Nachtrag wg. Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft an der „Freien“ Universität

Hing ab WS 1982 fünf Semester dort herum, wobei ich einmal vollends auch in die Scheiße griff.
Egal was ich mir für Seminare an dem seltsam/linkslastigen Bildungstempel aussuchte, ging ich nach folgendem Schema vor.
Der Prof oder Dozent musste zu seinen Vorlesungen persönlich erscheinen. In dessen Literaturan­kündigungen durfte kein gedruckter Mist aus dem Kölner PahlRugenstein Verlag verzeichnet sein, ebenso M-L-Dünnschiss aus dem Dietz-Verlag.
Fällt mir etwas zu dem Anschiss ein, da ging es um die Restauration der Bundesrepublik. Wird mir wieder keiner glauben, machte bei dem total schrägen Happening in der zweiten Sitzung auch eine Erfahrung, die ich an der FU öfters bemerkte. Viele Knechte von Dozenten, sie liefen unter der Ru­brik: wissenschaftliche Mitarbeiter, waren aber oftmals zwischenmenschlich gehandicapte Gestal­ten. Denn sie nutzten ihre Stellung als Tutoren häufiger schamlos aus, weil sie ansonsten zu blöde waren Schnecken anzugraben.
Eine Studentin plapperte über die führenden Politiker, nach Gründung der Republik und titulierte ewig den 10jährigen ersten Bundespräsidenten Heuss, als Kanzler. Nachdem mein Hörnchen fertig gebaut war, meldete ich mich und fragte den Wissmit, wann er endlich mal dem Mädelchen erklären würde, wer damals wirklich als Kanzler agierte.
Da schrie die Kleine auf, dass sie jetzt nicht mehr weiter reden könnte, weil sie sich nicht mehr öff­nen könnte und fing an zu heulen. Im weiteren Fortgang begann der Knabe mich zu belegen, verbat mir aber die Anmache und verschwand auf Nimmerwiedersehen.

Weiß gar nicht mehr, bei wem ich anschließend landete…
Eben fiel es mir doch ein! Bei Richard Stöss, der sich damals als Parteienforscher schaffte.
Als nächstes ging es zu Gesine Schwan, dann zwei Semester zu Helga Haftendorn.
– Mann, deckte uns diese Frau mit zusätzlicher Literatur zu. Nebenher riet sie mir unbedingt, noch einen Englischkurs zu absolvieren, dann bestände die Option für ein Praktikum am East River. Tä­tigte keine Anstalten in jener Richtung und enttäuschte sie sehr, trotz meines breitgefächerten Wis­sens…
Dann schloss sich noch ein Seminar bei Mister Levine an, einem amerikanischen Dozenten, vergaß seinen Vornamen.
Philosemiten würden jetzt noch unbedingt erwähnen, dass er Jude ist…
Die drei letzterwähnten Dozenten waren am OSI nicht wohlgelitten. Bei Gesine S. kam auch noch ihr Ehegespons hinzu, weil alle bei den Semesterabschlussarbeiten auch Rechtschreibung und Grammatik zur Benotung heranzogen. Jene Bildungsmisere fand ich ausgesprochen gut, deshalb erschienen zu deren Seminaren, immer nur überschaubare Mengen von Studenten!
Der Ami leitete ein Hitler-Seminar und war schockiert, weil fast niemand wichtige Fakten über Adolf dem Gütigen wusste. Auf die Frage, ob jemand bereit wäre, zur nächsten Stunde eine Kurz­biographie zu verzapfen, meldete ich mich. In Erinnerung an den Spruch vom Großvater: Leichte Arbeit im Hafen, erspart dir schwere Arbeit auf hoher See!
Wenn ich irgendwo erwähnte, dass ich damals zum dritten mal Mein Kampf las, sind immer wieder Leute schockiert. Muss dazu bemerken, erstmalig zog ich mir sein Machwerk mit 13 Jahren ein, unter der heimlichen Ägide vom Großvater. Der ein Haufen Literatur aus dem III.Reich besaß und als VdN-Rentner, zu jener Zeit noch alle möglichen Vorträge hielt. Eigentlich durfte er dieses Zeug niemanden zugänglich machen, außerdem las ich danach noch den eigentlichen Propagandaschin­ken der Nazizeit, von Alfred Rosenberg: Mythos des 20sten Jahrhunderts. Hinzu kam noch ein Stan­dartwerk von Eugen Kogon: Der SS-Staat, die einzige Dokumentation über das III. Reich, welche in allen vier Besatzungszone veröffentlicht wurde, und aus Österreich Publikationen der FIR, des­sen Mitglied Opa war.
Mein Großvater hatte vollstes Vertrauen zu mir, niemand erfuhr auch noch Jahre später nichts über meinen damaligen Lesestoff.
Bis mir der Schinken, 10 Jahre später, nochmals in die Hände fiel.
Im Westen kam alsbald die Biografie zu Adolf Hitler, von Joachim C. Fest hinzu. Wieder 10 Jahre später, zu FU-Zeiten: John TolandAdolf Hitler, rund 1200 Seiten! Wobei ich in beiden Büchern Standerdwerke sehe, sie in der gesamten Fassung, unterschiedlicher nicht sein konnten. Toland ging nicht nur mit wissenschaftlichen Akribie dem Nazi-Führer auf den Grund, er baute nebenher sehr viele Kleinigkeiten mit ein und knüpfte mehr Verbindungen zu dessen Funktionären und der Bevöl­kerung. Ein Beispiel: Wegen einer Erbschaftsgeschichte, nahm ein Schickelgruber-Vorfahr den Na­men Hüttler an, der irgendwann sich auf dem Amt in Hitler wandelte., warum ist nicht zu belegen.
Toland meint irgendwann, nicht auszudenken für Millionen von Deutschen, wenn sie ewig „HEIL SCHICKELGRUBER“ hätten brüllen müssen!
Zusätzliche Bildmaterial war mir teilweise vollkommen unbekannt.
In den anfänglichen Westjahren kam noch massenhaft Sekundärliteratur zum III. Reich hinzu. Besonders viele Publikationen von Hanna Arendt und sämtliche Tagebücher (Glaube, an die 3500 Seiten) von Victor Klemperer!
Mehrfach wurden manche Publikationen von mir eingezogen. Aber niemals geschah es wieder, dass jemals ein Druckwerk, letztendlich zu solch einem Wandel im Verständnis zu jenen ideologischen Interpretationen führte…

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