Auf geht´s, ab heute wird wieder zurückgeschossen – nicht nur 5 Uhr 45…

Über vierzehn Tage war der Alte krank, nun säuft er nicht mehr – Gott sei Dank.
Hatte im letzten Monat mal wieder versucht, meinen Lei(d)tspruch zu überlisten, den aus dem oberen Bereich meines Blogs und wollte testen, ob es möglich sei, im Endergebnis wirklich irgendwann mal ausgiebig zu kotzen…
Was mir natürlich nicht gelang, allerdings war es Mitte August fast soweit. An jenem Abend hätten allerdings noch ein Klarer und ein weiteres Bier genügt. Zog es aber vor, lieber zu verduften und erhielt anschließend, nach einer Erdung mit dem Drahtesel, die Rote Karte. In deren Folge mich eine auch noch eiternde Schürfwunde fast drei Wochen deutlich beeinträchtigte, wurde dafür allerdings mehr zum Lesen animiert.
Das darauffolgende Unwohlsein schob ich dann mehr auf jenen flachen Mist, der momentan überall an Laternen pappt, verzichtete nämlich morgens nicht auf die täglichen Gänge ins Café. Dort kam noch der ganze Scheiß aus den Printmedien hinzu.
Will nun kurz etwas aus zwei Druckwerken einfließen lassen, wobei deren Größe keinen Einfluss auf die Aussagekraft des Inhaltes hat!
Letztlich alles Zeug, was schon seit Jahrtausenden irgendwo verewigt wurde und sich trotz der vielen klugen Sätze nichts geändert hat und in der kommenden Zeit auch nie etwas wandeln wird. Lediglich die Ebenen sämtlicher Handlungsstränge sind in allen Ecken und Enden UNSERER verkümmernden Erdenscheibe einem stetigen und nachhaltigen Wandel unterworfen, dafür sorgen weiterhin wichtigtuerische Dilettanten, wobei deren Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand, absolut keine Rolle spielen…
Sämtliche Zitate sind fast vollständig auf diese unsere Republik übertragbar, besonders jene Aussagen von Tocqueville, die vor fast zweihundert Jahren veröffentlicht wurden! Um einen wönzigen Einblick zu erhalten, genügt die Aufnahme aus der TUBE.
Beginne mit Zitaten von Marcuse, aber nicht vom Herby!
Wenn ein Mann ein Pferd kauft (sagen sie), wo es sich doch nur um eine Geldsumme handelt, so ist er so vorsichtig, es genau zu untersuchen und den Sattel und das Geschirr abzunehmen, um zu sehen, ob nicht etwa ein Geschwür darunter verborgen sei.
Bei der Wahl einer Gattin aber, von der Glück und Unglück des ganzen Lebens abhängt, gehen die Leute aufs Geratewohl vor und binden sich an sie, ohne mehr von ihr gesehen zu haben als eine Handbreit vom Gesicht.
Was Millionen von Wahleseln bei dem anstehenden demokratischen „Votum“ nicht anders händeln werden! Denn, wer kennt eigentlich mehr als nur die Fresse (©Ronald Pofalla) seines lokalen Volksvertreters?
Gleich anschließend noch eine Erkenntnis der etwas schwierigeren Art:
…Die Sehnsucht nach einer glücklichen Gesellschaft erschöpfte sich übrigens nicht nur in Büchern. Schon Platos „Staat“ war mehr als die Gedankenarbeit des Gründers der Akademie. ]a, schon die Gründung der Akademie und dann erst recht dieser „Staat“ waren nur ein Ausweg; die beiden sizilischen Herrscher Dionys I. und Dionys II. hatten ihm den Weg zur Gründung der glücklichen Gesellschaft versperrt. Und vielleicht kann. man ganz allgemein sagen: nur selten sind Utopien
nichts als Literatur gewesen – Schwärmereien, Phantastereien, Spielereien.
Sie waren immer vor allem Vorschläge, Aufforderungen, Manifeste – Hetzschriften, die zum Paradiese hetzten. ja, sie waren oft nur die Begleitmusik: etwa wenn die Katharer oder die Bruder vom Freien Geist oder die Taboriten oder die Lollharden oder die Wiedertäufer oder die Levellers sich anschlckten, den Alltag der Weltgeschichte mit Getose zu verlassen. Ein solcher utopischcr Ausbruch lebte auch einmal in den Worten Liberté, Égalité, Fraternité – obwohl diese Worte später klangen wie drei Kompagnons einer berühmten Firma. Das gegenwärtige Elend eines großen Wortes sagt nichts gegen seine erhabene Herkunft.
In allen großen Revolutionen war die Utopie immer die stärkste Kraft. Man versteht diese Revolutionen nicht, wenn man sich nicht vergegenwärtigt, daß ihre Dynamik aus zwei einander fremden, ja feindlichen Kräften gemischt war: einem historisch bedingten Kampf um die Macht und dem überhistorischen uralten, immer noch nicht gewonnenen Kampf fürs Paradies. Beide Kämpfe wurden bisweilen von denselben Personen ausgefochten; daher die Zweideutigkeit so vieler Revolutionäre.
Im Kampf um die Macht wollten die Herrschenden weiter herrschen und die Beherrschten erstens nicht beherrscht werden und zweitens selber herrschen. Aber diese künftigen Unterdrücker sind – unbeschadet ihrer späteren Karríere – immer die natürlichen Träger der Utopie gewesen, denn wer leidet, ist am Paradies dringender interessiert, als wer nicht leidet.
Man kann deshalb diese Liberté, Égalité, Fraternité nicht als Verworrenheit und Heuchelei oder Redeschmuck wegschieben – nur Weil sehr oft Freiheits-, Gleichheits-, Brüderlichkeitsenthusiasten erst nicht recht denkklar waren, dann abgefeimte Schwindler wurden und schließlich gar öde Festredner. Jede Revolution ist nur so viel wert gewesen, wie sie die Sehnsucht nach Glück genährt hat; im übrigen trat immer nur eine modernere Brutalität an Stelle einer veralteten. Denn es ist ein Aberglaube, daß das System des Bürgertums an sich schöner sei als das System des Feudalismus; oder daß das System des Sozialismus schöner sei als das des Liberalismus.
Das „System“ ist kein Gradmesser für den Grad der Unterdrückung…
Alexis de Tocqueville bringt es in seinem: Über die Demokratie in Amerika (1835/1840), etwas tiefgründiger auf den Punkt.

 

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