Hörspieltag, 17. April, 08:05 Uhr auf d-radio

Don Quixote Teil 3 – Im Kinderfunk

{Schon witzig, was anschließend bei herauskommt, wenn man ein Buch, zu unterschiedlichsten Zeitpunkten (Mit 10 Jahren und Anfang 20) liest, dies ging mir nicht nur bei Cervantes so…
Es existieren tausenfache Publikationen, die muss man in der Kindheit und Jungend verschlungen haben, nicht nur wegen der Allgemeinbildung. Hatte das große Glück, dass mich in der Richtung mein Großvater versaute, wobei seine Tochter ewig der Meinung anhing, dass ich ich immer die falschen Schlussfolgerungen aus meiner Vielleserei zog.
Die ergiebigste Zeit mit wertvollen Büchern wurde mir in den sieben Wochen Untersuchungshaft im Staatsgefängnis Budapest zuteil, dafür bin ich den Gulaschkommunisten heute noch dankbar!}

Ein köstliches Hörspiel von 1998! Wem der sonntäglich Beginn zu unchristlich erscheint, der kann ja den Radiorekorder runter laden und alles aufnehmen!
Vom ersten Teil hatte ich nur den Rest mitbekommen, allerdings den zweiten vollständig.
Mir kam beim Hören eine ketzerische Ahnung.
Obwohl Miguel de Cervantes Roman bereits vor 400 Jahren geschrieben wurde, fasziniert er noch heute. Sämtliche darin geschilderten chaotischen Aktionen und die abstrusen Lösungsversuche vom Hauptakteur, das korrigierende Eingreifen seines Knappen sind brandaktuell und lassen sich ausnahmslos in unsere Zeit übertragen. Was die Reinkarnationen des Don Quixotes in unseren Tagen angehen, sind sie in vielfacher Ausfertigung weltweit anzutreffen – mittlerweile in beängstigender Vielfalt, nicht nur in Brüssel oder Berlin – da könnte man nur noch dauerhaft kotzen!
Das Tragische an der ganzen Angelegenheit ist doch, dass fast keiner jener Ritter dieser traurigen Gestalten, einen Durchblicker von der Größe eines Sancho Pansas an seiner Seite hat. Hinzu kommt, dass der Schefff Quixote aber auch eine liebenswerte Seite besaß, was allerdings dem heute vergleichbar agierenden Pack vollkommen abgeht!
Fußnote Nr 1
Im Zusammenhang mit dem Hörspiel kamen alte Erinnerungen hoch.
Denn mich hatte es im Mai 1979, auf meinem Weg nach Pompeji, von Lissabon kommend, für einige Tage nach Madrid verschlagen, weil Alitalia in der spanischen Hauptstadt einen ihrer Passagierbomber doppelt verbuchte hatte und ich auf das Angebot einer spendierten Übernachtung mit entsprechender Verpflegung einging. Ein junger Taxifahrer, der seinen Dienst beendet hatte, kutschierte mich für ein Trinkgeld ins Zentrum. Nach vielem Radebrechen, um eine billige Absteige, hielt er an einem Obdachlosenasyl und regelte für mich alles. In der Herberge war alles vorhanden, ein relativ sauberer Lokus, Kaltwasserduschen und grob gezimmerte bequeme Liegestätten. Trotzdem war alles mit einem kleinen Haken verbunden, man musste bis kurz vor 10 PM auf der Matte stehen – ohne Alkohol! und wurde spätestens 6 AM rausgeschmissen. Mit dem Service meines Frühstücksetablissements konnte ich mich allerdings nie anfreunden, ein Burger King, der zu jener frühen Stunde bereits geöffnet hatte – Rührei aus Pulver, amerikanisches Matschbrot und Cola…
Jeden Morgen drückten mir meine Mitbewohner eine Zettel mit Routen für Unternehmungen bis zum späten Nachmittag in die Hand. Dann trafen wir uns wieder auf der Plaza de España, in der Nähe vom Cervantes Denkmal. Dort fand sich immer irgendjemand sofort bereit, der mit meinem Geld augenblicklich lostobte und eine 3-Literpulle Wein besorgte.
Abschließend noch zwei Dinge bemerkenswerte Erfahrungen.
Niemals traf traf ich in der damaligen Zeit soviele englischsprechende Spanier auf einem Haufen, wie unter diesen Pennern aus dem Asyl.
Auf der anderen Seit wurde mir durch meine neuen Bekannten richtiggehen bewusst, wie nahe man eigentlich auf den Kantsteinen an der Gosse lebt…

Fußnote Nr. 2
Zufälligerweise jährt sich in nächste Woche der 400ste Todestag von dem großen spanischen Nationaldichter!

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