrument, der dabei die unmöglichsten Harmonien griff und dies stelle man sich bei Chuck-Berry-Riffs vor.
Es schienen die einzigen beiden Dinge in seinem Leben zu sein, die er perfekt beherrschte: Gitarrenspielen und die Vögelei. Bei der einen Beschäftigung standen ihm ewig die Kulturbonzen im Weg, bei der anderen erinnerten ihn die Mütter seiner auf freier Wildbahn umherlaufender Gören, an sein schändliches Treiben. Deshalb litt seine Geldkatze ewig an Schwindsucht, er hatte aber sein Dasein darauf eingestellt. In solch einer ganz knappen Phase lief ich ihn eines Sonntags über den Weg. Günni lungerte mit seinem Ford Eiffel, Baujahr 36, am Anger rum und wollte in der Nachbarkreisstadt, den „Tanztee“ in einem stadtbekannten Hotel ableuchten, aber nicht genügend Sprit im Tank.
Das Lokal eigentlich ein Scheißladen, ewig „anständig Rumlaufen“ vorgeschrieben und besondere Kapellen spielten auch selten. Aber dort wurden kontinuierlich Tanzveranstaltungen organisiert und es gab nicht diese Aggressivität unter den Anwesenden wie in Sangerhausen, wo Pop öfters in Saalschlachten ausartete.
Der Teufel wollte es, dass ich über Knete verfügte und nichts anderes vorhatte. Also getankt und ab nach Artern. Während der Fahrt klärte mich mein Spezi auf, warum er dringend auf diesem Bums erscheinen musste.
Seit kurzem lief dort eine Gruppe sehr lebenslustiger Mädchen rum, mit kleinen, selbst gefertigten Button, auf denen unauffällig die beiden Buchstaben OS prangten. Natürlich konnte ich mir darunter nichts vorstellen. Es handelte sich dabei, nicht um eine politische Gruppierung. Allerdings bewiesen die Mädels, dass es nicht in jedem Fall der FDJot bedurfte, um frohes Jugendleben zu genießen.
Leider flog diese Bewegung in kürzester Zeit auf.
Dafür verantwortlich zeichneten einige respektlose Knaben, die nicht wie Kavaliere schweigen und genießen konnten. Die Anstecker waren beileibe keine Parteiabzeichen, sondern sollten mehr so als Offerte verstanden werden.
Das O stand für „Ohne“ und das S für „Schlüpfer“.
Nach dem Mauerfall tauchte er noch öfters in der Rosenstadt auf…

Aus jener Zeit. Etwas aus den Mansfelder Landen, von Karl-Heinz Sermond, dort wird im Text Günni erwähnt, als er bei den „Sternen“ auftauchte

2 Gedanken zu „„Es gab keinen Sex im Sozialismus“

  1. Witschel

    Hallo Ede,

    ja, „günni“ ist real dead. habe ein foto von ihm im krankenhaus
    gesehen, wenig später ist er gestorben.

  2. Karl-Heinz Sermond

    Hi eDe,
    ich habe mich sehr über deine Mail gefreut. Leider habe ich sie erst gestern Abend entdeckt.
    Über das Verbleiben von Günni habe ich heute Morgen noch mal versucht neuere Ergebnisse zu finden, aber leider ergebnislos. Zwei ehemalige Musiker, Horst W. und Karl-Heinz E.konnten mir nur seinen Tod bestätigen, über die Umstände dazu konnten sie mir nichts erzählen. Ich persönlich habe ihn kurz nach der Wende hier bei mir in der Wohnung zu Besuch gehabt. Mit neuen Zähnen im Mund und natürlich mit großem Auto auf der Straße. Zwei Drei Jahre später hat er im Mansfelder Hof einen Auftritt als Entertainer (wohl mit ausländischem Namen) am Sylvesterabend gehabt. So wie ich es gehört habe, aber nur mit mäßigem Erfolg. Dies waren auch für mich die letzten Nachrichten von ihm.

    Aber nun mal was anderes, kennen wir uns von angesicht zu Angesicht? Und hast du auch einen richtigen Namen? Und was mich noch sehr interessiert ist die Frage, ist der Georg G. Unser ehemaliger Sänger? Und wohnt der wirklich noch in Helbra?

    Es hat mich jedenfalls gefreut von dir was zu hören. Schreibe weiter solche super Artikel für deine Hausseite. Wenn du mir eine Mail zukommen lassen willst dann schreibe bitte auf die:

    sermond@T-Online.de

    mit freundlichen Grüßen

    Karl-Heinz Sermond

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