Robert Allen Zimmerman – vollendet heute sein 71stes Lebensjahr!

Nun geht der Schefff auch hart auf die 80 zu, allerdings steht er an seinem 72sten Geburtstag noch auf einer der untersten Stufen – but the time flies.
Als ich den Herren Anfang der 60ger registrierte, erinnerte mich seine Stimme leicht an Frau Elster,
das Gitarrenspiel noch etwas ans Gesschrammel am Lagerfeuer. Dies kam mir beliebig vor, zumal  sich im Osten diese Mucken mit Konzertgitarren als staatstragende Singebewegungen etablierten.
Registrierte aber recht schnell, dass dieser Typ nur von ganz besonderen Leuten gemocht wurde.
Die Musikszene änderte sich 1964/65 mit einem Schlag, dabei kam es aber auch darauf an, wo man sich mehr hin orientierte, auf Amiland oder UK. Western- unf Folkmusik waren halt ganz weit im Westen angesiedelt – hinter dem großen Teich.
Skandinavische Radiostationen (Zu jenen Tagen hing ich in Warnemünde rum) orientierten sich an den Highlights beider Gestaden des Atlantiks, ebenso hatte die Macher von RFE mitunter ein Gespür für die Bedürfnisse der „verdorbenen Jugend in der Ostzone*
In diesen wilden Zeiten überschäumender Macharten von Popmusik, stach im Spätsommer ´65 Bob Dylan mit seinem: LIKE A ROLLING STONE vollkommen aus dem Mainstream heraus, wobei auch im Osten Purist ausflippten. Meiner Wenigkeit gefiel Dylans Wechsel ausgesprochen gut, außerdem hatte es auch bei mir einen recht schnellen Wandel gegeben, was meinen Musikgeschmack betraf. Ein halben Jahr vorher, zum Ende der 10. Klasse hin, nahm ich bei dem bescheuerten Aufsatzthema – „Mein Vorbild“ – zum Leidwesen vom alten S. – Elvis Presley. In den beiden Unterrichtsstunden strahlte er mich immer wie ein Honigkuchenpferd, wegen meiner emsigen Schreiberei…**
Tiefgründiger kam ich bei der Truppe mit den Texten von Dylan in Verbindung, bei dem größten Fan dieses Folkbarden der mir im Osten je über den Weg lief, mein Spezi wollte anschließend Englisch studieren und dann abhauen…
Am meisten fasziniert mich während dieser Scheißtage die Übersetzung von „The Times They Are a-Changin’“…
Was an westlicher Musik im Osten herausgekommen war, diese Scheiben lagen zu Hause herum, auch Dylan, obwohl ich gar keinen Plattenspieler besaß. Allerdings befand sich in Omas Radiomöbel solch ein Teil, wovon ich allerdings fast keinen Gebrauch machte.
Bob Dylan gehört zu den Größen neben „Cash“ und den „Stones“, die ich mir am meisten einzog, mit allen Höhen und Tiefen die den Leuten manchmal anhafteten…
Zwei richtige Scheißkonzerte waren jene, im einen versuchte er sich als esoterisch angehauchter Himmelskomiker mit sehr schrägem Sendungsbewusstsein, dann folgte noch eine Mucke, als er meinte auf Marleys Pisse Kahn fahren zu müssen…
-In knapp zwei Monaten, am 2. July, tritt er wieder in der Spandauer Zitadelle auf!
-Hoffentlich klappt es bald auch mal mit diesem Keks oder was das für ein Literaturpreis ist, der da aus Stockholm stammt, schließlich ist die Zeit dafür reif und es sollte vor seinem endgültigen Meeting mit den vielen anderen Größen des Showbiz geschehen.
Diese Befürchtung hegte Bob nach einer schweren Erkrankung im Jahr ’97 schon mal, als er erklärte, er sei „unterwegs gewesen, Elvis zu treffen“…
Eigentlich ist er fast sein ganzes Leben integer umhergewandert – dass er zwischendurch Knete in Aktien der Dow Chemical Compny anlegte, haben sowieso alle vergessen…
¡¡¡Also Bob! Halte weiterhin Deine Löffel steif!!!
Abschließend noch zwei Links zum TAGESSPITZEL vom 13. Mai, der Text betrifft das Nest, in dem Klein-Robert seine prägenden Traumata als Heranwachsender verpasst bekam.
Manches von Hibbing, Minnesota, erinnert mich an Sangerhausen, Sachsen/Anhalt…

*Diese Worte schnappte ich 59/60 auf einer Fahrt ins Kinderferienlager auf, als der Moderator vom RIAS meinte: „…und nun etwas Rock ´n Roll für die verdorbene Jungend der Ostzone!..“ Jener Spruch hatte mir sehr gefallen und wurde auch oft entsprechend angebracht, vielmals zum Leidwesen mancher in meiner Umgebung…

**Auch im Westen hätte damals solch eine Sichtweise viel Ärger hervorgerufen.
Trotz meiner Herkunft aus einem dummroten Halbelternhaus war Herrn S. bekannt, dass es sich bei mir um einen Hardcore Elvis-Fan handelte. Gleich zu Beginn des Schuljahres gerieten wir deshalb schwer aneinander, weil er mich an meinen langen Koteletten vom Platz hochzog, da ich nicht schnell genug in der Lotrechten stand. Daraufhin wurde er auf der Stelle physisch eines Besseren belehrt…
Wenn ich mich richtig erinnere, war mein Deutschlehrer noch nicht mal in der „Dreigrammbewegung“, allerdings ein Pauker von altem Schrot und Korn, dem mein Outfit abgrundtief stank: Ledroljacke, schwarzes Hemd bis zum Bauchnabel offen, Silberkettchen mit Kreuz auf dem Naturtoupet, genieteter Gürtel mit einem auffälligen Offiziersmessingkoppelschloss der Schwedischen Kriegsmarine, in Wranglernietenhose oder brauner Manchesterbuxe nebst nervigen Stielkamm in der Arschtasche, spitze Slipper – unter deren Absätze dünne Bleche genagelt waren…
Leider war es mir nie vergönnt, mit einem vernünftigen Entenarsch und der berüchtigten Tolle an meinem strohblonden Haarschopf länger herumzulaufen. An den entscheidenden Stellen befanden sich Wirbel, das hieß, entweder die Frisur mit Haarfestiger aus Bier gestylt oder angefressen mit öliger Matte herumlaufen, beides zusammen ging faktisch gar nicht…

-Was die damaligen Aufsätze betrafen, irritierte ein Mitschüler unseren Pauker ähnlich.
An der Tafel standen drei Hinweise mit dem Zaunpfahl: Vater, Mutter und Walter Ulbricht.
Reiner verzapfte mehrere Sätze und gab nach wenigen Minuten seine Arbeit ab und verschwand.
Wortwörtlich bekomme ich alles nicht mehr zusammen, aber so ähnlich!
– Mir fällt zu diesem Thema fast nichts ein, da helfen mir die Hinweise auch nicht viel weiter.
Gut, ich werde es trotzdem versuchen.
Meinen Vater kann ich von vornherein als Vorbild ausschließen, den kenne ich gar nicht.
Meine Mutter fällt in der Hinsicht auch flach, da sie immer arbeitet, bekomme ich sie fast nie zu Gesicht.
Und Walter Ulbricht? Ich weiß zwar, dass er Staatsratsvorsitzender ist, was aber für mich kein Grund ist, ihn deshalb als Vorbild zu betrachten.
Lieber Herr S.!
In der Kürze liegt die Würze,
mit freundlichen Grüßen ihr Schüler R.M.

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Über ede

Vermutlich wurde ich anlässlich des 100jährigen Jubiläums der Veröffentlichung vom „Kommunistischen Manifest“, am 21. Februar 1948, während einer sinnlos verbrachten Tanzpause angerührt. Deshalb stand mein weiterer Lebensweg auch unter einem sehr ungünstigen Sowjetstern, denn aus mir wurde noch nicht mal ansatzweise eine "sozialistische Persönlichkeit", sondern ein Pickel am Arsch jener klassenlosen Gesellschaft in der Zone. Später verweigerte man mir wegen politischer Unzuverlässigkeit sogar die Ausübung einer Tätigkeit als Diplomabschmeckers der Kläranlagen im südharzer Marktflecken Sangerhausen/Gonna. Nach über zweieinhalb Jahrzehnten (1975) ging mein langersehnter Traum endlich in Erfüllung, konnte schließlich hinter Mauer und Zaun den ersehnten westlich/dekadenten Lebenswandel führen. Machte irgendwann mein Neckermann-Abitur auf dem ZBW, stupidierte darauffolgend an der Freien Unität mehrere Silvester brotlose Politik und Historie. Ohne Magister, Diplom und Docktor-Titel schlug ich mich dann als Hausmann, nebenher jahrelang als pauschalierter Facility Manager durch den täglichen Unbill in Richtung Urne. Heute führe ich als politischer Beobachter, Staureporter, Kaffeesatzleser mit schrägen Eulenspiegeleien ein recht zufriedenes Leben und nach 24 Jahren Probezeit, lebe ich bereits fünf/sechs Jahren in einer staatlich sanktionierten Zweierbeziehung... (Wird nur so erwähnt, da ich öfters nach selbiger Konstellation ausgehorcht werde.) Seit mittlerweile 50 Jahren ist meine Lebensdevise folgende: „Lass dich nie aus der Ruhe bringen, denk an Götz von Berlichingen! Leck mich am* Arsch! Nur in seinem Zeichen, kannst du den Abend froh erreichen! Musste allerdings während meiner gesamten Karriere sehr oft feststellen, dass gerade dieser ureigenst verinnerlichte Leitspruch nicht überall die entsprechende Wertschätzung erfuhr... *Das ist politisch nicht ganz korrekt, denn bei Friedrich Johann von Göthe heißt es: „im“!

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