Der weiße Äthiopier & Leichensache Zernik

Wegen der Russengeschichten nahm ich Der weiße Äthiopier auf, nach einem späteren Blick ins reduzierte Programmheft aus der Berliner Zeitung auch noch den 1972er Krimi. Beide Filme zog ich mir nachmittags ein.
Zum Inhalt des ersten Streifens kann ich eigentlich nich ville sagen, wegen der merkwürdigen Untertitelung lief alles fortwährend im Schnelldurchlauf, da ich nicht viel lesen konnte. Unverständlich für mich, weshalb pinseln sie eigentlich keine schwarze Schrift auf gelbe Hintergrundstreifen?
Manchmal kam mir das Filmchen als reichliche gutmenschelnde Seifenoper rüber.
Witzig fand ich aber zum Schluss jene Einspielung, als die Richterin vollkommen überflüssig, plötzlich auf der Straße eine Fluppe schnurrte, die sie dann mit ihrem Widerpart rauchte. In dem Moment werden viele Antirauchermoralisten aufgejault haben, möglicherweise wurde deshalb anschließend eine Anzeige erstattet.
Die Zernigeschichte ist damals an mir vorbeigegangen, der eigentlich Fall war aber bekannt.
Wollte wegen zweier Darstellen mal sehen, wie sie in einem Film agierten – Böwe und Drinda – zu beiden kamen nämlich komische Erinnerungen hoch.
Ersteren hatte ich zu meiner Bereitschaftsbullenzeit im Hallenser Theater erstmals erlebt.
Wollte man im Zirkus einen auf Kultur machen, ging es im Rudel per Lkw ins Theater und nach der Vorstellung bekam jeder noch für den Rest des Tages seine Ausgangskarte, um die es eigentlich ging. Von Vorteil war aber auch noch eine anderer Sachverhalt. Die Uniform konnte saumistig ausschauen, im Ehrenkleid kamst du dann trotzdem problemlos in alle Kulturtempel der gehobeneren Art.
Eigentlich war klar, dass an solchen Abenden nichts mehr mit entsaften war, da blieben nach 22 Uhr nur recht herbe Ladies übrig, wie die Kellerfickerin oder Wodka-Erna aus dem Promendaden-Café. Deshalb wurde sich anschließend oft nur noch kurz und heftig die Kante gegeben…
Drinda erlebte ich zu Beginn der 1970er erstmalig im Deutschen Theater, nur dort und im BE war es damals möglich auch in Jeans hineinzukommen. Allerdings wurden bei sehr verwegen aussehenden Zeitgenossen auch schon mal Pässe verlangt, der Wessi kam dann anstandslos in selbige Hütten…
An jenem Abend lief Der Drache von Jewgnij Schwarz und mittendrin ein bezechter Hotte Drinda. Was Ausstattung und Akteure betrafen, kam das Stück affenscharf rüber. Etwas fanden wir an dem Abend wieder brüllend komisch, da wurde kreischend gelacht, es gab permanent Szenenapplaus und jeder Wessi outete sich durch ratloses Umherschauen, da keiner von ihnen die ganz spezifischen Pointen raffte.
Wochen später, gleicher Ort, Horsti machte einen vollkommen nüchternen Eindruck und agierte vollkommen langweilig…
Was die Kulissen angingen, da musste 1972 absolut nicht neues geschaffen werden, 20 Jahre später sah es in der Friedrichshainer Ecke sogar noch etwas heruntergekommener aus.
Was mich wunderte, in dem Film stellte man die führende Rolle der Ost-Kripoangehörigen nicht über das Ermittlungsniveau der Kollegen in Westberlin. Lag vielleicht daran, dass Onkel WU’s Stern bereits am Untergehen begriffen ward und viele bereits auf kommendes Tauwetter unter dem Saarländischen Dachdecker hofften.
Allerdings schienen die Frisuren, weder von der Polente, noch weniger von den amerikanischen und sowjetischen Besatzern in die Zeit zupassen, außerdem hatte das Konterfei vom Tischler aus Guben, 1948 noch nichts an der Wand eines Polizeibüros zu suchen!
Der Film kann ohne weiteres als gutgemachtes Zeitdokument angesehen werden!
Hier noch der Tip für einen Kriminalroman von Pavel Kohout, seine Sternstunde der Mörder zwar eine fiktive Story, aber spannend und ungewöhnlich…

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