RUMBALOTTE

In den nächsten Tagen findet mal wieder eine Dampferfete statt. Unser Geburtstagskind wünscht sich dafür das entsprechende Outfit.
In dem Zusammenhang fiel mir wieder ein, dass ich mich vor Jahren mal über „Rumbalotte“ (etwas Geschreibseltes) von Bert Papenfuß ausgelassen hatte, es aber irgendwo versenkte.
Das vorletzte Mal stolperte ich nächtens, am diesjährigen Karfreitag, über jenen Begriff.
Tagsüber waren wir, mein Gattin und zwei junge Eidgenossinnen in Oranienburg nebst dem dort ansässigen KZ aus braunen und roten Zeiten.
Abends ging es etwas beschaulicher weiter, ich zog mit den beiden Mädels in den Mauerpark, von dort weiter durch das Prenzelgebirge zum Alex. An einer bestimmten Kneipe in der Stredzkistrasse  kam plötzlich ein Aufschrei von Nicky: „Ede, falls du Knofo suchst, der hängt in der „Rumbalotte“… Sag mal Alter, du weißt doch was das bedeutet?“
„Logo, weiß man als Ex-Zoni was unter „Rumbalotte“ zu verstehen ist!“ Wieherndes Gelächter von den anwesenden Zechern und unverständliche Blicke meiner beiden Begleiterinnen, ich klärte sie aber anschließend sofort auf.
In Papes Kneipe hockten mehrere der Kukident-Anarchoszene vom Berg herum, aber kein Knofo mehr dabei…
Dunkel erinnerte ich mich an diese pseudo-intellektuellen Flitzekacke eines Herrn Michael Opitz über Papes Gedichte.
Jener Rezensent ließ etwas sehr merkwürdiges darüber ab. Wenn es sich bei MO um einen Ossi handeln sollte, der mit „Rumbalotte“ nichts anzufangen weiß, dann muss jener eine merkwürdige Sozialisation im kommunistischen Schlaraffenland hinter sich haben, als Wessi allerdings auch, dann bestimmt als K-Gruppensofti…
Allerdings traue ich Pape auch zu, dass er den Knaben ins Messer laufen ließ und sich hinterher alle ein zweites Loch in ihren Arsch lachten. Möglicherweise besitzt Micha ein erworbenes Halbwissen, auf dem ZBW angeeignet und fabrizierte deshalb die Geschichte des O als einen Leipziger Moppelkotz.
Zitat: Die einstige literarische Szene des Berliner Stadtbezirkes, zu der auch Papenfuß gehörte, hat sich trotz sehr individueller Tonlagen in einer Sprache artikuliert, die sich von der offiziellen, wie sie in der DDR gesprochen wurde, unterschied.
Zur Erinnerung, gewisse Kunden – in Stasi-Jargon hießen sie „Aktive Beatanhänger“ und große Teile der damaligen Halbstarken sprachen sowieso eine wesentlich bildhaftere Sprache als der gemeine Wessi gleichen Alters.
Zitat: Der Titel „Rumbalotte“ klingt seltsam, denn er bringt zwei Worte miteinander in Beziehung, die sich auszuschließen scheinen: Rumba*, dieser herausfordernde lateinamerikanische Tanz, geht mit dem Vornamen Lotte eine Verbindung ein, der durch Goethes „Werther“ und Thomas Manns „Lotte in Weimar“ Eingang in die Literatur fand.
Man könnte Papenfuß dann auch unterstellen, dass er die Gattin von Onkel WU so mochte – nix mit Plagiat von Thomas Goethe oder Wolfgang von Mann!
Zitat: Wie in dem Gedicht „Sturmgesang der Baltischen Horden“, in dem davon die Rede ist, dass die schwarze Fahne – Symbol der Anarchie – gehisst wird, wenn der „Norden den Osten küsst“, plädiert Papenfuß für den Zusammenschluss von scheinbar Unvereinbarem.
Wo findet der Mann etwas von der Anarcho-Fahne?

In besagtem Gedicht heißt es:
…wenn der norden den osten küßt
werden die weißen laken gehißt
«niebieskoczarni» spielen wie sau
im glanz der finsteren frontfrau…

So richtig kann ich damit zwar auch nichts anfangen, aber „niebiesko czarni“ heißt im Deutschen aber blau schwarz und in Verbindung mit weiß ist es die Estnische Nationalflagge.
Vielleicht ist ja einer von beiden Farbenblind, bin mir da sehr sicher, Pape eher nicht!

Noch etwas zu „Rumbalotte“ –
Pressestimmen zu Bert Papenfuß – «Rumbalotte»
Käpt’n Papenfuß wirft neue Flaschenpost in die Untiefen des Lyrikbetriebs

*„Und sie tanzen einen Rumba,
Kasavubu und Lumumba,
und die UNO kann nicht finden,
was daran verdächtig wär…“
Irgendwann tauchte dieser Hit im Osten auf (Anfang 60), mir ist nicht bekannt wo er herstammt…
Die Melodie kam von Hazy Osterwald

Was hat es nun wirklich auf sich mit der Rumbalotte?
Ein wild tätowierter Seemann liegt im Krankenhaus. Zwei älterer Schwestern tuscheln miteinander: „…und neulich hab ich ihn gebadet. Sogar auf seinem Pimmel ist der tätowiert! Da steht drauf: Rumbalotte…“
Die dralle Lernschwester hört das mit und sagt zu den beiden: „Was steht da? Rumbalotte? – Wenn ich ihn wasche steht da: Ruhm der baltischen Flotte!“

Noch Anfang der 60er Jahre im letzten Jahrhundert, war dieser Witz den Schergen des „Zoffjetzonalen Ulbrichtregimes“ (Konny Adenauer benutzte diesen Ausdruck liebend gern) einen Totensonntag in der Braunkohle wert.

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