Nachtrag zum gestrigen Schrieb: Das Ende vom Rudi-Dutschke-Flashback-Event am Berliner Hur­füstendamm, Ecke Joachim-Friedrich-Straße

Bei einer absoluten Neuerung der Organisatoren war ich platt, wie ein flacher Hase auf der A100!
– Ansonsten wurde ja zu Beendigungen von Zusammenrottungen der klassenkämpferischen Art, re­gelmäßig die Internationale gegrölt.Was sich immer ganz schrecklich anhörte, wenn nicht gerade IG-Blech oder später die Bolschewistische Kurkapelle trötete und die Massen, ob ihrer latenten Textschwierigkeiten ab der zweiten Strophe, dann wenigstens ins L a, L a, L a verfallen konnten.
Am gestrigen Frühabend wurde eine Auswahl der amerikanischen Hitparade von 1968 gespielt!
Al­les begann mit meinen absoluten Favoritenhit von Soul-Legende Otis Redding, nämlich sein (Sit­tin’ On) The Dock of the Bay.
Jener fast ideologische Wandel war mir ganz neu. Registriere ich doch Hardcore-Linke, zu den un­terschiedlichsten Gegebenheiten, immer als ausgesprochen lustfeindlich. In der Regel sind sie au­ßerdem den kleinen täglichen Befindlichkeiten, die das Leben permanent bietet und mit denen man sein irdisches Dasein erst lebenswert ausschmücken kann, eher schmalspurmäßig gewogen.
Logisch, wie können sie eigentlich solche winzigen Detail registrieren, wenn die Klassenkämpfer in Dauerwartestellung, zu ihren Scheuklappen auch noch einen riesigen Balken vor den Sehschlitzen tragen, der irgendwann, falls mal die Weltrevolution ausbrechen sollte, dann sofort zum Einsatz kommen muss, um das ideologische Kartenhaus damit abzustützen…
Was bei jenen emotionsresistenten Massen sehr tief blicken lässt, denn alles hängt schließlich mit ihrer Sozialisation zusammen, weil allumfassenden Defizite aus Kind- und Jugend­zeiten, nachhal­tig in ihren grauen Zellen einen fast unbegrenzten Raum einnehmen. Der sich mit einer seelischen Sahelzone vergleichen lässt, auf der nachträglich keine Pflänzchen für allseitig ausgeprägte Gefühle mehr gedeihen können. Hat etwas mit einer merkwürdig verinnerlichter Bildung zu tun. Wobei ich unter Bildung etwas ganz anderes verstehe, als die heutige lapidare Interpretation jenes Begriffes, der mit Diplomen und Titeln, als höchster Gipfel von menschlich erreichbarer intellektueller Glückseligkeit angesehen wird, bei all den emporgestiegenen Individuen. Welche gegenwärtig an allen Ecken und Enden UNSERER Erdenscheibe die Geschicke in Wirtschaft und Politik lenken und nun mit Hilfe einer unüberschaubaren Machtfülle dafür sorgen, dass global gesehen, mittler­weile alles rasant schnell und irreversibel in die Brüche geht…

Fußnote:
Da waren die stalinistischen Banausen im Osten anders drauf. Selbige vergaßen bereits in jungen Jahren, zu jeder sich bietenden Möglichkeit, ihren ideologisch/moralischen Ballast und rein gings ins breitgefächerte private Amüsement.
Jene unraste Mentalität erfuhr erst im Alter einen langsamen Wandel.
Wie hieß es damals so schön?
Frau Wirtin hatte ein Kanapee, darauf vögelte die SED.
Doch nur die jungen Bengels, die Alten saßen drauf und lasen Marx und Engels

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