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Liebe Leserin, lieber Leser,
vielleicht hatten Sie – es ist noch nicht so lange her – auch diesen Traum: Die Demokratie vertreibt Despoten und Diktatoren. Statt sich gegenseitig zu bekriegen, kämpft eine in Vernunft vereinte Menschheit gegen Klimawandel, Artenverlust und Ungerechtigkeit. Die Idee der Aufklärung – alle Menschen zu ermutigen, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen – ist schlicht nicht mehr aufzu­halten.
Möglicherweise irren noch solcherart Narren*INNERINNEN usw. u.ä.  irgendwo in hiesigen Gefilden herum, die sich an den ewigen Verbalhurereien, welche den Begriff „DIE Demokratie“ betreffen, auch noch köstlich ergötzen. Kann mir sogar vorstellen, dass wahrscheinlich bis zum heutigen Tag, solche Tagträumer irgendwo existieren. Für mich endete Die Zeit-Ära ruckartig, als mein Sangerhausener Landsmann, Christoph Dieckmann , der Schatten von Fritze Schorlemmer, die Trotz-Ossi-Seite in dem Blatt etablieren konnte…
(Gleich auf der ersten Seite wird im Text irgendwo Dylan erwähnt, es handelte sich um ein merkwürdi­ges Konzert. Irgendwer berichtete mir damals, dass der Veranstalter (Schwenkow oder Rau?!) nach dem miesen Kartenvorverkauf, Bob angeblich unwissentlich nach Ostberlin gekarrt wurde und es erst vor Ort erfuhr. Deshalb ohne großartigen Zugaben gleich wieder abhaute…)
Allerdings war C.D. für mich bereits vorher schon gestorben, als ich ihn mit Klaus D., anlässlich einer Veranstaltung in Ostberlin kurz traf und er mir sagte, ich solle damit aufhören, in Sangerhausen und Umgebung Stasispitzel ausfindig zumachen. Obwohl ich die Meinung vertrat, wenn man nichts gegen jenes Pack unternimmt, sind sie bald wieder in entsprechenden Funktionen und allen ist dies scheißegal…
Etwas später kreuzten sich unsere Wege auf irgendeinem Provinzbahnhof, auf dem ich mit meiner Angetrauten, von Lunow aus hingekarrt wurden, um zu später Stunde nach Berlin zu düsen, da übersah er mich geflissentlich…
Fand im Netz ein Interview mit ihm, zu Beginn fand ich folgende Bemerkungen von ihm: Ich woll­te mal Fußballreporter fürs Radio werden. Doch war mir früh klar: Das wird nichts. Ich durfte ja kein Abitur machen, wegen meiner Nichtzugehörigkeit zur FDJ. Mein Vater war Pfarrer in Sanger­hausen, dort gab es die Kreisschulrätin Richter. Diese herrschende Genossin erklärte mir: Sie tun nichts für das Volk, da tut die Volksmacht auch nichts für Sie! Folglich blieb mir die höhere Bildung verwehrt.

Nebenher hätte er ja auch mal einiges aus dem Elternhaus und seinem Bruder ablassen können, ist aber nun alles total vertrocknete Scheiße von gestern…
Dies mit dem Abitur ist vollkommen schräg abgelassen, denn mir ging es ja ähnlich, war auch nicht inder FDJ allerdings fing ich dann mit Abendschule an, was sich nicht so einfach gestaltete. Stieg dann in den ersten Monaten der 12. Klasse dort aus, was keine politischen Beweggründe beinhaltete…
Eben fiel mir etwas zur Genossin Kreisschulrätin Richter und aus welchem Grund er vielleicht an diese rote Tante geriet. Jenen Job hatte sie nämlich meiner Großmutter zu verdanken, weil sie dafür sorgte, dass ihr Vorgänger, Genosse Wetzel, schließlich in die Wüste geschickt wurde. Stimmt nicht ganz, er wurde Staatsbürgerkundelehrer in der Heinrich-Heine-Schule und ich hatte ihn in selbiger Position während 11. und 12. Klasse…
Wie es dazu kam, ist keine witzige Geschichte, besonders was er anschließend mit meiner Schwes­ter anstellte…

Fußnote: Für mich existiert schon lange nur noch eine deutschsprachige Zeitschrift, welche ich für voll nehme: Die NZZ!
Hier der Rest von jener digitalen UNTERSTÜRZUNGSBETTELEI, welche für mich bereits wieder in gefälligkeitsjournalistische Schreibselei abglitt…
Die Gegenwart erscheint dagegen wie ein schwindelerregender Albtraum. Wo zuerst hinsehen? In die USA, in der die Demokratie zu erodieren droht? In die Ukraine oder auf den Gazastreifen? Auf die schmelzenden Gletscher, die schwindenden Urwälder? In die sozialen Medien, in denen die KI immer schneller und perfekter Falschnachrichten verbreiten hilft? In die Parlamente, in denen Populismus den Austausch ernst gemeinter Argumente verdrängt?
In solchen Zeiten braucht es mehr denn je einen unabhängigen Journalismus. Einen Journalismus, der genau hinsieht. Einen Journalismus, der statt mit vorgefasster Meinung offen und neugierig kri­tische Fragen stellt. Einen Journalismus, der Respekt vor den Argumenten seines Gegenübers hat. Einen Journalismus, der Stellung bezieht.
Wir wollen unseren Leserinnen und Lesern Orientierung bieten – und damit die Chance, sich selbst eine Meinung zu bilden. Wir suchen aber auch die Geschichten, die gerade in diesen Zeiten Mut machen. Wir suchen die Menschen, die im besten Sinne zum Handeln anstiften. Und das auf all unseren Plattformen, in der gedruckten ZEIT, in unseren Magazinen oder im Podcast, auf unserer Homepage, unseren Social-Media-Kanälen und auf der Bühne.
Heute erhalten Sie die Möglichkeit, bis zu 8 Ausgaben der ZEIT gedruckt oder digital für nur 7 Euro zu lesen. Ich wünsche Ihnen gute Erkenntnisse bei der Lektüre.

Ihr Andreas Sentker
Geschäftsführender Redakteur,
Herausgeber ZEIT Wissen und Podcast-Host ZEIT Verbrechen

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